J. W. Spear & Söhne

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J. W. Spear & Söhne
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Rechtsform Aktiengesellschaft[1]
Gründung 1879
Auflösung 1997
Auflösungsgrund Liquidation nach Übernahme
Sitz Nürnberg (1879–1984)
Enfield (1930–1997)
Branche Spieleverlag
Produkte Spielzeug, BücherVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte

J. W. Spear & Söhne war ein Spielehersteller, der Produktionsstandorte in Nürnberg bis 1984 und unter dem Namen „J. W. Spear & Sons“ in Enfield (Großbritannien) bis 1997 unterhielt. Sein Markenzeichen war zunächst eine liegende Lanze mit den Initialen J.W.S & S, später Spear-Spiel oder Spear-Spiele und SPEAR'S GAMES, wobei der Markenbestandteil „Spiele“ in verschiedenen Sprachen verwendet wurde.

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten]

Gründungszeit[Bearbeiten]

Jacob Wolf Spear (1832–1893), geboren als Jacob Wolf Spier, der bei seiner vorübergehenden Auswanderung nach Amerika seinen Namen anglisierte, gründete 1879 in Fürth ein Import- und Exportgeschäft mit Kurzwaren, das als Ausgangspunkt der Spielefabrikation betrachtet werden kann. Nachdem J.W. Spears Söhne Raphael und Joseph 1884 und 1885 in das Unternehmen eingetreten waren, firmierte es unter dem Namen J.W. Spear & Söhne, mit dem es Weltgeltung erlangen sollte. Zwar schieden die ältesten Söhne später aus dem Unternehmen wieder aus, dafür traten jedoch die jüngeren Söhne des Firmengründers, Karl und Wilhelm, als Teilhaber in die Firma ein. Sie führten auch nach dem Freitod des Firmengründers 1893 aufgrund von zwei folgenschweren Fabrikbränden und teilweise antisemitisch begründeten Anfeindungen zusammen mit seiner Witwe Sophie geb. Rindskopf das Unternehmen fort.

Aufbau des Nürnberger Standorts und Errichtung einer Niederlassung in England[Bearbeiten]

1898 verlegten die Inhaber den Sitz nach Nürnberg, wo im Mai 1899 in einem Fabrikneubau (Höfener Straße 91) die Produktion aufgenommen wurde und von wo aus die einfallsreich gestalteten und in hoher Qualität verarbeiteten Spiele ihren Siegeszug auf dem deutschen und internationalen Markt antraten. Nachdem bereits Ende des 19. Jahrhunderts eine später wieder geschlossener Unternehmensniederlassung in London bestanden hatte, wurde 1930 erneut eine Tochtergesellschaft in Großbritannien, in Enfield, gegründet und nach seiner Emigration aus Deutschland vom Enkel des Gründers, Richard Spear (1897–1983), geführt. Dieser Schritt sicherte nach 1933 vielen Familienmitgliedern das persönliche Überleben und letztlich auch die unternehmerische Kontinuität des in den 1920er Jahren zum größten deutschen Spieleherstellers aufgestiegenen Unternehmens.

NS-Marschkolonne mit Hakenkreuzfahnen vor dem Fabrikgebäude der Firma J.W. Spear

Zwangsverkauf des Unternehmens 1938[Bearbeiten]

