Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2000

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
‹ 1996 • Flagge der USA • 2004
54. Präsidentschaftswahl
Siegel des Präsidenten der Vereinigten Staaten
7. November 2000

Official Portrait- President George Walker Bush, 43rd President of the United States, Republican - DPLA - 7482eac0e113bf03014d1686a3733f97.jpeg
Republikanische Partei
George W. Bush / Dick Cheney
Wahlleute 271  
Stimmen 50.456.002  
  
47,9 %
Al Gore, Vice President of the United States, official portrait 1994.jpg
Demokratische Partei
Al Gore / Joe Lieberman
Wahlleute 266[1]  
Stimmen 50.999.897  
  
48,4 %

Wahlergebnisse nach Bundesstaat
Karte der Wahlergebnisse nach Bundesstaat
  30  
Bush/Cheney
  20+DC  
Gore/Lieberman

Gewähltes Electoral College
  
Electoral College:
  • Bush 271
  • Gore 266

  • Präsident der Vereinigten Staaten

    Die 54. Wahl des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika fand am 7. November 2000 statt. Mit einem der knappsten Ergebnisse in der Geschichte der USA wurde George W. Bush zum 43. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt.

    Die Stimmauszählung im Bundesstaat Florida, einem der besonders umkämpften Swing States, dauerte mehr als einen Monat. Am Ende lag Bush dort mit 537 Stimmen vor seinem demokratischen Konkurrenten Gore. Auch nach richterlich angeordneten Nachzählungen in einigen Wahlkreisen und der höchstrichterlichen Überprüfung durch den Supreme Court blieb der Wahlausgang umstritten.

    Kandidaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Demokratische Partei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Demokratische Kandidaten:

    Nach den Regeln des 22. Zusatzartikels der Verfassung durfte Amtsinhaber Bill Clinton nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidieren. Im Rennen um die Nominierung trat daher der amtierende Vizepräsident Al Gore an. Einziger nennenswerter Gegenkandidat war der Senator Bill Bradley, ein ehemaliger Profi-Basketballer, der für die New York Knicks gespielt hatte und 1978 in die Politik gegangen war. Vor allem im Bereich Gesundheitsvorsorge gingen die Meinungen Gores und Bradleys, der massive Reformen forderte, auseinander. Obwohl Gore schließlich alle Vorwahlen für sich entscheiden konnte, offenbarten die Debatten mit Bradley ein Image-Problem für ihn. Gores mitunter roboterhafte Körperhaltung und vermeintlich überhebliche Ausstrahlung sowie seine intellektuelle Art kamen beim Wähler schlecht an. Diese negativen Aspekte des Kandidaten und potentiellen nächsten Präsidenten bereiteten ihm auch in den Fernsehdebatten gegen Bush große Probleme bei der Wählerschaft.

    Als Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten nominierte Gore später Senator Joseph Lieberman aus Connecticut. Der orthodoxe Jude Lieberman war der erste prominente Demokrat gewesen, der Clintons Affäre mit Monica Lewinsky als unmoralisch kritisiert hatte. Liebermans warmherzige Erscheinung sollte Gores vermeintliche Steifheit kompensieren.

    Republikanische Partei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Republikanische Kandidaten:

    Nachdem Bob Dole bei den Wahlen vier Jahre zuvor deutlich unterlegen war, entschieden sich die Republikaner nun für den texanischen Gouverneur George W. Bush, den Sohn des früheren Präsidenten George Bush. Sein härtester Konkurrent in den Vorwahlen war Senator John McCain aus Arizona, der jedoch nach einer deutlichen Niederlage bei den Vorwahlen in South Carolina praktisch keine Chance mehr besaß. Der Wahlkampf zwischen Bush und McCain gilt als einer der schmutzigsten der US-Geschichte. McCain soll Vater eines unehelichen schwarzen Kindes sein, seine Frau Cindy sei drogenabhängig, McCain selbst schwul und psychisch instabil wegen seiner Gefangenschaft in Nordvietnam.[2] Alle übrigen Kandidaten hatten das Rennen bereits frühzeitig aufgegeben. Beim Nominierungskonvent in Philadelphia erhielt Bush 2.038 von 2.041 Stimmen.

    Mit der Suche nach einem geeigneten Kandidaten für die Vizepräsidentschaft wurde eine Findungskommission unter Vorsitz des früheren US-Verteidigungsministers Dick Cheney betraut. Diese kam zu dem Ergebnis, dass kein Parteimitglied besser als Cheney selbst für das Amt geeignet sei.

