Sieglar

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Sieglar
Stadt Troisdorf
Koordinaten: 50° 48′ 0″ N, 7° 7′ 32″ O
Höhe: 58 m
Fläche: 43,16 km² (ehemalige Gemeinde)
Einwohner: 8843 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 205 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. August 1969
Postleitzahl: 53844
Vorwahl: 02241
Marktplatz mit Schule, um 1915

Sieglar ist eine der zwölf Ortschaften von Troisdorf im nordrhein-westfälischen Rhein-Sieg-Kreis.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ältesten urkundlich erwähnten Siedlungen im heutigen Troisdorfer Stadtgebiet sind Eschmar und Sieglar, die bereits 832 in einem Güterverzeichnis des Cassius-Stiftes genannt werden, Sieglar als marca Lareriorum vel in Fluvia Segen[2]. 1555 war Sieglar Kirchspielort und Gerichtssitz im Amt Löwenburg. Ende des 18. Jahrhunderts lagen in Sieglar zwei Getreidemühlen und 1820 zwei Gerbereien.[3] Für 1816 ist eine Glockengießerei in der Rathausstraße belegt.

1806 kam das Amt Löwenburg, und damit auch Sieglar, an das napoleonische Großherzogtum Berg und Sieglar bildete seit dem 8. März 1809 eine Mairie im Kanton Siegburg.[4]

Bis 1927 gehörte die Gemeinde Sieglar zur Bürgermeisterei Sieglar. Sie hatte eine Fläche von 2377 ha. 665 davon waren Ackerland und 1004 Holzungen. Zur Gemeinde gehörten bis 1918 außer Sieglar selbst die Orte Oberlar mit damals 75 Häusern und über 400 Einwohnern und Forsthaus Telegraph mit vier Einwohnern.[5]

Die Gemeinde Sieglar hatte 1885 insgesamt 395 Wohnplätze (einschließlich unbewohnter) mit 425 Haushaltungen (einschließlich Anstalten). Von den 2071 Einwohnern waren 1080 Männer und 991 Frauen.[5]

1885 gab es in der Gemeinde 2.026 Katholiken, drei Bürger evangelischen Glaubens und zwölf Juden. Es gab eine eigene katholische Gemeinde mit der Pfarrkirche St. Johannes vor dem Lateinischen Tore im Ort, die evangelischen Bürgerinnen und Bürger wurden von der Kirchengemeinde Siegburg mitbetreut.[5]

Im Zuge der kommunalen Neugliederung des Raums Bonn wurden am 1. August 1969 die Ortschaften Bergheim, Eschmar, Kriegsdorf, Müllekoven, Oberlar, Sieglar und Spich der Gemeinde Sieglar in die Stadt Troisdorf eingegliedert.[6] In Sieglar war von 1990 bis 2000 die Botschaft der Mongolei in der Bundesrepublik Deutschland am Regierungssitz Bonn ansässig[7] (→ Eintrag in Botschaftsliste).

Im August 2007 feierte Sieglar auf dem Marktplatz seinen 1175. Geburtstag.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1816 928
1843 1.292
1871 1.718
1905 3.277
1914 4.485
1939 12.711

[8][9]

Einwohnerzahl von 1939 zusammen mit den damaligen Gemeindeteilen Bergheim, Müllekoven, Eschmar, Kriegsdorf und Spich.

Gemeindeleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch heute sehen sich die Bewohner eher als „Sieglarer“ (Löörer oder Lööre Oohse[10]) und weniger als „Troisdorfer“. Von Spielplätzen über Kindergärten bis hin zu mehreren Schulen sind alle Einrichtungen für Kinder und Jugendliche dort angesiedelt, es gibt ein Krankenhaus, zwei Kirchen, Seniorentreffs und ein Pflegeheim, die zentrale Feuer- und Rettungswache der Stadt, eine Außenstelle der Stadtbibliothek und ein Bürgerhaus, in dem nicht nur gefeiert werden kann, sondern das auch oft für kulturelle Inszenierungen genutzt wird.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hauptschule Geschwister-Scholl-Schule, die Korczak-Realschule und das Heinrich-Böll-Gymnasium bilden das Sekundarstufenzentrum in Sieglar und werden in Ganztagsform betrieben.

