Wolfhalden

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Wolfhalden
Wappen von Wolfhalden
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Appenzell Ausserrhoden Appenzell Ausserrhoden (AR)
Bezirk: ehemaliger Bezirk Vorderlandw
BFS-Nr.: 3038i1f3f4
Postleitzahl: 9427
Koordinaten: 759269 / 258044Koordinaten: 47° 27′ 14″ N, 9° 33′ 3″ O; CH1903: 759269 / 258044
Höhe: 716 m ü. M.
Höhenbereich: 446–921 m ü. M.[1]
Fläche: 6,93 km²[2]
Einwohner: 1846 (31. Dezember 2020)[3]
Einwohnerdichte: 266 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
17,1 % (31. Dezember 2020)[4]
Gemeindepräsident: Gino Pauletti
Website: www.wolfhalden.ch
Lage der Gemeinde
BodenseeÖsterreichKanton Appenzell InnerrhodenKanton Appenzell InnerrhodenKanton Appenzell InnerrhodenKanton St. GallenBezirk MittellandGrub ARHeiden ARLutzenberg ARLutzenberg ARRehetobelReute ARWald ARWalzenhausenWolfhaldenKarte von Wolfhalden
Über dieses Bild
ww

Wolfhalden ist eine politische Gemeinde im Vorderland des Kantons Appenzell Ausserrhoden in der Schweiz.

Historisches Luftbild aus 900 m von Walter Mittelholzer (1927)

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Wolfhalden befindet sich im Appenzeller Vorderland zwischen Heiden AR und Walzenhausen, 300 m über dem Bodensee. Der tiefste Punkt der Gemeinde ist die Tobelmüli auf 448 m, der höchste Punkt befindet sich hinter dem Guggenbühel an der Grenze zu Heiden auf 921 m. Die Gemeinde gliedert sich in verschiedene Weiler, welche teilweise weit auseinanderliegen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Höfe Hasli und Sonder sind bereits 1225 bezeugt. Das Gebiet von Wolfhalden gehörte im 13. und 14. Jahrhundert mit dem restlichen Kurzenberg zum bischöflich-konstanzischen Hof Thal und zur Vogtei Rheineck.

Nach den Appenzellerkriegen von 1401 bis 1429 bildete Wolfhalden innerhalb der Gemeinde Kurzenberg den sogenannten Mittleren Strich. Kirchlich zählte es bis 1652 zur Pfarrei Thal, mit welcher es um 1529 den Übertritt zur Reformation vollzog. Streitigkeiten mit Heiden um den Standort der Kurzenberger Kirche führten in den Jahren 1651 und 1652 zum Kirchenbau im Weiler Wolfhalden.

1658 bildeten die Kirchgenossen der neuen Kirche eine selbstständige Gemeinde. Die Grenzbereinigung mit Lutzenberg wurde in den Jahren 1666 und 1667 abgeschlossen. Die Aufteilung der Kurzenberger Allmend erfolgte von 1771 bis 1772, diejenige des Wolfhäldler Stücks unter den Ortsbürgern von 1835 bis 1841.[5]

Im Alten Zürichkrieg kam es am 11. Juni 1445 zur Schlacht bei Wolfhalden.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ackerbau, Viehwirtschaft, Weinbau und Textilgewerbe waren von der Gründung der Gemeinde an die Haupterwerbszweige. Acker- und Weinbau verschwanden nach 1945. Wolfhalden wies im 18. Jahrhundert sieben Kornmühlen sowie von 1784 bis 1843 eine Pulvermühle auf.

Versuchen zur Seidenraupenzucht in den 1830er- und 1840er-Jahren war kein nachhaltiger Erfolg beschieden. Besonders gut etablierte sich in Wolfhäldler Kellern die ab 1831 eingeführte Seidenbeuteltuchweberei beziehungsweise die Herstellung von Müllereigaze in Heimarbeit. Im Jahr 1890 liessen neun Firmen in Wolfhalden weben. Sieben davon schlossen sich zwischen 1907 bis 1912 zur Schweizerischen Seidengazefabrik – ab 1995 unter dem Firmennamen Sefar – zusammen. Diese stellte 1930 auf mechanische Webstühle um.

1941 waren 342 von 885 Berufstätigen in Wolfhalden Seidenweber. 115 der Berufstätigen arbeiteten auswärts. Die heimindustriellen Seidenweber verschwanden in den 1950er- und 1960er-Jahren. Dafür entstand zwischen 1960 und 1964 eine grosse mechanische Anlage der Schweizerischen Seidengazefabrik AG.

Von 1890 bis 1914 profitierte Wolfhalden von einem beachtlichen Fremdenverkehr. In den 1960er-Jahren stieg das lokale Arbeitsangebot stark an. Haupterwerbszweige sind seither Herstellung von Präzisionsgeweben, Kunststoffverarbeitung, Handwerk- und Dienstleistungsbetriebe sowie die Landwirtschaft. 2005 stellte der erste Sektor 10 Prozent, der zweite Sektor gut 61 Prozent der Arbeitsplätze in der Gemeinde.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1667 1215
1813 1996
1850 2212
1900 2786
1950 2184
1980 1632
2000 1689
2010 1706
2015 1780

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geboren in Wolfhalden:

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im geschützten kommunalen Dorfkern Wolfhaldens liegen die Evangelische Kirche, das Ortsmuseum Wolfhalden und das ehemalige Pfarrhaus Wolfhalden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Lutz et al.: Aus der Geschichte von Wolfhalden 1652-1952: Festschrift zum 300-jährigen Bestehen der Gemeinde. ohne Verlag, ohne Ort, 1952.
  • Eugen Steinmann: Die Kunstdenkmäler des Kantons Appenzell Ausserrhoden (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 72). Band 3: Der Bezirk Vorderland. Birkhäuser AG, Basel 1981, ISBN 3-7643-1251-3, S. 219–276. Digitalisat.
  • Ernst Züst: Wolfhalden: Gemeindegeschichte. Eigenverlag der Gemeinde, Wolfhalden 1997.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Wolfhalden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BFS Generalisierte Grenzen 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Höhen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021
  2. Generalisierte Grenzen 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Flächen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021
  3. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde, definitive Jahresergebnisse, 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. November 2021
  4. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde, definitive Jahresergebnisse, 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Ausländeranteil aufgrund Stand 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. November 2021
  5. Thomas Fuchs: Wolfhalden. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 11. Januar 2015, abgerufen am 14. Dezember 2021.
  6. Thomas Fuchs: Wolfhalden. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 11. Januar 2015, abgerufen am 14. Dezember 2021.