Der deutsche Unternehmenszweig des Spieleverlags musste Ende 1938 aufgrund der Verfolgungsmaßnahmen des NS-Regimes von den jüdischen Eigentümern zu Nürburgringeinem Bruchteil seines Werts im Rahmen der sog. „Arisierung“ zwangsverkauft werden, wobei nicht einmal der vom „Arisierungs“-Gutachter festgesetzte minimale Kaufpreis an die Familie Spear ausgezahlt wurde. Erwerber war Hanns Porst, der Begründer der Fotoladenkette Photo Porst. Der aufgrund behördlicher Anordnungen zur Abwicklung der Unternehmensübertragung und wohl auch aufgrund familiärer Rücksichten in Deutschland verbliebene Hermann Spear, der Bruder Richard Spears, wurde 1943 nach Auschwitz deportiert, wo er am 10. Juli 1943 getötet wurde.
Im „arisierten“ Unternehmen wurden – wie in vielen anderen deutschen Spieleverlagen in jener Zeit auch – kriegshetzerische Spiele, wie „Kurs Ost-Nordost“ (1939) sowie „U-Boote fahren gegen England“ und „Bomben auf England“ (beide 1940) entwickelt. Wohl 1939 wurde auch das Spiel „Kennst Du Nürnberg“ auf den Markt gebracht, auf dessen Spielplan auch die neuen Bauten des Reichsparteitagsgeländes eingezeichnet waren.[2]
Porst versuchte, ab Mai 1940 den mit dem jüdischen Firmengründer verbundenen Markennamen „Spear“, den er wegen seiner Bekanntheit zunächst weiter benutzte, in einen Werbespruch umzuwandeln: „Spiele, aber richtig!“, um die Herkunft des Unternehmens zu verschleiern. Die Spielanleitungen wurden nun sehr oft mit dem Schriftzug „Euer Onkel Hanns“ gezeichnet, um den spielenden Kindern den neuen Firmeninhaber als väterlichen Freund zu präsentieren.

Rückgabe des Unternehmens nach dem Zweiten Weltkrieg und Börsengang[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg erreichten die Witwe Hermann Spears und Richard Spear die Rückgabe des teilweise kriegszerstörten Unternehmens in den Familienbesitz. Der Nürnberger Spielehersteller, der nun als Tochtergesellschaft des englischen Haupthauses fungierte, produzierte dann wieder auf beachtlichem Niveau, konnte jedoch die Marktbedeutung aus der Zeit vor 1933 nicht wieder erreichen. 1978 wurde die Firma in Spear-Spiele GmbH umgewandelt und schloss sich aufgrund wirtschaftlichen Drucks mit dem Spielehersteller L. Kleefeld & Co. zusammen. Die Produktion wurde am 31. Dezember 1984 am Nürnberger Standort eingestellt.

Das englische Unternehmen, das in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden war, ging 1966 an die Börse, um das notwendige Kapital für die Erweiterung und Verbesserung der Produktions- und Absatzkapazitäten beschaffen zu können. 1970 erwarb Spear’s das englische Unternehmen G. J. Hayter & Co. aus Bournemouth, das die auf dem englischen Markt begehrten Laubsäge-Puzzles (Victory Jigsaw Puzzles) herstellte, und produzierte die aus Sperrholz mit der Hand gesägten Puzzles bis 1988.

1989 übernahm Spear den französischen Spieleverlag Habourdin.[3]

Übernahme durch Mattel[Bearbeiten]

Schließlich wurde das Unternehmen selbst 1994 vom amerikanischen Unternehmen Mattel, dem weltgrößten Unternehmen der Spielwarenbranche, erworben, das den Mitbewerber Hasbro überboten hatte. Die Produktionsstätten in Enfield wurden geschlossen, das Warenzeichen SPEAR'S-GAMES wurde jedoch fortgeführt.

Erfolgreiche Spiele[Bearbeiten]

Die meisten Spiele wurden in unterschiedlichen Ausstattungsvarianten zu verschiedenen Preisen angeboten, so dass sie für breiteste Käuferschichten attraktiv und erschwinglich waren. Insbesondere durch die von den beiden Weltkriege gesetzten Zäsuren, kam es bei vielen Spielen zu überarbeiteten Gestaltungen der Spielpläne und der Deckelillustrationen, um dem geänderten Publikumsgeschmack Rechnung zu tragen.

Allgemeine Unterhaltungsspiele, Bastelspiele und Quartette[Bearbeiten]

Allgemeine Unterhaltungsspiele[Bearbeiten]

Besonders gefragte Spiele waren z. B. das 1920 erschienene Leiterspiel Auf und Ab! Lustiges Leiterspiel, das eine Adaption des Spiels Snakes and Ladders des englischen Spielzeugherstellers Frederick Henry Ayres von 1892 war und anstelle von Schlangen und Leitern Zirkusszenen zeigte, das in mehreren Sprachen ab 1929 hergestellte Denk Fix! (später bei Jumbo und Mattel), das Magnetische Angelspiel oder die Fliegenden Hüte.

