Letzlingen

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Letzlingen
Wappen von Letzlingen
Koordinaten: 52° 26′ 49″ N, 11° 29′ 8″ O
Höhe: 71 m
Fläche: 64,71 km²
Einwohner: 1435 (31. Dez. 2016)
Bevölkerungsdichte: 22 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2011
Postleitzahl: 39638
Vorwahl: 039088
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Lage der Ortschaft Letzlingen in Gardelegen
Jagdschloss Letzlingen
Jagdschloss Letzlingen

Letzlingen ist eine Ortschaft sowie ein Ortsteil der Hansestadt Gardelegen im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das altmärkische Kirchdorf Letzlingen liegt in der weitläufigen Wald- und Heidefläche der Colbitz-Letzlinger Heide rund 45 km nördlich von Magdeburg direkt an der Bundesstraße 71. Die Milde entspringt nordöstlich des Dorfes am Südende der Mildewiesen in einem Moorgebiet und fließt nach Norden. Nordöstlich des Dorfes liegt der Wohnplatz Theerhütte. Dort beginnt der Wannegraben, der durch das Dorf nach Westen fließt.[1]

Zur Gemarkung des Ortes gehören große Teile des östlich gelegenen Truppenübungsplatzes Altmark, darunter ist die ehemalige Ortslage der Wüstung Salchau.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Erwähnung von Lüderitz stammt aus einer Urkunde im Jahre 1340 in der Johannes, perrer to Luderitz als Zeuge erwähnt wird.[2]

Einige Jahre später wurde das dorff czu Letzling im Lehnbuch der Magdeburgischen Erzbischöfe Albrecht III und Peter genannt. Die Urkunde ist zwischen 1368 und 1381 entstanden.[3] Das Dorf war vom Erzstift Magdeburg an Fritczo vnde Gerhard von Wederden verlehnt.

Weitere Nennungen sind 1477 als wüste Feldmark, 1518 als Schulzenhof zu Letzlingen, 1522 Wüstes Heidedorf zum Schloß Rogätz. 1528 wird das Haus Letzlingen errichtet und von den von Alvensleben bewohnt.[4] 1555 wurde das Dorf vom Kurprinzen Johann Georg von Brandenburg erworben und dem Amt (Kloster) Neuendorf zugewiesen. Zwischen 1559 und 1560 ließ er das Jagdschloss Letzlingen erbauen,[4] dass er laut Christoph Entzelt Hirschburg genannt hat.

1701[5] oder 1703 wurde das Vorwerk Lüderitz abgebaut und an Kolonisten verteilt, ein Kolonistendorf entstand.

Im Jahr 1910 lebten 1378 Einwohner in Letzlingen.[6]

Bei der Bodenreform gingen 27,9 Hektar an 22 landarme Bauern mit Besitz unter 5 Hektar, 11,1 Hektar an 12 landlose Bauern und Kleinpächter sowie 1,6 Hektar an zwei Industriearbeiter. Im Jahre 1959 entstand die erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft vom Typ III, die LPG „Freies Leben“.[4]

Seit 1999 ist das Gefechtsübungszentrum Heer (GÜZ) in der Altmark-Kaserne stationiert.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Letzlingen wurde am 25. Juli 1952 aus dem Landkreis Gardelegen in den neuen kleineren Kreis Gardelegen umgegliedert. Nach dessen Auflösung kam sie am 1. Juli 1994 zum Altmarkkreis Salzwedel.[7] Am 1. Januar 2011 wurde die Gemeinde Letzlingen per Gesetz in die Hansestadt Gardelegen eingegliedert.[8][9] Seitdem ist Letzlingen eine Ortschaft und ein Ortsteil von Gardelegen.[10]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1772 480
1790 417
1798 416
Jahr Einwohner
1801 482
1818 725
1840 1141
Jahr Einwohner
1864 1276
1871 1234
1885 1184
Jahr Einwohner
1895 1385
1905 1368
1925 1474
Jahr Einwohner
1939 1569
1946 2401
1964 1753
Jahr Einwohner
1971 1720
1981 1612
1993 1514
Jahr Einwohner
2006 1558

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „Gespalten von Grün und Silber, vorn ein gezinnter silberner Turm mit zwei pfahlweise angeordneten Fensteröffnungen, hinten eine fünfendige rote Geweihstange.“ Das Wappen wurde 1996 vom Magdeburger Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch gestaltet.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Letzte Bürgermeisterin der ehemals selbstständigen Gemeinde Letzlingen war Regina Lessing. Seit 1. Januar 2011 ist Letzlingen ein Ortsteil von Gardelegen. Regina Lessing ist Ortsbürgermeisterin.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kulturtouristisches Zentrum ist das Jagdschloss Letzlingen mit Kavaliers- und Kastellanhaus. Erbaut wurde das Schloss in der Zeit von 1559 bis 1562 im Auftrage des späteren Kurfürsten von Brandenburg Johann Georg. 1843 bis 1868 wurde es gründlich renoviert. Es befindet sich seit 1996 im Eigentum der Stiftung Dome und Schlösser des Landes Sachsen-Anhalt (heute Kulturstiftung Sachsen-Anhalt) und ist das letzte Hohenzollernschloss in Sachsen-Anhalt.[11] Von hier aus wurde über mehrere Jahrhunderte hinweg die Jagd von mehreren Besitzern und Landesherren betrieben. Auf diese historischen Wurzeln baut das Letzlinger Wappen mit Schlossturm und Hirschstange auf.
  • Dem Jagdschloss gegenüber befindet sich die im Tudorstil errichtete Schlosskirche, die nach Plänen aus dem Jahr 1853 errichtet wurde.[12] Sie wurde 1861 durch König Wilhelm I. eingeweiht und wird heute durch die evangelische Kirchengemeinde Letzlingen genutzt.

