Ottakringer Brauerei

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Ottakringer Brauerei AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN AT0000758032
Gründung 1838 (Braubewilligung 1837)
Sitz Wien (Ottakring), Österreich
Leitung Matthias Ortner (seit 2. März 2015)[1]
Mitarbeiter rund 150 (2016)[2]
Umsatz 77 Mio (2014)[2]
Branche Brauerei
Website www.ottakringerbrauerei.at
Das alte Brauhaus von Ottakringer
Eine Ottakringer Aktie von 1905
Ottakringer Brauerei, 1938
Das Sudhaus der Ottakringer Brauerei

Die Ottakringer Brauerei ist eine unabhängige Großbrauerei im 16. Wiener Gemeindebezirk, Ottakring.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ottakringer Brauerei wurde vom Müllermeister Heinrich Plank 1837 unter dem Namen Planksche Brauerei eröffnet, nachdem die damalige Grundherrschaft, das Stift Klosterneuburg, 1837 die Braubewilligung erteilt hatte.

Im Jahr 1850 wurde sie von Ignaz und Jakob Kuffner, die zuvor das dortige Brauhaus gepachtet hatten, übernommen. Die beiden bauten den Betrieb zu einer Großbrauerei aus. Innerhalb von 10 Jahren steigerte sich der Ausstoß von 18.318 hl auf 64.183 hl.

Ähnlich anderen Industriellen der Gründerzeit traten auch die Kuffner als Förderer „ihrer“ Gemeinde auf.[3] Ein neuer Gärkeller und größere Lager wurden 1857 in Betrieb genommen. 1878 wurde Ignaz Kuffner vom Kaiser in den österreichischen Adelsstand erhoben.

Moriz von Kuffner, Sohn Ignaz von Kuffners, erbte 1882 die Brauereianteile seines Vaters und 1891 auch die seines kinderlosen Onkels Jakob. Die Brauerei steigerte den Ausstoß von über 170.000 hl um 1890 auf über 350.000 hl im letzten Vorkriegsjahr; eine Menge, die in der Zwischenkriegszeit nie mehr erreicht wurde. 1905 ließ Kuffner die Brauerei in eine Aktiengesellschaft umwandeln. Den Ersten Weltkrieg und die Zwischenkriegszeit überstand das Unternehmen unter der Führung Moriz von Kuffners relativ unbeschadet.

Im Jahr 1938, in dem Österreich an das Deutsche Reich „angeschlossen“ wurde, war der damals 85-jährige Moriz Kuffner (das Adelszeichen „von“ war 1919 weggefallen) aufgrund seiner jüdischen Herkunft gezwungen, seinen Betrieb zu verkaufen. Er wurde um 14 Millionen Schilling (nach heutigem Wert etwa 36 Mio Euro) an Gustav Harmer, einen Spiritusfabrikanten aus Spillern bei Stockerau, verkauft.[3] Harmer wiederum wurde nach dem Zweiten Weltkrieg ebenfalls für zwei Jahre aus dem Betrieb vertrieben. In den Jahren 1949 und 1950 wurden die Erben des 1939 im Zürcher Exil verstorbenen Moriz Kuffner von der Familie Harmer mit rund elf Millionen Schilling abgefunden.

Der Historiker Oliver Rathkolb stellte in seinem Gutachten Restitutionsvergleich – Die Dokumentation eines Falles, Wien, 2000, unter anderem folgendes fest: In der Gesamtbeurteilung kann festgehalten werden, dass die Familie Harmer sowohl 1938 als auch nach 1945 bestrebt war, eine – unter den Rahmenbedingungen des NS-Regimes – korrekte Abwicklung des durch die Gestapo-Drohungen gegenüber der Familie Kuffner initiierten Verkaufs durchzuführen. Nach 1945 suchte die Familie aktiv Kontakt zum Familienoberhaupt Stephan Kuffner in den USA und strebte eine endgültige Regelung – noch vor Erlassung der Rückstellungsgesetze – an. Und weiter: Es gibt wohl wenige Restitutionsfälle, aber auch Erwerbungen nach der Machtübernahme des NS-Regimes 1938, in denen die bestehenden politischen Rahmenbedingungen zugunsten der Opfer und ursprünglichen EigentümerInnen so extensiv ausgenützt wurden, wie im Falle der Ottakringer-Kuffner-Gruppe.