Bastelspiele[Bearbeiten]

Zum Basteln wurden vielfältige Spiele, wie Webstuhl, Nähschule, die Flechtschule oder die legendäre „Strick-Liesl“, angeboten.

Quartette[Bearbeiten]

  • Allgemeines
Spielanleitung zu „Meisterwerke der Malerei“ und Angebotsliste für weitere Quartette (um 1915)

Bis zur Arisierung 1938 – Hanns Porst setzte die Neuproduktion von Quartetten nicht fort, vertrieb jedoch Lagerbestände – wurde auch ein breitgefächertes Sortiment von ca. 55 Quartettspielen gestaltet. Davon waren 1929 knapp ein Dutzend vom Luxuskartenhersteller Bernhard Dondorf übernommen worden. Die von Spear vertriebenen Dondorf-Quartette sind an den Initialen „B.D“ auf der Kartenrückseite erkennbar. Dagegen verrieten die Spear-Quartette erst in den letzten Verkaufsjahren ihre Herkunft durch einen rückseitigen Firmeneindruck, davor waren die Kartenrückseiten einfarbig geblieben oder wiesen ein geometrisches Muster auf.[4]

Um unterschiedlichsten Käuferschichten gerecht zu werden, wurden einige Quartette sowohl von der Gestaltung der Aufbewahrungsbox als auch vom Umfang her in verschiedenen Varianten angeboten. So schwankte z. B. das Komponisten-Quartett zwischen 24 bis 48 Blatt und wurde in einer Geschenkpackung oder einem Schiebekästchen ausgeliefert. Den Spielen war eine gesonderte Spielaneitung beigegeben, auf deren Rückseite das übrige Verlagsangebot an Quartetten aufgelistet war. Im Gegensatz zu anderen führenden Herstellern, wie Josef Scholz (Mainz), Adolf Sala oder Otto Maier (Ravensburg), nummerierte Spear seine Quartette auf den Verpackungen nicht, obwohl diese in Angebotskatalogen der Fa. Spear durchaus mit Nummern versehen waren, die nachfolgend in Klammern gesetzt sind. Dies war dem Sammeleifer der Quartettliebhaber etwas abträglich. So erlangten Spear-Quartette bis heute keinen von Mitanbietern mit Nummernsystemen vergleichbaren Ruf.[4]

Wurden die Karten der frühen Quartette noch im chromolithografischen Verfahren hergestellt, trugen viele Quartette der 1930er Jahre fotografische Abbildungen.[4]

  • Reisen, Verkehr und Geografie
Spielkarte des „Weltreise-Quartetts“ von 1913

Viele Spiele wurden dem Reisen und dem modernen Verkehr gewidmet. Von 1912–1923 wurde das „Weltreise-Quartett“ (Nr. 523) mit 60 gezeichneten Karten in Chromolithografie verkauft. Eine spätere Neuauflage in den 1930er Jahren hatte 48 Fotokarten. Die Quartette von A bis J des Spiels „Mit „Graf Zeppelin“ um die Erde“ wurden von dem Fahrtenteilnehmer Max Geisenheyner bearbeitet, der Schachtelentwurf dagegen von Gustav Müller gestaltet. Der „Weltflug“ von 1933 (48 Blatt) wurde vom Direktor der Deutschen Luft-Reederei Walter Mackenthun konzipiert und das „Flugzeug-Quartett“ von Lilly Hoffmann. Letzteres zeigte mit Genehmigung des Reichsluftfahrtministeriums fotografische Abbildungen von Flugzeugtypen und Piloten.
Mit der äußerst ungewöhnlichen Kartenzahl von 64 wartete das von Johann Peter Werth („J.P. Werth“)[5] gezeichnete und nach Königreichen und Großherzogtümern geordnete Neue Städtequartett (Nr. 647) um 1912 auf. Es zeigt vor allem größere Ortschaften Deutschlands, als es seine größte Ausdehnung in jüngerer Zeit erreicht hatte. So vereinte es noch Ansichten von Tilsit und Königsberg in Ostpreußen, Glogau und Liegnitz in Schlesien oder Straßburg und Metz im Elsass. Seine gedachte Städteroute berührte aber auch die Schweiz und Österreich sowie die Böhmen und Ungarn. Eine auf das Gebiet der Weimarer Republik verkürzte Ausgabe mit 48, auf der Rückseite nunmehr bedruckten Karten erschien 1923.[6]

