Südliche Schwarze Witwe

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Südliche Schwarze Witwe
Südliche Schwarze Witwe, Weibchen

Südliche Schwarze Witwe, Weibchen

Systematik
Unterstamm: Kieferklauenträger (Chelicerata)
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Familie: Haubennetzspinnen (Theridiidae)
Gattung: Echte Witwen (Latrodectus)
Art: Südliche Schwarze Witwe
Wissenschaftlicher Name
Latrodectus mactans
(Fabricius, 1775)
Männchen
Weibchen in einer etwas selteneren Farbvariante
Weibchen mit Beute
Weibchen mit Eikokon

Die Südliche Schwarze Witwe (Latrodectus mactans), meist nur Schwarze Witwe genannt, ist eine Webspinne aus der Familie der Haubennetzspinnen.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Weibchen werden etwa 8 bis 15 Millimeter lang, die Männchen nur 4 bis 7 Millimeter, somit gehört sie zu den größeren Witwenarten, die Grundfarbe des Weibchens ist meist glänzend-tiefschwarz, seltener dunkelbraun. Ihre Beine, die länger sind als der Körper, sind ebenfalls schwarz. Dazu kommen noch zwei Markierungen, eine Zeichnung in Form einer Sanduhr, meist in leuchtend roter Farbe auf der Unterseite, und ein kleiner roter Fleck oberhalb der Spinnwarzen. Diese Zeichnungen können auch gelb oder orange gefärbt sein. Die Sanduhrzeichnung besteht aus zwei miteinander verschmolzenen Dreiecken.[1] Die Weibchen der Südlichen Schwarzen Witwe können auch mit den Weibchen der Nördlichen Schwarzen Witwe (Latrodectus variolus) verwechselt werden, bei der aber die beiden Dreiecke auf der Bauchseite nicht miteinander verschmolzen sind.[2]

Die Männchen haben ebenfalls Schwarz als Grundfarbe, aber sie haben einen länglichen Körper und eine andere, meist gelbe Zeichnung an den Seiten des Opisthosomas. Die Männchen haben längere Beine als die Weibchen und die Gelenke sind braun gefärbt. Die Jungtiere sind überwiegend weiß oder gelblichweiß. Später zeigen sie variable Zeichnungen auf der Oberseite des Opisthosomas, meist rote Flecken, die orange bis gelblich umrandet sein können.[3]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Südliche Schwarze Witwe kommt in den südöstlichen Bundesstaaten der Vereinigten Staaten vor, von den südlichen Neuenglandstaaten bis Florida und im Westen bis ins östliche Oklahoma, Texas und Kansas. In den südlichen Staaten ist sie wesentlich häufiger als in den nördlichen. Ihr südliches Verbreitungsgebiet reicht bis Guatemala.

Im Norden überlappt sich das Verbreitungsgebiet mit dem der Nördlichen Schwarzen Witwe (Latrodectus variolus), im Westen grenzt es an jenes der Westlichen Schwarzen Witwe.

Die Südliche Schwarze Witwe ist durch den internationalen Handel in einige Länder eingeschleppt worden. In Hawaii wird sie seit 1925 beobachtet.[3]

Die Spinne lebt in trockenen, steppenähnlichen Gebieten in Bodennähe zwischen Steinen und Gestrüpp, nur selten wurden Exemplare in Dörfern oder Städten gefunden.

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Südliche Schwarze Witwe gehört zu den Haubennetzspinnen, deren charakteristisches Merkmal die kammähnliche Behaarung der Beine ist. Mit Hilfe dieser feinen Kammstruktur baut die Spinne ihr Haubennetz. Das Deckengespinst, das haubenartig zwischen Gräsern oder überhängenden Felsstrukturen angelegt wird, besteht aus einem Gewirr kurzer, weitmaschiger Fäden, die wie ein Zelt von Spannfäden gehalten werden. Im oberen Teil dieses Gespinstes befindet sich der schüsselförmige Schlupfwinkel der Spinne. Vom Haubennetz aus werden nach allen Seiten klebrige Fäden gezogen, die dem Fang von Insekten dienen.[2] Das Netz hat einen Durchmesser von 30 bis 40 Zentimetern.

