Sender Koblenz (Dieblich-Naßheck)

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Sender Koblenz (Dieblich-Naßheck)
Sender Koblenz (Dieblich-Naßheck).jpg
Basisdaten
Ort: Dieblich
Land: Rheinland-Pfalz
Staat: Deutschland
Höhenlage: 421 m ü. NHN
Verwendung: Rundfunksender
Besitzer: Südwestrundfunk
Daten des Mastes
Bauzeit: 1964
Bauherr: Südwestfunk
Baustoff: Stahl
Betriebszeit: seit 1964
Letzter Umbau (Mast): 1990–1991
Gesamthöhe: 280 m
Gesamtmasse: 200 t
Umbauter Raum: 1.120 
Daten der Sendeanlage
Letzter Umbau: August 2008
Wellenbereich: UKW-Sender
Rundfunk: UKW-Rundfunk
Positionskarte
Sender Koblenz (Dieblich-Naßheck) (Rheinland-Pfalz)
Sender Koblenz (Dieblich-Naßheck)
Sender Koblenz (Dieblich-Naßheck)
Koordinaten: 50° 15′ 36,2″ N, 7° 31′ 15,2″ O

Der Sender Koblenz (Dieblich-Naßheck) ist eine Sendeeinrichtung des Südwestrundfunks für UKW-Hörfunk auf dem Gebiet der Gemeinde Dieblich. Die Anlage befindet sich rund 12 km südwestlich von Koblenz beim Weiler Naßheck in unmittelbarer Nähe der Bundesautobahn 61 und der „Raststätte Mosel“. Der Sender verwendet als Antennenträger einen 280 m hohen, abgespannten Stahlfachwerkmast. Dieser 1964 errichtete Sendemast mit einem Querschnitt von 2×2 m² und einem Gewicht von etwa 200 t ist nach dem Sender Eifel das zweithöchste Bauwerk in Rheinland-Pfalz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sprengstoffanschlag 1979[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 18. Januar 1979 detonierte neben dem Sendemast eine Sprengstoffladung, die jedoch nur die Zuleitungen beschädigte. Nach einer Stunde konnte der Sendebetrieb provisorisch wieder aufgenommen werden. Die Täter waren Rechtsextreme, die damit die Ausstrahlung des vierteiligen US-amerikanischen Fernsehfilms Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss im Dritten Fernsehprogramm verhindern wollten.[1] Peter Naumann, Rechtsterrorist und heute Politiker der NPD, zündete mit zwei Komplizen während der Ausstrahlung der einführenden Dokumentation Endlösung zwei Sprengsätze am Sendemast des Sender Koblenz sowie dem Longinusturm am Sender Nottuln.[2] Auf das Fernsehprogramm am Standort Nottuln hatte der Anschlag keine Auswirkung, bundesweit waren durch die Anschläge jedoch etwa hunderttausend Fernsehgeräte durch einen Programmausfall des Sender Koblenz betroffen.[3][4] Der Sprengstoffanschlag gilt als einer der ersten rechtsterroristischen Aktionen Nachkriegsdeutschlands.[5]

Betriebliche Veränderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Jahren 1990 und 1991 wurden der Mast und die Fundamente verstärkt, die Pardunen erneuert und ein neues Betriebsgebäude errichtet. Bei den Bauarbeiten entdeckte man ein keltisches Grab von etwa 500 v. Chr., das einen Krieger und einen Streitwagen enthielt.

Am 26. August 2008 wurde die Übertragung des analogen Fernsehprogramms im Zuge der DVB-T-Umstellung abgeschaltet. Die Ausstrahlung des TV-Programms erfolgt seit dem über den Fernmeldeturm Koblenz.

Flugunfall 2015[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Nachmittag des 13. Dezember 2015 gegen 16:11 Uhr streifte ein Motorsegler des Typs Fournier RF-5 aufgrund schlechter Sicht und Nebel Teile des Sendemastes.[6] Die Maschine stürzte darauf hin ab. Die Trümmer wurden über angrenzende Wiesen und eine Tannenschonung verteilt. Der Pilot, ein 48-jähriger Vater und seine ebenfalls an Bord befindliche 9-jährige Tochter, kamen bei dem Absturz ums Leben. Das Ziel des Fluges war nach Berichten des SWR der Flugplatz Trier-Föhren. Der SWR berichtete ebenfalls, bei dem Piloten soll es sich um einen aus Rottweil stammenden Berufspiloten und Flugausbilder der Bundeswehr gehandelt haben.[7][8][9]

Die Feuerwehren aus der Region verbreiteten über ihre Präsenzen in dem sozialen Netzwerk Facebook, dass durch den Unfall auch der Funk der Feuerwehren (Funkverkehr der BOS) teilweise beeinträchtigt sei. In der Folge mussten die Feuerwehren im Landkreis Mayen-Koblenz ihre Feuerwehreinsatzzentralen (FEZ) besetzen, um die Alarmierung der Einsatzkräfte gewährleisten zu können. Bereits am Montagabend vermeldete die Rhein-Zeitung, dass die Probleme mit dem Funk der Feuerwehren behoben worden seien.[10][11][12] Der Sendemast überstand den Aufprall der Maschine weitgehend unbeschädigt und der Sendebetrieb konnte ohne Unterbrechungen fortgesetzt werden. Für die Techniker und die ermittelnden Behörden ergab sich in den ersten Tagen nach dem Unfall die Problematik, dass nicht genau klar war, ob der Mast in seiner Statik beschädigt war. Bereits am Tag nach dem Unglück wurde der Mast bestiegen, Dienstags wurden die Tragseile des Mastes mit einer Drohne untersucht. Nachdem fest stand, dass der Mast und seine Tragkonstruktion nicht beschädigt wurden, konnten auch die Anwohner aus Nassheck wieder in ihre Häuser zurück.[13]

Der Unfall löste allgemein großes Medieninteresse aus. Die Rhein-Zeitung berichtete dass am Morgen nach dem Absturz rund 100 Medienvertreter an der Unglücksstelle darauf gewartet haben, von der Polizei in die Nähe des Wracks gelassen zu werden. Die lokalen Medien, die Rhein-Zeitung und der Südwestrundfunk, begleiteten die Ermittlungen auch in den folgenden Tagen mit intensiver Berichterstattung.

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hat die Ermittlungen zur Unglücksursache aufgenommen. Dazu wurden auch Teile der Maschine und Dokumente des Piloten sichergestellt[14].

Frequenzen und Programme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Analoger Hörfunk (UKW)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frequenz 
(MHz)
Programm RDS PS RDS PI Regionalisierung ERP 
(kW)
Antennendiagramm
rund (ND)/gerichtet (D)
Polarisation
horizontal (H)/vertikal (V)
96,1 SWR1 Rheinland-Pfalz SWR1_RP_ D3A1 10 ND H
94,0 SWR2 __SWR2__ D3A2 Rheinland-Pfalz 40 ND H
91,6 SWR3 __SWR3__ D3A3 Rheinland-Pfalz/Köln 40 D (310–260°) H
107,4 SWR4 Rheinland-Pfalz SWR4_KO_ D6A4 Radio Koblenz 40 D (340–250°) H
99,4 DASDING DASDING_ D3A5 0,2 ND H

Digitales Radio (DAB+)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Digitalradio (DAB+) wird in vertikaler Polarisation und im Gleichwellenbetrieb mit anderen Sendern ausgestrahlt. Der Block 11A wurde bis zum 3. Dezember 2015 vom Fernmeldeturm Koblenz ausgestrahlt.

Block Programme
(Datendienste)
ERP 
(kW)
Antennen- diagramm
rund (ND),
gerichtet (D)
Polarisation
horizontal (H)/
vertikal (V)
Gleichwellennetz (SFN)
11A 
SWR RP
(D__00217)
DAB+-Multiplex des Südwestrundfunks: 10 ND V Bornberg, Donnersberg, Haardtkopf, Koblenz (Dieblich-Waldesch), Linz am Rhein, Mainz-Kastel, Kaiserslautern (Rotenberg), Kettrichhof, Schartenberg (Eifel), Saarburg, Trier (Markusberg), Weinbiet

Analoges Fernsehen (PAL)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor der Umstellung auf DVB-T liefen hier die folgenden analogen TV-Sender:

Kanal Frequenz 
(MHz)
Programm ERP
(kW)
Antennendiagramm
rund (ND)/
gerichtet (D)
Polarisation
horizontal (H)/
vertikal (V)
6 182,25 Das Erste (SWR) 50 ND H

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. chroniknet.de: Tageseinträge für 18. Januar 1979, abgerufen am 1. März 2013
  2. Artikel über „Peter Naumann“ im Lexikon Rechtsextremismus von Netz gegen Nazis, abgefragt am 12. Januar 2012.
  3. Baumberge-Verein e.V.: 100 Jahre Geschichte des Longinusturms, S. 71
  4. Holocaust: Die Vergangenheit kommt zurück. In: Der Spiegel. Nr. 5, 1979, S. 18 (online).
  5. Armin Pfahl-Traughber: Geschichte des Rechtsterrorismus in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Analyse zu Entwicklung, Gruppen und Vergleich. In: Einsichten und Perspektiven. Nr. 1, 2012 (Geschichte des Rechtsterrorismus in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Analyse zu Entwicklung, Gruppen und Vergleich (Memento vom 26. Dezember 2012 im Webarchiv archive.is)).
  6. Polizeipräsidium Koblenz: Leichtflugzeug verunglückt auf presseportal.de vom 13. Dezember 2015
  7. Zwei Tote: Leichtflugzeug touchiert Sendemast bei Nassheck - Vater und 9-jährige Tochter sterben (2. Update) auf rhein-zeitung.de vom 13. Dezember und am 14. Dezember 2015 aktualisiert
  8. Nach Flugzeugabsturz am Sendemast: Absturzstelle abgesperrt (Update mit Video) auf rhein-zeitung.de vom 14. Dezember 2015
  9. Flugzeug prallt gegen Sendemast Suche nach der Absturzursache SWR Landesschau vom 14. Dezember 2015
  10. Freiwillige Feuerwehr Pellenz - Löschzug Plaidt auf facebook vom 13. Dezember 2015
  11. Eifel 'wehren auf Facebook vom 13. Dezember 2015
  12. Nach Flugzeugabsturz am Sendemast: Absturzstelle abgesperrt (Update mit Video) auf rhein-zeitung.de vom 14. Dezember 2015
  13. Suche nach Ursache für Flugzeugabsturz – Sendemast Dieblich wieder freigegeben auf swr.de vom 16. Dezember 2015
  14. Zwei Tote: Leichtflugzeug touchiert Sendemast bei Naßheck Video der Rhein-Zeitung auf YouTube

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]