Orson Welles’ Othello

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Filmdaten
Deutscher TitelOrson Welles’ Othello
OriginaltitelOthello
ProduktionslandMarokko
Italien[1]
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr1952
Länge91 Minuten
AltersfreigabeFSK 12
Stab
RegieOrson Welles
DrehbuchOrson Welles
ProduktionOrson Welles
MusikAngelo Francesco Lavagnino
KameraAnchise Brizzi
Besetzung
Synchronisation

Orson Welles’ Othello (Originaltitel: Othello) ist ein Filmdrama des US-amerikanischen Regisseurs Orson Welles aus dem Jahr 1952 nach dem Stück Othello von William Shakespeare.

Welles produzierte den Film, adaptierte das Drehbuch und spielte auch die Titelrolle. Die Dreharbeiten des Films, der von United Artists finanziert wurde, dauerten drei Jahre. Othello, der in Marokko, Venedig, der Toskana und Rom gedreht wurde, erhielt 1952 den Hauptpreis der Internationalen Filmfestspiele von Cannes. Der Film wurde auch unter den Titeln Othello und The Tragedy of Othello: The Moor of Venice vermarktet.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Anfangssequenz werden die aufgebahrten Othello und Desdemona in einer eindrucksvollen Prozession zu ihrem Grab getragen. Über dem Geschehen hängt, gefangen in einem Käfig, Jago, der auf die Zinnen des Kastells gezogen wird. Die Handlung folgt danach im Wesentlichen der des klassischen Stücks Othello.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Welles kürzte die drei Stunden Filmmaterial auf 91 Minuten herunter.[2]

Die lange Drehzeit von drei Jahren ist mit erheblichen Finanzierungsproblemen zu erklären. Nachdem der italienische Produzent Insolvenz anmelden musste, steckte Welles sein eigenes Geld in den Film, was aber nicht ausreichte.[3] Welles musste auf seine Gage aus Der dritte Mann zurückgreifen, aber auch das reichte nicht aus. Eine wichtige Rolle (Desdemona) musste neu besetzt und demnach alle Szenen neu gedreht werden.[4] Micheál Mac Liammóir, der die wichtige Rolle des Iago spielte, beschrieb die Hintergrundgeschichte des Films später in seinem Buch Put Money in Thy Purse.

Welles war sehr angetan von der Filmmusik Angelo Francesco Lavagninos. Lavagnino wurde von Welles später für die Komposition der Filmmusik für Falstaff und Der Kaufmann von Venedig (unvollendet) engagiert.

Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Welles’ Originalversion von Othello hatte seine Premiere bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 1952 und wurde auf dem europäischen Kontinent in die Kinos gebracht.

Welles brachte noch eine Version von Othello für den US-amerikanischen Markt heraus.[5] Paul Squitieri, der über diesen Film seine PhD-Arbeit schrieb, meinte, dass die europäische Version die echtere sei und die amerikanische Version künstlerisch zu viele Abstriche gemacht hätte. Welles brachte 1978 einen Film über den Dreh namens Filming Othello heraus.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drehort des Films war u. a. die Zitadelle von Essaouira

Othello nahm unter marokkanischer Flagge, da Welles keinen Verleiher in den USA finden konnte, am Wettbewerb des Filmfestivals von Cannes teil.[6][7] Auf Rotten Tomatoes hat der Film eine positive Rate von 90 %[8].

Orson Welles' Verfilmung von Shakespeares Leidenschaftsdrama: Othello, stolzer Heerführer im Dienst der Republik Venedig, wird Opfer der Intrige Jagos und tötet aus Eifersucht seine über alles geliebte Desdemona. Der Film kam erstmals 1955 in die deutschen Kinos; die 1991 in England rekonstruierte, musikalisch bearbeitete Fassung ermöglicht die faszinierende Wiederbegegnung mit einem Klassiker: Welles verdichtet die Geschichte zu einem expressionistischen Licht- und Schattenspiel um den archaischen Kampf von Gut und Böse, wobei vor allem die atmosphärische Dichte und die barocke Fülle der Regieeinfälle fesseln.

2001 Filmlexikon[9]

Auszeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Restaurierung 1992[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1992, wurde durch Beatrice Welles-Smith, Tochter von Orson Welles, eine Restaurierung des Films organisiert. Seit Mitte der 1990er Jahre ist nur noch diese Version auf CD und DVD erhältlich. Die Restaurierung wurde von Kritikern kritisiert. Jonathan Rosenbaum bemängelte, Orson Welles ursprüngliche Intention sei verzerrt worden und auch der Ton sei schlecht bearbeitet worden.

Filming Othello[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1978 produzierte Welles den Dokumentarfilm Filming Othello mit einer deutschen Produktionsfirma. Der 84-minütige Film beschreibt die Hintergründe der langen und komplizierten Dreharbeiten zu Othello. Der Film, der für das deutsche Fernsehen produziert worden war, wurde bei den Berliner Filmfestspielen 1978 gezeigt.

Neben Welles Monologen beinhaltet der Film auch Interviews mit den Darstellern Micheál Mac Liammóir und Hilton Edwards in Paris im Jahre 1974.[10] Filming Othello sollte ein Auftakt für eine Reihe von Dokumentarfilmen über Spielfilme Welles' sein, blieb jedoch der einzige aus dieser Reihe.[11]

Filming Othello wurde 1979 zum ersten Mal in den USA gezeigt, wurde jedoch nicht beachtet und erhielt keine Rezension, bis 1987 Vincent Canby sich in der The New York Times zu dem Film äußerte und ihn sehr lobte.[12]

Welles' Tochter Beatrice Welles, die die Rechte an Othello und Filming Othello innehat, verhinderte das Zeigen des Dokumentarfilms und erlaubt auch nur das Zeigen einer Version Othellos.[13]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The Cambridge Companion to Shakespeare on Film. Cambridge University Press, Cambridge 2000, S. 321.
  2. Othello (1955) Screen: Orson Welles Revises 'Othello'; Scraps Shakespeare’s Plot for Visual Effect. In: The New York Times. Abgerufen am 7. Januar 2012.
  3. Brigitte Tast, Hans-Jürgen Tast: Orson Welles - Othello - Mogador. Aufenthalte in Essaouira. (= Kulleraugen Vis.Komm. Nr. 42). Schellerten 2013, ISBN 978-3-88842-042-9.
  4. Filming Othello
  5. Paul Squitieri: The twofold corpus of Orson Welles's Othello. Dissertation. University of California, 1993, zitiert in Michael Anderegg: Orson Welles, Shakespeare and Popular Culture. Columbia University Press, New York 1999, S. 119.
  6. Festival de Cannes: Othello. In: festival-cannes.com. Abgerufen am 18. Januar 2009.
  7. Festival de Cannes: Othello. In: festival-cannes.com. Abgerufen am 17. August 2009.
  8. The Tragedy of Othello: The Moor of Venice (Othello). In: rottentomatoes.com. 10. Mai 1952, abgerufen am 16. Mai 2015.
  9. Kritik auf Zweitausendeinsfilmlexikon
  10. “Filming Othello” by Lawrence French, Wellesnet.com
  11. Orson Welles: An Incomplete Education. Senses of Cinema
  12. Welles in ‘Filming Othello’. In: The New York Times. 4. February 1987.
  13. Jonathan Rosenbaum: Discovering Orson Welles. Univ. of California Press, Berkeley 2007, ISBN 978-0-520-24738-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]