Rudis Tagesshow

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Seriendaten
Deutscher Titel Rudis Tagesshow
Rudis tagesschau.svg
Produktionsland Bundesrepublik Deutschland
Originalsprache Deutsch
Jahr(e) 1981–1987
Produktions-
unternehmen
Radio Bremen
Länge 30 Minuten
Episoden 39
Ausstrahlungs-
turnus
wöchentlich
Genre Comedy
Moderation Rudi Carrell
Erstausstrahlung 12. Oktober 1981 auf Deutsches Fernsehen
Besetzung

Rudis Tagesshow ist der Titel einer Comedy-Sendung von Radio Bremen aus den Jahren 1981 bis 1987, die von Rudi Carrell moderiert wurde.

Entstehung[Bearbeiten]

Rudi Carrell hatte sich nach Am laufenden Band zur Ruhe gesetzt, wollte nach kurzer Zeit aber doch wieder im Fernsehen tätig sein. Er fand Not The Nine O’Clock News der BBC eine interessante Sendung und besprach mit seinen Berater Leslie Roberts eine deutsche Adaption. Not The Nine O’Clock News lief seit Oktober 1979 gelegentlich in Staffeln von etwa 7 Folgen auf BBC 2 um 21.00 Uhr und damit zur gleichen Zeit, zu der BBC 1 die Nachrichtensendung “Nine O’Clock News” ausstrahlte. Es handelte sich um eine Comedy-Show, die sehr bissige Gags machte. Letzteres wollte Carrell nicht übernehmen, sondern die Show an den deutschen Geschmack anzupassen.[1]

Vorarbeit[Bearbeiten]

Carrell begann im März 1981 mit zwei Assistentinnen in seinem Büro bei Radio Bremen aufgezeichnete Sendungen nach Gags zu durchsuchen, häufig unterschiedliche Bilder auf mehreren Monitoren gleichzeitig. Dabei kam er um 8.30 h und blieb bis um 18.00 h. Es wurde ein gut dokumentiertes Archiv angelegt, so dass man beispielsweise Bilder von einem stolpernden Politiker schnell auffinden konnte, wenn man so etwas benötigte. ARD-aktuell unterstützte das Vorhaben im besonderen Maße.[1]

Team[Bearbeiten]

Da die Show jüngere Zuschauer ansprechen sollte, hatte Carrell seinen langjährigen Partner Heinz Eckner nicht berücksichtigt.[1]

Klaus Havenstein

Carrell wollte gerne mit Peer Augustinski zusammenarbeiten, der aber schon vertraglich gebunden war. Daraufhin gelangte Klaus Havenstein in das Team, der sogar etwas älter als Heinz Eckner war.

Dieter Krebs

Diether Krebs war dem Publikum vor allem als Schwiegersohn des Hauptdarstellers in Ein Herz und eine Seele bekannt. Diese Serie war außerordentlich populär und war für Carrell der Grund, Krebs auszuwählen.[1]

Beatrice Richter

Beatrice Richter ist als Ersatz für Barbara Valentin kurzfristig in der Kabarettsendung Scheibenwischer eingesprungen. Carrell hatte sie daraufhin noch am gleichen Abend fernmündlich für die Tagesshow verpflichtet. Beatrice hielt die Zusammenarbeit mit Carrell für unerträglich und wollte schon nach der ersten Staffel wieder aufhören. Carrell konnte sie noch zum Mitwirken an der zweiten Staffel bewegen, dann stieg sie aber aus.[1]

Susanne Czepl

Susanne Czepl ersetzte Beatrice Richter ab der dritten Staffel.

Gäste

In manchen Ausgaben spielen prominente Gäste mit, so hat einmal Nena Carrells Rolle als Sprecher übernommen und Heiner Geißler Carrell am nachgebauten Rednerpult des Bundestages eine Torte ins Gesicht gedrückt.

