Paneuropa-Union

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Flagge der Paneuropa-Union
Otto von Habsburg 1991 bei der Verleihung des Coudenhove-Kalergi-Preises der Paneuropa-Union an Helmut Kohl

Die Paneuropa-Union (alternative Schreibweise Paneuropaunion) wurde 1922 gegründet und ist damit die älteste noch bestehende europäische Einigungsbewegung. Sie hatte den historischen Sitz in ihrem Zentralbüro in der Wiener Hofburg und gilt als Panbewegung. Die Paneuropa-Union tritt im Sinne des europäischen Föderalismus für ein politisch und wirtschaftlich geeintes, demokratisches und friedliches Europa auf Grundlage des christlich-abendländischen Wertefundaments ein.

Die Paneuropa-Union ist eine der größten Europaorganisationen und hat im Jahr 2016 Mitgliederorganisationen in Albanien, Andorra, Österreich, Belgien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, der Tschechische Republik, Estland, Finnland, Frankreich, Deutschland, Ungarn, Italien, Kosovo, Lettland, Luxemburg, Mazedonien, Polen, Rumänien, San Marino, Serbien, der Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweden und der Schweiz.[1]

Politisches Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Paneuropa-Union wurde 1922 von Richard Nikolaus Graf von Coudenhove-Kalergi unter dem Eindruck der Schrecken des Ersten Weltkriegs gegründet.[2] 1923 kam es zur Besetzung des Ruhrgebiets durch französische und belgische Truppen. Als Maßnahme zur Deeskalation unterstützten europäisch interessierte Unternehmer die Paneuropa-Union. Als erster spendete der deutsche Bankier Max M. Warburg. Um eine regelmäßige Förderung zu leisten, gründete man eine Paneuropa-Fördergesellschaft unter dem Vorsitz von Robert Bosch. In ihrem Vorstand saßen ferner der Generaldirektor der Deutschen Linoleum-Werke, Richard Heilner, das Aufsichtsratsmitglied der IG Farbenindustrie, Wilhelm Ferdinand Kalle, und Hermann Bücher, Geschäftsführer beim Reichsverband der Deutschen Industrie und späterer AEG-Vorstand.

Mit seinem 1923 erschienen Buch "Pan-Europa" brachte Coudenhove-Kalergi eine Welle von europäischen Netzwerken für europäische Verständigung (z.B. Paneuropa-Bewegung, Verband für europäische Verständigung) ins Rollen. Er forderte eine europäische Monroe-Doktrin nach dem Motto "Europa den Europäern!".[3] Coudenhove-Kalergi gründete 1924 die Zeitschrift "Pan-Europa" und rief einen Verein ins Leben, wofür ihm auf Fürsprache des tschechischen Präsidenten Tomas Masaryk der österr. Kanzler Ignaz Seipel Räumlichkeiten in der Wiener Hofburg zu Verfügung stellte.[4] 1927 entstand dann unter dem Dach der Paneuropa-Union noch ein "Deutsch-französisches Wirtschaftskomitee" aus Unternehmern beider Länder, die sich hier mit dem Ziel eines wirtschaftlichen europäischen Wiederaufbaus zusammentaten.

Der deutsche Außenminister Gustav Stresemann unterstützte die Paneuropa-Idee ebenso wie der französsiche Ministerpräsident Aristide Briand. Spätere Unterstützer waren Winston Churchill, Robert Schumann und Konrad Adenauer.[5] Die österreichische Sektion führte damals Karl Renner und Ignaz Seipel an, welche durch Bereitstellung von Ressourcen tatkräftig gefördert wurde.[6] Als Unterstützer der Paneuropa-Union traten auch Albert Einstein und Thomas Mann schon 1925 für die Schaffung der Vereinigten Staaten von Europa ein.[7] Weitere Förderer und Unterstützer der Paneuropa-Union waren Carl Bosch, Benedetto Croce, Sigmund Freud, Gerhart Hauptmann, Hugo von Hofmannsthal, Selma Lagerlöf, Ortega y Gasset, Max Reinhardt, Rainer Maria Rilke, Arthur Schnitzler, Richard Strauss, Franz Werfel und Stefan Zweig.[8] Als historische Mitglieder und Förderer sind auch Salvador de Madariaga, Charles de Gaulle, Konrad Adenauer, Alfons Goppel, Franz Josef Strauß, Bruno Kreisky und Georges Pompidou anzuführen.[9] Im Gegensatz zum 1924 gegründeten "Komitee für die Interessensgemeinschaft der europäischen Völker" (später auch "Bund für Europäische Cooperation") vertrat die Paneuropa-Idee aber eine Einigung Europas ohne Großbritanniens und der UdSSR.[10] 1926 bildeten sich in Budapest und Warschau nationale Paneuropa-Komitees unter Beteiligung zahlreicher Intellektuellen.