  • Musik und bildende Kunst sowie Literatur und Märchen

Ein weiterer Themenschwerpunkt war die Kunst, Literatur und Musik. So erschienen 1905 ein Citaten-Quartett, ein Quartett „Meisterwerke der Malerei“ und 1913 ein „Maler-Quartett“ (beide von Friedrich Petersen mit jeweils 60 Blatt) sowie mit jeweils 48 Blatt 1908 ein „Opern-Quartett“. In Silhouetten wurden hier Opern u. a. von Mozart, Wagner oder Lortzing abgebildet . Auch 1913 erschien ein „Lieder-Quartett“ (Nr. 928), das von dem aus Österreich stammenden Andreas Untersberger (1874–1944) illustriert wurde, und 1926 ein von Franz Kuczéra gezeichnetes „Dichter-Quartett“.
Insbesondere für Kinder wurde auch bei Spear ein zunächst von J.P. Werth und dann von Else Wenz-Viëtor gezeichnetes „Märchen-Quartett“ (Nr. 856) aufgelegt, das erstmals 1919 im Firmenkatalog verzeichnet war.

  • Naturwissenschaften und Technik

Schließlich wurden auch naturwissenschaftliche und technische Themen aufgegriffen. Anfang der 1920er Jahre kam ein von dem Naturwissenschaftler Kurt Floericke bearbeitetes und Walter Heubach[7] gezeichnetes „Tier-Quartett“ mit Abbildungen heimischer Tiere auf 24 Blatt auf den Markt; exotische Tiere wurden auf 60 Karten eines weiteren Tier-Quartetts (Nr. 522) vorgestellt. Der bekannte Tierzeichner Karl von Dombrowski vereinte in seinem „Tier-Quartett“ von 1934 die heimische und exotische Fauna. Und aus der Übernahme von Bernhard Dondorf war dessen Quartett „Fauna“ mit 40 Blatt von 1931 bis 1940 weiter bei Spear gelistet. Um 1909 brachte Spear ein dreisprachiges „Blumen-Quartett“ (Nr. 236) mit zunächst 48 Karten und später ein „Neues Blumen-Quartett“ nach Aquarellen der Malerin Catharina Klein heraus. Es blieb bis 1938 im Sortiment. Das mit dem Nationalsozialismus einhergehende Zurückdrängen von Fremdsprachen führte dann dazu, dass die englischen und französischen Pflanzennamen in den 1930er Jahren weggelassen wurden. Die Blattzahl schwankte bei diesem Quartett zwischen 24 und 48. Auf 60 Karten mit prächtigen Jugendstilrahmen zeigt Spears „Mineralien-Quartett“ (Nr. 521) von 1910 die ganze Bandbreite von Gesteinen, vom Edelstein über Halbedelsteine und Silikate bis hin zu Trümmergesteinen. Albert Neuburger stellte 1916 ein aus 12 Quartetten bestehendes Erfinder-Spiel zusammen.

  • Erster Weltkrieg

Auch der 1. Weltkrieg hinterließ mit dem von J.P. Werth ausgeführten „Soldaten-Quartett“ (60 Blatt) und dem von dem Oberst a.D. R. Rädke entworfenen „Heerführer-Quartett“ von 1915, dessen schwülstiger Begleittext noch einen glorreichen Sieg der Mittelmächte propagierte, seine Spuren. Letzteres bildete auf 60 Blatt deutsche und österreichische Militärs ab, wie Hindenburg, Eduard von Böhm-Ermolli oder Max von Gallwitz.

Brettspiele zu besonderen Themen[8][Bearbeiten]

Spiele zum Reisen und zu Verkehrsmitteln[Bearbeiten]

Neben einem allgemeinen „Reisespiel“ (1926) mit 75 Stationen wurden für Deutschland Brettspiele nur für die seit dem 19. Jahrhundert sehr beliebte Rheinreise, den Harz („Harz Reise“, um 1925), Bayern („Durch’s Bayernland“, 1926) und das Küstengebiet von Nord– und Ostsee („Deutschlands Häfen und Küsten“) entwickelt. Die übrigen deutschen Landschaften wurden nicht berücksichtigt. Die erste Ausgabe der Rheinreise um 1900 war noch sehr aufwendig mit einem großformatigen Spielplan, vier Rheindampfern und sechs voluminösen Spielfiguren, die typische Rheinland-Touristen darstellen sollten, ausgestattet. Die spätere, ab Anfang der 1920er Jahre verfügbare Variante hatte dann, wie die übrigen Reisespiele, nur noch die üblichen Zinnfiguren in Standardgröße. Als deutschsprachiges Reiseziel war noch die Schweiz („Die Schweizer Reise“) bearbeitet worden.

Bei den Reisespielen mit ausländischen Destinationen ist zunächst „Die Orientreise“ (um 1925) zu erwähnen, deren Startpunkt in Berlin lag und die in einer Art Rundreise über den Balkan und den Nahen Osten (Konstantinopel, Konia und Aleppo) nach Bagdad führte. Ihr Deckelbild zierte die Abbildung eines „Balkanzuges“, die an den legendären Orientexpress erinnert. „Eine Reise im Luftschiff“ (1909), startete in Friedrichshafen und führte über viele europäische Hauptstädte und New York wieder an den Bodensee zurück. Bei einer Weltreise, die mit dem Flugzeug zu absolvieren war („Im Flug um die Erde“, 1932), wurde der Globus von New York bis London umrundet. Ein ausschließlich in einer englischen Version 1946 auf den Markt gebrachtes Eisenbahnrennen („Rail Race“) machte mit vielen wirtschaftlich oder kulturell wichtigen Orten der britischen Insel bekannt.

Weitere Spiele thematisieren die traditionellen und modernen Fortbewegungsmittel, ohne dass im Spielverlauf real existierende Routen zu passieren waren, wie „Die Luftreise“ (modernisierte Variante 1936), „Ein Flug im Aeroplan“ (1910), „Die Autofahrt“ (um 1925) oder „Die ‚Elektrische‘“ (um 1904).

Sportspiele[Bearbeiten]

Sportspiele wurden in großer Vielfalt aufgelegt. Lange Jahre stand das „Das Wett-Rennen“ (1904), ein Spiel zum Galopprennen, auf dem Programm. Dazu kamen die Wintersportspiele „Eislaufen“ (1925), „Skilauf“ (um 1925) und „Rodeln“ (um 1900) sowie der „Hindernis–Lauf“ (1932), das „Pokal-Fußball-Spiel“ (1925), die „Paddelfahrt“ (um 1930) oder das Segelflugspiel „Ausziehen–Laufen–Los“ (1936). Mit der zunehmenden Motorisierung wurden auch Wettfahrtspiele thematisiert. Der „Großer Preis von Deutschland. Nürburg-Rennen“ war von etwa 1927 bis in die 1950er Jahre im Angebot. Daneben gab es noch „Das Bergrennnen“ und „Das Motorradrennen“ (beide 1932).

Abenteuerspiele[Bearbeiten]

Auch einige Abenteuerspiele wurden bei Spear aufgelegt: „Die Entdeckung des Nordpols“ (1910), das „Pfadfinder–Spiel“ (1914), „Undersea Adventure“ (Tauchabenteuer im Meer, 1981, von Hans Hass), oder Kon-Tiki (1967), das auf Thor Heyerdahls Pazifik-Überquerung basierte. Für englischsprachige Länder war bereits 1928 das in Großbritannien entworfene und in Fürth gefertigte Spiel „South Sea adventures“ aufgelegt worden.