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Feste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Wochenende nach Pfingsten findet das Dorf- und Vereinsfest statt.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heimatverein Letzlingen e. V.
  • Männergesangverein 1876 e. V. Letzlingen
  • Fußball-Sportverein FSV Heide Letzlingen e. V.
  • Motorsportverein MSC Letzlingen e. V.
  • Gewerbeverein Letzlingen e. V.
  • Förderverein Freiwillige Feuerwehr Letzlingen e. V., Sitz Gardelegen
  • Förderverein der Schule für geistig Behinderte mit Hörgeschädigtenteil Letzlingen e. V.
  • Förderverein Grundschule Letzlingen und Kindertagesstätte Heideblümchen Letzlingen e. V.
  • Förderverein Schloßkirche Letzlingen e. V., Sitz Gardelegen
  • Schützenverein "Heide-Schützen" Letzlingen e. V.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Letzlingen wird von Bussen der Linie Haldensleben–Gardelegen bedient. Die Bahnstrecke Letzlingen–Gardelegen wird nur im Güterverkehr zur Versorgung des Truppenübungsplatzes betrieben.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische Kirchengemeinde Letzlingen gehörte zur Pfarrei Letzlingen.[13] Seit 1999 gehört die Kirchengemeinde Letzlingen gemeinsam mit Roxförde zum Kirchspiel Letzlingen.[4] Heute gehört das Kirchspiel zum Pfarrbereich Letzlingen[14] des Kirchenkreises Salzwedel im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Bis 1849 gehörte Letzlingen als Filial zu Roxförde.[15] Die historischen Überlieferungen in Kirchenbüchern für Letzlingen beginnen im Jahre 1781.[16]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Letzlingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil XII). In: Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Berliner Wissenschafts-Verlag, 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 1339–1344.
  • Wilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, G.m.b.H., Salzwedel 1928, S. 204.
  • J. A. F. Hermes, M. J. Weigelt: Historisch-geographisch-statistisch-topographisches Handbuch vom Regierungsbezirke Magdeburg. Topographischer Teil. Hrsg.: Verlag Heinrichshofen. Band 2, 1842, S. 410 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3DHB4_AAAAcAAJ%26pg%3DPA410~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)
  2. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Hauptteil 1. Hrsg.: Berlin. Band 22, 1862, S. 389 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10001038_00396~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  3. Gustav Hertel: Die ältesten Lehnbücher der Magdeburgischen Erzbischöfe. In: Historische Commission der Provinz Sachsen (Hrsg.): Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und angrenzender Gebiete. Band 16. Otto Hendel, Halle an der Saale 1898, S. 74 (archive.org).
  4. a b c d Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil XII). In: Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Berliner Wissenschafts-Verlag, 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 1339–1344.
  5. Peter Wilhelm Behrens: Die wüsten Klöster, Burgen und Dörfer der südlichen Altmark, welche in dem Theil der ehemaligen Wendenheide, so die Markgrafenheide benannt worden, belegen gewesen. In: Jahresberichte des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte. 10. Jahresbericht, 1847, S. 27–30 (altmark-geschichte.de [PDF]).
  6. Gemeindeverzeichnis von 1910
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7, S. 359.
  8. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2011
  9. Gesetz über die Neugliederung der Gemeinden im Land Sachsen-Anhalt betreffend den Landkreis Altmarkkreis Salzwedel
  10. Hauptsatzung der Hansestadt Gardelegen (PDF; 39 kB)
  11. Geschichte des Jagdschlosses Letzlingen
  12. Längsschnitt und Querschnitt der Schlosskirche, abgerufen am 18. Dezember 2014
  13. Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID 551010-7, S. 632 (wiki-de.genealogy.net [abgerufen am 21. Mai 2018]).
  14. Pfarrbereich Letzlingen. Abgerufen am 21. Mai 2018.
  15. Verein für Pfarrerinnen und Pfarrer in der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen e. V. (Hrsg.): Pfarrerbuch der Kirchenprovinz Sachsen. Series Pastorum. Band 10. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2009, ISBN 978-3-374-02142-0, S. 411–412.
  16. Ernst Machholz: Die Kirchenbücher der evangelischen Kirchen in der Provinz Sachsen (= Mitteilungen der Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte. 30. Heft). Leipzig 1925, S. 7 (wiki-de.genealogy.net [abgerufen am 11. Mai 2018]).