Rorschach-Heiden-Bergbahn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Rorschach–Heiden
BDeh 2/4 24 mit Velo- und Sommerwagen
BDeh 2/4 24 mit Velo- und Sommerwagen
Strecke der Rorschach-Heiden-Bergbahn
Verlauf der von den Zügen nach Heiden befahrenen Strecke
Fahrplanfeld:857
Streckenlänge:5,60 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Stromsystem:15 kV 16,7 Hz ~
Maximale Neigung: 93,6 
Minimaler Radius:150 m
Zahnstangensystem:Riggenbach
Strecke – geradeaus
SBB-Strecke von Romanshorn S 7
Bahnhof, Station
96,32 Rorschach Hafen Endpunkt S 25 398 m ü. M.
   
SBB-Strecke von St. Gallen
Bahnhof, Station
97,27
65,04
Rorschach Endpunkt S 7 399 m ü. M.
   
SBB-Strecke nach Chur
Kilometer-Wechsel
64,42
0,00
Eigentumsgrenze SBB-AB
   
Abstellanlage
   
Beginn Zahnstangenabschnitt
   
0,30 Ehemaliger Anschluss Starrag (Maschinenfabrik)
Haltepunkt, Haltestelle
0,31 Seebleiche 414 m ü. M.
Haltepunkt, Haltestelle
0,77 Sandbüchel 454 m ü. M.
Brücke (mittel)
Thalerstrasse
Straßenbrücke
Autobahn A1
Haltepunkt, Haltestelle
1,78 Wartensee 546 m ü. M.
Bahnhof, Station
2,62 Wienacht-Tobel 616 m ü. M.
Haltepunkt, Haltestelle
3,70 Schwendi b. Heiden 671 m ü. M.
Bahnübergang
Bahnhofstrasse, Heiden–Thal
   
Depot Heiden
Kopfbahnhof – Streckenende
5,60 Heiden Endpunkt S 25 794 m ü. M.

Die Rorschach-Heiden-Bergbahn ist eine Bahnstrecke in der nördlichen Schweiz. Die ehemalige gleichnamige Betreibergesellschaft, abgekürzt RHB, ging 2006 in den Appenzeller Bahnen (AB) auf. Die von der RHB gebaute Strecke ist eine 5,60 Kilometer lange Normalspur-Zahnradbahn von Rorschach am Bodensee in den fast 400 Meter höher gelegenen Ort Heiden.

Streckenverlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Eigentumsstrecke beginnt gut einen halben Kilometer östlich des Bahnhofs Rorschach, kurz nach dem sie von der den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) gehörenden Bahnstrecke Rorschach–Chur abzweigt. Die Eigentumsgrenze liegt exakt beim Kilometer 64,41483.[1] Das Einfahrsignal von Heiden in den Bahnhof Rorschach befindet sich beim Kilometer 64,476. Diese Stelle wird fälschlicherweise oft als Eigentumsgrenze angegeben, tatsächlich handelt es sich aber um die betriebliche Grenze. Die Eigentumsgrenze zwischen SBB und AB und der Nullpunkt der Kilometrierung in Richtung Heiden liegen hinter dem Depot der SBB, unmittelbar vor den beiden Weichen in die Abstellanlage der Appenzeller Bahnen. Auch die Zahnstange beginnt unmittelbar nach den beiden Weichen. Die danach einsetzende Steigung ist durchschnittlich 91 ‰ steil, der Maximalwert liegt bei 93,6 ‰. Oberhalb Wienacht-Tobel ist die Strecke ein wenig flacher und erreicht nur noch 79,6 ‰.[2]

Weiter verläuft die Strecke über die Stationen Seebleiche, Sandbüchel, Wartensee, Wienacht-Tobel und Schwendi bei Heiden bis nach Heiden. Alle Zwischenstationen sind Bedarfshalte. Der Endbahnhof Heiden liegt auf einer Höhe von 794 Metern. Die Züge nach Heiden beginnen bereits am Bahnhof Rorschach Hafen, folgen zunächst ein Stück der von den SBB betriebenen Bahnstrecke Romanshorn–Rorschach bis in den Bahnhof Rorschach und von dort der Strecke in Richtung St. Margrethen bis zum Abzweig.

Die Strecke durchläuft der Reihe nach die politischen Gemeinden Rorschacherberg (Seebleiche, Sandbüchel), Thal (Wartensee), Lutzenberg (Wienacht-Tobel), Heiden (Schwendi) sowie Grub (ohne Station) und endet in der Gemeinde Heiden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktie über 500 Franken der Rorschach-Heiden-Berbahngesellschaft vom 6. Juni 1874