Von 3. bis 6. Oktober 1926 tagte in Wien der erste Paneuropa-Kongreß. Ungefähr 2.000 Delegierte aus 24 Staaten nahmen an diesem Treffen teil. Die Delegierten wählten Coudenhove-Kalergi zum Präsidenten der Union. Das Ehrenpräsidium bestand aus Edvard Beneš, dem Außenminister der Tschechoslowakei, Joseph Caillaux, dem späteren französischen Finanzminister, Paul Löbe, dem deutschen Reichstagspräsidenten, Francesco Nitti, dem ehemaligen Ministerpräsidenten Italiens, Nicolaos Politis, dem ehemaligen griechischen Außenminister, und dem mehrmaligen österreichischen Bundeskanzler Ignaz Seipel. Auf diesem Kongress stellte Coudenhove-Kalergi sein politisches Programm vor: Abbau der Grenzen zwischen europäischen Staaten, Schaffung eines europäischen Staatenbundes, Gleichberechtigung und Verständigung unter den Völkern als Voraussetzung für Frieden, Freiheit und Wohlstand.[11]

In Deutschland fand die Paneuropa-Idee ihre wichtigste Basis bei den Parteien der Weimarer Koalition, verfügte aber niemals über eine Mehrheit in der Öffentlichkeit. 1930 gab es einen zweiten Paneuropa-Kongress in Berlin, 1932 in Basel und 1935 in Luzern, wobei die meisten Regierungen und Medien die Paneuropa-Bewegung als sehr positiv bewerteten.[12] In Frankreich ließen sich vor allem die (links-)liberalen Radicaux, an der Spitze Edouard Herriot, für das Konzept einnehmen. Der von Herriot auch unter Eindruck der Paneuropa-Idee eingeleitete Wandel führte dann unter Aristide Briand im Oktober 1925 zum Abschluß der Verträge von Locarno. Bemerkenswert ist auch, dass die meisten Paneuropäer in beiden Ländern sich für eine Mitgliedschaft Großbritanniens in den zu schaffenden Vereinigten Staaten von Europa aussprachen. In Großbritannien blieb das Echo sehr verhalten. Anders als in Frankreich und Deutschland schaffte es aber die Paneuropa-Idee im Vereinigten Königreich nicht einmal auf die Titelseite einer Zeitung. Zur Realisierung des Staatenbundes kam es nie, aber Coudenhove-Kalergi warnte fortwährend eindringlich vor dem Nationalsozialismus, Antisemitismus und Bolschewismus beziehungsweise attakierte deren Geisteshaltung.[13]

Ab 1933 von den Nationalsozialisten in Deutschland verboten, wurde sie nach dem Zweiten Weltkrieg wiedergegründet. Mit dem Anschluß Österreichs war Coudenhove-Kalergis Projekt vorläufig am Ende. Er floh im März 1938 aus Österreich und die Nationalsozialisten beschlagnahmten sein Zentralbüro in der Wiener Hofburg. 1945 gelangten die Unterlagen als Beuteakten nach Moskau.[14] Ein Paneuropäischer Kongress in New York im März 1943 bewirkte die Zusammenführung der verstreuten paneuropäischen Exilanten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg unterstützte die Paneuropa-Union aktiv die europäische Integration. Gleichzeitig übte sie Kritik an der einseitig wirtschaftlichen Ausrichtung und dem technokratischen Funktionalismus der sich bildenden Institutionen. Auch ihr christlich-konservatives Profil grenzte sie gegenüber anderen proeuropäische Organisationen ab. Als Spin-Off zur Paneuropa-Union gründete Coudenhove-Kalergi 1947 die Europäische Parlamentarier-Union, welche 1949 bei der Schaffung des Europarates die Einrichtung einer Parlamentarischen Versammlung durchsetzte. Damit war der europäische Parlamentarismus geboren.[15] 1965 kam es zum Bruch mit der Europäischen Bewegung, als diese sich während des französischen Präsidentschaftswahlkampfes offen für den sozialistischen Herausforderer François Mitterrand aussprach, während die Paneuropa-Union den konservativen Charles de Gaulle unterstützte.

