Rheinland-Pfalz (F 209)

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Flagge
Rheinland-Pfalz (F 209)
Bremen-Klasse
Fregatte Rheinland-Pfalz (2012)
Fregatte Rheinland-Pfalz (2012)
Übersicht
Typ Fregatte
Bauwerft

Blohm + Voss, Hamburg (Endausrüstung bei der Bremer Vulkan AG)

Kiellegung 25. September 1979
Stapellauf 3. September 1980
Namensgeber Land Rheinland-Pfalz
Indienststellung 9. Mai 1983
Außerdienststellung 22. März 2013
Heimathafen Wilhelmshaven
Technische Daten
Technische Daten siehe Hauptseite der Klasse
Verbandszugehörigkeit

4. Fregatten­geschwader

Rufzeichen / Kennung

DRAS / F 209

Coat of arms of Rhineland-Palatinate.svg

Die Fregatte Rheinland-Pfalz (F 209) war ein deutsches Kriegsschiff der Bremen-Klasse.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fregatte Rheinland-Pfalz ist das dritte Schiff einer als Flugkörperfregatte bezeichneten Klasse von Kriegsschiffen der Deutschen Marine.

Die Fregatten der Klasse 122 waren die ersten deutschen Kriegsschiffe mit kombiniertem Diesel-Gasturbinenantrieb, im Gegensatz zum bis dahin auf Zerstörern verwendeten Dampfturbinen- oder CODAG-Antrieb auf den Fregatten der Klasse 120. Kennzeichnend für die Fregatte als Klasse ist die weltweite Einsetzbarkeit, die durch lange Stehzeiten in See ermöglicht wird. Darum werden an Bord einer Fregatte auch alle administrativen Funktionen abgebildet, die zur autarken Führung einer solchen Einheit nötig sind, und wird auch soviel Personal mitgeführt, dass Betrieb und Einsatz des Schiffes nur durch Verbrauchsgüter (Kraftstoff, Proviant u. ä) begrenzt wurde bzw. durch Nachversorgung in See verlängert werden konnte.

Fregatte Rheinland-Pfalz im Hafen von Algeciras (Spanien)
Fregatte Rheinland-Pfalz in Puerto Rico 1988

Einsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rheinland-Pfalz war seit ihrer Indienststellung an mehreren Auslandseinsätzen beteiligt, darunter

  • 1999 die Operation Allied Force in der Adria.
  • 2001 Destroyer Exercise (DESEX)
  • 2004 die Operation Enduring Freedom am Horn von Afrika / Golf von Aden
  • 2005 die Operation Active Endeavour im Mittelmeer
  • 2006 Einsatzausbildungsverband EAV GOOD HOPE II
  • 2009 die Operation Active Endeavour im Mittelmeer
  • 2009 Operation Atalanta am Horn von Afrika EUNAVFOR
  • 2011 Einsatzausbildungsverband EAV
  • 2012 die Operation Active Endeavour im Mittelmeer

Am 22. Januar 2009 lief die Fregatte Rheinland-Pfalz in Richtung Horn von Afrika aus, um an der Anti-Piraterie-Mission Atalanta teilzunehmen. Diese Operation soll die vor der Küste von Somalia operierenden Piraten abschrecken und bekämpfen. Dabei sollte zum einen die durch Piratenüberfälle gefährdete humanitäre Hilfe für die notleidende somalische Bevölkerung sichergestellt werden. Zum anderen sollte die Operation den zivilen Schiffsverkehr auf den dortigen Handelswegen sichern, Geiselnahmen und Lösegelderpressungen unterbinden und das Völkerrecht durchsetzen.

Am 3. März 2009[1] gelang eine Festnahme einiger Piraten nach einem Angriff auf einen Frachter. Beteiligt waren Hubschrauber der Fregatte Rheinland-Pfalz und der USS Monterey[2].

