Sprachpanscher des Jahres

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Sprachpanscher des Jahres (bis 1998 "Sprachschuster des Jahres") ist ein Negativpreis, den der Verein Deutsche Sprache e. V. seit 1997 „für besonders bemerkenswerte Fehlleistungen im Umgang mit der deutschen Sprache“ verleiht.

Als „Sprachpanscher“ bezeichnet der Verein Menschen, die bewusst oder aufgrund mangelnder Kenntnis ständig neue „trendige“ Wörter verwendeten, auch wenn es gebräuchliche deutsche Bezeichnungen dafür gibt. Dies werde von den Benutzern oftmals mit einem „für manche Sachen gibt es kein treffendes deutsches Wort“ gerechtfertigt, während Menschen, die zum vorsichtigen Umgang mahnen, oftmals als „Ewiggestrige“ bezeichnet würden. Der Verein vertritt die Auffassung, zwischen muttersprachlichen und fremdsprachlichen Ausdrücken würden kleine Bedeutungsunterschiede konstruiert, um die Unerlässlichkeit der Lehnwörter zu untermauern.

Der Preis ähnelt der französischen Académie de la Carpette anglaise.

Preisträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Preisträger Begründung
19971 Jil Sander, Modeschöpferin „Mein Leben ist eine giving-story. Ich habe verstanden, dass man contemporary sein muss, das future-Denken haben muss. Meine Idee war, die hand-tailored-Geschichte mit neuen Technologien zu verbinden. Und für den Erfolg war mein coordinated concept entscheidend, die Idee, dass man viele Teile einer collection miteinander combinen kann. Aber die audience hat das alles von Anfang an auch supported. Der problembewusste Mensch von heute kann diese Sachen, diese refined Qualitäten mit spirit eben auch appreciaten. Allerdings geht unser voice auch auf bestimmte Zielgruppen. Wer Ladyisches will, searcht nicht bei Jil Sander. Man muss Sinn haben für das effortless, das magic meines Stils.“[1]
1998 Ron Sommer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom Sunshine- und Moonshine-Tarif, Short-Distance-Call, City-Call, German-Call
1999 Johannes Ludewig, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG Service Point, ticket counter, db-lounge
2000 Andreas Heldrich, Rektor der Ludwig-Maximilians-Universität München unter anderem für Masterstudiengänge und Credit-Point-Systeme sowie den Vorschlag, die Fakultäten und Fachbereiche in departments umzubenennen
2001 Wolfgang H. Zocher, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Bestatter funeral master als neues Berufsbild bei Bestattungsunternehmen, eternity als Name für eine jährlich stattfindende Fachmesse sowie peace box anstatt Sarg
2002 Klaus Zumwinkel, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post AG One stop shopping, Global mail, Mailing Factory, Fulfillment, Stampit, Postage point, Freeway, Easytrade, Funcard mailing, Travel service, Speed booking
2003 Gerhard Mayer-Vorfelder, DFB-Präsident Home & Away Shirts, Signature Shirts, Reversible Tops
2004 Markus Schächter, ZDF-Intendant Kiddie contests, Webcam Nights, Sendungen wie History oder Nightscreen
2005 Herbert Beck, Direktor des Frankfurter Städel-Museums Member’s Night, Art Talk for Families, Holbein’s Lounge
2006 Günther Oettinger, Ministerpräsident von Baden-Württemberg für seine Äußerungen in einem SWR-Interview: „Englisch wird die Arbeitssprache. Deutsch bleibt die Sprache der Familie und der Freizeit, die Sprache, in der man Privates liest.“
2007 Hartmut Mehdorn, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG Service Point, counter, McClean
2008 Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin für den Werbespruch Be Berlin sowie Werbefahnen am Brandenburger Tor mit Texten wie Power for Peace – Power for unity – Power for understanding
2009 Deutscher Turner-Bund[2] für „das gedankenlose Übernehmen“ englischer Begriffe wie Slacklining, Gymmotion, Speedjumping oder Speedminton sowie für Veranstaltungen wie Feel Well Woman oder Sport for Fun
2010 Fritz Pleitgen (stellvertretend für RUHR.2010)[3] aufgrund vieler „denglischer“ Imponiervokabeln rund um die Kulturhauptstadt Essen 2010 (freiwillige Helfer wurden etwa als volunteers bezeichnet, ein Kooperationsprojekt mit den europäischen Partnerstädten heißt Twins, Städte des Ruhrgebiets werden im Programm als Local Heroes bezeichnet)
2011 René Obermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom weil „die Deutsche Telekom […] ihre Kunden über Jahre hinweg mit englischen Sprachimporten verärgert“ habe. Nahezu alle Tarife des Unternehmens hätten englische Namen.[4]
2012 Andrew Jennings, Vorstandsvorsitzender der Kaufhauskette Karstadt Seit der Übernahme des Vorstandssitzes durch Andrew Jennings werbe das Unternehmen noch stärker mit Begriffen wie modern and full of life oder Midseason-Sale und kidswear.[5]
2013 Duden Für ein „sprachliches Imponiergehabe“, das sich laut VDS im Glanze einer quasi amtlichen Zustimmung sonnen dürfe.[6]
2014 Ursula von der Leyen Von der Leyen hielt ihre Rede bei der 50. Münchener Sicherheitskonferenz am 31. Januar 2014 auf Englisch.[7]
2015 Wolfgang A. Herrmann Herrmann plane dem VDS zufolge, für nahezu jeden Masterstudiengang der TU München die deutsche Sprache abzuschaffen und auf Englisch umzustellen.[8]
2016 Thomas Bellut, ZDF-Intendant Kiddie Contests, Webcam Nights und das neuen Format „I can do that – die große Promi-Challenge“, die die Zuschauer vom Weiterschalten abhalten sollen.[9]

1 Im Jahr 1997 hieß die Bezeichnung noch „Sprachschuster des Jahres“.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 22. März 1996; zitiert im SPIEGEL vom 1. April 1996: [1] zuletzt abgerufen am 17. Januar 2014.
  2. Die Welt: Die schlimmsten Sprachpanscher des Jahres. Ausgabe vom 28. August 2009.
  3. Webseite des Verein Deutsche Sprache e. V.: Fritz Pleitgen ist Sprachpanscher 2010 (27. August 2010, Pressemitteilung), zuletzt abgerufen am 16. September 2010.
  4. Die Welt: René Obermann ist der Sprachpanscher des Jahres Ausgabe vom 26. August 2011.
  5. Die Welt: Karstadt-Chef ist Sprachpanscher des Jahres Abgerufen am 24. August 2012.
  6. Pressemitteilung des VDS. Abgerufen am 1. September 2013
  7. Artikel zum Sprachpanscher des Jahres. Abgerufen am 22. Juni 2015
  8. Artikel zum Sprachpanscher des Jahres 2015. Abgerufen am 14. September 2015
  9. Artikel zum Sprachpanscher des Jahres 2016. Abgerufen am 2. Mai 2017