Ab 1972 war Otto von Habsburg Präsident der Paneuropa-Union. Er gestaltete diese erfolgreich zu einer Organisation um die auch das im Ost-West-Konflikt "vergessene" Mitteleuropa zum Thema machte.[16] 1975 gründete Bernd Posselt die Paneuropa-Jugend Deutschland; deren jetziger Vorsitzender ist Franziskus Posselt. Habsburg und die Paneuropa-Union förderte die Zusammenarbeit jenseits des Eisernen Vorhangs und knüpfte Kontakte zu Bürgerrechtsorganisationen wie der Gewerkschaft Solidarnosc oder der "Charta 77"und kirchlichen Institutionen in Polen, Ungarn, im damaligen Jugoslawien und der Tschechoslowakei sowie im Baltikum. Otto von Habsburg richtete die Paneuropa-Union wieder als europaweite Breitenbewegung aus. Neben der französischen, der belgischen oder luxemburgischen Sektion spielten die Paneuropa-Bewegung Österreich und die Paneuropa-Union Deutschland an der Schnittstelle des Eisernen Vorhangs eine immer größere Rolle.[17]

Während des Kalten Krieges nahm die Paneuropa-Union eine offensive Haltung gegenüber den sozialistischen Staaten Osteuropas ein und unterstützte dortige Oppositionsbewegungen. Es wurden Untergrundgruppen der Paneuropa-Union gebildet, die in diesen Ländern am Sturz des sozialistischen Systems mitarbeiteten.[18] So wurde zum Beispiel die Paneuropa-Union Böhmen und Mähren noch vor der Samtenen Revolution von ihrem heutigen Präsident Rudolf Kučera gegründet.

Weltweite Beachtung fand auch das am 19. August 1989 von ihr organisierte Paneuropäische Picknick bei Sopron, das 661 DDR-Bürgern zur Ausreise über die ungarisch-österreichische Grenze nutzten. Das Picknick gilt als wesentlicher Meilenstein der Vorgänge, die zum Ende der DDR und zur deutschen Wiedervereinigung führten.[19]

Zum Paneuropäischen Picknick diktierte Erich Honecker dem Daily Mirror folgende Erklärung:

„Habsburg verteilte Flugblätter bis weit nach Polen hinein, auf denen die ostdeutschen Urlauber zu einem Picknick eingeladen wurden. Als sie dann zu dem Picknick kamen, gab man ihnen Geschenke, zu essen und Deutsche Mark, dann hat man sie überredet in den Westen zu kommen.“

Erich Honecker: dem Daily Mirror am 19. August 1989

Nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Diktaturen in Osteuropa galt das Hauptaugenmerk zunächst der Herausführung der bestehenden Untergrundgruppen in die Legalität sowie dem Aufbau neuer Länder-Organisationen. Heute stellt die Osterweiterung der Europäischen Union einen Arbeitsschwerpunkt dar. Mitteleuropäische Spitzenpolitiker wie Vaclav Havel in der Tschechischen Republik, Vitautas Landsbergis in Litauen oder France Bucar in Slowenien unterstützen die Paneuropa-Arbeit in ihren Ländern und nahmen teilweise führende Funktionen wahr. In allen Ländern Mittel- und Osteuropas entstanden Paneuropa-Organisationen. Im Dezember 1990 tagte die Internationale Generalversammlung der Paneuropa-Union in Prag erstmals wieder in einem Land des ehemaligen Ostblocks. Die Paneuropa-Union setzte sich dabei aktiv für einen schnellen Beitritt der Länder Mittel- und Osteuropas zur Europäischen Union ein, der am 1. Mai 2004 mit dem Beitritt Polens, Ungarns, Tschechiens, der Slowakei, Estlands, Lettlands, Litauens und Sloweniens in einer ersten Phase Wirklichkeit wurde. Die Paneuropa-Union setzte sich darüber hinaus aktiv für den Beitritt Rumäniens, Bulgariens, der zum 1. Januar 2007 erfolgte, sowie für den schnellen Beitritts Kroatiens und Makedoniens zur Europäischen Union ein.[20]