    Grüne Partei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Verbraucheranwalt Ralph Nader trat zum zweiten Mal nach 1996, erstmals als offizieller Kandidat der Grünen Partei, als Präsidentschaftskandidat an.

    Wahlergebnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Durch die juristischen Probleme der korrekten Stimmenauszählung in Florida dauerte es nach der Wahl mehr als einen Monat, bis ein Ergebnis feststand. Als der damalig mehrheitlich republikanisch besetzte Supreme Court letztinstanzlich eine erneute Nachzählung in bestimmten Wahlkreisen Floridas verbot (siehe Bush v. Gore), war der Wahlsieg des republikanischen Kandidaten offiziell. George W. Bush hatte die Präsidentschaftswahl mit einer bis heute umstrittenen Differenz von 537 Stimmen in Florida gewonnen.[3]

    Von den entscheidenden insgesamt 538 Wahlmännerstimmen konnte George W. Bush mit 271 Stimmen die Mehrheit für sich gewinnen (eine Stimme mehr als die notwendigen 270).

    Da die Mehrzahl der Richter am Supreme Court von republikanischen Präsidenten ernannt worden war, war bereits des Öfteren Kritik an der Objektivität der Entscheidung des Gerichts laut geworden.

    Wahlmaschinen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Wegen der öffentlichen Kritik an den Wahlmaschinen in Florida wurde der Help America Vote Act entworfen und am 29. Oktober 2002 verabschiedet. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit setzte sich Floridas Gouverneur Charlie Crist für die Abschaffung von Wahlcomputern in Florida ein.

    Am 3. Mai 2007 ist Florida zum klassischen Wahlzettel auf Papier zurückgekehrt. Das Parlament verabschiedete einstimmig ein Gesetz, das den Einsatz von Papier-Stimmzetteln vorschreibt. Wie die 118 Abgeordneten in ihrem Entscheid begründeten, soll damit gegebenenfalls eine notwendig werdende Neuauszählung der Stimmen ermöglicht werden.

    Gesamtergebnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Kandidat Partei Stimmen Wahlmänner
    Anzahl Prozent
    George Walker Bush Republikaner 50.456.002 47,9 % 271
    Al Gore Demokrat 50.999.897 48,4 % 266
    Ralph Nader Grüner 2,882,955 2,7 %
    Pat Buchanan Reformpartei 448.895 0,4 %
    Harry Browne Libertarian 384.431 0,4 %
    Sonstige 232.920 0,2 %
    Gesamt 105.421.423 100 % 538

    Da in den USA bei Präsidentschaftswahlen nicht das Gesamtergebnis der Stimmen relevant ist, sondern die Anzahl Wahlmännerstimmen, wurde George W. Bush zum Präsidenten gewählt, obwohl Al Gore einen landesweiten Stimmenvorsprung von 532.994 Stimmen aufwies. Wahlfrau Barbara Lett-Simmons aus dem District of Columbia gab einen leeren Wahlzettel ab, anstatt nach Parteilinie für Gore zu stimmen, um dagegen zu protestieren, dass die Bürger der Hauptstadt im Senat nicht vertreten sind.[4]

    Wahlergebnis nach Bundesstaaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    WM: Anzahl der Wahlmännerstimmen