Am 30. März 2009 gelang der Fregatte ein weiterer Schlag gegen die Piraten. Diese hatten den Betriebsstofftanker Spessart der Bundeswehr angegriffen und konnten nach einer mehrstündigen Verfolgung gestellt und gefasst werden.[3]

Ende Februar 2011 bekam die Fregatte zusammen mit anderen Marineschiffen den Marschbefehl zur Küste Libyens, um bei der Evakuierung deutscher Staatsbürger zu helfen.[4] Am 5. März 2011 nahm die Rheinland-Pfalz im Hafen der tunesischen Stadt Gabès gemeinsam mit der Brandenburg und dem Einsatzgruppenversorger Berlin mehrere hundert ägyptische Flüchtlinge an Bord um diese über den Seeweg in ihre Heimat zu bringen.[5]

Am 1. Februar 2012 lief die Fregatte zu ihrer letzten Teilnahme an einem internationalen Verband, der Standing NATO Maritime Group 1 (SNMG 1), Richtung Mittelmeer aus.[6]

Am 11. September 2012 wurde die Fregatte aus dem aktiven Dienst genommen, der Kommandant wurde verabschiedet und die Dienstgeschäfte bis zu endgültigen Außerdienststellung auf den 1. Offizier übertragen.[7]

Am 22. März 2013 wurde die Rheinland-Pfalz als zweites Schiff der Bremen-Klasse außer Dienst gestellt.[8]

Im April 2017 (Stand März 2017) wurde die Rheinland-Pfalz über die bundeseigene VEBEG zum Abbruch versteigert.[9]

Das Nachfolgeschiff wurde am 24. Mai 2017 von der Rheinland-Pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer auf den Namen Rheinland-Pfalz getauft.[10]

Kenndaten Fregatte Rheinland-Pfalz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fregatte Rheinland-Pfalz, wie auch die Schwesterschiffe, wurde als Mehrzweckfregatte ausgelegt. Neben der U-Jagd besitzen die Fregatten der Klasse 122 auch die Befähigung, mittels mitgeführter Anti-Schiffs-Flugkörpern Typ Harpoon feindliche Schiffe über den Horizont hinaus zu bekämpfen sowie Torpedos mit Hilfe des Bordhubschraubers Sea Lynx in over-the-horizon-Kriegsführung ins Ziel zu bringen. Darüber hinaus befähigt die Ausrüstung mit weitreichenden Radar- und EloKa-Anlagen zur Seeraumüberwachung und zur Durchführung von Embargo-Operationen.

Bordorganisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fregatte Rheinland-Pfalz hat, wie alle Fregatten der Marine, eine Bordorganisation in Hauptabschnitten (HAs):

  • HA 100: Navigation und Decksdienst; deckt die zur seemännischen Führung des Schiffes nötigen Aufgaben ab
  • HA 200: Antrieb, E-Versorgung und Schiffssicherung; deckt die zur Aufrechterhaltung des technischen Betriebs (Vortrieb, Elektrizitäts-, Wasser-, Wärme-, Kälteversorgung) und der technischen Sicherheit nötigen Aufgaben ab
  • HA 300: Führungsmittel- Waffentechnik; deckt die zur Wartung und Herstellung der Gefechtsbereitschaft der Waffen- und Elektroniksysteme nötigen Aufgaben ab
  • HA 400: Administration, Versorgung und Verpflegung; deckt die zur ordnungsgemäßen Abwicklung der administrativen Aufgaben (Besoldung, Personalangelegenheiten, u. ä.), der Materialwirtschaft und der Verpflegung nötigen Aufgaben ab
  • HA 500: Fliegerischer Dienst; deckt alle zum Helikopter-Flugbetrieb nötigen Aufgaben ab (wird nicht bei allen Einsatzfahrten mit eingeschifft)
  • HA 600: Operation und Einsatzführung; deckt alle zum Einsatz des Kriegsschiffes nötigen Aufgaben, wie Kommunikation, Lagebilderstellung, Waffennutzung, Einsatz von Sondereinsatzkräften, ab
  • Vorgesetztenstruktur: Kommandant (+), Erster Offizier (IO), Hauptabschnittsleiter (HAL), Abschnittsleiter (AL), Abschnittsbootsleute (AB), Abschnittsunteroffiziere, Mannschaften. Daneben Hauptabschnittsbootsmann (HAB) zur administrativen Unterstützung des HAL und Schiffswachtmeister (SWM) in der Funktion des Kompaniefeldwebels (KpFw).

Kommandanten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nr. Name Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit
1. Fregattenkapitän Klaus-Dietrich von Poser und Groß-Nädlitz[12]

(Baubelehrung von 1980 bis Mai 1983)

Mai 1983 September 1985
2. Fregattenkapitän Reinhold Siebert September 1985 März 1988
3. Fregattenkapitän Michael Strenger März 1988 September 1992
4. Fregattenkapitän Wolfgang Beutke September 1992 April 1994
5. Fregattenkapitän Heinrich Liebig (IO - Mit der Wahrnehmung der Geschäfte betraut) April 1994 April 1995
6. Fregattenkapitän Martin Krebs April 1995 März 1997
7. Fregattenkapitän Heinz-Uwe Schäfer März 1997 Juli 1999
8. Fregattenkapitän Michael Plettau Juli 1999 September 2002
9. Fregattenkapitän Thomas Braun September 2002 November 2005
10. Fregattenkapitän Thomas Hacken November 2005 August 2008
11. Fregattenkapitän Markus Rehbein August 2008 Januar 2011
12. Fregattenkapitän Trond Blindow Januar 2011 September 2012
13. Fregattenkapitän Dirk-Oliver Jankowski (IO - Mit der Wahrnehmung der Geschäfte betraut) September 2012 März 2013

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heiko Herold: Mit der Fregatte Rheinland-Pfalz im Kosovo-Krieg. In: Hans Jürgen Witthöft (Hrsg.): Köhlers Flottenkalender 2003. Internationales Jahrbuch der Seefahrt. Hamburg 2002, S. 209–213.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rheinland-Pfalz (F 209) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter Blechschmidt: Einsatz am Horn von Afrika. Bundeswehr vereitelt Piraten-Überfall. In: sueddeutsche.de. 17. Mai 2010, abgerufen am 28. November 2014.
  2. Turkey Joins Counterpiracy Mission (Memento vom 10. März 2009 im Internet Archive)
  3. faz.net: Mission „Atalanta“ – Strafanzeige in Kiel gegen Piraten Abgerufen am 2. März 2011
  4. faz.net: EU schließt Militäreinsatz nicht aus. Abgerufen am 24. Februar 2011
  5. BMVg Presse- und Informationsstab: Bundeswehr beginnt hunderte Flüchtlinge in Nordafrika zu evakuieren. In: Humanitärer Einsatz. Bundeswehr, 5. März 2011, abgerufen am 28. November 2014.
  6. Presse- und Informationszentrum Marine: Fregatte RHEINLAND-PFALZ stößt zu NATO-Verband. In: Einsätze und Manöver. Bundeswehr (Marine), 1. Februar 2012, abgerufen am 28. November 2014.
  7. Michael Halama: Abschied vom „schönsten Schiff der Flotte“ naht. Letztes Einlaufen der Fregatte „Rheinland-Pfalz“ – Bundespräsident gerade erst an Bord. In: NWZ online. 27. August 2012, abgerufen am 28. November 2014.
  8. Alle Mann von Bord: „Rheinland-Pfalz“ a. D. (Memento vom 30. März 2013 im Internet Archive). www.ndr.de. 22. März 2013.
  9. http://www.vebeg.de/images/lospics/90/1716390.001.pdf
  10. Meldung in SWF 1 am 24. Mai 2017
  11. http://www.vebeg.de/images/lospics/90/1716390.001.pdf
  12. Wolfgang Harnack: Die Zerstörerflottille der Deutschen Marine von 1958 bis heute. Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg 2001, ISBN 3-7822-0816-1, S. 145.