Präsident der internationalen Paneuropa-Union war von 1973 bis 2004 Otto von Habsburg, der anschließend bis zu seinem Tode 2011 internationaler Ehrenpräsident war. Neuer internationaler Präsident seit 2004 ist der Vorsitzende der französischen Paneuropa-Union, Alain Terrenoire.[21]

Deutscher Präsident ist der ehemalige CSU-Europa-Abgeordnete Bernd Posselt. Seine Amtsvorgänger waren der langjährige Vizepräsident des Europäischen Parlamentes und spätere Generalanwalt beim Europäischen Gerichtshof, Siegbert Alber, sowie der frühere bayerische Ministerpräsident Alfons Goppel.

Programm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flagge der Paneuropa-Union bei ihrer Gründung 1922
Variante mit dem Radkreuz in der Gösch

Das erste Programm war das Paneuropäische Manifest, welches Richard Coudenhove-Kalergi selbst verfasste und 1923 veröffentlichte. Darin propagierte er, dass die Entwicklung der Nationalstaaten mit dem Ersten Weltkrieg an einem toten Punkt angelangt sei. Wenn die Staaten Europas sich nicht einander öffnen und ihre Streitigkeiten beilegen würden, dann würden sie von den USA und der Sowjetunion überflügelt werden oder sich in einem erneuten Weltkrieg gegenseitig vernichten. Als Ausweg schlug er den Abschluss eines Paneuropäischen Paktes (PDF; 359 kB) vor. Im Paneuropäischen Manifest beschrieb er auch die damalige Flagge der Paneuropa-Union, welche eine goldene Sonne (Symbol für die Aufklärung) mit rotem Kreuz (Symbol für die Menschlichkeit) auf blauem Hintergrund zeigte. Nach der Gründung des Europarates und der Europäischen Union wurde diese durch einen Kreis aus zwölf Sternen ergänzt.

Mit dem Bamberger Programm von 1996 wurden die Zielsetzungen der neuen politische Lage in Europa angepasst. Danach setzt sich die Paneuropa-Union für die Einigung Europas auf der Basis weitreichender Volksgruppen- und Minderheitenrechte sowie des Rechtes auf die Heimat ein.[22] Dieses Europa soll zu „einer politisch nach außen und innen voll handlungsfähigen Einheit“ weitergebildet werden, die „keiner fremden Macht untergeordnet ist“. Sie befürwortet ein „selbstbewusstes Handeln der Europäischen Union in der internationalen Politik“ im Rahmen eines militärisch geeinten Europa, das „überall in der Welt für seine Interessen und für die Ideale der Freiheit und der Menschenrechte eintritt“.

Weiter erstrebt die Paneuropa-Union ein Europa auf Basis des Christentums und kämpft laut eigenem Programm gegen „alle Tendenzen, die die geistige und moralische Kraft Europas zerstören“, wie „Nihilismus, Atheismus und einen unmoralischen Konsumismus“. Diese konservative Grundhaltung kommt ebenfalls in der Definition der Familie als „natürliche Gemeinschaft“, sowie in der Ablehnung von Abtreibung, Euthanasie und Genmanipulation zum Ausdruck.

Die deutsche Paneuropa-Union steht der CSU sowie den Vertriebenenverbänden nahe. Im Gegensatz zu einigen anderen konservativen Organisationen ist sie jedoch klar pro-europäisch und EU-freundlich.

Prominente Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thomas Mann bei ein Paneuropa-Kundgebung in der Berliner Singakademie (1930)

Als historische Mitglieder führt die Paneuropa-Union unter anderem Albert Einstein, Thomas Mann, Franz Werfel, Salvador de Madariaga, Charles de Gaulle, Aristide Briand, Paul Löbe, Konrad Adenauer, Kurt Schuschnigg, Alfons Goppel, Franz Josef Strauß, Bruno Kreisky, Raymond Barre und Georges Pompidou an.