    Bundesstaat Rep.
    Wählerstimmen
    Rep.
    WM
    Dem.
    Wählerstimmen
    Dem.
    WM
    Grüne
    Wählerstimmen
    Grüne
    WM
    Alabama 944.409 9 695.602 18.349
    Alaska 167.398 3 79.004 28.747
    Arizona 781.652 8 685.341 45.645
    Arkansas 472.940 6 422.768 13.421
    Colorado 883.745 8 738.227 91.434
    Connecticut 561.094 816.015 8 64.452
    Delaware 137.288 180.068 3 8.307
    Florida 2.912.790 25 2.912.253 97.488
    Georgia 1.419.720 13 1.116.230 13.432
    Hawaii 137.845 205.286 4 21.623
    Idaho 336.937 4 138.637 12.292
    Illinois 2.019.421 2.589.026 22 103.759
    Indiana 1.245.836 12 901.980 18.531
    Iowa 634.373 638.517 7 29.374
    Kalifornien 4.567.429 5.861.203 54 418.707
    Kansas 622.332 6 399.276 36.086
    Kentucky 872.492 8 638.898 23.192
    Louisiana 927.871 9 792.344 20.473
    Maine 286.616 319.951 4 37.127
    Maryland 813.797 1.145.782 10 53.768
    Massachusetts 878.502 1.616.487 12 173.564
    Michigan 1.953.139 2.170.418 18 84.165
    Minnesota 1.109.659 1.168.266 10 126.696
    Mississippi 573.230 7 404.964 8.126
    Missouri 1.189.924 11 1.111.138 38.515
    Montana 240.178 3 137.126 24.437
    Nebraska 433.862 5 231.780 24.540
    Nevada 301.575 4 279.978 15.008
    New Hampshire 273.559 4 266.348 22.198
    New Jersey 1.284.173 1.788.850 15 94.554
    New Mexico 286.417 286.783 5 21.251
    New York 2.403.374 4.107.907 33 244.060
    North Carolina 1.631.163 14 1.257.692
    North Dakota 174.852 3 95.284 9.497
    Ohio 2.351.209 21 2.186.190 117.857
    Oklahoma 744.337 8 474.276
    Oregon 713.577 720.348 7 77.357
    Pennsylvania 2.281.127 2.485.967 23 103.392
    Rhode Island 130.555 249.508 4 25.052
    South Carolina 786.426 8 566.039 20.279
    South Dakota 190.700 3 118.804
    Tennessee 1.061.949 11 981.720 19.781
    Texas 3.799.639 32 2.433.746 137.994
    Utah 515.096 5 203.053 35.850
    Vermont 119.775 149.022 3 20.374
    Virginia 1.437.490 13 1.217.290 59.398
    Washington 1.108.864 1.247.652 11 103.002
    Washington, D.C. 18.073 171.923 3 10.576
    West Virginia 336.475 5 295.497 10.680
    Wisconsin 1.237.279 1.242.987 11 94.070
    Wyoming 147.947 3 60.481 4.625
    Summe 50.456.002   271 50.999.897 267 2.883.105 0

    Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    • Edward Foley: Ballot Battles: The History of Disputed Elections in the United States. Oxford University Press, Oxford 2016, ISBN 978-0-19-023527-7, S. 279–305 (= 11. Florida 2000: Avoiding a Return to the Constitutional Brink).
    • Donald Richard Deskins, Hanes Walton, Sherman C. Puckett: Presidential Elections, 1789-2008: County, State, and National Mapping of Election Data. University of Michigan, Ann Arbor 2010, ISBN 978-0-472-11697-3, S. 518–527 (= Kapitel 56: George W. Bush’s Initial Election.).
    • Richard Johnston, Michael G. Hagen und Kathleen Hall Jamieson: The 2000 Presidential Election and the Foundations of Party Politics. Cambridge University Press, Cambridge 2004, ISBN 0-521-81389-1.
    • Herbert F. Weisberg, Clyde Wilcox (Hrsg.): Models of Voting in Presidential Elections: The 2000 U.S. Election. Stanford University Press, Palo Alto 2003, ISBN 978-0-8047-4855-1.
    • Presidential Studies Quarterly. Vol. 33, No. 1, 2000 Presidential Election, März 2003.
    • Robert E. Denton, Jr. (Hrsg.): The 2000 Presidential Campaign: A Communication Perspective. Praeger, Westport (CT) 2002, ISBN 0-275-97107-4.
    • Andrew E. Busch, James W. Ceaser: The Perfect Tie: The True Story of the 2000 Presidential Election. Rowman & Littlefield, Lanham (MD) 2001, 0-7425-0835-8.
    • Howard Gillman: The Votes That Counted: How the Court Decided the 2000 Presidential Election. University of Chicago Press, Chicago 2001, ISBN 978-0-226-29407-0.
    • Richard A. Posner: Breaking the Deadlock: The 2000 Election, the Constitution, and the Courts. Princeton University Press, Princeton 2001, ISBN 978-0-691-09073-3.
    • Jeffrey Toobin: Too Close to Call: The Thirty-Six-Day Battle to Decide the 2000 Election. Random House, New York 2001, ISBN 978-0-375-50708-3.

    Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    1. 267 Wahlmänner hatten Gore/Lieberman bei der Wahl erreicht; allerdings enthielt sich eine Wahlfrau aus der Delegation von Washington, D.C. der Stimme, wodurch Gore/Lieberman nur 266 im Wahlkollegium erreichten.
    2. Nicolas Richer: Stimmen der Unvernunft. In: Der Bund vom 1. Februar 2016, S. 2
    3. Wade Payson-Denney: So, Who Really Won? What the Bush v. Gore Studies Showed. In: CNN.com, 31. Oktober 2015 (englisch).
    4. Meldung auf Fairvote.org, 2004

    Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Commons: Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2000 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien