Wolfgang A. Herrmann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wolfgang A. Herrmann

Wolfgang Anton Herrmann (* 18. April 1948 in Kelheim) ist ein deutscher Chemiker. Er ist seit 1995 Präsident der Technischen Universität München (TUM) und lebt in Freising.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgewachsen als Sohn eines Lehrers in der Dorfgemeinde Ihrlerstein, besuchte Herrmann das Donau-Gymnasium Kelheim, wo er 1967 das Abitur ablegte. Anschließend studierte er Chemie an der TH (ab 1970: TU) München als Stipendiat der Bischöflichen Studienstiftung Cusanuswerk, wo er 1971 bei Ernst Otto Fischer seine Diplomarbeit anfertigte. Er wurde 1973 mit einer Arbeit über optisch aktive Übergangsmetall-Komplexe bei Henri Brunner an der Universität Regensburg zum Dr. rer. nat. promoviert. Nach einem Forschungsstipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bei P. S. Skell an der Pennsylvania State University (USA) von 1975 bis 1976 habilitierte er sich 1978 an der Universität Regensburg mit einer Experimentalarbeit über „Organometall-Synthesen mit Diazoalkanen“.

1979 erhielt er einen Ruf an die Universität Regensburg. 1982 wechselte er auf einen Lehrstuhl an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. 1985 wurde er Nachfolger von Ernst Otto Fischer auf dessen Lehrstuhl an der TU München und Vorstand am Anorganisch-Chemischen Institut. Von 1988 bis 1990 war er Dekan der Fakultät für Chemie.

Wolfgang A. Herrmann ist seit 1995 der Präsident der TU München. 1999, 2005, 2007 und 2013 wurde er als Präsident wiedergewählt. Er ist heute der am längsten amtierende Präsident einer deutschen Universität.

Herrmann wurde durch den Hochschulrat der TU München viermal wiedergewählt, jeweils einstimmig, zuletzt am 20. Februar 2013 (für weitere sechs Jahre). Seit 1. Oktober 2014 ist er zugleich kommissarischer Rektor der Hochschule für Politik München (HfP), deren Trägerschaft durch den Bayerischen Landtag auf die Technische Universität München übertragen wurde (HfP-Gesetz zum 1. Dezember 2014).

Herrmann ist verheiratet mit der Oberstudienrätin Freya Herrmann und hat fünf Kinder. Sein Sohn Florian Herrmann ist seit 2008 direkt gewähltes Mitglied des Bayerischen Landtags für den Stimmkreis Freising.

Er ist Mitglied des Aufsichtsrats der Evonik Industries AG (Essen), des Kuratoriums der Bertelsmann-Stiftung (Gütersloh) sowie Vorsitzender des Aufsichtsrats der Bayerischen Forschungsallianz GmbH (München). 2008 wurde er in das Governing Board des „European Institute of Innovation and Technology“ (EIT) berufen, einer Neugründung durch die Europäische Union.

Er ist Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina (seit 1995),[1] der acatech – Nationale Akademie der Technikwissenschaften, der Royal Swedish Academy of Engineering Science und korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz[2] und des Kuratoriums der Konrad-Adenauer-Stiftung.[3]

Im August 2010 positionierte sich Herrmann als einer von 40 Unterzeichnern des Energiepolitischen Appells, einer Lobbyinitiative der großen Stromkonzerne RWE, Vattenfall und E.ON, um die Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke voranzubringen. Gleichzeitig setzt er sich für die „Grünen Technologien“ ein, die an der TU München langfristig als Forschungsschwerpunkte angelegt sind, z. B. Elektromobilität, Energieeffizientes Bauen und Planen (TUMCampus 2/2011, S. 3).

Seit dem 14. Juni 2015 ist Herrmann auch Ehrenmitglied der katholischen Studentenverbindung KDStV Vindelicia München im Cartellverband.[4]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In die Kritik geriet Herrmann 1998, als er beim Ball des Wiener Korporationsrings den „Ehrenschutz“ (eine Art Schirmherrschaft) übernahm.[5][6][7] Herrmann wurde vorgeworfen, damit indirekt die im WKR vertretenen Burschenschaften unterstützt zu haben, darunter unter anderem die von Medien und Politikern als rechtsradikal eingeschätzte Teutonia. Politiker von SPD und Grünen forderten seinen Rücktritt. Der Journalist Josef Joffe sah in den Vorwürfen eine politisch motivierte Verleumdung durch den Grünen-Abgeordneten Christian Magerl.[8] Das zuständige bayerische Ministerium stellte sich hinter Herrmann.

Kurz vor seiner ersten Wiederwahl als TU-Präsident war Herrmann designierter bayerischer Staatsminister für Gesundheit, Ernährung und Verbraucherschutz, aufgrund eines laufenden Ermittlungsverfahrens wegen Steuerhinterziehung sagte er kurz vor der Ernennung ab.[9] Infolge des Ermittlungsverfahrens wurde Herrmann mit einer Geldstrafe von 45.000 Mark belegt.[10]

Wissenschaftliches Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fach- und Arbeitsgebiete Herrmanns sind die Metallorganische Chemie und Katalyse, die industriellen Katalyseprozesse, ferner Metall-Metall-Mehrfachverbindungen sowie Mehrfachverbindungen zwischen Übergangsmetallen und Hauptgruppenelementen, Organolanthanoid-Komplexe, wasserlösliche Katalysatoren, anorganische und organische Werkstoffe sowie Metalleffekte in biologischen Systemen. Er gehört seit geraumer Zeit zu den international meistzitierten deutschen Chemikern; h-Index 98, Stand 15. Februar 2017 (Essential Science Indicators, ISI).