Paneuropa-Bewegung Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Österreichische Mitglieder der Paneuropa-Union bei der Beerdigung Otto von Habsburgs

Die Paneuropa-Bewegung Österreich ist Mitglied der Paneuropa-Union. Sie gliedert sich in die gesamtösterreichische Bundesorganisation und die neun Landesgruppen und wurde nach dem 2. Weltkrieg von Mitgliedern des ehemaligen Kaiserhauses Habsburg neu ins Leben gerufen. Untergliederungen sind die hochschulpolitisch aktive Junge europäische Studenteninitiative (JES) und die Paneuropajugend. Präsident ist seit 1986 Karl Habsburg-Lothringen.

Das Ideal der Paneuropabewegung, ein nach christlichen Wertvorstellungen aufgebautes Europa, wird von der Paneuropa-Bewegung Österreich in ihrer Zeitschrift Paneuropa Österreich (vorherige Titel: 1976–1987: Österreich konservativ, 1988–1992: Österreich Paneuropa), in weiteren Publikationen und zahlreichen Veranstaltungen, getreu dem Wahlspruch der Paneuropäer In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas verbreitet.

Als Coudenhove-Kalergi den 50. Geburtstag der von ihm gegründeten Paneuropa-Union für 1972 in Brüssel ansetzte, befand der österr. Bundeskanzler Bruno Kreisky: Was in Österreich begründet wurde, müsse in Österreich gefeiert werden und Kreisky selbst übernahm das Ehrenpräsidium.[23] Der legendäre Händedruck zwischen Kanzler Bruno Kreisky und Otto Habsburg am Rande dieses Paneuropa-Kongresses im Mai 1972 in Wien markierte das Ende der hochbrisanten innenpolitischen Auseinandersetzungen um die Person Otto Habsburg. Danach stellte sich im Habsburger-Streit Ermattung ein und das Begräbnis für Kaiser-Witwe Zita 1989 in Wien wurde bereits zum historischen Erinnerungs-Event.[24] Die Paneuropa-Bewegung Österreich selbst entstand aus der „Aktion Österreich Europa“, nachdem Otto von Habsburg 1973 Präsident der Paneuropa-Union geworden war. Basierend auf dieser Bindung an das Habsburger-Haus hatte 1967 die erstere noch Monarchistische Bewegung Österreichs geheißen.

1996 geriet die österreichische Paneuropa-Bewegung im Zusammenhang mit dem World-Vision-Spendenskandal indirekt in negative Schlagzeilen. Der ehemalige Geschäftsführer Wolfgang Krones (damals Generalsekretär von Paneuropa-Österreich) und seine Frau, die Geschäftsführerin von „World Vision Österreich - Christliches Hilfswerk“ Martina Taurer-Krones, hatten Spenden des Hilfswerkes zu Paneuropa umgeleitet. Ein Prüfbericht von KPMG bestätigte Geldflüsse von rund 640.000 Schilling, ein Teil davon floss 1996 in den EU-Wahlkampf von Karl Habsburg-Lothringen. Krones und Martina Taurer-Krones wurden 2004 rechtskräftig verurteilt. 2004 zahlte Karl Habsburg jene 36.899 Euro an den Nachfolgeverein World Vision - Gesellschaft für Entwicklungshilfe und Völkerverständigung zurück, die – laut Habsburg ohne sein Wissen – zur Wahlkampffinanzierung gedient hatten. Laut World Vision war Karl Habsburg in diese Angelegenheit nicht verstrickt.[25]

2002 würdigten der Präsident des EU-Konvents Valery Giscard d'Estaing und der österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel in einem Festakt der Paneuropa-Union in der Wiener Hofburg Otto Habsburg zu dessen 90. Geburtstag für seinen Kampf gegen gegen alle Formen von Totalitarismen und bezeichneten ihn als „großen Europäer“.[26]

Der 90 Jahre Paneuropa Kongreß fand vom 16. bis 18. November 2012 in Wien statt. Redner waren der Präsident des Europäischen Rates Herman Van Rompuy, EU-Kommissar Johannes Hahn, der Staatspräsident von Makedonien Gjorgie Ivanov und Karl Habsburg.

