Probstei (Region)

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Die Probstei ist eine im Kreis Plön liegende Region in Schleswig-Holstein. Die Region wird im Norden von der Ostsee begrenzt, im Süden vom Selenter See und vom Passader See, im Westen von der Hagener Au und im Osten von der Mühlenau. Als kommunalpolitische Verwaltungseinheit bilden die Gemeinden der Region das Amt Probstei.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das seit dem 6. Jahrhundert von Slawen (Wenden, Wagrier) besiedelte Gebiet der späteren Probstei geriet im Laufe des 12. Jahrhunderts unter den Einfluss der deutschen, in diesem Falle sächsischen Ostsiedlung. Graf Heinrich von Badewide vertrieb vor 1171 die Slawen aus Ostholstein. Die Schauenburger Grafen von Holstein besiedelten das Land neu mit Kolonisten aus dem gesamten nordwestdeutschen Raum, vor allem Ost- und Westfalen.[1] Die Salzwiesen und den Wald der Landschaft, die durch Grundmoränen entstanden ist, hatte Graf Albrecht von Orlamünde im Jahr 1216 dem Marquard von Stenwer als Lehen überlassen. Seit 1226 war der größte Teil der Region dann im Besitz des Klosters Preetz. Die Verwaltung lag beim Propst.[2] Von der kirchlichen Amtsbezeichnung ist der Name der Region Probstei abgeleitet. Das Gebiet der historischen Probstei, nicht zu verwechseln mit dem heutigen Amt, umfasste die Ortschaften Barsbek, Bendfeld, Brodersdorf, Fahren, Fiefbergen, Gödersdorf (heute zu Höhndorf), Höhndorf, Krokau, Krummbek, Laboe, Lutterbek, Passade, Prasdorf, Probsteierhagen, Ratjendorf, Schönberg, Stakendorf, Stein, Wendtorf und Wisch.[3]^

Ursprünglich war die gesamte Probstei von adeligen Gütern umgeben und hatte als freies Bauernland einen Sonderstatus. Diesen verdankte sie dem Kloster Preetz, dem das Probsteier Land bis 1542 gehörte und das dort die Gerichtsbarkeit ausübte.

Weil die Pflichtabgaben an das Kloster mäßig waren, das Ackerland aber sehr ertragreich, konnten die Bauern der Region ihren Wohlstand ausbauen und Selbstständigkeit gewinnen. Das wurde auch dadurch begünstigt, dass die geographische Randlage den Durchzug räuberischer Heerscharen ausschloss. Die selbstbewussten Probsteier bezeichneten angrenzende Gegenden herablassend als Tönkerie (nach den getünkten Lehmkaten der Gutsarbeiter).

Neben dem Tourismus ist in der Probstei auch heute noch die bäuerliche Landwirtschaft ökonomisch bestimmend. Wichtigste Orte in der Region sind Schönberg, Probsteierhagen und Laboe.

Blick vom Marine-Ehrenmal Laboe in Richtung Osten über die Landschaft der Probstei

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Günter Finke: Probsteier Geschlechterbuch. Ein Beitrag zur Volks- und Landeskunde. Beiträge zur Familiengeschichte Schleswig-Holsteins. Bd. 1: Neustadt an der Aisch 1957-1972. Bd. 2: Neustadt an der Aisch 1967-1979.
  • Jürgen Oetting: Nonnen als milde Obrigkeit. Die Probstei: Bauernland mit Sonderstatus. In: Harald Breuer und Jens Reimer Prüß (Hrsg.): Regional- und Freizeitführer Schleswig-Holstein. VSA Verlag, Hamburg 1990, ISBN 3-87975-518-3, S. 181–183.
  • Peter Wenners: Die Probsteier Familiennamen vom 14. bis 19. Jahrhundert. Mit einem Überblick über die Vornamen im gleichen Zeitraum. Neumünster 1988 (= Kieler Beitrr. zur dt. Sprachgesch. 11; Phil. Diss. Kiel 1986).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wenners, Familiennamen, S. 35f.
  2. Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt, Ortwin Pelc (Hrsg.): Das neue Schleswig-Holstein Lexikon. Wachholtz, Neumünster 2006, Lemma Probstei.
  3. Wenners, Familiennamen, S. 31.