Religionen in München

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Traditionell ist unter den Religionen in München die römisch-katholische Kirche vorherrschend; evangelische Kirchen sind erst seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts präsent. Nach der Vertreibung der Juden im 15. Jahrhundert sind erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts wieder jüdische Bürger in München nachgewiesen.

Ende 2017 berichtete das Statistische Amt Münchens, dass 31,8 % der Einwohner römisch-katholisch, 11,4 % evangelisch und 0,3 % jüdisch seien. 1,0 % gehörten sonstigen Religionsgesellschaften an, während bei einer Mehrheit von 55,5 % keine Religionsangabe vorlag. Die Zahl der Protestanten als auch der Katholiken sinkt seit vielen Jahren, während der Anteil der Konfessionslosen zunimmt.[1] 2011 waren 7,2 % der Bevölkerung muslimisch.

Christentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholische Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Römisch-katholische Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Theatinerkirche

Die Stadt München gehörte von Anfang an zum Bistum Freising, das Suffraganbistum von Salzburg war. Die Bemühungen, in München ein eigenes Bistum zu gründen, scheiterten mehrmals. 1817 wurde jedoch im Zusammenhang mit den politischen Veränderungen dieser Zeit der Freisinger Bischofssitz nach München verlegt. Gleichzeitig wurde das Bistum zum Erzbistum erhoben. Die Bezeichnung lautet seither Erzbistum München und Freising, dessen Erzbischof seit 2008 Reinhard Marx ist. Bischofskirche wurde die Pfarrkirche zu Unserer Lieben Frau (Frauenkirche), das bekannteste Wahrzeichen der Stadt. Heute ist das Stadtgebiet Münchens in mehrere Dekanate eingeteilt, die aus mehreren Pfarrgemeinden bestehen.

Unierte Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

München ist Sitz der Apostolischen Exarchie für katholische Ukrainer des byzantinischen Ritus in Deutschland und Skandinavien.

Andere Katholische Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Altkatholische Kirche hat in München eine bedeutende Gemeinde. Die Kirche Sankt Willibrord[2] befindet sich in der Blumenstraße, Nähe Sendlinger Tor. Die Episcopal Church in the USA hat eine Gemeinde, die in Harlaching, in der Emmauskirche ihre Gottesdienste feiert.[3] Diese Gemeinde feiert auch in Sankt Willibrord regelmäßig Gottesdienste.

In München hat die Freikatholische Kirche ihren Sitz.

Vertreten ist auch die Priesterbruderschaft St. Pius X.

Orthodoxe und Altorientalische Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Salvatorkirche

St. Salvator, die ehemalige Friedhofskirche der Frauenkirche wurde 1829 der griechisch-orthodoxen Gemeinde überlassen. Zu jenem Zeitpunkt war sie (nach der um 1700 gegründeten Gemeinde im Griechenhaus in Leipzig) die zweite in Deutschland und ist heute die älteste griechisch-orthodoxe Kirchengemeinde in Deutschland. Sie untersteht der Griechisch-Orthodoxe Metropolie von Deutschland und wird auf Griechisch „Verklärung des Erlösers“ (Salvator) genannt, eine weitere Gemeinde bildete sich in Schwabing.

Daneben gibt es mehrere andere Gotteshäuser für orthodoxe Kirchen, auch weil München eine starke Balkangemeinde hat. So verfügen die Russisch-Orthodoxe Kirche, die Serbisch-Orthodoxe Kirche, die Mazedonisch-Orthodoxe Kirche sowie die Äthiopisch-Orthodoxe Kirche über eigene Kirchengebäude. Im Olympiapark steht die Ost-West-Friedenskirche von Timofei Wassiljewitsch Prochorow.

Von den altorientalischen Kirchen sind in München die Kopten mit einer eigenen Gemeinde vertreten.

Evangelische Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelisch-Lutherische Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Lukas mit Kabelsteg

Die Lehre Martin Luthers fand in München zunächst eine gewisse Sympathie, doch konnte sie sich nach dem Wormser Reichstag 1522 nicht durchsetzen und wurde in den folgenden Jahren und Jahrzehnten stark verfolgt. Vor allem auch durch das Wirken der Jesuiten wurde jedes Aufkeimen protestantischer Bestrebungen unterdrückt. Daher blieb München eine ausnahmslos katholische Stadt. Erst im Jahre 1799 konnte sich um die damalige Kurfürstin von Bayern (Karoline Friederike Wilhelmine von Baden) eine kleine evangelische Gemeinde bilden, die 1806 zur Gründung der ersten Pfarrei führte, deren Gliederzahl sich ständig erhöhte. Die Salvatorkirche wurde den Protestanten zugebilligt, doch wurde sie nicht als solche benutzt, weil sie zu klein war. Die Gemeinde gehörte zur Protestantischen Kirche des Königreichs Bayern, die Anfang des 19. Jahrhunderts für alle lutherischen und reformierten Gemeinden des Königreichs Bayern errichtet wurde. 1817 wurde München Sitz des „Oberkonsistoriums“ dieser „Protestantischen Gesamtgemeinde“ des Königreichs Bayern. 1833 konnte die St. Matthäuskirche als erste evangelische Kirche errichtet werden. Die St.-Markus-Kirche als zweite und damals noch neugotisch konzipierte, mittlerweile aber mehrfach umgebaute Kirche folgte 1877. In den folgenden Jahrzehnten werden weitere Kirchen errichtet und 1920 entstand die Gesamtkirchengemeinde München mit mehreren Teilkirchengemeinden. Sie gehören zum Dekanat München, das 1968 in vier Prodekanatsbezirke aufgeteilt wurde und Teil des Kirchenkreises München ist.

Neben den Gemeinden der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Bayern besteht in München seit den 1960ern auch eine Gemeinde der altkonfessionell verfassten Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche.

Evangelisch-Reformierte Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Einfluss der reformierten Königin Karoline Friederike Wilhelmine von Baden fanden sich bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts Reformierte in München. Am 30. Juli 1801 erhielt als erster evangelischer Christ der reformierte Mannheimer Kaufmann Johann Balthasar Michel (1755–1818) das Münchner Bürgerrecht. Jedoch wurde erst 1926 offiziell eine Reformierte Gemeinde gegründet. Heute bestehen drei reformierte Gemeinden, die der Evangelisch-reformierten Kirche angehören. Die reformierte Landeskirche ist wie die lutherische Landeskirche Bayerns Mitglied der Evangelischen Kirche in Deutschland. Neben den beiden deutschen reformierten Gemeinden bestehen auch eine niederländische (1977 gegründet) und eine ungarische.

Evangelische Freikirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche der Baptistengemeinde München, Holzstraße

Bereits 1527 entstand in München eine erste Täufergemeinde, die jedoch in den folgenden Jahren grausam verfolgt wurde. Die letzte Hinrichtung eines Münchner Täufers fand im September 1586 statt. Erst im Jahr 1892 konnte wieder eine Mennonitengemeinde gegründet werden, die in den ersten Jahren vor allem aus nach Südbayern ausgewanderten Pfälzer und Lothringer Mennoniten bestand. Neben dieser bestehen in München auch Gemeinden der Baptisten, der Methodisten, der Siebenten-Tags-Adventisten, der Heilsarmee und mehrere Freie evangelische Gemeinden und Pfingstgemeinden. Die Methodisten sind mit vier Kirchen und Gemeindezentren innerhalb Münchens vertreten.

Sonstige christliche Bekenntnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neuapostolische Kirche in München-Thalkirchen

Die Neuapostolische Kirche ist im Stadtgebiet München mit 28 Gemeinden vertreten.[4] Im Jahr 2014 fand im Olympiapark der erste Internationale Kirchentag der Neuapostolischen Kirche mit etwa 50.000 Teilnehmern statt.

Die Apostolische Gemeinschaft hat eine Gemeinde in der Westendstraße. In der Nähe von Schloss Nymphenburg hat die Katholisch-apostolische Gemeinde ein Gotteshaus.

Die Zeugen Jehovas sind mit 59 Gemeinden in München vertreten, die 16 Königreichssäle und Saalzentren im Stadtgebiet betreiben. In der Riesstraße befindet sich ferner ein Kongresssaal der Zeugen Jehovas, in dem regelmäßig überregionale Treffen stattfinden.

Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist in München mit vier Gemeinden in zwei Gemeindehäusern vertreten.

Judentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals ist der Aufenthalt von Juden in München für das Jahr 1229 nachweisbar. Am 12. Oktober 1285 kam es zum ersten Pogrom, nachdem eine Frau „gestand“, die Münchner Juden hätten ein getauftes Christenkind getötet und sein Blut getrunken (Ritualmordlegende). Eine aufgebrachte Volksmenge zündete die Synagoge an, wobei 180 Juden, die sich in den ersten Stock geflüchtet hatten, in den Flammen umkamen. Zwei Jahre danach durften die Juden in die Stadt zurückkehren. 1442 wurden die Juden aus München und ganz Oberbayern vertrieben. 1816 erhielt die Jüdische Gemeinde die Erlaubnis zur Anlage eines Friedhofs. König Ludwig II. stellte der Jüdischen Gemeinde 1882 ein Grundstück gegenüber der Maxburg für den Bau einer neuen Synagoge zur Verfügung, an Stelle der Synagoge am damaligen Stadtrand, der heutigen Westenriederstraße (siehe Synagoge an der Westenriederstraße München). 1910 gehörten zu den ca. 590.000 Einwohnern der Stadt 11.083 Juden. Zahlreiche jüdische Künstler, Dichter, Schriftsteller, Wissenschaftler, Kaufleute und Politiker bereicherten das kulturelle Leben und trugen entscheidend zum Ruf der Landeshauptstadt bei: Lion Feuchtwanger, Bruno Walter, Hermann Levi, Max Reinhardt, Julius Spanier, Max Littmann, Otto Bernheimer, Kurt Eisner und viele andere mehr lebten und wirkten in München. Im Januar 1933 begann die Politik der staatlich verordneten Diskriminierung und der Pogrome. Adolf Hitler persönlich gab den Befehl, die Hauptsynagoge am 9. Juni 1938 abzubrechen, wobei die Jüdische Gemeinde die Kosten für den Gebäudeabriss zu tragen hatte. Zwei weitere Synagogen fielen während der Novemberpogrome in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 der SA zum Opfer. Ab jetzt fehlten im Adressbuch Münchens sämtliche Synagogen und Einrichtungen der Israelitischen Kultusgemeinde. Es folgten Jahre der Diffamierung, Vertreibung, Deportation und der Shoa.

Die neue Hauptsynagoge am St.-Jakobs-Platz in München; rechts im Hintergrund das Jüdische Museum

Doch bereits im März 1946 zählte die Jüdische Gemeinde Münchens wieder ca. 2.800 Mitglieder. Zu den wenigen Rückkehrern aus den befreiten Konzentrationslagern und dem Exil kam ein größerer Teil von „Displaced Persons“. Die am 19. Juli 1945 neu gegründete Israelitische Kultusgemeinde München konnte am 20. Mai 1947 die wiederhergestellte Synagoge in der Reichenbachstraße einweihen. Während der 1990er Jahre ist die Zahl ihrer Mitglieder insbesondere durch die starke Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion auf rund 8.000 gestiegen. Neben der orthodox geführten Einheitsgemeinde gibt es in München auch die liberale Gemeinde Beth Shalom.

Am 9. November 2006, genau 68 Jahre nach der Pogromnacht, wurde die neue Hauptsynagoge Ohel Jakob (Zelt Jakobs) am Sankt-Jakobs-Platz in der Münchner Innenstadt eröffnet. Sie ist Teil des neuen Jüdischen Zentrums.

Islam[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freimann-Moschee

Mit den türkischen Kriegsgefangenen Max Emanuels kamen im 17. Jahrhundert die ersten Muslime in die Stadt. Nach Zahlung eines Lösegeldes oder im Austausch gegen Gefangene kehrten später viele zurück ins Osmanische Reich, ein kleinerer Teil blieb jedoch in München zurück und trat zum Christentum über.

Durch den Zuzug von Gastarbeitern seit den 1960er Jahren und andere Einwanderergruppen stieg der Anteil der muslimischen Bürger stark an. Die größte Moschee der Stadt, die von 1967 bis 1973 erbaute Freimann-Moschee befindet sich in Großlappen nahe der Kläranlage und der Mülldeponie.