Generalsekretär der Paneuropa-Österreich ist Rainhard Kloucek.

Verfolgung im Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der „Völkische Beobachter“ hielt schon 1928 die Paneuropaidee für glatten Landesverrat und die DAZ warf 1929 der Paneuropa-Bewegung vor, Deutschland versklaven zu wollen.[27] Die Nationalsozialisten, die den Begründer der Paneuropa-Bewegung nach ihrer Ideologie als „Mischling“ bezeichneten und ihn auch auf Grund der politischen Inhalte seiner Schriften 1938 zur Auswanderung zwangen, verboten die Paneuropa-Union im Jahre 1933. Otto von Habsburg wurde steckbrieflich gesucht und ebenso ins Exil gezwungen, da er sich weigerte Hitler persönlich zu treffen und der NS-Ideologie ablehnend gegenüberstand.[28] Die paneuropäische Idee stand in klarem Kontrast zur Rassenlehre Alfred Rosenbergs und völkischem Gedankengut. Coudenhove-Kalergi wurde als Freimaurer diffamiert und Mitglieder der Paneuropa-Union in Konzentrationslager deportiert.[29]

Verfolgung in sozialistischen Systemen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sozialistische Diktaturen wie die DDR und die Sowjetunion bekämpften die Paneuropa-Bewegung als „rechtskonservativ und monarchistisch“. Die DDR-Führung sah in der Paneuropa-Bewegung, die eine klare Haltung gegen die Unterdrückung der Freiheit in der Sowjetunion und in deren Satellitenstaaten einnahm, ihr Feindbild des Kapitalismus und des Chauvinismus und eine Bedrohung für ihren Staat (Paneuropa-Picknick). Die Paneuropa-Union, die Paneuropa-Jugend und das Brüsewitz-Zentrum standen danach unter ständiger Beobachtung des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Insbesondere ihre christliche und konservative Ausrichtung machten sie zur Zielscheibe für Repression. Der europäischen Einigung, dem Kernanliegen der PEU, stand die SED äußerst skeptisch gegenüber.[30]

Kritik nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Europa-Union Deutschland grenzte sich von der Paneuropa-Union in den 1950er-Jahren ab.[31] Meinungsunterschiede zwischen den beiden föderalistischen Bewegungen bestanden vor allem wegen der transatlantischen Ausrichtung der Europa-Union, während die PEU eher den Standpunkt des Gaullismus vertrat. Heutzutage sind diese Unterschiede jedoch kaum noch spürbar.

