Ralf Schüler

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Ralf Schüler (* 26. Oktober 1930; † 10. März 2011 in Berlin[1]) war ein deutscher Architekt. Er betrieb sein Büro zusammen mit seiner Frau, der Architektin Ursulina Schüler-Witte (* 2. Februar 1933 in Berlin).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ralf Schüler und Ursulina Witte lernten sich beim Studium an der Technischen Hochschule Berlin 1953 kennen. Frühzeitig begannen beide im privaten Architekturbüro von Bernhard Hermkes als Hilfskräfte zu arbeiten. Ralf Schüler arbeitete in dieser Zeit vorrangig an dem Gebäude der Architekturfakultät der Technischen Hochschule Berlin, dessen Entwurfsurheber er so faktisch wurde. Die Mitarbeit bei Hermkes veranlasste Ralf Schüler 1966 sein Studium abzubrechen, da er sich durch die Arbeit im Büro für vollständig ausgebildet hielt. Ursulina Witte absolvierte 1967 erfolgreich ihr Studium.

1964 nahmen Ralf Schüler und Ursulina Witte am Wettbewerb für die Gestaltung des U-Bahnhofs Blissestraße teil. Da Hermkes Jury-Mitglied war, wurde der Wettbewerbsbeitrag der beiden ausgeschlossen, aber dennoch zur Bewertung hinzugezogen. Der Entwurf von Schüler / Witte wurde als bester bewertet und somit verlief der Wettbewerb ergebnislos, da kein anderer Wettbewerbsbeitrag für gut genug beschieden wurde. Mit ihrem Beitrag konnten die beiden jungen Architekten trotz des Ausschlusses auf sich aufmerksam machen und erhielten in der Folge im Jahr 1967 den Auftrag zur Gestaltung des U-Bahnhofs Schloßstraße als Direktvergabe. Im selben Jahr heirateten Ralf Schüler und Ursulina Witte und eröffneten ihr Büro in Berlin.

Am Standort des zukünftigen U-Bahnhofs Schloßstraße sollte die Bundesautobahn 104 mit dem Steglitzer Kreuz verknüpft werden. Somit sollte ein multidimensionaler Verkehrsknoten entstehen. Obwohl nur für die Gestaltung des U-Bahnhofs beauftragt, erweiterten die beiden Architekten ungefragt ihr Entwurfsgebiet auf die Kopfbauten des U-Bahnhofs und die Hochstraße. Zur Betonung des Verkehrsknotens schlugen sie zudem eine monolithische Skulptur vor, für die sie allerdings keine Finanzierung bekamen. Um dennoch die Anlage betonen zu können, entwarfen sie einen Turm mit drei Nutzgeschossen, den sie privaten Investoren vorschlugen. Nach diversen Entwurfsstadien, Finanzierung von westdeutschen Immobilienspekulanten und zwischenzeitlichem Baustopp wurde so 1976 der Bierpinsel eröffnet.

Parallel zur Arbeit am Bierpinsel gewannen Schüler / Schüler-Witte den Wettbewerb für den Neubau des Berliner Kongresszentrums, das später das Internationale Congress Centrum (ICC) Berlin werden sollte. Das ICC (1971–1979) wurde zum Hauptwerk der beiden Architekten. Trotz des Umfangs des ICC-Auftrags und der internationalen Anerkennung für eines der modernsten Kongresshäuser der Welt erreichten Schüler / Schüler-Witte nie ein internationales Standing. Der ICC-Auftrag blieb das größte Projekt der beiden. Spätere Projekte waren vorrangig Sanierungsprojekte und Beratungstätigkeiten für den Autobahnbrückenbau.

Charakteristisch für das Frühwerk – und somit das Hauptwerk – von Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte sind die Betonung der technischen Elemente, die prägnante plastische Gestaltung und das Experimentieren mit neuen Baustoffen und Fertigungsmethoden.

Ralf Schüler starb 2011 im Alter von 80 Jahren. Seine letzte Ruhestätte befindet sich im Familiengrab der Witte auf dem Parkfriedhof Lichterfelde in Berlin.[2]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wohnbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Projekte für Kunststoffhäuser (1967)
  • Projekt Wohnsiedlung Janus (für die Gagfah), Berlin (ab 1969)
  • Projekt Indapt-Bau-Systeme, zusammen mit Otto Walter Haseloff u.a. (1971–1973)
  • Projekt Bandstadt Grunewald, zusammen mit Helge Sypereck, Berlin (1974)
  • Haus Haseloff, Berlin-Zehlendorf (1974)
  • Sanierung/Rekonstruktion der Villa Andresen, Berlin-Lichterfelde (1974–1976)
  • Wohnanlage "Die Augsburg", Berlin-Schöneberg (1979–1991)
  • Schwesternwohnungen Virchow-Klinikum, Berlin-Wedding (1989–1993)

