Popular Vote

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Popular Vote wird in den Vereinigten Staaten die Anzahl der abgegebenen Stimmen bzw. der prozentuale Stimmenanteil bei einer Wahl für ein politisches Mandat bezeichnet.

US-amerikanische Präsidentschaftswahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besonders im Rahmen der Präsidentschaftswahlen spricht man häufig vom Popular Vote in Bezug auf die Stimmen und den Stimmenanteil der an der Wahl teilnehmenden Bevölkerung, da die entscheidenden Stimmen zur Wahl des Präsidenten in einem Wahlmännergremium abgegeben werden. Diese Wahlmänner werden in den jeweiligen Bundesstaaten nach einzelstaatlichen Regeln gewählt und geben anschließend ihre Stimmen ab. In fast allen Staaten mit Ausnahme von Nebraska und Maine gilt das „The winner takes all“-Prinzip und die Partei, die in dem Bundesstaat die einfache Mehrheit erreicht, darf sämtliche diesem Staat zustehenden Wahlmänner entsenden. Die Anzahl der Wahlmänner je Staat richtet sich nach der Zahl seiner Vertreter im Senat und Abgeordnetenhaus der Vereinigten Staaten, wobei die Zahl der Vertreter im Abgeordnetenhaus wiederum von der jeweiligen Bevölkerungszahl abhängt.

Da die Stimmen der Wahlmänner entscheidend sind, wird der Ausdruck Popular Vote bewusst als Abgrenzung hiervon verwendet, um zu zeigen, wie viel Prozent der Wählerstimmen ein Kandidat erreicht hat. Aufgrund des Wahlsystems kann es vorkommen, dass ein Kandidat landesweit die Mehrheit der Popular Vote erreicht, also mehr Wählerstimmen als sein Kontrahent auf sich vereint, jedoch im entscheidenden Wahlmännergremium weniger Stimmen erzielt.

Kandidaten, die die Popular Vote verloren und die Wahl gewannen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1824: John Quincy Adams[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Präsidentschaftswahl 1824 wurde John Quincy Adams am 9. Februar 1825 zum Präsidenten gewählt. Die Wahl wurde durch das House of Representatives getroffen, da im Electoral College kein Kandidat die absolute Mehrheit der Stimmen erreichte und daher der 12. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten zur Anwendung kam. Andrew Jackson hatte im Electoral College eine einfache Mehrheit erhalten. Daher erklärte er die Wahl für manipuliert.[1][2]

1876: Rutherford B. Hayes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Präsidentschaftswahlen 1876 waren die umstrittensten der US-Geschichte. Samuel J. Tilden aus New York erhielt die meisten Stimmen vor Rutherford B. Hayes aus Ohio mit einem Stimmenvorsprung von ca. 250.000 Stimmen. Tilden bekam auch 184 Stimmen im Electoral College gegenüber 165 für Hayes. Über 20 Stimmen aus den Staaten Florida (4), Louisiana (8) und South Carolina (7) und Oregon (1) kam es zum Disput. Eine 15-köpfige Wahlkommission aus je fünf Mitgliedern von Senat, Repräsentantenhaus und Oberstem Gericht wurde gebildet. Man einigte sich darauf, Hayes die Stimmenmehrheit zuzusprechen und dafür wichtige Punkte im Bereich des Wiederaufbaus der Südstaaten zu akzeptieren. Hayes wurde zum Präsidenten gewählt.[3][4]

1888: Benjamin Harrison[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Präsidentschaftswahlen 1888 trat der Amtsinhaber Grover Cleveland gegen den ehemaligen Senator Benjamin Harrison aus Indiana an. Cleveland gewann die Popular Vote mit einem Stimmenvorsprung von knapp 90.000 Stimmen, jedoch nicht die Mehrheit der Wahlmänner. 1892 trat Cleveland erneut gegen Harrison an und gewann sowohl die Mehrheit der Wähler- als auch die Mehrheit der Wahlmännerstimmen.

2000: George W. Bush[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Präsidentschaftswahlen 2000 trat der amtierende Vizepräsident Al Gore gegen den amtierenden Gouverneur von Texas George W. Bush an. Gore gewann die Popular Vote mit einem Vorsprung von mehr als 540.000 Stimmen, jedoch nicht die Mehrheit der Wahlmänner.[5]

2016: Donald Trump[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Präsidentschaftswahl 2016 hatte die Kandidatin Hillary Clinton fast 2,9 Millionen Stimmen mehr als ihr Gegenkandidat Donald Trump, der mehr Wahlmännerstimmen erhielt. Trump behauptete drei Tage nach seiner Amtseinführung gegenüber führenden Kongressmitgliedern, er hätte auch beim 'popular vote' eine Mehrheit der Stimmen erhalten, wenn nicht Millionen von Menschen illegal bei der Wahl abgestimmt hätten. Für diese Behauptung lieferte er keinen Beweis.[6]

Weitere Verwendungen des Begriffes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff Popular Vote wird in den USA auch für Direktwahlen verwendet, wie beispielsweise bei Mitgliedern des Kongresses, Gouverneurswahlen oder Wahlen zu den Parlamenten der Bundesstaaten.

Deutschsprachige Medien verwenden den Begriff Popular Vote gelegentlich.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. "The Election of 1824 Was Decided in the House of Representatives: The Controversial Election was Denounced as 'The Corrupt Bargain'", Robert McNamara, About.com
  2. R. R. Stenberg: Jackson, Buchanan, and the "Corrupt Bargain" Calumny. In: The Pennsylvania Magazine of History and Biography. 58, Nr. 1, 1934, S. 61–85. doi:10.2307/20086857.
  3. Stephen A. Jones, Eric Freedman: Presidents and Black America. CQ Press, 2011, ISBN 9781608710089, S. 218: „In an eleventh-hour compromise between party leaders - considered the "Great Betrayal" by many blacks and southern Republicans ...“
  4. Downs, 2012
  5. 2000 Presidential Electoral and Popular Vote Summary, Federal Election Commission
  6. washingtonpost.com 23. Januar 2017: Without evidence, Trump tells lawmakers 3 million to 5 million illegal ballots cost him the popular vote