Seafile

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Seafile
Screenshot
Screenshot der Seafile-Weboberfläche
Basisdaten
Entwickler Seafile Ltd.
Aktuelle Version 6.0.7 (Desktop Windows)
23. Juni 2017[1]

6.0.7 (Desktop macOS)
23. Juni 2017[1]

6.0.7 (Desktop Linux)
23. Juni 2017[1]

6.0.7 (Linux Kommandozeile)
23. Juni 2017[1]

6.1.1 (Server Linux)
15. Juni 2017[1]

6.0.9 (Server FreeBSD)
31. März 2017[2]

6.0.7 (Server Windows)
16. Dezember 2016[1]

2.1.13 (Android)
2. Juni 2017[3]

2.6.0 (iOS)
30. Mai 2017[4]

Betriebssystem Windows, macOS, Linux, FreeBSD[2], Android, iOS
Programmiersprache C, Python
Kategorie Filehosting, Synchronisation
Lizenz GPLv2 / Apache-Lizenz (Community Version)
deutschsprachig nein
seafile.com (Seafile Ltd.)

Seafile ist eine freie Software, um Dateien zentral auf einem eigenen Server zu speichern (Filehosting). Benutzer können auf ihre Daten über eine Webschnittstelle zugreifen oder über Desktop-Clients synchronisieren. Seafile bietet ähnliche Funktionen wie bekannte Online-Dienste wie z. B. Dropbox und Google Drive. Der Hauptunterschied liegt darin, dass Seafile als Open-Source-Software auf dem eigenen Server installiert werden kann.

Funktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sämtliche Kommunikation zwischen Client und Server findet komplett verschlüsselt statt. Die Verschlüsselung der Daten erfolgt im Client, nicht auf dem Server. Es ist möglich, mehrere Seafile-Server mit einem Client zu verbinden. Die Auswahl des Servers erfolgt über ein Dropdown-Auswahlfeld. Die HTTPS-Verschlüsselung der WebGUI ist aktuell nur über die Einrichtung eines Webservers wie NGINX, Apache oder IIS als Reverse Proxy möglich. Seafile verfügt auch über ein integriertes Wiki. Zum Schutz der Privatsphäre der Seafile-Benutzer können Bibliotheken und Ordner mit einem Passwort geschützt werden. Diese Bibliotheken werden in verschlüsselter Form gespeichert.[5] Nicht einmal der Systemadministrator kann dann auf diese Daten zugreifen. Seafile unterstützt Delta-Kodierung/Differenzspeicherung. Benutzer können über die in der WebGUI integrierte Benutzerverwaltung oder über eine LDAP / Active Directory Anbindung verwaltet werden. Beide Varianten sind nebeneinander möglich. Zum Schutz vor versehentlichem Löschen werden gelöschte Dateien in einen Papierkorb verschoben. Über die Versionsverwaltung können Änderungen an Dateien nachvollzogen und bei Bedarf ältere Bearbeitungsstände auch wiederhergestellt werden. Die Zusammenarbeit von Benutzern im Team ist in sogenannten Gruppen möglich. Dateien können innerhalb des Servers an andere Benutzer oder Gruppen freigegeben werden. Es ist außerdem möglich, öffentliche Freigabelinks per E-Mail zu versenden. Es gibt auch eine Möglichkeit Upload-Links per E-Mail zu verschicken. Eine WebDAV-Schnittstelle ist auch vorhanden, jedoch ist damit keine clientseitige Verschlüsselung möglich, da das WebDAV-Protokoll dies nicht unterstützt.

Spezielle Funktionen der Professional Version[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nur in der kostenpflichtigen Version ist es möglich, Seafile in einem Hochverfügbarkeits-Setup in einer Cluster-Architektur zu betreiben. Es ist außerdem möglich, MS-Office-Dateien über eine Dateivorschau anzusehen. Über eine sogenannte Aktivitätszeitleiste kann nachverfolgt werden, welcher Benutzer wann welche Dateien verändert hat. Ein MS-Office-Web-Apps-Server für die Dateivorschau sowie ein Anti-Malware-Programm kann bei Bedarf integriert werden. PDF- und MS-Office-Dateien können in der Professional-Version über eine integrierte Volltextsuche nach Begriffen durchsucht werden. Außerdem können Dateien während des Bearbeitens gesperrt werden, um zu verhindern, dass gleichzeitig ein anderer Benutzer dieselbe Datei bearbeitet. MS-Office-Dateien werden automatisch gesperrt, sobald sie geöffnet werden. Des Weiteren können differenzierte Zugriffsrechte für (Unter-)Ordner erstellt werden, sodass Unterordner mit anderen Zugriffsrechten als übergeordnete Bibliotheken freigegeben werden können. Benutzer und Gruppen in LDAP/AD werden synchronisiert. Somit werden z. B. gelöschte Benutzer in LDAP/AD auch in Seafile automatisch deaktiviert. In Seafile Professional können außerdem neben den Standard-Accounts auch Gast-Accounts erstellt werden, die keine Gruppen oder Bibliotheken erstellen können.[6]

Technisches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seafile Server kann unter Linux, FreeBSD und Windows betrieben werden. Des Weiteren existiert eine Seafile-Version für den Raspberry Pi. Desktop-Clients sind für Windows, macOS, FreeBSD[7] und Linux verfügbar. Mobile Clients gibt es für iOS und Android.

Seafile Server und Clients bestehen aus unterschiedlichen Komponenten, die in C programmiert sind, während die Webschnittstelle (Seahub) auf dem Python-Framework Django basiert. Als Datenbank kann MySQL oder SQLite verwendet werden.

Lizenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 2. Juni 2015 steht der Seafile-Server unter der GPLv2. Da Seafile Teile von Git verwendet und diese unter der GPLv2 stehen, die aber nicht mit der bisher von Seafile verwendeten GPLv3 kompatibel ist, musste die Lizenz von Seafile geändert werden.[8] Das Seafile-Server-Webend (Seahub) ist unter der Apache-Lizenz veröffentlicht.[9]

Versionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seafile gibt es in zwei Versionen: eine kostenlose „Community Version“, die Open Source ist und eine kostenpflichtige „Professional Version“, die proprietäre Elemente enthält. Die Professional Version baut auf der Community Version auf und hat einen erweiterten Funktionsumfang.[10]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Gruppe ehemaliger Studenten der Tsinghua Universität, Peking begann im Jahr 2009 ihre Arbeiten an der Entwicklung einer peer-to-peer basierten Filehosting Lösung. Mit einer solchen Lösung, die unter dem Namen Seafile lief, wollten die Entwickler eine Alternative zu Lösungen mit einem zentralen Server schaffen. Im Jahr 2010 entschied das Entwicklerteam um Daniel Pan herum, das ursprüngliche Ziel aufzugeben und nahm einen Technologiewechsel hin zu einer Client-Server Struktur vor. Solche Client-Server-Architekturen sind auch bei Dropbox oder Google Drive im Einsatz.

Im Jahr 2012 gründeten Daniel Pan, Jonathan Xu und eine Reihe anderer Entwickler des Projekts das Unternehmen Seafile Ltd. Das Ziel der Gesellschaft war die Entwicklung und der Vertrieb der selbstentwickelten Filehosting Software.

Anfang 2015 gründeten Alexander Jackson und Silja Jackson die Vertriebsgesellschaft Seafile GmbH. Ziel der Gründung war eine Stärkung des Vertriebs in Deutschland und die Bereitstellung von deutschsprachigem Support. Ebenso sollte die GmbH einen öffentlichen Cloud Storage Service auf Basis von Seafile anbieten. Seafile Ltd. entschied sich gegen einen Eigenkapitalanteil an der neugegründeten Gesellschaft, übertrug aber Nutzungsrechte und stellte Finanzmittel in Form eines zinsfreien Darlehens zur Verfügung.[11] Die Partnerschaft wurde im Juli 2016 abrupt von Seiten der Seafile GmbH aufgekündigt. Als Gründe wurde Konflikte mit der chinesischen Seite bezüglich Produktentwicklung und Kundenkommunikation genannt.

Konflikt mit PayPal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund von Vorwürfen gegen die Nutzungsbedingungen von PayPal wurde die deutsche Seafile GmbH im Juni 2016 aufgefordert, den Datenfluss der Seafile-Kunden auf „illegale Inhalte“ zu prüfen. Aus moralischen, juristischen und technischen Gründen kam Seafile dem nicht nach, worauf PayPal den Zahlungsverkehr zu Seafile eingestellt hat und die kostenpflichtigen Konten zeitweilig kostenlos angeboten hat.[12] PayPal entschuldigte sich darauf hin und erlaubte die Nutzung von PayPal wieder, allerdings wollte Seafile nach dem Vorfall nicht mehr mit PayPal zusammenarbeiten und sucht nach Alternativen.[13]

Konflikt der deutschen Seafile GmbH mit der chinesischen Seafile Ltd.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 21. Juli 2016 beendete die deutsche Seafile GmbH mit sofortiger Wirkung die Zusammenarbeit mit der chinesischen Seafile Ltd. und kündigte an, von nun an selbst an der Entwicklung einer eigenen Version des Seafile Servers (sowohl Community als auch Professional Version) zu arbeiten.[14] Die Seafile GmbH argumentierte, bereits länger andauernde und unauflösbare Unstimmigkeiten mit den chinesischen Entwicklern ließen keine andere Entscheidung zu. Die chinesische Seafile Ltd. veröffentlichte wenige Tage später im Seafile-Blog eine Gegendarstellung. In dieser wurden der Seafile GmbH unter anderem Markenrechtsverletzungen vorgeworfen und bekanntgegeben, dass der Seafile GmbH die Nutzung der proprietären Seafile Pro-Software untersagt wurde.[15] Die Seafile GmbH wies ihrerseits diese Anschuldigungen in einem weiteren Blogeintrag zurück und stellte dabei unter anderem die aus ihrer Sicht rechtmäßige Verwendung des Namens Seafile sowie des Quellcodes der Professional-Version dar.[16] Beide Parteien behalten sich rechtliche Schritte vor.

