Seute Deern (Schiff, 1919)

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Seute Deern
Seute deern uf.JPG
Ab 1919
Flagge Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten (1919–1931)
FinnlandFinnland Finnland (1931–1938)
andere Schiffsnamen

Elisabeth Bandi (1919–1931)
Bandi (1931–1938)

Bauwerft Gulfport Shipbuilding Co., Gulfport
Stapellauf 1919
Indienststellung 1919
Verbleib April 2021 abgewrackt
Ab 1938
Flagge DeutschlandDeutschland Deutschland
andere Schiffsnamen

Seute Deern (1938–1954)
Pieter Albrecht Koerts (1954–1964)

Bauwerft Blohm & Voss, Hamburg (Umbau)
Ab 1919
Länge
61,45 m (Lüa)
Breite 11,30 m
Seitenhöhe 5,00 m
Tiefgang max. 4,00 m
Vermessung 721,38 BRT / 630,26 NRT
 
Besatzung 10 Mann
Ab 1939
Länge
75,70 m (Lüa)
Vermessung 813,57 BRT / 690,18 NRT
 
Besatzung 28 Mann
Ab 1919
Takelung Schoner
Anzahl Segel 15
Segelfläche 1107 m²
Geschwindigkeit
unter Segeln
max. 10 kn (19 km/h)
Ab 1939
Takelung Bark
Anzahl Masten 3
Anzahl Segel 23
Segelfläche 1418 m²
Geschwindigkeit
unter Segeln
max. 10 kn (19 km/h)
Ab 1919
Tragfähigkeit 914 tdw
Ab 1938
Tragfähigkeit 970 tdw

Die Seute Deern (niederdeutsch für Süßes Mädchen) – ursprünglich Elisabeth Bandi, später Bandi und Pieter Albrecht Koerts – war eine hölzerne Bark und ein Restaurantschiff in Bremerhaven. Das Schiff stand ab 2005 als Bestandteil der Gesamtanlage Deutsches Schifffahrtsmuseum unter Denkmalschutz.[1] Am 31. August 2019 sank die Seute Deern im Alten Hafen.[2] Nach Gutachtermeinung war dieses Unglück ein „konstruktiver Totalschaden“.[3][4] Die Kosten für ein mögliches Abwracken wurden auf 2,5 Millionen Euro geschätzt.[5] Seit November 2019 war vorgesehen, das Schiff zu rekonstruieren,[6] aber ein im Oktober 2020 fertiggestelltes Gutachten befand dies als zu kostspielig. Im Frühjahr 2021 wurde es letztendlich abgewrackt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fertigung und Dienst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1919 lief das Schiff auf der Gulfport Schiffswerft im US-Bundesstaat Mississippi als Viermast-Gaffelschoner Elisabeth Bandi vom Stapel. Es war aus frischem Holz der Sumpf-Kiefer in Kraweelbauweise ohne Kupferbeschlag („Wurmhaut“) zusammengefügt, was in der Folgezeit zu extremen Problemen führte. Das Schiff war durch Verziehen des Rumpfes und Schiffsbohrwurmfraß dauernd undicht und musste stetig gelenzt sowie nach jeder Fahrt repariert werden. 1925 kam es durch Verkauf zu Walter E. Reid nach Bath in Maine. Das Schiff transportierte Holz unter US-amerikanischer Flagge, bevor es 1931 nach Europa an den finnischen Reeder William Uskanen aus Sotkoma verkauft wurde, der es nun als Bandi ebenfalls im Holzhandel zwischen Finnland, Dänemark und England einsetzte. Das kühle und salzarme Ostseewasser stoppte den Wurm- und Muschelfraß, so dass das Lenzen des Schiffes sich deutlich reduzierte (Holzschiffe mussten stets gelenzt werden). 1935 kam die Bandi an den Finnen Laiva Bandi als neuem Eigner, der das Schiff jedoch an die Maklerfirma Yrjänen & Kumpp, Rauma, zur Befrachtung überließ. Nach drei Jahren fand man keine ausreichende Ladung für den Segler mehr und verkaufte ihn am 7. November 1938 für 26.500 Reichsmark an den Hamburger Reeder John T. Essberger. Er ließ das Holzschiff bei Blohm + Voss in Hamburg überholen und zu einer Bark mit Stahl-Rigg umbauen. Es entstand in halbjähriger Arbeit (16. Dezember 1938 – 15. Juni 1939) ein runderneuertes Schiff. Eine auffällige Neuerung an der Bark war eine überlebensgroße Galionsfigur – eine „Seute Deern“, die den Vorsteven schmückte und der Bark den Namen Seute Deern gab. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges, den die Bark durch umsichtige Kapitäne überdauerte, wurde sie in der Ostsee und angrenzenden Gewässern als frachtfahrendes Ausbildungsschiff eingesetzt. Zu Kriegsende lag sie in Lübeck.

Nach dem Krieg wurde die Bark im Juni 1946 mit Schlepperhilfe nach Travemünde zur Schlichting-Werft zwecks Umbaus zu einem Hotelschiff gebracht. 1947 kam die Seute Deern im Schlepp nach Hamburg und lag als Hotel- und Restaurantschiff im Hafen am Liegeplatz der alten Fähre VII. Wegen steigender Unrentabilität verkaufte die Reederei Essberger 1954 die Seute Deern für 40.000 Mark in die Niederlande an Albert Jan Koerts, einen Amerikaner niederländischer Herkunft. Er stiftete sie als schwimmende Jugendherberge seiner Heimatstadt Delfzijl unter dem Namen seines Vaters Pieter A. Koerts (Pieter-A.-Koerts-Stiftung). Nach weiteren zehn Jahren wurde das Schiff wegen der hohen Unterhaltskosten erneut unrentabel und kam durch Verkauf für 33.440 Mark wieder nach Deutschland. Neue Eignerin wurde 1964 die Emder Gastwirtin Erna Hardisty, neuer Heimathafen Emden. Das Schiff erhielt wieder seinen vorigen Namen Seute Deern. Erhebliche Ausbauarbeiten zum Gaststättenschiff standen an, zudem sank das wieder undichte Holzschiff an seinem Liegeplatz, womit alle Pläne zunichte wurden. So wurde es 1965 an den Kaufmann Hans Richartz aus Helgoland für nunmehr 61.000 Mark verkauft. Richartz gelang es, nach Heben des Schiffes den Ausbau der Bark auf der Schröder-Werft in Emden nach eigenen Plänen zu einer schwimmenden Gaststätte zu gestalten. Am 22. Juni 1966 wurde die Bark zu ihrem neuen Liegeplatz im Alten Hafen von Bremerhaven verholt.

Ausstellungsstück[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1972 erhielt das Deutsche Schiffahrtsmuseum Bremerhaven die Bark als Gründungsgeschenk von der Stadt Bremerhaven. Beide Städte des Landes, Bremerhaven und Bremen, ließen die Seute Deern erneut gründlich überholen. Damit reihte sie sich unter die weltweiten Museumsschiffe ein. Die Bark lag als Restaurant-, Museums- und Trauungsschiff in Bremerhaven vor dem Columbus-Center. Im Laufe der Zeit wurde sie zu einem Wahrzeichen der Stadt Bremerhaven.

Es mussten weitere und umfangreiche Arbeiten vorgenommen werden, um die Seute Deern zu erhalten. Zuletzt wurde das Schiff Anfang des 21. Jahrhunderts gedockt.[7] In den 2010er-Jahren wurde deutlich, dass es umfassend restauriert werden muss, um erhalten werden zu können. So war der Rumpf leck. Das Schiff wurde nur mithilfe von Pumpen schwimmfähig gehalten, die täglich bis zu 150.000 l Wasser aus dem Rumpf pumpten.[8]

Havarie im Hafen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Grund
Trauriges Ende

Bei der letzten Instandsetzung 1978 hatte man es mit 600 Litern eindringendem Wasser pro Tag zu tun. Da Geld fehlte, wurde nur das Nötigste repariert. Später wurden sechs Pumpen eingebaut, die zuletzt 150 Kubikmeter Wasser pro Tag außenbords beförderten. Am 15. Februar 2019 geriet das Vorschiff zwischen Innen- und Außenverschalung unweit der Kombüse aus noch ungeklärter Ursache in Brand.[9][10] Zur Feuerbekämpfung wurden über der Wasserlinie Planken entfernt. Nachdem alle sechs Pumpen ausgefallen waren, sank das Schiff am 30. August 2019 auf den Grund des Hafens.[2] Ein aus Hafenschlick hafenseitig aufgeschütteter Damm verhinderte, dass das Schiff umkippte und auf die Columbusstraße fiel.[11]