Internationale Anerkennung fanden seine Arbeiten auf dem Gesamtgebiet der Metallorganischen Chemie, insbesondere aber seine Forschungsergebnisse zur präparativen Erschließung neuer Stoffklassen und zur Entwicklung wasserlöslicher metallorganischer Katalysatoren für die industrielle Anwendung. Sein wissenschaftliches Werk ist in bisher mehr als 720 Originalpublikationen und zahlreichen Übersichtsartikeln sowie Buchbeiträgen niedergelegt. Unter Herrmanns wissenschaftlicher Anleitung sind bisher ca. 150 Dissertationsarbeiten entstanden. Mehrere seiner Schüler wurden auf Lehrstühle berufen: Jun Okuda (RWTH Aachen), Roland A. Fischer (Uni Bochum, seit 2015 Nachfolger an der TU München), Werner Thiel (TU Kaiserslautern), Peter W. Roesky (KIT Karlsruhe), Alexander Filippou (Uni Bonn), Matthias Wagner (Uni Frankfurt/Main), Wolfgang Scherer (Uni Augsburg), Reiner Anwander (Uni Tübingen), Sven Schneider (Uni Göttingen), Paul Kiprof (Univ of Minnesota/USA), Michael K. Denk (Univ. of Guelph, Ontario/Canada), Lukas J. Gooßen (TU Kaiserslautern), Richard Fischer (Honorarprofessor TUM).

Er wirkte bei der Veröffentlichung der dreibändigen Monographie „Applied Homogeneous Catalysis with Organometallic Compounds“ (Hrsgb. Boy Cornils, Wolfgang A. Herrmann; 2. Aufl. VCH-Wiley 2002), das 1996 erstmals erschien, sowie der 10-bändigen Serie „Synthetic Organometallic and Inorganic Chemistry“ (Hrsgb. Wolfgang A. Herrmann; Thieme-Verlag 1995–2001) mit.

Zu seinen ehrenamtlichen Funktionen gehörte von 1998 bis Mai 2014 der Vorsitz des Verwaltungsrats des Deutschen Museums München. Von 2002 bis 2004 war er Vorsitzender der Bayerischen Rektorenkonferenz und von 2004 bis 2005 Vorsitzender der Universität Bayern e.V., deren Gründung als Zusammenschluss der bayerischen Universitäten er initiierte. Seit 2006 ist er Mitglied im Beirat „Frauen in der Wissenschaft“ der Robert Bosch-Stiftung. Er ist Chairman der "Global Tech Universities Alliance", dem Zusammenschluss von 11 internationalen technischen Spitzenuniversitäten.

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er ist Inhaber von Ehrendoktoraten der Universitäten in:

Außerdem ist er Inhaber zahlreicher nationaler und internationaler Auszeichnungen, unter anderem:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wolfgang A. Herrmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mitgliedseintrag von Prof. Dr. Wolfgang A. Herrmann (mit Bild und CV) bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 24. Mai 2016.
  2. Mitgliedseintrag von Wolfgang A. Hermann bei der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz, abgerufen am 11.10.17
  3. kas.de: Kuratorium Stand: März 2011; abgerufen am 4. September 2011
  4. ACADEMIA, Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen, Ausgabe 5/2014 – 107. Jahrgang
  5. Süddeutsche Zeitung: TU-Präsident beehrt nationalliberale Burschenschaft. Abgerufen am 21. April 2009 (nicht mehr online verfügbar).
  6. Bündnis 90/Die Grünen: Münchner TU-Präsident gab dem 45. Ball der nationalliberalen Korporationen Wiens „Ehrenschutz“. Archiviert vom Original am 25. August 2010, abgerufen am 21. April 2009.
  7. Jungle World: Ein rechter Atombursche. Archiviert vom Original am 10. Oktober 2008, abgerufen am 21. April 2009.
  8. Süddeutsche Zeitung: „Wem es an Argumenten fehlt“, 6. April 1998
  9. Focus: Pleiten, Pech und Pannen – Turbulenzen in Bayern erschüttern auch Edmund Stoiber. Abgerufen am 9. Februar 2013.
  10. Der Spiegel: Münchner Sandkastenspiele. Abgerufen am 16. April 2011.
  11. Technische Universität München: TUM-Präsident Herrmann jetzt auch Ehrendoktor der Tiflis State University. Abgerufen am 6. November 2009.
  12. Agenda – Professor Unrast in München (Memento vom 13. Dezember 2009 im Internet Archive). In Financial Times Deutschland am 8. Dezember 2009, zuletzt abgerufen am 17. Januar 2010.
  13. Süddeutsche Zeitung: Präsident der Technischen Universität wird „Hochschulmanager des Jahres“ (PDF; 115 kB)
  14. Pressemitteilung der bayerischen Staatsregierung über die Verleihung, abgerufen 8. Dezember 2012
  15. Präsident der TU München ist der Sprachpanscher des Jahres 2015 auf der Internetpräsenz des VDS
  16. Passauer Neue Presse (PNP) - Burghauser Anzeiger, 18. April 2016.