Die Spinne ernährt sich meist von geflügelten Insekten wie Fliegen, Heuschrecken und Käfern. Auch größere Tiere, die sich im Netz verfangen, können vertilgt werden. Für den Netzbau geeignete Stellen sind Erdlöcher oder große Felsen und Steine, aber auch Holzstöße, Schuppen oder kleine Hütten und Garagen. Dazu zählen auch Außenaborte, die viele Insekten anlocken. Allerdings verspeist die Schwarze Witwe auch andere Spinnen, wie z. B. Falltürspinnen.

Die Südliche Schwarze Witwe verlässt ihr Netz selten. Sie ist nachtaktiv und verkriecht sich bei Tag in ihrem dicht gewebten Schlupfwinkel. In der Nacht hängt sie mit dem Rücken nach unten in der Mitte des Haubennetzes.[1]

Fortpflanzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Paarung findet im Frühling oder Sommer statt, hierbei umspinnt das Männchen die Beine des Weibchens mit einigen Fäden. Dann führt es die Samen in die Spermaöffnung des Weibchens ein. Nach der Paarung wird das Männchen manchmal verspeist, die Berichte über die Häufigkeit dieses Ereignisses gehen auseinander. Von den meisten Wissenschaftlern wird dieses Verhalten für die Südliche Schwarze Witwe als eher selten beschrieben.[1]

Das Weibchen spinnt nun kugelförmige Eikokons von 8 bis 14 Millimetern Durchmesser. Diese sind zuerst weiß, können sich aber mit der Zeit bräunlich bis grau verfärben. In den Kokons befinden sich 25 bis 250 Eier. Während eines Jahres können mehrere Eikokons produziert werden. Diese werden von dem Weibchen bewacht und das Weibchen kann während dieser Zeit besonders aggressiv reagieren.

Nach vier Wochen schlüpfen die ersten Jungtiere. Sie bleiben aber noch im Kokon, wo sie sich zum ersten Mal häuten. Danach verlassen sie das Gespinst und schweben an langen Spinnfäden durch die Luft. Ihre Verbreitung erfolgt durch den Wind. Die Entwicklung bis zum geschlechtsreifen Tier dauert zwei bis vier Monate, abhängig vom Nahrungsangebot.[1]

Oft leben die Weibchen nur ein Jahr, in günstigen Fällen und in der Terrarienhaltung können sie bis zu drei Jahre alt werden.

Bissunfälle und Giftigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Biss der Südlichen Schwarzen Witwe wird nicht immer sofort bemerkt, er ist meist nur wie ein Nadelstich spürbar. Die Spinne injiziert in die Bisswunde ein Nervengift, das frühestens nach einer halben Stunde spürbar wird. Der klinische Beobachtungszeitraum nach einem Biss von Latrodectus mactans beträgt daher mindestens sechs Stunden. Das Nervengift ist ein Proteingemisch, aus dem bisher mehr als 20 verschiedene Latrotoxine isoliert werden konnten. Der Hauptbestandteil des Giftes ist Alpha-Latrotoxin. Es verursacht unwillkürliche neuromuskuläre Entladungen, die zu krampfartigen Bauchschmerzen und nach ein bis drei Stunden zu generalisierenden, sich rasch steigernden Muskelschmerzen führen, die unbehandelt tagelang anhalten können.[4] An der Bisswunde kommt es zu lokalen Schwellungen und Rötungen.