Nach Kriegsende wurde die Brauerei provisorisch von der sowjetischen Besatzungsmacht verwaltet, ehe es der Familie Harmer gelang, ihren rechtmäßigen Erwerb zu beweisen. 1955 bis 1962 konnte der Bierausstoß von 125.000 auf 236.000 Hektoliter gesteigert werden. 1962 traten Gustav Harmer und sein Schwager Engelbert Wenckheim in das Unternehmen ein und übernahmen gemeinsam schrittweise die Führung der Brauerei.[3]

Im Jahr 1977 trug die Brauerei durch ihren Austritt aus dem Bier Kartell wesentlich zu dessen Sprengung bei. Das österreichische Bierkartell wurde 1907 als „Schutzverband alpenländischer Brauereien“[4] gegründet und regelte sehr streng, welche Brauerei welches Gebiet beliefern durfte. Seither kann sich jeder Gastronom unabhängig von seinem Standort aussuchen, welche Bierbrauerei er als Lieferant wählt.

1986 erfolgte der Börsengang der Ottakringer Brauerei AG und die Brauerei Kapsreiter in Schärding wurde erworben.1989 führte Ottakringer neu entwickelte, grüne Schulterflaschen ein und verzichtete fortan auf die österreichweit genormten braunen Bierflaschen.[5] 1991 kam das alkoholfreie Null Komma Josef auf den Markt. Bereits ein Jahr nach der Einführung wurde es zum Marktführer in seinem Segment. 1995 schied Gustav Harmer als Alleinvorstand der Ottakringer Brauerei aus. Nach seinem Ausscheiden aus der Geschäftsführung führte Gustav Harmer die Harmer Holding, die Kapsreiter Bier und die später hinzugekommene Grieskirncher Brauerei Grieskirchner Bier. Sein Schwager, Engelbert Wenckheim, wurde nach seinem Ausscheiden 1995 zum Alleinvorstand berufen. Als erste österreichische Brauerei setzte man 1997 auf die neuen Drehkorken-Verschlüsse. 1999 wurde das Logo der Ottakringer Brauerei neu gestaltet. Nach fünf Jahren als Alleinvorstand wechselte Engelbert Wenckheim in den Aufsichtsrat der Ottakringer Brauerei AG. In den Vorstand wurde seine Tochter, Christiane Wenckheim, ehemalige Marketingleiterin der Ottakringer Brauerei und der Controlling Chef der Ottakringer Brauerei, Siegfried Menz, bestellt.[6] Nach der Umstrukturierung des Konzerns 2010, stieg Menz zum Vorstand der Ottakringer Getränke auf. Bei der Umstrukturierung wurde die Ottakringer Brauerei AG und die Vöslauer Mineralwasser AG zu Tochtergesellschaften der Ottakringer Getränke AG.[7] Christiane Wenckheim war alleiniger Vorstand der Ottakringer Brauerei AG bis sie 2015 - ihrem Vater nachfolgend – von der Hauptversammlung in den Aufsichtsrat der Ottakringer Getränke AG gewählt wurde.[1] Engelbert Wenckheim ist seitdem Aufsichtsratsvorsitzender der Ottakringer Holding AG, der Haupteigentumsholding der Ottakringer Getränke AG. Am 2. März 2015 wurde Matthias Ortner zum Vorstand der Ottakringer Brauerei AG bestellt.[8] Seit September 2016 wird die Ottakringer Brauerei AG durch die Vorstände Matthias Ortner und Tobias Frank (1. Braumeister seit 2012) geführt.[9]

Am 20. Dezember 2014 hat die im Jahr 1318 gegründete Tochtergesellschaft Innstadt Brauerei aus Passau ihre Produktion eingestellt. Die Marke Innstadt geht durch die Schließung nicht verloren, sondern wird von der Passauer Brauerei Hacklberg weitergeführt. Diese hat auch einen Großteil der Beschäftigten übernommen.[10] Am 16. Juni 2017 gab die Ottakringer-Gruppe bekannt, dass sie ihre verlustbringende ungarische Brauerei Pécsi Sörfőzde Zrt aus Fünfkirchen an zwei ungarische Gesellschaften veräußern wird.[11]

Firmenstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Brauereigelände im 16. Bezirk (2012)

Die Ottakringer Holding AG ist im Besitz der österreichischen Familien Wenckheim, Menz, Trauttenberg und Pfusterschmid und hält rund 94 % an der Ottakringer Getränke AG, die restlichen 6 % befinden sich im Streubesitz und werden an der Wiener Börse gehandelt. Mit dem Erwerb von 13,43 % Anteile der Ottakringer Brauerei AG von dem niederländischen Bier-Konzern Heineken Im Jahr 2009 wurde die Ottakringer Brauerei wieder zu österreichischem Besitz.

