St. Josef (Berlin-Köpenick)

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Pfarrkirche St. Josef

Foto
West-Fassade

Adresse Berlin-Köpenick, Lindenstraße 43
Baumeister Maurer Thieme,
Architekt Paul Franke
Konfession römisch-katholisch
Gemeinde St. Josef
Aktuelle Nutzung Gemeindekirche
Gebäude
Baubeginn 1898
Einweihung 25. Mai 1899
Erneuerungen 1990er Jahre (Sanierungen, Restaurierungen)
Stil Neugotik
Maße Turm: quadratische Grundfläche 5 m × 5 m

St. Josef im Berliner Ortsteil Köpenick ist eine katholische Pfarrkirche im Dekanat Berlin Treptow-Köpenick, die in der Dammvorstadt steht. Die Kirche wurde 1899 dem hl. Josef geweiht.

Geschichte der Katholiken in Köpenick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Zusammenfluss von Dahme und Spree entstand im 14. Jahrhundert auf der Schlossinsel Coepenick eine erste Burganlage. In der Umgebung siedelten sich vor allem Bauern und Handwerker an, es entstand das Dorf Coepenick, das sich zu einer kleinen Stadt im Kreis Teltow/Mark entwickelte. Im 19. Jahrhundert entfaltete sich hier erste Industrie, und Fabrikarbeiter zogen in die Nähe. Die meisten der Zugezogenen waren Katholiken und bildeten bald eine Gemeinde mit rund 150 Mitgliedern.

Anfänge einer eigenen Pfarrgemeinde 1719 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersicht der von St. Josef ausgehenden Gründungen von Pfarrgemeinden im Umland

St. Josef ist die älteste Pfarrei an der Oberspree und wurde bereits ab 1719 von Berliner Dominikanern seelsorgerisch mitversorgt. Die erste heilige Messe, die dort regelmäßig gefeiert wurde, zelebrierte der Missionsvikar Eduard Müller aus der Berliner St.-Hedwigs-Gemeinde am 26. Dezember 1852 in einem Zimmer der damaligen Weißbierbrauerei Peters, Schloßstraße 27.[1] Die katholische Gemeinde in Coepenick (seit 1930 Köpenick geschrieben) wurde der katholischen Missionspfarrei Fürstenwalde zugewiesen, deren Seelsorger Pfarrer Rieger war. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts stieg die Anzahl der Katholiken aufgrund der stark expandierenden Industrie sowie des in Köpenick stationierten Militärs und der damit in Verbindung stehenden Einwanderung aus Polen und Schlesien auf mehr als 1000 Personen. Der Kirchenvorstand erwarb 1884 ein Grundstück und das Landhaus der Lindenstraße 11 nahe der Dammbrücke, die die Verbindung zwischen Altstadt Köpenick und den westlich gelegenen Erweiterungsvierteln herstellt. In dem Landhaus fand fortan alle zwei Wochen sonntäglicher Gottesdienst statt. Der Pfarrbezirk Fürstenwalde war ein weites Feld (2500 km²), zu dem unter anderem Köpenick, Adlershof, Rüdersdorf, Königs Wusterhausen und Erkner gehörten. Köpenick wurde am 2. Mai 1896 zur selbstständigen Pfarrei erhoben und gilt damit als Mutterkirche später entstehender Pfarreien. Im Jahr 1899 wurde der dringend notwendige Kirchenbau eingeweiht. Für die wachsende Zahl an Aktivitäten entstand in der unmittelbaren Nachbarschaft ein Pfarrhaus mit einem großen Gemeinderaum. Dies wurde bald zu einem zentralen Punkt für die Gemeindemitglieder, um in Zeiten und Nachwirkungen des Ersten Weltkriegs Trost und Schutz zu erlangen.

Bau des Kirchengebäudes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundstein

Die katholische Pfarrgemeinde in Köpenick wuchs rasch bis auf rund 3000 Mitglieder an. Sie beauftragte nun den Architekten und Baumeister Paul Franke mit Planung und Bau einer Kirche. Der Architekt entwarf ein Ensemble aus Kirchengebäude und Pfarrhaus im neugotischen Stil aus Ziegelsteinen. Die Kirche steht auf 435 Pfählen, die im Torf-, Moor- und Sandboden als Stützen dienen. Die Grundsteinlegung erfolgte am 8. Mai 1898, was in dem im Triumphbogen neben dem Altarraum sichtbar eingemauerten Ziegelstein dokumentiert ist. Bereits im folgenden Jahr, am 25. Mai 1899 zum Hochfest Mariä Verkündigung, weihte der Fürstbischöfliche Delegat Propst Karl Neuber die Kirche. Sie wurde unter das Patronat des heiligen Josefs gestellt, der auch Schutzpatron der Arbeiter ist. Das Pfarrhaus war erst zehn Jahre später bezugsfertig.