Nachdem Gutachter die Schäden analysiert hatten, entschloss der Stiftungsrat des Deutschen Schifffahrtsmuseums im Oktober 2019, dass die Seute Deern abgewrackt werden sollte. Die Schäden wurden als „konstruktiver Totalschaden“ bezeichnet. Das Abwracken selbst sollte im Hafen erfolgen, da selbst ein Transport in eine Werft nicht mehr möglich erschien.[12] Ende März 2020 wurde das Schiff zum Abwracken in den Hafen geschleppt.[13]

Die Kosten für das Abwracken der Seute Deern werden mit drei Millionen Euro beziffert. Rechnet man die Bergungs- und Sicherungskosten nach der Havarie hinzu, wird die Entsorgung des Museumsschiffes insgesamt etwa fünf Millionen Euro kosten.[14]

Im November 2019 beschloss der Haushaltsausschuss des Bundestages, Bundesmittel in Höhe von 47 Millionen Euro für die Rekonstruktion des Schiffes bereitzustellen.[15] Anfang 2020 begann das Abwracken des Schiffes, am 12. März 2021 die Zerlegung des Rumpfs. Einige historisch wertvolle Teile des Schiffs bleiben erhalten.[16]

Ein vom Bremerhavener Magistrat in Auftrag gegebenes und am 2. Oktober 2020 vorgestelltes Gutachten kam zu dem Schluss, dass ein hölzerner Nachbau der Seute Deern aus Kostengründen nicht realisierbar ist. Stattdessen schlug der Gutachter Torsten Conradi vor, einen historischen Frachtsegler aus Stahl nachzubauen. Als Vorbild hierfür nannte er die 1888 vom Stapel gelaufene Najade, die als erstes in Deutschland gebautes Vollschiff aus Stahl den seinerzeit hohen Stand der Technologie der Geestemünder Werft Joh. C. Tecklenborg verdeutlicht. Der Nachbau soll etwa 34,4 Millionen Euro kosten. Eine Entscheidung über eine Realisierung des Vorschlags ist bisher nicht gefallen (Stand: 4. Oktober 2020).[17][18]

Schiffsdaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberdeck mit Großmast und Steuerhaus

