Paul Henckels

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Paul Henckels (* 9. September 1885 in Hürth, Rheinland; † 27. Mai 1967 in Kettwig, heute Essen-Kettwig) war ein deutscher Schauspieler.

Familie[Bearbeiten]

Paul Henckels war der Sohn von Paul Abraham Henckels (1855–1923) und der Schauspielerin Cäcilia Warszawska. Sein Vater entstammte der Solinger Messerschmied- und Unternehmerfamilie Henckels.[1] Sein Großvater war Johann Abraham Henckels jun. (1813–1870).[2]

Paul Henckels war in erster Ehe mit der Schauspielerin Cecilia Brie (* 1884 in Breslau, † 1984 in Argentinien), Tochter von Siegfried Brie, verheiratet. Aus dieser Ehe stammen drei Kinder; Sohn Timm, später Timoteo genannt, (* 1914, † 1993 in Argentinien) und die Töchter Hanna und Anneliese.[3] 1912 lebte die Familie in der Gartenstadt Meererbusch in einer Villa, die der Architekt Fritz August Breuhaus de Groot entworfen hatte.[4]

Nach der Scheidung hat Cecilie Brie 1920 den Maler Eberhard Viegener geheiratet. Paul Henckels heiratete in zweiter Ehe seine Schauspielkollegin Thea Grodtczinsky (* 1893 in Düren, † 1978).[5] In den 30er Jahren lebte das Paar in Kleinmachnow bei Berlin; sein Haus am Weinberg erbaute der Architekt Egon Eiermann.[6] Zuletzt lebten die beiden im Schlosshotel Hugenpoet bei Kettwig. Seine Grabstelle befindet sich auf dem Südfriedhof in Düsseldorf.

Werdegang[Bearbeiten]

Paul-Henckels-Platz, Berlin-Steglitz

Paul Henckels besuchte in Düsseldorf das Königliche Gymnasium. Mit seinen später als Schauspieler und Schriftsteller populär gewordenen Jugendfreunden Heinrich Spoerl, Hans Müller-Schlösser und Peter Esser nahm er an Schulaufführungen teil und gründete das literarische Lesekränzchen. Sie studierten das Studentenstück Alt-Heidelberg ein und brachten um 1903 das Stück Sekundarliebe, geschrieben von Hans Müller-Schlösser, zur Uraufführung.

Nach dem Einjährigen« wurde er zunächst Lehrling in einer Lokomotivenfabrik und arbeitete in der väterlichen Stahlwaren-Handlung. [7] Bei seiner Mutter nahm Paul Henckels den ersten Schauspielunterricht, er erhielt am Krefelder Stadttheater ein erstes Engagement. Als 1905 in Düsseldorf von Louise Dumont und Gustav Lindemann die Hochschule für Bühnenkunst und das Schauspielhaus Düsseldorf gegründet wurde, war er einer der ersten Schüler. Er besuchte die Schauspielschule von 1905 bis 1907. [8] Die Theaterleiterin Dumont verpflichtete Paul Henckels für ihr Theater und besetzte »jugendlich-komische Rollen« mit ihm. [9] Er wirkte von 1907 bis 1920 am Schauspielhaus, auch als Bühnenregisseur und 1919/1920 als einer der Theaterdirektoren. Er leitete dort ein Seminar für Mimik und Gestik, einer seiner Schüler war Gustaf Gründgens.[10]

1921 war er in Berlin Gründer und erster Direktor des Steglitzer Schlosspark Theaters. Von 1936 bis 1945 war er am Preußischen Staatstheater Berlin unter Gustaf Gründgens engagiert. Er spielte ab seinem Debüt 1923 in I.N.R.I. bis zu seinem Tod in über 230 Filmen mit, meist als Nebendarsteller. Unter anderem hat er mit Regisseuren wie Helmut Weiss, Fritz Lang, Lupu Pick, F.W. Murnau, Josef von Sternberg und Arnold Fanck gearbeitet.