Im Georg-Kerschensteiner-Berufskolleg des Rhein-Sieg-Kreises in Troisdorf (GKB), das sich am Schulzentrum Sieglar befindet, werden Berufsschüler und Studierende verschiedener Ausbildungszweige und Bildungsgänge unterrichtet. Hier finden sich Berufsfachschulen, Fachoberschulen und höhere Berufsfachschulen sowohl technischer als auch sozialer Fachrichtungen. An den Fachschulen werden neben Sozialpädagogen und Heilerziehungspfleger auch Techniker der Fachrichtung Maschinenbau sowie Kunststoff- und Kautschuk-Technologie in Voll- und Teilzeitform ausgebildet. Am beruflichen Gymnasium Erzieher (AHR) sowie am beruflichen Gymnasium Gesundheit kann in 3 Jahren die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung erworben werden.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haus am Marktplatz, Sieglar

In die Liste der Baudenkmäler in Troisdorf sind für Sieglar zahlreiche Anwesen aufgenommen worden. Neben der Pfarrkirche St. Johannes gehören dazu

  • die Sieglarer Fachwerkhäuser[11]
  • die Sieglarer Mühle
  • das klassizistische Pfarrhaus in der Meindorfer Str. 5
  • das ehemalige Rathaus Sieglar von 1908/1909, Rathausstr. 21
  • die alte Schule am historischen Marktplatz
  • der Alte Friedhof Sieglar

Pfarrkirche St. Johannes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1822 und 1802 entstand die auf das 12. Jahrhundert zurückgehende Pfarrkirche St. Johannes vor dem Lateinischen Tore in ihrer heutigen Bauform. Die Kirche ist unter der Nummer A197 in der Liste der Baudenkmäler in Troisdorf verzeichnet.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Ortschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Sieglar verbunden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Boehm (* 3. Oktober 1880 in Westpreußen; † 13. Februar 1945 in Dachau), Pfarrer in Sieglar während des Nationalsozialismus, Widerstandskämpfer und Märtyrer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadtportrait Stadt Troisdorf. Abgerufen am 14. September 2017 (Memento vom 2. Juli 2017 im Internet Archive)
  2. Heimat- u. Geschichtsverein Troisdorf: Troisdorfer Geschichtsinformationen in Kurzform (Memento vom 10. Juli 2012 im Webarchiv archive.today)
  3. Der Rhein-Sieg-Kreis. Herausgeber: Paul Kieras. Stuttgart 1983, S. 297.
  4. Matthias Dederichs: Sieglarer Geschichte von den Anfängen bis 1906. Schriftenreihe des Archivs der Stadt Troisdorf, Nr. 22, Troisdorf 2007, S. 99.
  5. a b c Gemeindelexikon für das Königreich Preußen von 1885
  6. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 85.
  7. Kerstin Englert, Jürgen Tietz, Alfred Englert (Hrsg.): Botschaften in Berlin, Verlag Mann 2003, S. 286.
  8. Volkszählungsergebnisse von 1816 bis 1970 der Städte und Gemeinden. Beiträge zur Statistik des Rhein-Sieg-Kreises, Bd. 17/ Siegburg 1980, S. 166–167.
  9. StA Troisdorf - B57, Bl. 76. Schreiben über den Beschluss des Kreisausschusses des Siegkreises vom 12. Juni 1914.
  10. Eintrag von Franz-Josef Knöchel zu Kirchdorf Sieglar in der Datenbank „KuLaDig“ des Landschaftsverbands Rheinland
  11. Fachwerkhäuser in Sieglar. In: Fachwerkhäuser in Troisdorf. Frank Jensch, abgerufen am 21. Februar 2022.
  12. Peter Haas: Petrus Iverni von Sieglar. Heimat- und Geschichtsverein Troisdorf. o. D.
  13. Edmond Albe: Les miracles de Notre-Dame de Roc-Amadour au xiie siècle; texte et traduction d'après les manuscrits de la Bibliothèque nationale. Paris 1908

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Sieglar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien