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Schloss Nymphenburg

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Panorama Nymphenburger Schloss vom Park aus gesehen
Lage von Schloss Nymphenburg im Stadtbezirk Neuhausen-Nymphenburg

Das Schloss Nymphenburg liegt im Westen Münchens im Stadtbezirk Neuhausen-Nymphenburg. Es bildet zusammen mit dem Schlosspark Nymphenburg und den kleinen Parkburgen eine Einheit. Es zählt zu den großen Königsschlössern Europas und ist heute eine vielbesuchte Sehenswürdigkeit. Seine Spannweite übertrifft mit 632 Metern (Nord-Süd-Achse) selbst Schloss Versailles. Über das Schlossrondell hinweg ist es dem herannahenden Besucher möglich, es nahezu über die gesamte Länge zu betrachten.

Das Schloss war jahrhundertelang die Sommerresidenz der Wittelsbacher.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prinzessin Henriette Adelheid von Savoyen, Kurfürstin von Bayern

Die Geschichte von Schloss Nymphenburg begann 1663 mit dem Ankauf der Schwaige Kemnat für 10000 fl. durch den bayerischen Kurfürsten. Das Landschloss wurde 1664 von Kurfürst Ferdinand Maria als Geschenk an seine Frau Adelheid von Savoyen in Auftrag gegeben, als sie ihm Max Emanuel als lang ersehnten Thronerben geboren hatte. Entgegen einem weit verbreiteten Irrtum ist die italienisierende Bezeichnung „Borgo delle Ninfe“ erst eine Schöpfung des 19. Jahrhunderts.[1] Die Anlage war als Lustschloss nach Art italienischer Landvillen konzipiert; zur barocken Schlossanlage, die als Sommerresidenz und Alternative zum Regierungssitz, der Münchner Residenz, dienen konnte, wurde sie erst eine Generation später unter Max Emanuel ausgebaut.[2] Erst 1701 wurde der Grundstein der Erweiterung gelegt und schon 1704 blieb das Vorhaben im Rohbau liegen, nachdem der Spanische Erbfolgekrieg bis 1714 zum Exil des Kurfürsten und zur Besetzung Bayerns durch die Österreicher geführt hatte. Nach der Rückkehr des Kurfürsten wurden die Arbeiten in größerem Umfang ab 1716 wiederaufgenommen, nun entstanden auch die ersten Parkburgen.

Nymphenburg 1761, Gemälde von Canaletto

Im Nymphenburger Vertrag von 1741 verbündeten sich Frankreich, Spanien, Bayern, Sachsen mit Preußen gegen Österreich. Kurfürst Karl Albrecht lebte nach seiner Rückkehr nach München in seiner Zeit als Kaiser ab Oktober 1744 meist in Nymphenburg. Bis 1745 schloss sich an das Schloss der Hirschjagdpark an. Im Jahre 1747 gründete Karl Albrechts Sohn Kurfürst Max III. Joseph die Nymphenburger Porzellanmanufaktur. 1792 ließ Kurfürst Karl Theodor den Nymphenburger Park für das Volk öffnen.

König Maximilian I. starb 1825 im Schloss, sein Urenkel König Ludwig II. wurde 1845 hier geboren. 1863 fand in Nymphenburg das einzige Treffen zwischen Ludwig und Otto von Bismarck statt, der ihm in lebenslanger Freundschaft verbunden blieb. 1873–1875 wurde Prinz Otto im südlichen Pavillon unter Isolation gehalten.

Von 1890 bis 1916 befand sich 200 Meter östlich des Schlosses am Romanplatz der Volksgarten Nymphenburg, der zur damaligen Zeit größte Freizeitpark Deutschlands.

Durch die Revolution 1918 kam Nymphenburg unter Krongutverwaltung, dann in Staatseigentum (Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen). Die Wittelsbacher behielten ein begrenztes Wohnrecht, das vom jeweiligen Oberhaupt des Hauses Wittelsbach genutzt wird (derzeit Franz von Bayern).

Mit dem Ende der Weimarer Republik bemächtigten sich die Nationalsozialisten der Anlage. Seit dem Sommer 1936 wurden Nächte der Amazonen, Revuen mit Pferden und tanzenden Mädchen, veranstaltet. Nach der gewaltsamen Aneignung der Klosterkirche im Orangerietrakt wurde in diesem Schlossteil im Oktober 1938 ein Jagdmuseum eröffnet. Die Ortsgruppenleitung der NSDAP erhielt einen unterirdischen Bunker. Während des Zweiten Weltkriegs wurden das Hauptschloss und die Amalienburg zum Schutz vor Luftangriffen mit einem Tarnanstrich versehen, die großen Wegeflächen dunkel belegt und Teile des Mittelkanals abgedeckt. Später wurden auch die Wasserbassins auf der Stadtseite des Schlosses aufgefüllt. Im Zweiten Weltkrieg blieb der Schlosskomplex weitgehend verschont. Durch Bombentreffer wurden jedoch die Schlosskirche, der Vorplatz, und im Park die Badenburg und die Große Kaskade zerstört oder schwer beschädigt, Schäden entstanden auch an der Figurengruppe des Pan und am Baumbestand des Parks. Besatzungssoldaten sprengten ein altes Gebäude südlich der Großen Kaskade, das als Waffenlager zweckentfremdet worden war. Ein Volltreffer zerstörte 1944 auch einen Teil des Deutschen Jagdmuseums.

Nach dem Krieg wurden die Schäden beseitigt. 1952 erfolgte die Eröffnung des heutigen Marstallmuseums. 1972 wurden vor der Kulisse des Nymphenburger Schlosses die olympischen Wettbewerbe im Dressurreiten abgehalten. Das Museum Mensch und Natur im Nordflügel wurde 1990 eingeweiht, für das der Freistaat Bayern 2014 eine Erweiterung durch einen umstrittenen Neubau beschloss.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

«Die Churfürstliche Schwaig und Lusthauß Nymphenburg», Stich von Michael Wening, 1701

Ursprünglich wurde der Mitteltrakt im Stil eines italienischen Landhauses als fünfgeschossiger kubischer Block mit später doppelläufigen Freitreppen zu beiden Seiten ab 1664 erbaut und war 1675 im Wesentlichen fertiggestellt. Als Baumaterial diente Kelheimer Kalkstein. Vorbild war das piemontesische Jagdschloss La Venaria, dessen Architekt Amedeo Castellamonte (1613–1683) auch die ersten Entwürfe für Nymphenburg lieferte.[3]

Als erster Architekt von Nymphenburg wurde dann aber Agostino Barelli, der Architekt der Münchner Theatinerkirche, und als Bauleiter der Hofbaumeister Marx (Markus) Schinnagl beschäftigt. Schinnagl, als der amtierende Hofbaumeister, wird ansonsten für die Neubauten der Kurfürstin völlig ausgeschaltet, sie findet einheimische Fachkräfte für ihre Bauvorhaben ungenügend ausgebildet. Die Arbeiten begannen mit dem Bau eines würfelförmigen Schlossgebäudes und der Anlage eines Gartens westlich des Schlosses. Es handelte sich dabei um ein kleines, italienisch gestaltetes Gartenparterre. Zwischen 1668, dem Wegzug Barellis aus München und 1673, als Hofbaumeister Enrico Zuccalli alle Baustellen übernahm, war Lorenzo Perti Leiter der Arbeiten in Nymphenburg. 1672 erfolgte dann das Richtfest des fünfgeschossigen Mittelbaus der Anlage. Es ist der noch heute bestehende kubische Hauptbau, nur wird damals jede Fassade durch ein dominantes Zwerchhaus betont. Nach dem Tode der Kurfürstin 1676 wurde unter der Leitung von Zuccalli 1678 noch der Mittelbau wesentlich verändert, seine Zwerchhäuser wurden nun wieder abtragen und die erste, stadtseitige Freitreppe entstand. [4] Als auch Kurfürst Ferdinand Maria 1679 starb, ruhten die Bauarbeiten für mehr als zwanzig Jahre. Erst dann wurde das Schloss wurde im Laufe der Zeit nach und nach erweitert und umgestaltet.

Nymphenburg, 1730

Zunächst ließ Kurfürst Max II. Emanuel 1702 bis 1704 von Enrico Zuccalli und Giovanni Antonio Viscardi die beiden Galerien neben dem Hauptschloss und die daran sich anschließenden zwei nördlichen und zwei südlichen Pavillons errichten. Viscardi baute das bestehende Mittelgebäude nochmals um, beidseitig versah er den Mittelsaal mit großen Rundbogenfenstern in Dreiergruppen. Er baute auch die zweite große Freitreppe zum Garten als Pendant der schon vorhandenen Treppe Zuccallis auf der Ostseite und erstellte die Einfahrtshalle im Erdgeschoss. Nach nur drei Jahren Bauzeit ruhten die Bauarbeiten durch das Exil des Kurfürsten während des Spanischen Erbfolgekriegs ein weiteres Mal. Im zweiten nördlichen Pavillon erbaute Viscardi 1713 dann die Schlosskapelle. 1716 veränderte der neue Hofbaumeister Joseph Effner die Fassaden des Hauptbaues nach französischem Vorbild. In der Mitte der einzelnen Geschosse wurden die drei großen rundbogigen Fenster durch kannelierte Pilaster eingerahmt, die bis an das Dach reichen. Unter der Leitung von Effner bis 1719 entstanden in Nymphenburg nun Appartements im Stil des französischen Régence.

Ab 1716 wurden die an die nördlichen und südlichen Pavillons anschließenden beiden äußeren Bauten für die Orangerie im Norden und den Marstall im Süden errichtet, beide mit Verbindungsflügeln zu den Pavillons. Der Marstall war bereits 1719 weitgehend fertiggestellt, während der Orangerietrakt erst 1755–58 durch Johann Baptist Gunetzrhainer vollendet wurde. Mit diesen beiden Blöcken verlängert sich die Ostfront von Nymphenburg auf 538 Meter. Nördlich und südlich der beiden Hofblöcke schließen sich jedoch noch zwei weitere umbaute Höfe an, die ihre Gestalt aber nicht mehr Effner verdanken und erst später entstanden. [5]

Die von den beiden äußeren Bauten ausgehende, unter Kurfürst Karl Albrecht nach 1730 fertiggestellte Rondellbebauung vor dem Haupttrakt galt zu ihrer Zeit als architektonische Sensation. Sie sollte Ausgangspunkt einer nie verwirklichten „Carlstadt“ werden. Hier liegen am Schlossrondell zehn symmetrisch in zwei Fünfergruppen gegliederte Palais, die zwischen 1728 und 1758 für höhere Hofbedienstete errichtet wurden. Kurfürst Max III. Joseph beauftragte François de Cuvilliés mit dem „Steinernen Saal“ im Hauptbau, der 1756 fertiggestellt wurde. Kurfürst Karl Theodor ließ schließlich 1795 die Galerien zur Parkseite hin verbreitern wodurch weitere Räume beidseitig des Mittelpavillons entstanden.

Unter König Maximilian I. Joseph wurde 1806–1810 im ersten südlichen Pavillon die barocke Ausstattung bis auf wenige Reste abgetragen um die Räume im napoleonischen Stil des Empire neu einzurichten. Leo von Klenze entfernte im Auftrag von König Ludwig I. 1826 die Giebel mit den kurfürstlichen Wappen und schuf stattdessen am Hauptbau die Attika. Noch 1848 erfolgte durch Klenze im Auftrag von König Maximilian II. Joseph der Ausbau des heute unzugänglichen zweiten Obergeschosses des Mittelbaus mit neuen Wohnräumen. [6]

Historisch war das Schloss Nymphenburg mit dem Schloss Fürstenried über die Fürstenrieder Straße als Allee verbunden. Über den Nymphenburg-Biedersteiner Kanal war eine Wasserverbindung zur Schlossanlage Schleißheim geplant. Noch heute existiert die Allee-Verbindung zur ursprünglich noch nicht zusammengewachsenen[7] Residenzstadt München über die nördliche- bzw. südliche Auffahrtsallee. Ursprünglich bestand eine Sichtachse, der Durchblick, zu dem nord-westlich gelegenen Schloss Blutenburg.

Inneres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige Räume haben ihre originale Barockdekoration erhalten, andere wurden später im Stil des Rokoko und des Klassizismus umgestaltet.

Deckenfresko im Steinernen Saal

Mittelpavillon und Galerien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steinerner Saal

Im Mittelpavillon gestaltete François de Cuvilliés ab 1755 den über drei Geschosse reichenden Steinernen Saal als Festsaal. Die Fresken entstanden unter der Leitung von Johann Baptist Zimmermann, das zentrale Deckenfresko stellt Helios im Sonnenwagen, begleitet von anderen Göttern, dar. In seiner Form stammt der Saal jedoch noch aus der ersten Bauperiode von Barelli und Zuccalli, auch die Wand- und Fenstergliederung durch Viscardi von 1702–1704 wurde damals beibehalten.

Nördlich des Steinernen Saals befinden sich ein holzvertäfeltes Vorzimmer, das mit Brüsseler Wandteppichen dekorierte Audienzzimmer und das Ehemalige Schlafzimmer mit der sog. Kleinen Schönheitsgalerie mit Hofdamen aus Versailles, Räume, die unter Max Emanuel im Régencestil umgestaltet wurden, aber ihre ursprünglichen barocken Felderdecken behalten haben. Hier befinden sich Porträts des Kurfürsten und seiner Gemahlin Therese Kunigunde. An das Schlafzimmer schließt sich zur Parkseite hin das von Cuvillies gestaltete Drechselkabinett Max III. Josephs an, während nördlich davon drei mit der Verbreiterung der Galerieflügel unter Karl Theodor entstandene Räume liegen. Im ersten Raum hinter der Nördlichen Galerie befinden sich heute weitere Porträts von Hofdamen aus der Großen Schönheitsgalerie Max Emanuels, den zweiten dekoriert ein Knüpfteppich mit dem Allianzwappen von Bayern und der Kurpfalz (sog. Wappenzimmer) während im dritten Raum Bildnisse Karl Theodors und seiner Gemahlin hängen.

Südlich des Steinernen Saals liegen spiegelbildlich zu den nördlichen Räumen des Hauptbaus das Vorzimmer mit dem Porträt Karl Albrechts, das Audienzzimmer mit dem Doppelportrait der Schlossgründer Ferdinand Maria und Henriette Adelaide und das Ehemalige Schlafzimmer mit den Bildnissen Max Emanuels und Therese Kunigundes von Polen. Auch hier haben sich die originalen Barockdecken von Antonio Domenico Triva erhalten. Die Wände des sog. Lackkabinetts, das sich an das Schlafzimmer anschließt, sind nahezu vollständig mit chinesischen Koromandellack-Tafeln bedeckt, die Szenen aus einem chinesischen Roman zeigen. Die Decke wurde von Franz Xaver Feuchtmayr stuckiert. Hinter dem Lackkabinett liegt das Badezimmer König Maximilians II.

In den beiden Galerien nördlich und südlich des Mittelpavillons befinden sich Veduten bayerischer Schlösser. Hinter der Südlichen Galerie befindet sich das Schreib-Kabinett und das Vorzimmer des Kurfürsten Karl Theodor, die mit der Verbreiterung der Galerie Flügel entstanden. Der Entwurf stammte vom Hofarchitekten Maximilian von Verschaffelt.[8]

Geburtszimmer von König Ludwig II.

Südliche Pavillons und Marstall[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schönheitengalerie König Ludwigs I.

Der Innere südliche Pavillon beherbergte in der Entstehungszeit die Appartements der Kurfürstin. Heute liegt hier als bekannteste Attraktion die Schönheitengalerie des Königs Ludwig I. von Bayern. Im Auftrag des Königs hat der Hofmaler Joseph Karl Stieler 36 „schöne“ Damen aus allen Gesellschaftsschichten Münchens porträtiert; am bekanntesten davon sind die Schuhmacherstochter Helene Sedlmayr sowie Ludwigs langjährige Geliebte, die Tänzerin Lola Montez. Daneben liegt das Arbeitszimmer der Königin Karoline, seine um 1810 geschaffene Möbelgarnitur trägt ein Furnier aus Erlenmaserholz. Nahebei an der Parkseite liegen das Audienzzimmer der Königin im Empire-Stil sowie das Schlafzimmer, in dem am 25. August 1845 König Ludwig II. von Bayern auf die Welt kam. Das Mahagoni-Mobiliar entstand um 1815.

Der Äußere südliche Pavillon ist im Allgemeinen unzugänglich. Er diente zu Max Emanuels Zeiten als Küche und wurde wie der innere Pavillon in klassizistischer Zeit umgebaut.

Weiter südlich knüpft als dritter Pavillon der Küchenbau an, der als "Comedihaus" entstand und ab 1750 seinerseits als Küchenhaus diente. Der Südliche Wassergang von 1747 verbindet diesen Bau mit dem Marstall im Südtrakt.

In den ehemals königlichen Stallungen im Südtrakt befindet sich das Marstallmuseum, mit einer der bedeutendsten Kutschensammlungen Europas. Darüber befindet sich die Sammlung Nymphenburger Porzellans. Die Porzellanmanufaktur Nymphenburg befindet sich in einem der Häuser des nördlichen Rondells und kann nur nach schriftlicher Voranmeldung besucht werden.

Im sich an den Südtrakt anschließenden Südflügel des Schlosses befindet sich eine Gaststätte mit Biergarten.

Nördliche Pavillons und Orangerietrakt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Innere nördliche Pavillon ist im Allgemeinen unzugänglich, hier befand sich Max Emanuels Paradeappartement. In diesem später sogenannten Kronprinzenbau befinden sich noch heute hochwertige Repräsentationsräume, die vom Wittelsbacher Ausgleichsfonds genutzt werden.

Schlosskirche

Der Äußere nördliche Pavillon beherbergt die Schlosskirche, deren Deckengemälde und Fresken von Joseph Mölck (1759) sich mit dem Leben der Hl. Magdalena befassen. Vor dem Altarbild des barocken Hochaltars ist eine ältere Figurengruppe, die Christus und Maria Magdalena darstellt, aufgestellt.

Weiter nördlich knüpft als dritter Pavillon der Gardemeublebau von 1723 an, der in der Entstehungszeit dem Passspiel und dem Billardspiel diente. Er ist durch den Nördlichen Wassergang von 1739 mit dem Nordtrakt verbunden.

Illustration aus der Festschrift anlässlich der Einweihung des Deutschen Jagdmuseums im Nordflügel von Schloss Nymphenburg im Oktober 1938.

Unter dem Uhrturm des Nordtrakts (Orangerietrakt) befindet sich das zentrale Eingangsportal mit Zugang zum Orangeriesaal. Im Obergeschoss befinden sich der Hubertus- und der Johannissaal. Die drei Säle gehen auf Umbauten durch Johann Baptist Gunetzrhainer zurück und dienen heute als Veranstaltungsräume. Im westlichen, dem Park zugewandten Teil des Orangerietrakts ist seit 1990 das Museum Mensch und Natur untergebracht.

Im sich daran anschließenden Nordflügel des Schlosses befindet sich heute die Maria-Ward-Grundschule. Hier befanden sich seit 1718 Klostertrakte für Kapuziner und ab 1730 für die Mädchenerziehung durch Augustiner-Chorfrauen. Nach der Säkularisation führten ab 1835 die Englischen Fräulein auf Betreiben Ludwigs I. mit einem umfangreichen Internatsbetrieb diese Aufgabe fort. Diese Lebensgrundlage wurde den Ordensfrauen 1937 entzogen. Auf Betreiben Christian Webers entstand an diesem Ort das Deutsche Jagdmuseum. Die kostbare Klosterkirche aus der Barockzeit wurde dabei entkernt und zu einem Lesesaal umgestaltet. Nach der endgültigen Zerstörung durch einen Bombentreffer im Zweiten Weltkrieg wurde hier die Maria-Ward-Grundschule untergebracht. Maria Ward kam nach ihrer Flucht aus Rom 1627 nach München, wurde durch den Kurfürsten Maximilian I. protegiert und gründete eine Bildungsanstalt für Mädchen.

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schloss beherbergt einige Museen:

Schlosspark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Schlosspark Nymphenburg

Statue im Schlosspark

Mit dem Schloss entstand zunächst ein kleiner Garten im italienischen Stil. In den Jahren von 1701 bis 1704 wurden Veränderungen und Erweiterungen des Gartens im Stil des französischen Barocks angelegt. Die Schaffung eines weitläufigen Landschaftsparks nach englischem Vorbild begann 1804 mit dem südlichen Parkteil, der 1807 fertiggestellt war, und wurde 1810 bis 1823 mit dem nördlichen Teil vollendet.

Der Mittelkanal mit der Großen Kaskade teilt den Landschaftspark des Nymphenburger Parks in einen nördlichen und einen südlichen Bereich. Die Wasserzufuhr erfolgt von Westen aus der Würm über den Pasing-Nymphenburger Kanal, der zum Nordmünchner Kanalsystem gehört. Das Wasser wird über zwei Kanäle nach Osten und Nordosten, sowie über den Hartmannshofer Bach nach Norden abgeleitet.

Im südlichen Teil befinden sich der größere Badenburger See mit Apollotempel und der Badenburg. Das Grüne Brunnhaus mit der Wassermühle für die Druckpumpen der Gartenfontäne im Dörfchen steht am südlichen, das Niveau des Würmkanals behaltenden Kanals. Die Amalienburg bestimmt den südöstlichen Parkteil.