Spiele aus der Märchen- und Geschichtenwelt[Bearbeiten]

Auf Märchenstoffen basierten u. a. die Spiele „Der Wolf und die 7 Geißlein“ von 1933 und „Die Bremer Stadtmusikanten“ von 1926 sowie aus neuerer Zeit das von Rudi Hoffmann gestaltete Spiel „Hänsel und Gretel“ (um 1975). 1967 wurden nach dem Märchen von Gerdt von Bassewitz aus dem Jahre 1912 „Peterchens Mondfahrt“ und nach Erich Kästners gleichnamigen Kinderroman von 1931 „Pünktchen und Anton“ vorgestellt.

Scrabble[Bearbeiten]

Nachdem für die Märkte in Deutschland, Italien und einigen anderen europäischen Staaten ab 1953 zunächst die in Piding (bei Berchtesgaden) ansässige Firma J. Schowanek eine Lizenz für das heute weltbekannte Buchstabenlegespiel Scrabble erhalten hatte, konnte J.W. Spear & Söhne 1958 eine Übernahme der Lizenz erreichen. In der Folgezeit wurden Produktion und Vertrieb des Scrabble-Spiels ein entscheidendes Standbein für das Unternehmen. Es wird noch heute unter dem Markenzeichen

Gestalter der Spiele[Bearbeiten]

Nach dem Ersten Weltkrieg trat Gustav Müller (1899–1990), firmierend unter „Maler Müller / Atelier für Werbekunst u. Buchgrafik / Nürnberg“, als Gestalter einer Vielzahl von Spear–Spielen hervor. Nachdem er zuerst nur Prospekte und Anzeigen für den Spielehersteller entworfen oder lediglich Deckelillustrationen beigesteuert hatte, lieferte er später auch komplette Entwürfe ab, wie „Die Autofahrt“ (1935), „Die Luftreise“ oder das Segelflugspiel (beide 1936). Obwohl er mit Hermann und Richard Spear einen sehr guten Arbeitskontakt unterhalten hatte, hielt ihn dies nicht davon ab, nach der Arisierung auch für Hanns Porst Spieleentwürfe zu fertigen. „So gehen unter anderem auch die unsäglichen Spiele ‚Kurs Ost–Nordost‘ (1939), ‚U-Boote fahren gegen England‘ und ‚Bomben auf England‘ (beide 1940) auf das gestalterische Konto des Nürnberger Grafikers.“[9]
Seine wichtigste Nachkriegsarbeit war die Überarbeitung des Kastendesigns für den Bestseller „Scrabble“, bei der er das schlichte, weinrote Originaldesign aus den USA durch die Abbildung des Spielplans auf grünem Grund mit dem dominierenden rot-weißen Scrabble-Logo ersetzte. Die beiden letztgenannten Elemente werden noch immer verwendet.

Weitere für Spear tätige Spielegestalter und Buchillustratoren waren u. a. Otto Kubel[10], Johann Peter Werth („J.P. Werth“) und Irma Graeff („Tante Irma“) sowie nach 1945 Rudi Hoffmann.

Firmenkataloge, Werbung[Bearbeiten]

lili rere
Firmenkatalog von 1960
Inhaltsverzeichnis

Das Unternehmen fasste schon früh seine Angebote in Kundenkatalogen zusammen. Der früheste ist aus dem Jahr 1904 bekannt. Unter dem Titel „Spiele. Illustrierte Preisliste von J.W. Spear & Söhne. Nürnberg-Doos“, wurden bereits über 130 Artikel präsentiert. Das Angebot reichte von klassischen Brettspielen, wie Mühle, Dame und Halma, über die gängigen Unterhaltungsspiele, hier sind das Leiterspiel, das Gänsespiel und die Fliegenden Hüte (Warenzeicheneintrag 1899) zu nennen, bis zum damals populär gewordenen Tischtennis. Letzteres war ein Salonspiel auch für das Bürgertum und wurde gleich in 24 verschiedenen Ausstattungsvarianten zu Preisen für das Dutzend von 4 bis 96 M an den Handel geliefert. Die die meisten Spiele des Katalogs wurden jeweils in 4 Preisstufen von 0,50, 1, 2 und 3 M geliefert.
Beim nächsten Katalog von 1910 wurden auf 55 Seiten schon 200 Gesellschaftsspiele in Wort und Bild vorgestellt. Bei bereits früher angebotenen Spielen waren die Deckelbilder der Spielkästen vielfach neu gestaltet worden. Neu im Angebot waren vor allem Spiele, die den erreichten Entwicklungsstand der neue eingeführten Verkehrsmittel widerspiegelten: „Die ‚Elektrische‘“, „Eine Reise im Luftschiff“ und „Ein Flug im Aeroplan“.
Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete der Spiele–Hersteller mit vor allem mit Werbeblättern sowie mit Inseraten in einschlägigen Zeitschriften. Für den Handel und Messen wurden auch weiterhin entsprechende Angebotskataloge zusammengestellt.

Spear’s Games Archive und Nürnberger Spielzeugmuseum[Bearbeiten]

Viele Prototypen der vertriebenen Spiele befinden sich heute in dem 1996 von Francis Spear gegründeten Spear’s Games Archive (Spear’s-Spiele-Archiv) im englischen Hertfordshire und können dort von Spiele-Liebhabern besichtigt werden. Auch das Nürnberger Spielzeugmuseum verfügt über einen großen Fundus an Spear-Spielen, der 1997 im Rahmen einer umfassenden Ausstellung über die Spieleproduktion von J.W. Spear & Söhne sowie seine Geschichte in Deutschland und England präsentiert wurden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hugo Kastner: Familienkartenspiele von 1889 bis 1938. in: „Trödler & Sammeln“, Heft Juli 2000, S. 156 ff. (Online, abgerufen am 5. Februar 2016])[11]
  • Helmut Schwarz, Marion Faber: Die Spielmacher. J.W. Spear & Söhne – Geschichte einer Spielefabrik. Nürnberg, Museen der Stadt Nürnberg Spielzeugmuseum 1997
  • Helmut Schwarz: Spear. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 24, Duncker & Humblot, Berlin 2010, ISBN 978-3-428-11205-0, S. 634 f. (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das Unternehmen wurde als Einzelunternehmen gegründet und später zur Offenen Handelsgesellschaft. Zeitweise wurde Spear später erneut als Einzelunternehmen geführt, so durch Jacob Wolf Spear (1886–1891) und, nach der so genannten Arisierung, Hanns Porst (1939–1948). Spear-Deutschland wurde 1978 in eine GmbH umgewandelt. 1966 ging die englische Muttergesellschaft an die Londoner Börse.
  2. Mit diesem Spiel „sollte jeder Parteigenosse gern an die in Nürnberg, der Stadt der Reichsparteitage, verlebten erhebenden Stunden zurückdenken‘“. (Helmut Schwarz, Marion Faber: Die Spielmacher. J.W. Spear & Söhne – Geschichte einer Spielefabrik. Nürnberg 1997, S.87)
  3. UK: Single market – A European firm that does mince its words. (englisch) Management Today. 1. März 1993. Abgerufen am 20. Oktober 2012.
  4. a b c Hugo Kastner: Familienkartenspiele von 1889 bis 1938. in: „Trödler & Sammeln“, Heft Juli 2000, S. 156 ff. (Online, abgerufen am 5. Februar 2016])
  5. Über Werth ist wenig bekannt. Laut DNB wurde er „ca. 1876“ geboren.
  6. Ernst Krumbein: Familienkartenspiele zwischen 1850 und 1. WK. Artikel auf der Webseite der Europäischen Spielesammler Gilde (Online,abgerufen am 6. Februar 2016])
  7. Der Grafiker und Tiermaler Walter Heubach (1865–1923) illustrierte u. a. auch Brehms Tierleben.
  8. Helmut Schwarz, Marion Faber: Die Spielmacher. J.W. Spear & Söhne – Geschichte einer Spielefabrik. Nürnberg 1997, S. 143 ff.
  9. Helmut Schwarz, Marion Faber: Die Spielmacher. J.W. Spear & Söhne – Geschichte einer Spielefabrik. Nürnberg 1997, S. 140.
  10. Vergleiche die Webseite Die Märchenkarten des Otto Kubel.
  11. Vergleiche die Webseite von Hugo Kastner.