In eckigen Klammern als Schoner

Galionsfigur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Galionsfigur

Ein auffälliges Detail der Seute Deern, die Galionsfigur der Bark, ist auf einer deutschen Briefmarke erschienen. Die Dauerbriefmarke Seute Deern Bremerhaven wurde am 6. März 2003, den das Deutsche Schifffahrtsmuseum zum „Tag der Museumsschiffe“ erklärt hatte, zur Ausgabe freigegeben. Der Wert der Briefmarke beträgt 2,60 Euro.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Gording (Pseud. v. Helmut Schultz): Kurs Goldland Alaska. Klein Verlag, Lengerich 1964, OCLC 73414061 (182 S.).
erweiterte Neuausgabe:
Peter Gording (Pseud. v. Helmut Schultz): Der Höllenspuk begann in Frisco. Engelbert Verlag, Balve 1972, OCLC 1071502423 (220 S., Autobiographischer Jugendroman über die Meuterei auf der Elisabeth Bandi im Jahre 1919).
  • Dirk J. Peters: Die Seute Deern: Segler in Seenot. In: Harald Focke, Tobias Gerken (Hrsg.): Oceanum: Das maritime Magazin Kompakt. Oceanum Verlag, Wiefelstede 2019, ISBN 3-86927-702-5 (96 S.).
  • Publikationen im Niederdeutschen Heimatblatt
    • Dirk J. Peters: Die historische Bark Seute Deern. 50 Jahre im Alten Hafen und Museumshafen in Bremerhaven. In: Männer vom Morgenstern, Heimatbund an Elb- und Wesermündung e. V. (Hrsg.): Niederdeutsches Heimatblatt. Nr. 797. Nordsee-Zeitung GmbH, Bremerhaven Mai 2016, S. 3 (Digitalisat [PDF; 814 kB; abgerufen am 27. Juli 2019]).
    • Dirk J. Peters: Die Bark Seute Deern gab den Anstoß. 50 Jahre Schiffahrtsgeschichtliche Gesellschaft Bremerhaven (1966–2016). In: Männer vom Morgenstern, Heimatbund an Elb- und Wesermündung e. V. (Hrsg.): Niederdeutsches Heimatblatt. Nr. 802. Nordsee-Zeitung GmbH, Bremerhaven Oktober 2016, S. 1–2 (Digitalisat [PDF; 10,1 MB; abgerufen am 23. Juli 2019]).
    • Hans Graulich: Die Geschichte des „Präsidentenlabskaus“. Der ehemalige Chefkoch der Seute Deern erinnert sich. In: Männer vom Morgenstern, Heimatbund an Elb- und Wesermündung e. V. (Hrsg.): Niederdeutsches Heimatblatt. Nr. 824. Nordsee-Zeitung GmbH, Bremerhaven August 2018, S. 1–2 (Digitalisat [PDF; 4,5 MB; abgerufen am 19. Januar 2019]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Seute Deern – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Denkmaldatenbank des LfD
  2. a b Heiner Otto: Segelschiff „Seute Deern“ in bedrohlicher Schräglage. In: Webseite Nordwest-Zeitung. 31. August 2019, abgerufen am 31. August 2019.
  3. Gutachten: «Seute Deern» ist «konstruktiver Totalschaden». In: Webseite Die Welt. 18. Oktober 2019, abgerufen am 5. Oktober 2020.
  4. Museumssegler in Bremerhaven: Gutachter attestieren „Seute Deern“ Totalschaden. In: Webseite Der Spiegel. 18. Oktober 2019, abgerufen am 5. Oktober 2020.
  5. So aufwendig ist die Verschrottung der „Seute Deern“. In: Webseite buten un binnen, Radio Bremen. 7. November 2019, abgerufen am 5. Oktober 2020.
  6. Peter Hanuschke: Nach Totalschaden: Neubau der „Seute Deern“ soll öffentlich stattfinden. In: Webseite Weser Kurier. 15. November 2019, abgerufen am 5. Oktober 2020.
  7. Wilfried Moritz: Warten auf den Werfttermin. (PDF; 1,4 MB) In: Sonntagsjournal der Nordsee-Zeitung. 24. August 2014, abgerufen am 16. Juni 2019.
  8. Bremerhaven: 30 Millionen für Sanierung von „Seute Deern“? In: Webseite buten un binnen, Radio Bremen. 18. Oktober 2017, abgerufen am 16. Juni 2019.
  9. Nina Willborn, Vanessa Ranft: Feuer auf dem Museumsschiff „Seute Deern“ in Bremerhaven. In: Webseite Weser Kurier. 16. Februar 2019, abgerufen am 16. Februar 2019.
  10. Heiner Otto: Brand auf Museumsschiff in Bremerhaven: Bangen um die „Seute Deern“. In: Webseite Nordwest-Zeitung. 18. Februar 2019, abgerufen am 19. Februar 2019.
  11. Mitteilung Peter Raap
  12. Bremerhavens Wahrzeichen „Seute Deern“ wird abgewrackt. In: Webseite buten un binnen, Radio Bremen. 23. Oktober 2019, abgerufen am 5. Oktober 2020.
  13. Marodes Segelschiff «Seute Deern» auf letzter Schleppfahrt. In: Webseite Die Welt. 27. März 2020, abgerufen am 5. Oktober 2020.
  14. Teurer Abschied von der „Seute Deern“. In: Weser Kurier. 26. Oktober 2020, abgerufen am 27. Oktober 2020.
  15. Bund gibt Millionen Euro für Nachbau der „Seute Deern“. In: Webseite buten un binnen, Radio Bremen. 15. November 2019, abgerufen am 5. Oktober 2020.
  16. Abschied: Rumpf der „Seute Deern“ wird zerlegt. In: Die Zeit, 12. April 2021.
  17. Joschka Schmitt: Stahlschiff und Hafenkulisse statt neuer „Seute Deern“ in Bremerhaven? In: Webseite buten un binnen, Radio Bremen. 2. Oktober 2020, abgerufen am 5. Oktober 2020.
  18. Nachfolger der hölzernen „Seute Deern“ soll aus Stahl sein. In: Norddeutscher RundfunkNDR 1 Niedersachsen – Studio Oldenburg. 2. Oktober 2020, abgerufen am 5. Oktober 2020.

Koordinaten: 53° 32′ 26″ N, 8° 34′ 42″ O