Erste Bemühungen um einen Schienenanschluss des Ortes Heiden begannen 1871. Frühe Pläne für eine Adhäsionsbahn wurden bald zugunsten der Zahnradstrecke in Regelspurweite nach Rorschach verworfen. Nach Erhalt der Konzession im Januar 1874 begannen die Bauarbeiten schon im Frühjahr desselben Jahres. Nach anderthalb Jahren Bauzeit war die Strecke fertig. Sie wurde so gebaut, dass eine Verlängerung nach Trogen möglich war[3]. Das wurde von der Schweizerischen Bundesversammlung vorgegeben. Die Strecke konnte am 6. September 1875 eröffnet werden. Die gesamte Strecke war bei Betriebseröffnung 7'163 m lang, davon befanden sich 5'784 m im Besitz der Bahngesellschaft. Die Baukosten der Strecke betrugen CHF 2'225'000, die Kosten für des Rollmaterials beliefen sich auf CHF 218'200. Zu Beginn standen der Bahngesellschaft drei Dampflokomotiven, neun Personenwagen mit einer Gesamtkapazität von 400 Personen und acht Güterwagen mit einer Gesamtkapazität von 56 t zur Verfügung.[4]

Der Anschluss an den Chrennen-Steinbruch auf der Siegfriedkarte von 1903. Schwarz-weiss: Hauptlinie. Rot: Anschluss.

1897 wurde der Gesellschaft eine Konzession ausgestellt, die den Bau einer Abzweigung ihrer Linie von km. 2,666 zu einem Steinbruch in der «Chrennen» (damals «Krinnen») bei Wienacht erlaubte. Zu diesem Zweck wurde ein neues Geleise in der Länge von circa 250 m gelegt, welches ein integrierter Bestandteil der ganzen Bahnanlage wurde.[5]

Seit 1930 ist sie mit dem gleichen Stromsystem wie das SBB-Netz elektrifiziert, mit Einphasen-Wechselstrom 15.000 Volt und einer Frequenz von 16,7 Hertz.

Rückwirkend auf den 1. Januar 2006 wurde an der Generalversammlung 2006 die Fusion mit der Bergbahn Rheineck–Walzenhausen (RhW), der Trogenerbahn (TB) und den früheren Appenzeller Bahnen (AB) beschlossen. Die vier Bahnen fahren heute unter dem Namen Appenzeller Bahnen.

Wegen rückläufigen Frequenzen und einem Kostendeckungsgrad von unter 30 Prozent lassen die Kantone Appenzell Ausserrhoden und St. Gallen 2019 von einem Ingenieurbüro prüfen, ob für die drei Zahnradbahnen der Appenzeller Bahnen von Rorschach Hafen nach Heiden, von Altstätten Stadt nach Gais, und von Rheineck nach Walzenhausen «kundenfreundlichere und kostengünstigere Alternativen» machbar wären. Zur Diskussion steht namentlich eine Umstellung auf Busbetrieb oder einen vollautomatischen Betrieb.[6]

Zugbetrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Führung schwach frequen­tierter Züge baute der Lastwagen­her­steller Saurer ein „Schienenmobil“, das im Winter 1908 auf der RHB ge­testet wurde. Die Sicherheitsvorschrif­ten ver­hinderten eine Inbetriebnahme auf der Zahnstangenstrecke.[7]

Die ersten zwei Jahre mussten die Züge vom Zahnstangenende in Rorschach in den Bahnhof Rorschach mit einer fremden Dampflokomotive befördert werden, wobei die nur mit Zahnrad angetriebene RHB-Dampflokomotive die 560 Meter mitgeschleppt wurden. Da man dabei auf das Wohlwollen der damaligen VSB angewiesen war, entschied man sich, die eigenen Lokomotiven mit einem Adhäsions-Hilfsantrieb auszurüsten. Somit war es ab 1877 möglich, den Bahnhof Rorschach aus eigener Kraft zu erreichen. Bald verlängerte man die Züge nach Rorschach Hafen, um die Passagiere direkt von den Dampfschiffen abzuholen. Diese Betriebsform behielt man bis heute bei, obschon heute die touristisch orientierte Verbindung von Schiff und Bahn von untergeordneter Bedeutung ist gegenüber den Bedürfnissen des lokalen Pendelverkehrs.

Bis zur Lieferung des BDeh 3/6 im Jahr 1998 bot die RHB zwei Wagenklassen an. Das war bis zur Klassenreform von 1956 die zweite und dritte Klasse, bis 1998 die erste und zweite Klasse.

Die Zahnradbahn hatte lange Zeit ein reges Güteraufkommen, befand sich doch in der Nähe der heutigen Station Seebleiche ein Anschlussgleis an die Maschinenfabrik Starrag und in Wolfhalden etwa 200 m vom Bahnhof Heiden entfernt eine Getreidemühle. Auf der Strecke können normale Güterwagen befördert werden, da sie baulich die Beförderung aller Wagen nach Bauart UIC/RIC zulässt, aus Gewichtsgründen aber nur als Einzelwagen. Bis zur Stilllegung der Mühle wurden sogar 90 Tonnen schwere Wagen zugestellt. Diese mussten zuletzt zwischen zwei BDeh 2/4 im „Sandwichverfahren“ zugestellt werden, da nach einer Änderung der Vorschriften nur noch eine Vorstelllast von 73 Tonnen zulässig war.

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

BDeh 3/6 25 in Rorschach Hafen

Heute verkehrt stündlich ein Zug pro Richtung zwischen Rorschach Hafen und Heiden. Die Takt-Zeiten am Morgen unterscheiden sich von denen nach 9:00 Uhr.

Im Sommer werden auch öffentliche Dampffahrten angeboten, dabei kommt die ehemalige Werklok Rosa auf die Strecke. Die historischen Sommerwagen werden im regulären Betrieb eingesetzt, zur Fahrradbeförderung kommt ein Velowagen zum Einsatz.

Güterverkehr findet, eigene Bauzüge ausgenommen, nicht mehr statt, da die Hauptkunden Starrag und Getreidemühle Wolfhalden weggefallen sind. Auch wurden bei der Reorganisation im schweizerischen Güterverkehr viele Bedienpunkte mit geringerem Güteraufkommen, darunter alle der RHB, eingestellt.

Der Triebwagen BDeh 3/6 25 befand sich von September 2009 bis Mai 2010 zur Revision in der Hauptwerkstätte der Rhätischen Bahn in Landquart. Im Zuge dieser Revision wurde er in die aktuellen Farben umlackiert und mit dem Signet der AB versehen.

Die Rorschach-Heiden-Bergbahn ist in den Tarifverbund Ostwind einbezogen.

Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Dezember 2002 prallte ein Extrazug wegen einer falsch gestellten Weiche in Wienacht-Tobel auf einen Prellbock. 38 Fahrgäste erlitten Verletzungen.[8]

Rollmaterial[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baureihe Hersteller Baujahr Herkunft Stückzahl Ausrangiert Bemerkungen
Serie Nummern total heute
Lokomotiven
H 1/2
HG 1/2
1 Aarau 1875 3 0 1949
2–3 1930
4 SLM 1900 1 0 1949
H 2/2 3II SLM 1951 Rüti (1997) (Üb)01 hist. 1 «Rosa»; ex MF Rüti H 2/2 3; Eigentum EV[9]
Triebwagen
BCFZm 2/2 21 SLM 1910 1 0 1917 an RVT verkauft
FZeh 2/4
DZeh 2/4
21–22 SLM/MFO 1930 2 2
BCFeh 2/4
ABDeh 2/4
23 SLM/BBC 1953 2 2 mit Bt 31 fernsteuerbar
24 1967
BDeh 3/6 25 STAG 1998 1 1 Funkfernsteuerung
Steuerwagen
Bt 31 SLM/BBC 1962 BT (1985) (Üb)01 0 2017 ex BT ABt 142; an EV verkauft
Reisezugwagen
BC 1–2 1875 2 0 1930 offene Sommerwagen
B2 3–7 1875 6 5 offene Sommerwagen
8 1970
C2 9 1875 1 0 1994 Umbau zu D2 9
D2 9 1875/1994 (Um)01 0 2017 ex C2 9; Velotransportwagen; an EV verkauft
B4 10II–11II 1962 SBB (1971) (Üb)02 2 ex SBB B 8202–8203 (Alu-Kasten EW I)
AB2 12–13 SIG 1930 2 2
B4 14II SIG 1948 WM (1974) (Üb)01 1 ex WM B 25
Traktor
Tmh 2/2 20 SLM/BBC 1962 KUMA (2006) (Üb)01 1 ex MF Rüti 4, KUMA Thm 237 916
Üb = Übernahme aus fremden Bestand (Gebrauchtfahrzeug); Um = Umbau aus eigenem Bestand

Dienstwagen

  • X 152 (1859/1935) SCB/RHB, Schneepflug
  • X 257, 262, 264 (1898) Flachwagen (aus der Serie M4 SP 252–264)
  • X 602, 603, 631, 641 ehemals MThB
  • X 633
  • X 9054 ehemals BT

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eisenbahn-Kurier Special Nummer 64: Die Eisenbahn am Bodensee. Freiburg 2002, Seiten 50–53.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rorschach-Heiden-Bergbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. SBB-Gleisplan des Bahnhofs Rorschach, Ausgabe vom 3. November 2011
  2. EA 9/2009 Seite 452
  3. Konzession einer Eisenbahn Rorschach–Heiden (Genehmigter Entwurf). Bundesarchiv, abgerufen am 10. Dezember 2013.
  4. ViaStoria. Zentrum für Verkehrsgeschichte, abgerufen am 10. Dezember 2013.
  5. Genehmigter Entwurf. Bundesarchiv, abgerufen am 10. Dezember 2013.
  6. Tobias Gafafer: Ostschweizer Zahnradbahnen stehen auf der roten Liste In: Neue Zürcher Zeitung vom 28. Februar 2019
  7. Peter Eggenberger: Pionierleistung vor 110 Jahren. In Appenzeller Zeitung (Online-Ausgabe). 5. Januar 2018
  8. Die schwersten Bahnunglücke in der Schweiz. In: Tages-Anzeiger. 10. Januar 2013, abgerufen am 14. Januar 2013
  9. EUROVAPOR, Sektion Sulgen: Zahnraddampflok Rosa auf der Rorschach-Heiden-Bergbahn

Koordinaten: 47° 27′ 54″ N, 9° 32′ 24″ O; CH1903: 758416 / 259257