Typisch für seine Rollen war sein rheinischer Akzent und die Fixierung auf Rollen als komischer Kauz und schrulliger Herr. Unvergessen ist seine Darstellung des Gymnasialprofessors Bömmel in Die Feuerzangenbowle

(Zitat: „Wat is en Dampfmaschin? Da stelle mer uns mal janz dumm …“)

und des Tierarztes Dr. Pudlich in der Kinofilmreihe Immenhof aus den 1950er Jahren. Während des Nationalsozialismus konnte Henckels in Deutschland weiterarbeiten, obwohl er gesetzlich als „Halbjude“ galt.

In den 1950er und 1960er Jahren trat Paul Henckels auch in Fernsehsendungen auf, so in Die fröhliche Weinrunde mit Margit Schramm als Wirtin und Willy Schneider als Kellermeister, wo Henckels den Stammtischvorsitzenden gab, und in Nachsitzen für Erwachsene als Professor, der in einer Schulklasse vier Erwachsenen – darunter dem aus der Feuerzangenbowle bekannten Schauspieler Hans Richter und der Kabarettistin Edith Hancke – interessante Dinge erklärte.

Schneider Wibbel[Bearbeiten]

Paul Henckels spielte an der Bühne des Düsseldorfer Schauspielhauses über eintausendmal die Hauptrolle des Schneider Wibbel in dem gleichnamigen Theaterstück seines Schulfreundes Hans Müller-Schlösser. Seine Ehefrau Thea Grodtczinsky übernahm in dieser rheinischen Komödie die Rolle der Fina, der Ehefrau des Schneiders Wibbel. Bis 1956 haben beide an verschiedenen deutschen Bühnen dieses Stück fünfzehnhundertmal gespielt.

Paul Henckels hatte diese Rolle schon 1913 bei der Uraufführung dargestellt, zunächst gemeinsam mit Lotte Fuhst als Fine. Da das Stück erfolgreich war, wurde es immer wieder auf die Bühne gebracht. Nach rund dreihundert Aufführungen verließ um 1916 seine Kollegin das Theater, nun erhielt Thea Grodtczinsky aus Köln, damals eine junge Schülerin der Düsseldorfer Bühenschule, die weibliche Hauptrolle. Obwohl sie bei ihrer Vorstellung zu Luise Domont sagte:

„Ich kann doch keinen rheinischen Dialekt“

Zuvor hatten beide schon um 1915 gemeinsam in William Shakespeares Sturm gespielt, er den Caliban, sie die Miranda.

1931 wurde unter seiner Regie Schneider Wibbel als Film gedreht, er übernahm auch die Titelrolle. Nach 1945 sprach er die Figur in zwei Hörspiel-Aufnahmen.

Zwei Büsten am Schneider-Wibbel-Haus in der Düsseldorfer Altstadt, gelegen an der Ecke Bolkerstraße und Schneider-Wibbel-Gasse, erinnern seit 1956 an das Schauspielerehepaar in ihrer Paraderolle. Das bekannteste Zitat aus diesem Theaterstück, einer Verwechslungskomödie, in der der Schneider seine eigene Beerdigung erlebt, ist der Satz von Schneider Wibbel:

„Nä, watt bin ich für ’ne schöne Leich“

Bei der Uraufführung im Jahr 1913 soll auch B. Traven aufgetreten sein. Jener arbeitete von 1913 bis 1915 unter den Namen Ret Marut als Schauspieler am Düsseldorfer Schauspielhaus.[11]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Lieder[Bearbeiten]

Hörspiele[Bearbeiten]

