RAG Austria AG

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Koordinaten: 51° 14′ 0″ N, 6° 46′ 22″ O

RAG Austria AG

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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 15. Oktober 1935
Sitz Wien, Österreich
Leitung
  • Markus Mitteregger, CEO
  • Michael Längle, CFO
  • Kurt Sonnleitner, CTO

Aufsichtsratsvorsitzender Stefan Szyszkowitz (EVN)

Mitarbeiterzahl 196 (2020)[1]
Umsatz 509,4 Mio. Euro (2018)[2]
Branche Energiespeicherung
Website www.rag-austria.at

Die RAG Austria AG (RAG) ist das größte Gasspeicher- und somit Energiespeicherunternehmen Österreichs. Das Unternehmen konzentriert seine Geschäftstätigkeit auf die Speicherung von Erdgas und Energie, die damit zusammenhängende Bewirtschaftung der bestehenden Erdgaslagerstätten und -reserven sowie auf die Entwicklung und Anwendung zukunftsorientierter Gastechnologien (z. B. Forschungsprojekte wie Underground Sun Storage und Underground Sun Conversion). Mit rund 6 Milliarden Kubikmetern Erdgas gehört das Unternehmen zu den größten technischen Speicherbetreibern Europas und leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur Versorgungssicherheit Österreichs und Mitteleuropas. RAG betreibt in Joint-Ventures mit Gazprom Export und Wingas den Erdgasspeicher Haidach (Salzburg/OÖ) und gemeinsam mit Uniper Energy Storage (vormals E.ON Gas Storage) den Speicher 7Fields (Salzburg/OÖ) sowie die eigenen Speicher Puchkirchen/Haag, Haidach 5, Aigelsbrunn, 7Fields(RAG). Auch die Herstellung und Nutzung von Gas als Kraftstoff (LNG, CNG) sind Geschäftsfelder der RAG.[3]

Die Anteilseigner sind Energieversorgung Niederösterreich (EVN) (50,025 %), Uniper (29,975 %), die Energie Steiermark Kunden GmbH (10 %) und die Salzburg AG (10 %).[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen wurde 1935 als Rohöl-Gewinnungs AG von der Socony-Vacuum Oil, Inc. (heute Exxon Mobil Corporation) und der N.V.de Bataafsche Petroleum Maatschappij (heute Royal Dutch Shell) gegründet. 1937 gelang der erste größere Ölfund mit der Sonde RAG II etwa zwei Kilometer nördlich von Zistersdorf. Die Gesellschaft sicherte sich 1936 und 1937 mit 7000 Freischürfrechten den größten Teil des Wiener Beckens.

Als nach dem Staatsvertrag 1956 die aus der Sowjetischen Mineralölverwaltung hervorgegangene ÖMV in Ostösterreich zu dominieren begann, verlagerte die RAG allmählich den Schwerpunkt ihrer Förderung nach Oberösterreich.

Zistersdorfer Ölfeld und sowjetische Besatzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1938 erfolgte mit der Erschließung des Ölfeldes Gaiselberg jener Ölfund, der das Städtchen Zistersdorf zum Inbegriff für den Erdölreichtum des Wiener Beckens machte. Die ölführenden Schichten des Feldes Gaiselberg, knapp einen Kilometer südwestlich von Zistersdorf gelegen, erstrecken sich über eine Fläche von nur etwa 2,5 km², jedoch existieren dort entlang eines geologischen Bruchs (des sogenannten Steinbergbruchs) eine Anzahl Öl führender Schichten übereinander, deren Tiefe von 800 m bis fast 2400 m reicht.

In der Zeit des „Anschlusses“ Österreichs an Nazi-Deutschland von 1938 bis 1945 wurde die RAG als „Feindbesitz“ durch einen deutschen Vermögensverwalter weiter geführt. In der 1945–1955 folgenden Zeit der sowjetischen Besatzung Ostösterreichs erfolgte trotz Beschluss 1946 de facto keine Verstaatlichung der RAG, jedoch wurde der Großteil des Bohrgeräts als Kriegsbeute in die UdSSR verbracht und die gesamte Förderung musste an die Sowjetische Mineralölverwaltung abgegeben werden. Damit erfolgte auch eine Beschränkung der Förderrechte im Wiener Becken auf die beiden vor 1945 bestehenden Ölfelder RAG/Gösting und Gaiselberg, bei der es auch nach Abzug der sowjetischen Besatzungsmacht 1955 blieb.

RAG erhielt jedoch 1948 und 1951 von der Geologischen Bundesanstalt Forschungsaufträge in der damaligen US-Besatzungszone in Oberösterreich. Mit einer neuen Tiefbohranlage wurde im Mai 1956 bei Puchkirchen der erste große Ölfund Österreichs außerhalb des Wiener Beckens gemacht. Die Folgejahre verliefen eher ernüchternd. Nur bei Ried im Innkreis wurde 1959 ein bedeutenderes Ölfeld entdeckt.

Konzessionen in Oberösterreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1960 erfolgte eine Ausweitung des Konzessionsgebietes der RAG in Oberösterreich in den Raum südlich von Wels. Schon 1962 erfolgte die Entdeckung des bisher ergiebigsten österreichischen Ölfeldes außerhalb des Wiener Beckens, und zwar in Voitsdorf in der Gemeinde Ried im Traunkreis. Das Feld erstreckt sich in Ost-West-Richtung über rund 10 km und wurde über 43 Bohrungen erschlossen, wovon 2007 noch 10 zur Förderung genutzt wurden. Die Nord-Süd-Erstreckung beträgt nur etwas mehr als einen Kilometer. Aus den beiden in 2100 bis 2200 m Tiefe liegenden Öl führenden Horizonten konnten bisher mehr als 3 Mio. Tonnen Erdöl gewonnen werden.

In der Umgebung des Feldes Voitsdorf wurden bis 1980 weitere größere Ölfelder erschlossen: Eberstalzell (bisherige Ölförderung ca. 500.000 Tonnen; 2012 3 Sonden aktiv), Engenfeld (ca. 150.000 Tonnen; 2012 eine Sonde aktiv), Oberaustall (ca. 200.000 Tonnen; 2012 1 Sonde aktiv), Sattledt (ca. 1 Mio. Tonnen, 2012 6 Sonden aktiv) und Steinhaus (ca. 200.000 Tonnen; 2012 eine Sonde aktiv).

1968 wurde mit 419.118 Tonnen Rohöl die höchste Jahresförderung in der Unternehmensgeschichte erreicht, wovon mehr als die Hälfte aus dem Feld Voitsdorf stammte. Danach war die Erdölförderung rückläufig und erreichte 2005 ihren vorläufigen Tiefpunkt mit nur noch 75.275 Tonnen. Seither stieg die Förderung durch Entdeckung größerer Lagerstätten in Hiersdorf westlich von Wartberg an der Krems sowie bei Bad Hall und Sierning auf 2011 123.704 Tonnen (15 % der österreichischen Erdölförderung) an, wovon 104.204 Tonnen aus dem Voralpenland Oberösterreichs und 19.500 Tonnen aus den beiden Feldern bei Zistersdorf stammten.

Insgesamt jeweils etwa 50 Erdöl- und Erdgasfelder wurden bislang von der RAG in Österreich erschlossen. Infolge der gestiegenen Ölpreise konnte die in Österreich relativ teure Erschließung von Erdöllagerstätten in den letzten Jahren wieder intensiviert werden. Dies führte nach 2000 zu mehreren größeren Ölfunden im östlichen Konzessionsgebiet rund um den Kurort Bad Hall.

Erdgasförderung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1970er Jahren gewann die Erschließung von Erdgas-Lagerstätten eine größere Bedeutung. Besonders im westlichen Oberösterreich jeweils etwa 15 km beiderseits einer Linie von Kremsmünster nach Burghausen wurde eine Vielzahl an mittleren und kleineren Erdgasvorkommen entdeckt, die zumeist in Tiefen von 500 m bis 1500 m liegen. 1997 wurde durch den Einsatz moderner geophysikalischer Methoden die Erdgaslagerstätte Haidach (Straßwalchen, OÖ) gefunden. Mit einem Gesamtvolumen von 4,3 Milliarden Kubikmetern Erdgas war das einer der größten Gasfunde in Österreich.[4] 1977 wurde die größte Jahresförderung mit fast 880 Mio. Kubikmeter Erdgas erzielt. 2018 betrug die Jahresförderung 135 Mio. Kubikmeter Erdgas.[5] | Umsatz = 509,4 Mio. Euro (2018)[2]

Erdgasspeicher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Österreich verfügt über geologische Strukturen, die sich als Erdgasspeicher (Untergrundspeicher) eignen. Seit 1982 nutzt die RAG ehemalige Erdgaslagerstätten als Erdgasspeicher und steigert so die Versorgungssicherheit mit Erdgas. Mittlerweile nutzt die RAG mehr als 50 % ihrer ehemaligen Erdgaslagerstätten als Untergrundspeicher. Das Gasfeld Puchkirchen bei Timelkam wurde ab den 1980er-Jahren sukzessive in einen unterirdischen Gasspeicher umgewandelt und 1995 ging mit 500 Mio. Kubikmeter Speichervolumen der erste kommerzielle Großspeicher in Betrieb.[6] Die Kapazität beträgt gegenwärtig im Verbund mit dem Speicher Haag rund 1,080 Mrd. Kubikmeter Erdgas (2019). Nach Erweiterungen 1995 und 2002 beträgt die Kapazität gegenwärtig rund 860 Mio. Kubikmeter Erdgas. Bis 2010 wurde unter Einbeziehung des Gasfeldes Haag am Hausruck ca. 20 km nördlich des bestehenden Speichers die Kapazität auf 1,1 Mrd. Kubikmeter Erdgas erhöht.

Im Mai 2007 ging bei Straßwalchen der Speicher Haidach in Betrieb, ein Gemeinschaftsprojekt mit den Partnern Gazprom Export und Wingas. Nach einer Erweiterung 2011 verfügt Haidach über ein Speichervolumen von 2,9 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Haidach ist der zweitgrößte Speicher Mitteleuropas. Mit dem Erdgasspeicher 7Fields wurden weitere ehemalige Erdgaslagerstätten zur Nutzung als Untergrundspeicher adaptiert. 7Fields ist ein Gemeinschaftsprojekt der RAG mit der deutschen Uniper. Wie beim Speicher Haidach fungierte RAG als Planer und Errichter und ist technischer Betreiber. Die Vermarktung erfolgt durch RAG Energy Storage (RES) und Uniper. Nach zweijähriger Bauzeit wurde im April 2011 die erste Ausbaustufe (Speicher Zagling bei Straßwalchen und Nussdorf mit zusammen rund 1,2 Mrd. Kubikmetern) fertiggestellt, im April 2014 die zweite Ausbaustufe (Speicher Oberkling/Pfaffstätt südwestlich von Mattighofen). Das Speichervolumen beträgt nach weiteren Kapazitätsanpassungen nunmehr rund 2 Milliarden Kubikmeter Erdgas.[7]

Jüngste Unternehmensentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um den Anforderungen einer dekarbonisierten Zukunft gerecht zu werden, gingen 2018 aus der Rohöl-Aufsuchungs AG zwei Unternehmen hervor: die RAG Austria AG und die RAG Exploration & Production GmbH. Die RAG Austria AG fokussiert sich auf das Kerngeschäft Gasspeicherung sowie neue Energietechnologien (Underground Sun Storage, Underground Sun Conversion), entwickelt diese weiter und baut sie aus. Weitere Geschäftsfelder sind die Förderung, Versorgung und der Handel mit Gas sowie die Nutzung und Vermarktung von Gas als Kraftstoff (CNG, LNG). Die RAG Exploration & Production GmbH widmet sich der Aufsuchung und Produktion von Erdöl.

Geschäftsbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gasproduktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erdgas wird aus den Lagerstätten in Oberösterreich und Salzburg gefördert. Darüber hinaus forscht RAG an der Erzeugung von erneuerbarem Gas im Projekt "Underground Sun Conversion". Aus Wind- und Sonnenenergie gewonnener Wasserstoff wird unterirdisch in natürlichen Lagerstätten mittels Mikroorganismen in erneuerbares Gas umgewandelt und kann somit in großen Mengen dort gespeichert werden. RAG setzt weiters geothermische Projekte um und nutzt damit die Erdwärme (Geothermie).

Energiespeicherung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Derzeitiges Kerngeschäft von RAG ist die großvolumige Speicherung gasförmiger Energie (Methan, Wasserstoff) in natürlichen unterirdischen Lagerstätten. Die von RAG betriebenen Gasspeicher mit rund sechs Milliarden Kubikmeter Arbeitsgasvolumen dienen der österreichischen und europäischen Versorgungssicherheit.

Versorgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Speicher und die Speicherdienstleistungen von RAG zählen zur kritischen Infrastruktur Österreichs gemäß Richtlinie 2008/114/EG des Rates der Europäischen Union. Die RAG erbringt ihre Dienstleistungen ganzjährig und ohne Unterbrechungen. Aus eigener Produktion liefert RAG importunabhängig regionales Erdgas sowie Erdwärme (Geothermie). Weiters betreibt RAG eigene CNG- und LNG-Tankstellen.