Wegen der relativ geringen Menge des Gifts, das bei einem Biss in die Wunde übertragen wird, besteht für den Menschen selten Todesgefahr. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand stirbt, hängt von der gesundheitlichen Verfassung ab, ältere Menschen und Kinder können an dem Biss sterben. Vor Einführung der Behandlung mit Antiserum lag die Todesrate nach einem Biss bei fünf Prozent. Durch ein fallweise massenhaftes Auftreten und daraus resultierende häufige Bisse ist diese Spinne als Gifttier sehr bekannt geworden. Sie beißt aber nur, wenn sie gestört oder angegriffen wird. Gefährlich sind nur die Weibchen, die Männchen sind harmlos.

Namen und Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Schwarze Witwe rührt von der Beobachtung her, dass die Weibchen nach der Paarung das kleinere Männchen auffressen. Dieses Verhalten, das auch bei den meisten anderen Arten der Webspinnen beobachtet werden kann, ist jedoch bei der Schwarzen Witwe eher die Ausnahme.[5]

Der Erstbeschreiber Johan Christian Fabricius stellte 1775 Latrodectus mactans als Aranea mactans in die Gattung Aranea, in der zu seiner Zeit die meisten Spinnen zusammengefasst wurden.[6] Heute werden die Webspinnen zur Ordnung Araneae zusammengefasst, in der die Südliche Schwarze Witwe zur Familie der Haubennetzspinnen (Theridiidae) gehört.[7]

1970 wurden die Schwarzen Witwen Nordamerikas durch eine Revision von B. J. Kaston in drei Arten aufgeteilt:[2] Von Latrodectus mactans im engeren Sinn, die hauptsächlich in den südöstlichen Bundesstaaten der USA verbreitet ist, und fortan Südliche Schwarze Witwe (Southern Black Widow) genannt wurde, wurden die nördlicher beheimatete Variante als Nördliche Schwarze Witwe (Latrodectus variolus) und die im Westen verbreitete Westliche Schwarze Witwe (Latrodectus hesperus) als eigene Arten abgetrennt.[8]

Ähnliche Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Südeuropa ist die früher auch zu Latrodectus mactans gezählte, ebenfalls oft als Schwarze Witwe oder Malmignatte bezeichnete Art Latrodectus tredecimguttatus heimisch. Sie sieht in Form und Färbung der Südlichen Schwarzen Witwe sehr ähnlich, hat aber im Erwachsenenstadium meist dreizehn rote Flecken auf dem Hinterleib.[9] Latrodectus mactans kann mit einzelnen Arten der Gattung Fettspinnen (Steatoda) verwechselt werden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • G. Schmidt: Giftige und gefährliche Spinnentiere. Die neue Brehm-Bücherei 608, 2. Auflage, Westarp Wissenschaften, Magdeburg 2000, ISBN 3-740-30249-6

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Südliche Schwarze Witwe – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Susan C. Jones: Black Widow Spider Ohio State University Extension Fact Sheet (englisch)
  2. a b c B. J. Kaston: Comparative biology of American black widow spiders. Transactions of the San Diego Society of Natural History, 16, 3, S. 33–82, 1970
  3. a b Gordon M. Nishida und Joann M. Tenorio: What Bit Me? Identifying Hawai'i's Stinging and Biting Insects and Their Kin. University of Hawai'i Press, 1993, S. 9–12 ISBN 0-82481-492-4
  4. Toxikologische Bewertung von Bissen der Schwarzen Witwe bei der Toxinfo-Datenbank
  5. Rainer F. Foelix: Biologie der Spinnen. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1979 ISBN 3-13-575801-X
  6. Johan Christian Fabricius: Systema entomologiae, sistens insectorum classes, ordines, genera, species, adiectis, synonymis, locis descriptionibus observationibus. Flensburg et Lipsiae 1775. (Araneae, S. 431–441)
  7. Norman I. Platnick: The World Spider Catalog, version 9.0. American Museum of Natural History. Familie Theridiidae
  8. Black Widow Spiders (Memento vom 21. Juli 2010 im Internet Archive)
  9. Heiko Bellmann: Kosmos Atlas Spinnentiere Europas. 3. Auflage, Franckh-Kosmos, Stuttgart 2006 S. 76–77 ISBN 3-440-10746-9