Der Journalist Stefan Mayr stufte sie 2010 in der Süddeutschen Zeitung darüber hinaus als „erzkonservativ“ ein.[32] Die Bundeszentrale für politische Bildung sieht sie hingegen als konservative Kraft unter den europafreundlichen Bewegungen.[33]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Vanessa Conze: Das Europa der Deutschen. Ideen von Europa in Deutschland zwischen Reichstradition und Westorientierung (1920-1970); Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2005; ISBN 978-3-486-57757-0 Auszüge online bei google books
  • Otto von Habsburg: Die Paneuropäische Idee. Eine Vision wird Wirklichkeit. Amalthea, Wien 1999 ISBN 3-85002-424-5
  • Anita Ziegerhofer-Prettenthaler: Botschafter Europas. Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi und die Paneuropa-Bewegung in den zwanziger und dreißiger Jahren. Böhlau, Wien 2004 ISBN 3-205-77217-2
  • Richard N. Coudenhove-Kalergi: Pan-Europa. Der Jugend Europas gewidmet. Amalthea, München 1987 ISBN 3-85002-239-0.
  • Richard N. Coudenhove-Kalergi: Die Europäische Nation. Deutsche Verlagsanstalt 1953
  • Richard N. Coudenhove-Kalergi: Totaler Staat, Totaler Mensch. Paneuropa-Verlag Glarus (jetzt Augsburg) 1937
  • Anne-Marie Saint-Gille: La "Paneurope". Un débat d'idées dans l'entre-deux-guerres. Reihe: Monde germanique. Presses Universitaires de France PU, Paris-Sorbonne 2003 ISBN 2840502860 (über die Zeit 1920 - 1940)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Paneuropa-Union – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Paneuropa-Union: http://www.paneuropa.org/de_int/organisation.html abgerufen am 20. September 2016.
  2. Oliver Burgard: Europa von oben. - Warum die politischen Initiativen für eine Europäische Union nach dem Ersten Weltkrieg scheiterten. In: Die Zeit, Nr. 3. 13. Januar 2000, abgerufen am 17. Juli 2016.
  3. vgl. Michael Gehler "Europa von den Ideen zu den Institutionen" (2003).
  4. vgl. Matthias Schulz "Europa-Netzwerke und Europagedanke in der Zwischenkriegszeit" (2010).
  5. vgl. dazu "Anfänge der europäischen Einigung" in Der Spiegel vom 3. Oktober 2007.
  6. vgl. ORF-Science vom 23.10. 2013 "Coudenhove-Kalergi fast vergessen", http://sciencev2.orf.at/stories/1726991//index.html abgerufen am 18. September 2016.
  7. Europa, dieses große Versprechen Die Zeit vom 4. März 2016.
  8. vgl. Emanuel Richter in "Die Wiener Jahrhundertwende", Hrsg. Nautz, Jürgen (1996), S. 804.
  9. vgl. "Die Paneuropäische Union" in Der Standard vom 16. August 2009.
  10. vgl. Oliver Burgard "Europa von oben" in Die Zeit vom 13. Jänner 2000.
  11. vgl. dazu "Anfänge der europäischen Einigung" in Der Spiegel vom 3. Oktober 2007.
  12. dazu Thomas Neumann "Die europäischen Integrationsbestrebungen in der Zwischenkriegszeit" (1999), S. 58.
  13. vgl. Matthias Schulz "Europa-Netzwerke und Europagedanke in der Zwischenkriegszeit" (2010).
  14. vgl. Andreas Rödder "Im luftleeren Raum - Die Paneuropa-Bewegung in der Zwischenkriegszeit" in FAZ vom 28.Juni 2005.
  15. vgl. ORF-Science vom 23.10. 2013 "Coudenhove-Kalergi fast vergessen", http://sciencev2.orf.at/stories/1726991//index.html abgerufen am 18. September 2016.
  16. vgl. Martin Große Hüttmann/Hans-Georg Wehling (Hg.): Das Europalexikon, 2., aktual. Aufl. Bonn: Dietz 2013. Autor des Artikels: V. Conze.
  17. vgl. Paneuropa-Union http://www.paneuropa.org/de_int/geschichte.html, abgerufen am 20. Sptember 2016.
  18. Siehe http://www.ronsperg.de/Coudenhove3.htm
  19. spiegel.de: Der erste Stein
  20. vgl. Paneuropa-Union http://www.paneuropa.org/de_int/geschichte.html, abgerufen am 20. Sptember 2016.
  21. französische wikipedia Dort heißt es: er wurde im Dezember 2004 auf Vorschlag seines Vorgängers Otto von Habsburg zu seinem Nachfolger gewählt.
  22. Alle Zitate in diesem Teil aus http://www.paneuropa.org/de/bambprg.pdf
  23. vgl. "Gestoppte Kaiserjäger" in Der Spiegel vom 22. Mai 1972.
  24. vgl. Otto Klambauer "Österreich und die Habsburger-Krise" in Der Kurier vom 5. Dezember 2011.
  25. vgl. http://www.worldvision.at/geschichte abgerufen am 16. September 2016
  26. vgl. Feiern zum 90. Geburtstag Otto Habsburgs in Der Standard vom 20. November 2002.
  27. vgl. Verena Schöberl "Es gibt ein grosses und herrliches Land, das sich selbst nicht kennt,.. Es heißt Europa." (2008), S. 202.
  28. http://de.paneuropa.org/index.php/pan/geschichte
  29. vgl. Schwarz 1938 (mit Vorwort von Reinhard Heydrich) [1]
  30. Joachim Scholtyseck: Die Aussenpolitik der DDR. 2003, S. 5 f.
  31. vgl. insb. Conze 2001: 204 online bei google books
  32. Stefan Mayr: Umzug ins Franziskanerinnen-Kloster: Mixa findet ein neues Zuhause. In: Süddeutsche Zeitung vom 19. Juli 2010 [2]
  33. http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/177182/paneuropa-union