Am 10. September 2016 entfernte die Seafile GmbH ohne entsprechenden Hinweis die zwei Blogeinträge über den Konflikt und auch den Eintrag in dem von der GmbH betriebenen Forum[17]. In dem Forumsbeitrag wurde mehrmals kritisch hinterfragt, ob die Seafile GmbH rechtmäßig den proprietären Code der Seafile Ltd. nutzen darf, und die Community empfahl, um Verwechslungen mit dem ursprünglichen Projekt zu vermeiden, einen neuen Namen für den Fork zu verwenden. Im Gegensatz zur Seafile GmbH wurde beispielsweise beim owncloud-Fork nextcloud ein eigener Name verwendet und der proprietäre Teil des Codes komplett neu geschrieben, obwohl die Entwickler Zugang zu dem Code gehabt hätten. Seit der Ankündigung der Seafile GmbH, Seafile in einem eigenen Entwicklungszweig weiterzuführen, ist dieser Fork ohne Veränderungen bei der Version 5.1.4 stehen geblieben. Dass Seafile GmbH eine Abspaltung des originalen Entwicklungszweiges von der Seafile Ltd. ist, wird auf der Webseite der GmbH bisher nicht kommuniziert. Dies ist problematisch, da Käufer davon ausgehen könnten, es handele sich nur um die deutsche Webseite der Seafile Ltd. und sie würden auch dort die neueste Version erhalten.

Der Rechtsstreit zwischen der Seafile GmbH und Seafile Ltd. ist beendet. Die Seafile Ltd. erhält alle Markenrechte und wird alleine den Vertrieb der Software übernehmen. Die deutsche Seafile GmbH wird in Zukunft unter Syncwerk GmbH firmieren und keine neuen Seafile Professional-Edition-Lizenzen mehr vertreiben.[18]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Aktuelle Versionen für Desktop-Clients und Server bei seafile.com, abgerufen am 8. Mai 2017 (englisch).
  2. a b Seafile-Server bei Freshports
  3. Downloadseite für Android bei play.google.com, abgerufen am 5. Juni 2017 (teilweise englisch).
  4. Vorschauseite für iOS bei itunes.apple.com, abgerufen am 5. Juni 2017.
  5. plt: Security features · Seafile Server Manual. In: manual.seafile.com. Abgerufen am 22. Juni 2016.
  6. Features - Seafile. In: Seafile. Abgerufen am 22. Juni 2016.
  7. Seafile-Gui bei Freshports
  8. Stellungnahme zum Wechsel von der GPLv3 zur GPLv2 auf der Seafile Community Webseite vom 2. Juni 2015. Abgerufen am 9. Juni 2015.
  9. Seafile Online-Handbuch (englisch). Abgerufen am 9. Juni 2015.
  10. Versionsvergleich - Seafile. In: Seafile. Abgerufen am 22. Juni 2016.
  11. Statement about Stopping Cooperation with Seafile GmbH. In: Seafile Official Blog. 22. Juli 2016, abgerufen am 10. November 2016.
  12. Axel Kannenberg: Von Paypal ausgesperrt: Seafile wollte Nutzer nicht bespitzeln. In: heise online News. Heise Medien GmbH & Co. KG, 21. Juni 2016, abgerufen am 22. Juni 2016.
  13. Sperrung: Paypal entschuldigt sich bei Dropbox-Alternative Seafile - Golem.de. In: www.golem.de. 22. Juni 2016, abgerufen am 22. Juni 2016.
  14. Zur Zukunft von Seafile - Seafile. 21. Juli 2016, abgerufen am 25. Juli 2016.
  15. Statement about Stopping Cooperation with Seafile GmbH. In: Seafile Official Blog. 22. Juli 2016, abgerufen am 25. Juli 2016.
  16. About the Statements made by Seafile Ltd. - Seafile. 24. Juli 2016, abgerufen am 25. Juli 2016 (englisch).
  17. Seafile GmbH removing their statements and a forum thread. In: Seafile Community Forum. Abgerufen am 31. Oktober 2016.
  18. heise online: Namensstreit um Seafile: Einigung zwischen Peking und Unterfranken. Abgerufen am 9. März 2017.