Öffentliche Bauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fakultät für Architektur der TU (sog. "Hermkes-Bau", als Angestellter im Büro H.), Berlin-Charlottenburg (1961–1963)
  • Beleuchtung am Kurfürstendamm, Berlin (1975)
  • Projekt Luftsicherheitszentrale, beim Kammergericht, Berlin-Schöneberg (1982–1983)
  • Erweiterung Kriminalgericht Moabit (Haus B), Berlin-Moabit (1987–1991)
  • Sanierung und Umbau des Kammergerichts, Berlin-Schöneberg (1991–1996)
  • Rathaus (Bürodienstgebäude), Berlin-Hellersdorf (1991–1998), verbunden mit:
    • Museums- und Galerie-Anbau "Pyramidale" (2001)

Museumsbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Projekt Technikmuseum Berlin an der Jaffé-/Heerstrasse bzw. im Flughafen Tempelhof (1966-1974)
  • Projekt Pavillon Kalabscha-Tor/Sahure-Tempel im Garten von Schloss Charlottenburg, Berlin (1972)
  • Umbau Antikenmuseum im westlichen Stülerbau, zusammen mit Goerd Peschken, Schloßstraße 1, Berlin-Charlottenburg (1972–1974) und Schatzkammer im Kellergeschoss, zusammen mit Helge Sypereck (1974–1975)
  • Erweiterung Ägyptisches Museum Berlin im Marstall, Schloßstraße 69a, Berlin-Charlottenburg (1982–1983), damit verbunden:
    • Umbau im östlichen Stülerbau, Schloßstraße 70 (1983–1984)
    • Hallenbau an den Marstall (Sahure-Tempel, 1983–1989)
    • Abguss-Sammlung Antiker Plastik, zusammen mit Helge Sypereck, Schlossstraße 69b (1985–1988)
    • Bezirksmuseum Charlottenburg, Schloßstraße 69 (1987)
    • Naturwissenschaftliche Sammlung (Schloßstraße 69a, 1987–1989)
  • Sammlung Werner des Johanniterordens, Berlin-Lichterfelde (1985)
  • Museum für Vor- und Frühgeschichte im Schloss Charlottenburg, Berlin (1987–1989)
  • Vorschläge zum Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses (1993–1998)
  • Verschiedene temporäre Ausstellungsgestaltungen

Hallen, Zentren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Projekt Erweiterung Messehallen an der Jafféstrasse, Berlin-Charlottenburg (1965/1966)
  • Internationales Congress Centrum Berlin (1971–1979)
  • Projekt Freizeit-Center "Fahranaz Region", Elburs-Gebirge, Iran (1974–1976)
  • Projekt Kongresszentrum, Abu Dhabi (1981–1982)
  • Projekt Wiederaufbau der Kongresshalle Berlin (Haus der Kulturen der Welt, „Schwangere Auster“, 1983)

Öffentlicher Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Projekt U-Bahnhof_Blissestraße, Berlin-Wilmersdorf (1964)
  • Projekt Knotenpunkt Schildhornstraße, Berlin-Steglitz (1969), daraus entstanden:
    • U-Bahnhof Schloßstraße (1971–1974)
    • Turmrestaurant Bierpinsel (1976, mit Vorbau 1986 und Mobilfunkanlage 1993)
    • Joachim-Tiburtius-Brücke, Schloßstraße (1988–1990)
  • Projekt Schwebebahn Kurfürstendamm, Berlin (ca. 1975)
  • Sanierung des S-Bahnhofs Witzleben, Berlin-Charlottenburg (1993, oder 2002?)
  • Rekonstruktion der Kuppel des U-Bahnhofs Nollendorfplatz, Berlin-Schöneberg (2002)

Brücken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Projekt Fussgängerbrücke, Bundesallee, Berlin-Wilmersdorf (1969)
  • Lichtensteinbrücke und Rosa-Luxemburg-Steg, Berlin-Tiergarten (1978–1987), damit verbunden:
  • Projekt Havelbrücke, Berlin-Spandau (1993)
  • Projekt Nedlitzer Nordbrücke, Neu-Fahrland (1999)

Autobahnbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lukas Foljanty: Der Verkehrsknoten Steglitz. Bierpinsel, U-Bahnhof Schloßstraße, Joachim-Tiburtius-Brücke. Das Erstlingswerk von Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte. (= ISR Graue Reihe, Heft 30) Universitätsverlag der Technischen Universität Berlin, Berlin 2011, ISBN 978-3-7983-2282-0. (Volltext)
  • Ein Mann und seine Welt. Der Berliner Architekt Ralf Schüler. In: LUI (Dt. Ausgabe), Jahrgang 1978, Nr. 11.
  • Ursulina Schüler-Witte: Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte. Eine werkorientierte Biographie der Architekten des ICC. Lukas Verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-86732-212-6

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ralf Schüler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Berliner Architekt Ralf Schüler gestorben. In: Berliner Morgenpost vom 11. März 2011 online, zuletzt abgerufen am 12. März 2011
  2. knerger.de: Das Grab von Ralf Schüler