Die Sendung[Bearbeiten]

Rudis Tagesshow bestand vor allem aus einen Nachrichtensprecher, den Rudi Carrell selber spielte, welcher entsprechend der Tagesschau Nachrichten vom Blatt vorlas. Zu den Nachrichten gehörte eine kurze Filmeinspielung. Weil er damit aber keine 30 Minuten Laufzeit füllen konnte, gab es noch einen Teil, der zumeist keinen aktuellen Bezug hatte, nämlich Sketche, die als Einspielfilme vorkamen oder im Studio gespielt wurden.

Der originalen Tagesschau war die Dekoration nicht nachempfunden, es war alles eigenständig gestaltet. Dies galt auch für die Titelmelodie der Sendung. Während Not The Nine O’Clock News am Tag vor der Ausstrahlung aufgezeichnet wurde, entschied sich Carrell für eine Live-Ausstrahlung, was sich aufgrund der vielen vorproduzierten Teile leicht realisieren ließ. Die Regie führte Carrells Tochter Annemieke. Die Sendung wurde auch vom ORF ausgestrahlt. Der Sendetermin war montags vor den Tagesthemen, also um 22.00 Uhr.[1]

Die erste Staffel fand noch zur Zeit des Kabinett Schmidt III am 15. Oktober 1981 statt, die zweite bereits während des Kabinett Kohl I, was der Sendung entgegenkam, da man mit den neuen Politikern auch neue Gags machen konnte. Insbesondere kam Norbert Blüm in einer Staffel derart häufig vor, dass er an ihrem Ende persönlich erschien und Rudi Carrell „unbemerkt“ einen Eimer Wasser über den Kopf schüttete.

Carrell wollte 1982 nach zwei Staffeln aufhören, die ARD drängte aber aufgrund des immensen Erfolgs auf weitere Ausgaben. So kam es nach einem Jahr Pause 1984 zur dritten Staffel und 1985, 1986 und 1987 zu weiteren Staffeln, das Ende lag im März 1987.

Skandal[Bearbeiten]

Einen Skandal[2] mit internationalem Ausmaß und Morddrohungen erzeugte die Sendung vom 15. Februar 1987, als in einem Einspieler Ajatollah Ruhollah Chomeini parodiert wurde. In dem fiktionalen Ausschnitt wurde Chomeini bei einer Kundgebung aus der Menge Damenunterwäsche zugeworfen und dieser wühlte darin herum (Nahaufnahme der Hände in der Unterwäsche). Durch die politischen Konsequenzen wurde Rudis Tagesshow selbst Thema der echten Tagesschau der ARD. Das kurz darauf erfolgte Ende der Serie stand aber in keinen Zusammenhang.[1]

Erfolg[Bearbeiten]

Die Tagesshow wurde ein gigantischer Erfolg, der Carrell dazu bewog, auch wieder eine große Samstagabend-Show zu machen, was dann mit Die verflixte 7 auch geschah. Beatrice Richter und Diether Krebs wurden aufgrund des Erfolgs vom Bayerischen Rundfunk (BR) 1984 die eigene Serie Sketchup angeboten. Das Publikum lachte mitunter so laut, dass man befürchtete, die Fernsehzuschauer könnten es für Lacher vom Tonband halten.[1]

1982 erhält Carrell die Goldene Europa, 1983 seine zweite Goldene Kamera, wobei der Chefsprecher der Tagesschau Werner Veigel die Laudatio hielt.

Ende der 1990er-Jahre präsentierte Norbert Blüm, ebenso wie Beatrice Richter Best-Of-Specials unter dem Titel Rudis Tagesshow EXTRA, in denen zwischen den alten Clips stets über den selbst dabei nicht anwesenden Rudi Carrell gelästert und hergezogen wurde. Diese Spezialausgaben wurden von den regionalen ARD-Anstalten (ehemals Dritte) auch häufig zu besonderen Anlässen wie etwa Silvester wiederholt.

Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h Ein Leben für die Show, Kapitel 9 Auszeit ohne Pause
  2. http://www.focus.de/kultur/kino_tv/medien-vor-25-jahren-tv-aus-fuer-rudis-tagesshow_aid_721619.html