Insgesamt bestehen in München 43 Moscheen und muslimische Gebetsräume, einige davon richten sich gezielt an Gläubige bestimmter Herkunftsländer, etwa türkische, albanische, bosnische, afghanische oder bengalische. Einige dieser Gebetshäuser sind wie die Moschee Sendling als Hinterhofmoschee von außen gar nicht zu erkennen. Ein geplanter Neubau mit zwei Minaretten am Gotzinger Platz ist in der Anwohnerschaft stark umstritten und wurde im Februar 2010 aus finanziellen Gründen aufgegeben.

Unter der Federführung des Imams Benjamin Idriz soll in München unter dem Namen „Zentrum für Islam in Europa – München“ eine große Moschee samt Kulturzentrum und Ausbildungsstätte für Imame entstehen. 2011 signalisierte das Emirat Katar, dieses islamische Zentrum zu finanzieren. Die Rathausfraktionen von SPD, Grünen, CSU und FDP stehen hinter diesem Plan, wohingegen die rechtspopulistische Partei „Die Freiheit“ einen Bürgerentscheid über das Bauprojekt anstrengt.[5] Als Standorte sind ein Grundstück beim Stachus und an der Dachauer Straße beim Olympiapark im Gespräch.[6]

2014 lebten in München gut 100.000 Muslime, was in etwa 7 % der Bevölkerung entspricht.[7]

Buddhismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sala Thai im Westpark

In München leben mehrere Tausend Buddhisten, sie sind aber noch weniger einheitlich organisiert als die Muslime. Als Dachverband besteht die Buddhistischen Gesellschaft München e.V. (BGM) mit ihrem reichhaltigen Vortragsangebot. Zentren der thailandstämmigen Buddhisten in München sind das Wat Buddhadhamma in Milbertshofen und das Wat Thai München in Giesing. Ergänzt werden diese durch das 2009 gegründete Buddhistische Kloster Bodhi Vihara in Freising. Zusammen bilden sie die drei Theravada-Klöster im Großraum München. Die Sala Thai im Westpark wird ebenfalls für religiöse Zeremonien benutzt. Hier finden jährlich das Vesakh-Fest (Mai) sowie im Sommer die buddhistischen Vollmondfeiern statt. Die Soka Gakkai International betreibt in Schwabing-West ein Kulturzentrum[8].

Hinduismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1957 gibt es die hinduistische SRF Glaubensgemeinschaft von Yogananda in München. Und 1980 begann die Sri Chinmoy Gruppe mit ihren treffen.[9] Zu dem Zweck der Förderung der hinduistischen Bhakti-Tradition in München wurde 1997 der gemeinnützige „Verein für Vedische Kultur“ gegründet. In den Vereinsräumlichkeiten befindet sich auch ein Krishna-Tempel. Auch das hinduistische Lichterfest wird im Westpark begangen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Religiöse Gebäude in München – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Bevölkerung in den Stadtbezirken nach ausgewählten Konfessionen am 31.12.2017 (PDF; 389 kB). Statistisches Amt der Landeshauptstadt München. Abgerufen am 25. Juli 2018.
  2. Website Altkatholische Gemeinde München, abgerufen am 18. März 2016.
  3. Website Anglican Episcopal Church of the Ascension, München, abgerufen am 18. März 2016.
  4. Neuapostolische Kirche – Apostelbereich München: Apostelbereich (München). Abgerufen am 26. Dezember 2014.
  5. Moschee-Streit geht in heiße Phase. In: Preußische Allgemeine Zeitung, 5. August 2013, abgerufen am 2. Oktober 2013.
  6. Katar soll Münchner Moschee finanzieren. In: Süddeutsche Zeitung, 2. Juli 2012.
  7. Süddeutsche Zeitung vom 25. Juli 2014.
  8. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 3. Mai 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.sgi-d.org SGI-D regionale Kulturzentren
  9. de.srichinmoycentre.org: Geschichte des Münchner Sri Chinmoy Zentrums. Abgerufen am 12. Oktober 2017.