  • 1939: Ruf durch den Äther. Ein Spiel für den Rundfunk – Regie: Gerd Fricke
  • 1939: Douaumont – Regie: Max Bing
  • 1941: »Landser klönen« – Drei Soldaten am Rhein
  • 1941: Lachen und Weinen
  • 1947: Was den Damen gefällt – Regie und Sprecher: Viktor de Kowa
  • 1947: Schneider Wibbel – Regie: Hanns Korngiebel
  • 1948: Der Ruhm, wie alle Schwindelware, hält selten über tausend Jahre – Regie: Nicht bekannt
  • 1950: Dein Herz für mich und meinen Hund – Regie: Wilhelm Semmelroth
  • 1950: Der Wunderdoktor – Regie: Wilhelm Semmelroth
  • 1950: Der Familientag (2 Teile) – Regie: Wilhelm Semmelroth
  • 1950: Schneider Wibbel (als Regiolekt-Hörspiel) – Regie: Karlheinz Schilling
  • 1950: Die Engelsdorfer Erben – Regie: Ludwig Cremer
  • 1950: Romeo und Julia – Bearbeitung und Regie: Edward Rothe
  • 1951: Einer zahlt seine Schuld – Regie: Karl Peter Biltz
  • 1951: Was kostet eine Frau? – Regie: Karl Peter Biltz
  • 1951: Der Bischof und die Kerzenleuchter – Regie: Ludwig Cremer
  • 1952: Wer erbt das Himmelreich? – Bearbeitung und Regie: Peter Hamel
  • 1952: Erasmus im stillen Winkel – Regie: Wilhelm Semmelroth
  • 1952: Die sagenhafte Geschichte des Hengstes Godolphin Arabian – Regie: Eduard Hermann
  • 1952: Radium – Regie: Theodor Steiner
  • 1952: Die kleinen Sünden – Regie: Fränze Roloff
  • 1953: Kleines Genie (auch Bearbeitung) – Regie: Wilhelm Semmelroth
  • 1955: Eine kleine Glückskomödie – Regie: Nicht bekannt
  • 1955: Der Trojanische Krieg findet nicht statt – Regie: Gert Westphal
  • 1955: Der Priester und die Räuber – Regie: Peter Hamel
  • 1956: Wohltat macht das Herz nicht warm – Regie: Detlof Krüger
  • 1957: Fünfhundert Drachentaler – Regie: Peter Hamel
  • 1958: Der blöde Herr – Regie: Detlof Krüger
  • 1959: Ein wahrhaft großer Mann – Regie: Marcel Wall

Werke[Bearbeiten]

  • 1956: Ich war kein Musterknabe – Eines Lebenskünstlers lachende Weisheit, Blanvalet Verlag, Berlin, Erstausgabe 1956, 220 Seiten.
  • 1960: Heiter bis wolkig. Ein Lebens-Wetterbeicht, Droste-Verlag, Düsseldorf
  • 1966: Allerlei Heiterkeit, Hobelspäne von den Brettern, die die Welt bedeuten, Blanvalet Verlag, Berlin

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/persoenlichkeiten/H/Seiten/PaulHenckels.aspx
  2. http://www.dave-effelsberg.de/individual.php?pid=I116&ged=effelsberg
  3. Ulrich Sackstedt: Amigo Timoteo. Vom Schauspielersohn zum Rinderzüchter, in: Weites Grünes Land. Auswanderergeschichten aus Argentinien (OutdoorHandbuch), Conrad Stein Verlag GmbH, Welver 2006, ISBN 978-3-86686-193-0
  4. http://denkmalgalerie.meerbuscher-kulturkreis.de/component/option,com_gallery2/Itemid,5/?g2_itemId=855
  5. Hubert Rütten: Lebensspuren – Spurensuche, Jüdisches Leben im ehemaligen Landkreis Erkelenz, Schriften des Heimatvereins der Erkelenzer Lande Band 22. Erkelenz 2008, Seiten 206 ff.
  6. https://vilmoskoerte.wordpress.com/2007/09/01/wohnhaus-paul-henckels-in-kleinmachnow/
  7. Oliver Ohmann: Heinz Rühmann und "Die Feuerzangenbowle": die Geschichte eines Filmklassikers
  8. https://www.munzinger.de/search/portrait/Paul+Henckels/0/2746.html
  9. http://www.vvb.de/autoren/showAutor?aid=8647#
  10. Hans-Michael Bock: Lexikon Film Schauspieler international, Berlin 1995
  11. https://www.duesseldorf.de/heineinstitut/archiv/gesamtbestand/mueller_schloesser_hans.shtml