Im nördlichen Teil befindet sich der kleinere Pagodenburger See mit der Pagodenburg. Der botanische Garten im Nordosten ist nicht Bestandteil des Nymphenburger Parks; er ist teilweise durch eine Mauer und eine Straße vom Park getrennt. Die Magdalenenklause liegt im nordöstlichen Parkteil.

Im Norden schließt sich das Waldgebiet Kapuzinerhölzl und Hartmannshofer Wald an.

Besucher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Panorama Nymphenburger Schloss von der Stadtseite aus

Schloss und Park stellen einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor für München dar, allein das Hauptschloss wird jährlich von mehr als 300.000 Gästen besucht. Damit liegt Nymphenburg gleichauf mit der Münchner Residenz und vor Schloss Schleißheim, aber deutlich hinter den Schlössern Ludwigs II., insbesondere Schloss Neuschwanstein. Die Konzertreihe „Nymphenburger Schlosskonzerte“ findet seit 2004 im Hubertussaal statt und wurde seitdem von über 35.000 Zuhörern besucht. Das Schloss selbst ist auch Sitz der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen.

Denkmalschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ensemble ist als Baudenkmal in die Bayerische Denkmalliste eingetragen.[9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Bayern IV, München und Oberbayern. Darmstadt 1990. (Abschnitt München, Schloßanlage Nymphenburg).
  • Gerhard Hojer u. Elmar D. Schmid (Bearb.): Nymphenburg: Schloss, Park und Burgen. Amtlicher Führer. Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser und Seen, 22. Aufl., München 1999, ISBN 3-932982-16-9.
  • Helga Voigt: Bei den Wittelsbachern zu Hause: Schloss Nymphenburg und sein Park. In: Stattreisen München e.V. (Hrsg.): Spaziergänge in die Vergangenheit Münchens, 1. Aufl., Ars-vivendi-Verlag, Cadolzburg 2004, S. 26–34, ISBN 3-89716-497-3.
  • Georg A. Gut: Schloss Nymphenburg: die Vorgeschichte und die drei Durchblicke im Park. Gut Verlag, München 2004.
  • Horst Lohmann (Verf.), Museumspädagogisches Zentrum (Hrsg.): Im Sommerschloß der Wittelsbacher: Nymphenburg, Schloß und Park; ein Arbeitsheft des MPZ. 7. Aufl., Museumspädagogisches Zentrum, München 1987.
  • Gerhard Hojer (Bearb.): Die Schönheitsgalerie König Ludwigs I. Verlag Schnell & Steiner München, 2. Aufl. 1983, ISBN 3-7954-0705-2.
  • Norbert Hierl-Deronco: Es ist eine Lust zu bauen: von Bauherren, Bauleuten und vom Bauen im Barock in Kurbayern – Franken – Rheinland, Krailling 2001, ISBN 3-929884-08-9.
  • Jean Louis Schlim: Ludwig II. – Traum und Technik. MünchenVerlag, München 2010, ISBN 978-3-937090-43-6. Springbrunnen und Brunnenhaus im Schlosspark Nymphenburg.
  • Doris Fuchsberger und Albrecht Vorherr: Schloss Nymphenburg unterm Hakenkreuz, Allitera Verlag, München 2014, ISBN 978-3-86906-605-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Nymphenburg, dahinter der Schlosspark
 Commons: Schloss Nymphenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Roswitha von Bary: Henriette Adelaide. Kurfürstin von Bayern. Unveränderter Nachdruck der Original-Ausgabe München 1980. Pustet, Regensburg 2004, ISBN 3-7917-1873-8, S. 246.
  2. Bary: Henriette Adelaide. Regensburg 2004, S. 247.
  3. Bary: Henriette Adelaide. Regensburg 2004, S. 244.
  4. http://www.sueddeutscher-barock.ch/ Schloss Nymphenburg
  5. http://www.sueddeutscher-barock.ch/ Schloss Nymphenburg
  6. http://www.sueddeutscher-barock.ch/ Schloss Nymphenburg
  7. https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a5/Friedenheim_Urpositionsbl%C3%A4tter_1856.PNG
  8. Josef Hugo Biller, Hans-Peter Rasp: München Kunst & Kultur. Stadtführer und Handbuch. 15. völlig neu bearbeitete Auflage. Ludwig, München 2003, ISBN 3-7787-5125-5, S. 389, 392.
  9. Denkmalliste für München beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Aktenzeichen E-1-62-000-43.

Koordinaten: 48° 9′ 29″ N, 11° 30′ 13″ O