Erdgas Mobil – LNG und CNG[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ennshafen bei Linz betreibt RAG seit 2017 die österreichweit erste LNG-Tankstelle.[8] Das Erdgas stammt u. a. aus heimischen RAG Erdgaslagerstätten und wird in der RAG eigenen LNG-Anlage im oberösterreichischen Gampern aufbereitet, wo etwa zwei Tonnen LNG pro Tag hergestellt werden. Das entspricht einer Betankung von 10–15 LKW pro Tag. 2019 wurde in Feldkirchen bei Graz Österreichs zweite LNG-Tankstelle eröffnet. F. Leitner Mineralöle und RAG Austria investierten insgesamt 1,5 Millionen Euro in dieses Projekt. Die Anlage ist mit einer Speicherkapazität von 50 Kubikmetern LNG die größte Österreichs.

Neue Technologien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

RAG arbeitet an der Entwicklung nachhaltiger Technologien, um erneuerbare Energie (Sonne, Wind) speicherbar und so für die Abnehmer effizient und in großen Mengen zugänglich zu machen. Die Energieversorgung soll während der vermehrt auftretenden Schwankungen, von der Dunkelflaute bis zu Niedrigwasser, gewährleistet werden. Im Jahr 2018 investierte RAG 6,9 Mio. Euro in Forschung und Entwicklung.[9]

2013 wurde mit dem vom Österreichischen Klima- und Energiefonds geförderten Forschungsprojekt "Underground Sun Storage" nachgewiesen, dass aus erneuerbaren Energien gewonnener Wasserstoff in natürlichen Erdgaslagerstätten gelagert werden kann. Das 2017 gestartete Folgeprojekt "Underground Sun Conversion" geht deutlich weiter. In einer Versuchsanlage in Pilsbach (OÖ) wird seit 2018 Wasserstoff, der in einer Power-to-Gas-Anlage aus erneuerbarem Strom erzeugt wird, gemeinsam mit CO2 in eine Erdgaslagerstätte in über 1.000 Metern Tiefe eingebracht. Dort erzeugen natürlich vorkommende Mikroorganismen erneuerbares Erdgas, das direkt gespeichert und bei Bedarf jederzeit entnommen werden kann. Dies ist eine – zeitlich drastisch verkürzte – Nachbildung des natürlichen Entstehungsprozesses von Erdgas innerhalb weniger Wochen. So werden erneuerbare Energien speicherbar und es entsteht ein nachhaltiger, CO2-neutraler Kohlenstoff-Kreislauf, der vorhandene Infrastruktur nutzt. Das Projekt soll 2021 abgeschlossen sein.

Auch Underground Sun Conversion wird vom Klima- und Energiefonds der österreichischen Bundesregierung als Leitprojekt der Energieforschung mit 5 Mio. Euro gefördert. Das österreichische Konsortium steht unter der Leitung von RAG. Projektpartner sind: Die Montanuniversität Leoben, die Universität für Bodenkultur Wien (Department IFA Tulln), die acib GmbH (Austrian Centre of Industrial Biotechnology), das Energieinstitut an der Johannes Kepler Universität Linz sowie die Axiom Angewandte Prozesstechnik GmbH.

Beteiligungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

RAG Austria AG ist an folgenden Unternehmen beteiligt:

  • RAG Energy Storage GmbH (100 %)
  • RAG Exploration & Production GmbH (100 %)
  • Silenos Energy GmbH (50 %) – Geothermie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. RAG Homepage Karriere. auf: rag-austria.at, abgerufen am 18. März 2020.
  2. a b c Daten und Fakten 2018 auf: rag-austria.at, Stand 2018.
  3. WKO Branchenreport Mineralölindustrie 2018 auf: wko.at, abgerufen am 19. März 2020.
  4. Presseaussendung Erdgaslager Haidach auf rag-austria.at, abgerufen am 18. März 2020.
  5. Energie in Österreich 2019 auf bmlrt.gv.at, abgerufen am 18. März 2020
  6. Speicheranlagen auf rag-austria.at, abgerufen am 18. März 2020.
  7. Österreich speichert mehr Gas auf ORF vom 1. April 2014, abgerufen am 1. April 2014.
  8. Presseaussendung LNG Tankstelle auf rag-austria.at, abgerufen am 19. März 2020.
  9. RAG Nachhaltigkeitsbericht auf rag-austria.at, abgerufen am 19. März 2020.