2016 hat die Ottakringer Getränke AG wesentliche Beteiligungen an:[12]

  • Ottakringer Brauerei AG (Anteil 100%)
  • Vöslauer Mineralwasser AG (Anteil 100%)
  • Trinkservice GmbH (früher Vöslauer Getränkevertriebs GmbH – VGV, Anteil 100%)
  • Brauerei Pécsi Sörfőzde Zrt, Ungarn (Anteil 92, 71 %)
  • Kolarik & Leeb GmbH (Getränkefachgroßhandel, Anteil 74 %)
  • DEL FABRO Gesellschaft mbH (Getränkefachgroßhandel, Anteil 50 %)
  • Innstadt AG, Deutschland (Anteil 49%)

Das 16er-Blech[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Wiener Dialekt wird insbesondere im Zusammenhang mit einer Bestellung beim Würstelstand nach wie vor häufig die Formulierung „A Eitrige, an Bugl[13] und a 16er-Blech“ für „Eine Käsekrainer, ein Brotendstück (in Wien auch Scherzel genannt) und eine Dose Ottakringer Bier“[14] verwendet. 16 steht für den 16. Wiener Gemeindebezirk Ottakring und Blech für das Dosenmaterial. Ab 2007 hatte Ottakringer für einige Jahre eine Dosenbier-Marke 16er Blech im Sortiment.

Hauseigener Brunnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ottakringer Brauerei schöpft das Brauwasser aus dem hauseigenen Brunnen. Der Brunnen hat eine Tiefe von 118 Metern und ist artesisch.[15] Das Brunnenwasser wird für den ganzen Brauprozess inklusive Abfüllung und Reinigung verwendet. Zudem hat die Brauerei einen Vertrag mit der Stadt Wien, dass im Falle einer Wasserknappheit in Wien das Ottakringer Brunnenwasser in das Wiener Wassersystem eingespeist wird.[16]

Darreturm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Darreturm wurde 1907 erbaut und ist das Wahrzeichen der Ottakringer Brauerei. Der 41,5m hohe Bau erhebt sich achteckig über einem rechteckigen (7,5 mal 7,5 Meter) Grundriss. Die Spitze des Turms wird auch Frosch von Ottakring, Ritter von Ottakring oder Dradiwaberl genannt. Der Darreturm war bis in die 1980er im Zuge des Darrvorganges für das für die Bierproduktion benötige Malz in Betrieb. Die Malzdarre funktionierte nach folgendem Prinzip: Die Braugerste wurde im Keller eingeweicht, begann zu keimen und wurde nach mehrmaligem Wenden in einem Aufzug in die oberste Etage des Darreturms unter die Rauchhaube gebracht, von wo das sogenannte Grünmalz durch etliche Klappen auf die darunterliegenden Darrböden befördert wurde. So wurde es getrocknet. Je nach Type wurde das Malz unterschiedlich lange und mit unterschiedlicher Hitzezufuhr gedarrt. Durch den Darrprozess erhält das Malz seine zusätzliche Charakteristik. Seit 2002 stehen der Darreturm, sowie auch das Gold Fassl Magazin und das Gebäude des Sudhauses unter Denkmalschutz.

Sponsoring[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ottakringer sponsert seit 1994 den Wiener Fußballverein SK Rapid.[17] Außerdem ist die Brauerei seit 2012 Sponsor der Wiener Eishockey Mannschaft UPC Vienna Capitals.[18]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ottakringer Brauerei – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Meldung auf der Website der AG vom 2. März 2015
  2. a b Ottakringer Brauerei AG: Zahlen & Fakten über die Brauerei. Abgerufen am 10. November 2016.
  3. a b c Geschichte der Ottakringer Brauerei (Memento vom 4. September 2011 im Internet Archive)
  4. falstaff.at,auf Falstaff.
  5. Brauereigeschichte mit Genehmigung von Michael Kranewitter auf brauereifuehrer.com
  6. 175 Jahre Hopfen-Saft aus Ottakring. Text vom 1. Oktober 2012 auf der Website der Wiener Tageszeitung Kurier.
  7. ots.at,
  8. extrajournal.net,
  9. ottakringerbrauerei.at,
  10. Ende einer Passauer Brautradition: Letzter Tag bei der Innstadt-Brauerei, auf wochenblatt.de abgerufen am 16. Juni 2017
  11. Ottakringer verkauft verlustbringende Ungarn-Tochter, auf orf.at abgerufen am 16. Juni 2017
  12. ottakringerkonzern.com Webpräsenz der Ottakringer Getränke AG, abgerufen am 9. Dezember 2016.
  13. Brotanschnitt - Buckel. Eintrag in ostarrichi.org - Sprache in Österreich, abgerufen am 14. Februar 2014.
  14. Robert Sedlaczek: Das 16er Blech macht Karriere. Sedlaczek am Mittwoch. In: Wiener Zeitung, 13. März 2007, abgerufen am 14. Februar 2014.
  15. opac.geologie.ac.at,
  16. stadt-wien.at,Der Bierbrunnen der Ottakringer Brauerei.
  17. 90minuten.at, 20 Jahre Jubiläum SK Rapid und Ottakringer
  18. vienna-capitals.at, Ottakringer offizieller Biersponsor der Vienna Capitals

Koordinaten: 48° 12′ 43″ N, 16° 19′ 26″ O