Ober-Ofleiden

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Ober-Ofleiden
Wappen von Ober-Ofleiden
Koordinaten: 50° 44′ 5″ N, 8° 58′ 49″ O
Höhe: 207 (205–270) m ü. NHN
Fläche: 3,32 km²[1]
Einwohner: 920 (30. Sep. 2015)[2]
Bevölkerungsdichte: 277 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Oktober 1971
Postleitzahl: 35315
Vorwahl: 06633
Ev. Kirche St. Martin
Ev. Kirche St. Martin

Ober-Ofleiden ist der zweitgrößte Stadtteil von Homberg (Ohm) im mittelhessischen Vogelsbergkreis.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der alte Dorfkern liegt am westlichen linken Ufer der Ohm gegenüber der Kernstadt Homberg. Am östlichen rechten Ufer sind große Neubaugebiete entstanden, die an der Ostgrenze baulich mit der Kernstadt zusammengewachsen sind. Landschaftlich zählt Ober-Ofleiden zum Amöneburger Becken am Nordrand des Vogelsbergs. Die Gemarkungsfläche beträgt 332 Hektar, davon sind 9 Hektar bewaldet.

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haarhausen Nieder-Ofleiden Dannenrod
Ebsdorfergrund Nachbargemeinden Homberg
Schadenbach Büßfeld Wäldershausen

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Ort Ofleiden wird bereits zwischen 750 und 779 im Codex Eberhardi unter dem Namen Vfleida erwähnt aber vor dem 13. Jahrhundert ist nicht unterscheidbar ob es sich um Nieder- oder Ober-Ofleiden handelt. Es wird aber angenommen, dass sich dieser erste Beleg auf Ober-Ofleiden bezieht.[1]

Bereits zu Anfang des 13. Jahrhunderts wurde die Wehrkirche erbaut. Sie ist im Kern spätromanisch und wurde spätgotisch erweitert. 1933 hatte der Ort 374, am 6. Juni 1961 441 und am 27. Mai 1970 schließlich 443 Einwohner.

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Oktober 1971 wurde Ober-Ofleiden im Zuge der Gebietsreform in Hessen in die Stadt Homberg (Ohm) - damals noch mit dem Namen Homberg (Kreis Alsfeld) - eingegliedert.[3]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Ober-Ofleiden lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1577: 28 Hausgesesse mit vier Wagen.
• 1961: 397 evangelische (= 90,02 %), 37 katholische (= 8,39 %) Einwohner
Ober-Ofleiden: Einwohnerzahlen von 1791 bis 1967
Jahr  Einwohner
1791
  
264
1834
  
360
1840
  
377
1846
  
366
1852
  
369
1858
  
388
1864
  
371
1871
  
382
1875
  
364
1885
  
361
1895
  
319
1905
  
326
1910
  
329
1925
  
329
1939
  
372
1946
  
551
1950
  
528
1956
  
463
1961
  
441
1967
  
453
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; 1791:[5]

Gerichte seit 1803[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Ober-Ofleiden das „Amt Homberg an der Ohm“ zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übergingen. „Landgericht Homberg an der Ohm“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Homberg an der Ohm, das für Ober-Ofleiden zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolgedessen die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Homberg an der Ohm“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.[9] Am 15. Juni 1943 wurde das Gericht zur Zweigstelle des Amtsgerichtes Alsfeld[10], aber bereits wieder mit Wirkung vom 1. Juni 1948 in ein Vollgericht umgewandelt[11]. Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Homberg und Ober-Ofleidenwurde dem Bereich des Amtsgericht Kirchhain zugeteilt.[12] 1973 wechselte die Stadt Homberg an der Ohm und mit ihr Ober-Ofleiden in den Zuständigkeitsbereich des Amtsgerichts Alsfeld.[13] In übergeordneten Instanzen sind jetzt das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 24. August 1966 wurde der Gemeinde Ober-Ofleiden im Landkreis Alsfeld ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In schwarzem Schild eine silberne Wolfangel, darüber im von Blau und Gold geteilten Schildhaupt drei Oblaten in verwechselter Tinktur.[14]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das kulturelle Leben im Dorf prägen folgende Vereine:

  • Burschen- und Mädchenschaft
  • Eros-Club 2000 e.V.
  • Evangelische Jugend
  • Frauenchor
  • Freiwillige Feuerwehr
  • Heimatkundlicher Kreis
  • Männergesangverein Ober-Ofleiden Gontershausen
  • Sport- und Freizeitclub 2000
  • Sportverein SV Ober-Ofleiden

Sehenswertes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sehenswert ist nicht nur die Wehrkirche, sondern auch die Bogenbrücke über die Ohm.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der östlichen Talseite wird die Ohm von der Landesstraße L 3073 begleitet. Sie führt durch die neuen Viertel von Ober-Ofleiden. In der Ortsdurchfahrt zweigt die L 3126 nach Westen ab, überquert die Ohm und führt durch das alte Dorf nach Gontershausen. Den öffentlichen Personennahverkehr stellen Buslinien der Verkehrsgesellschaft Oberhessen her. Die Ohmtalbahn führte seit 1901 durch Ober-Ofleiden. Seit sie nur noch als Materialbahn für das Basaltwerk in Nieder-Ofleiden betrieben wird, endet sie am nördlichen Ortsrand.

Söhne und Töchter von Ober-Ofleiden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Ober-Ofleiden, Vogelsbergkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 24. Mai 2019). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Daten und Fakten. In: Website der Stadt Homberg (Ohm). Abgerufen im Oktober 2017.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 346.
  4. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  5. a b Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 200, 276 (online bei HathiTrust’s digital library).
  6. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 8 (online bei Google Books).
  7. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 419 (online bei Google Books).
  8. Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt 1830, S. 143 ff. (online bei Google Books).
  9. Großherzog von Hessen und bei Rhein: Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1879 Nr. 15, S. 197–211 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 17,8 MB]).
  10. Rundverfügung des Reichsministers der Justiz vom 20. Mai 1943 — 3200/7 — Ia9 995 — Betrifft: Vereinfachung der Gerichtsorganisation.
  11. Erlass des Hessischen Ministers der Justiz vom 24. Mai 1948 — 3210/1 — Ia 1961 — Betrifft: Umwandlung des Zweigstellen-Amtsgerichts Homberg (Oberhessen). (Der Hessische Minister der Justiz: Gesetz über Maßnahmen auf dem Gebiete der Gerichtsorganisation und Gerichtsverfassung vom 17. November 1953. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1953 Nr. 30, S. 189–191, Anlagen 1. (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,3 MB]).)
  12. Der Hessische Minister der Justiz: Zweites Gesetz zur Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes (Ändert GVBl. II 210–16) vom 12. Februar 1968. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1968 Nr. 4, S. 41–44, Artikel 1, Abs. 2 b) und Artikel 2, Abs. 8 c) (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 298 kB]).
  13. Der Hessische Minister der Justiz: Fünftes Gesetz zur Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes vom 12. Juni 1973. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1973 Nr. 15, S. 199–201, Artikel 1, Punkt 10.33 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 385 kB]).
  14. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Ober-Ofleiden, Landkreis Alsfeld, Regierungsbezirk Darmstadt vom 24. August 1966. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1966 Nr. 37, S. 1189, Punkt 874 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,3 MB]).