St. Josef rechts neben dem Postamt Köpenick im Jahr 1901; Ausschnitt aus einer kolorierten Ansichtskarte

Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Kirchengebäude schwere Beschädigungen, konnte jedoch bis auf die Kirchturmspitze wieder hergestellt werden. Bei einer Renovierung des Innenraums in den 1960er Jahren erfolgte, wie in vielen anderen Kirchen auch, eine Vereinfachung der Innenausgestaltung nach den Grundsätzen der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils.

Bei den umfangreichen Restaurierungs- und Sanierungsarbeiten der Fassaden und des Innenraumes zwischen 1993 und 1999, die der Architekt Martin Stachat leitete, wurden die Holzdecke, der Altar, der Ambo, das Gestühl und der Fußboden erneuert sowie eine moderne Heizung installiert. Der ursprüngliche neogotische Charakter wurde jedoch weitestgehend wieder angestrebt. Das Interieur erhielt eine neue zurückhaltende Farbigkeit.[1] Die Gemeinde überlegt, die Turmspitze wieder aufbauen zu lassen.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick von der Köpenicker Altstadt

Das Kirchengebäude, ein Klinkerverblendbau, ist eine Saalkirche mit dreiseitig geschlossenem Chor und hat einen angebauten Turm mit quadratischem Grundriss (5 m × 5 m). Die Höhe des Turmes vom Erdboden bis zur Spitze betrug ursprünglich 41,40 Meter. Der Architekt hatte noch einen Meter höher geplant, was die Baubehörde bei der Erteilung der Baugenehmigung einkürzte.[2] Nach den Kriegsschäden wurde der Turm bis auf seinen Stumpf zurückgebaut und mit einem ziegelgedeckten Satteldach abgeschlossen. Bis zum First ist er nun nur 23,20 Meter hoch.[1]

Innenraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick in den Innenraum von der Empore aus

Die Vierung unter dem Kirchturm stellt zugleich den Eingangsbereich in den Kirchenraum dar und ist mit Ganzglastüren zum Hauptschiff abgegrenzt.

Altarraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altarraum mit Altar, Ambo und Leuchtern

Im Zentrum des Chorraumes stand ein Hochaltar, der im Zuge der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil in den 1960er und 1970er Jahren abgebaut wurde. Ein mit Naturholz gestalteter Altar, in groben Umrissen das Volk Gottes darstellend, ein Ambo sowie ein schlichtes Taufbecken und ein Tabernakel gehören zur Ausstattung des Altarraumes. Auch die auf dem Boden aufgestellten Leuchter sind aus groben Hölzern passend geformt.

Taufbecken und Fenster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andachtsraum mit Tabernakel und einer Statue des hl. Josef

Die Säule für das Taufbecken ist – wie Ambo, Altarmensa und der Tabernakel in der südlichen Kapelle – aus dunkel gebeizten naturfarbenem Holz gestaltet, deren unterschiedlich klare Geometrie die Idee der Dreifaltigkeit wiedergibt. Die Vordertüren des Tabernakelschranks scheinen das Allerheiligste zu umhüllen und zu schützen oder es auch zu öffnen.

Die früheren Altarfenster gingen Ende des Zweiten Weltkriegs verloren. Im Jahr 1958 wurden drei bleiverglaste farbige Fenster in moderner Ausführung in der Apsis eingesetzt, die Szenen aus dem Leben Jesu und den heiligen Josef darstellen. Sie stammen aus der Werkstatt des Künstlers Gerd Olbrich.[1] Die Fenster im Hauptschiff sind dreibahnige ebenfalls bunte Spitzbogenfenster. Ein Rahmen aus dunklen Klinkern überzeichnet die Spitzbogenform zum Inneren hin.

Empore, Fußboden, Beleuchtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An den Brüstungen der Orgelempore sind Schnitzfiguren aus dem früher in der Kirche vorhandenen Hochaltar angebracht. Unter der Empore befinden sich beiderseits des Eingangsbereichs Beichtstühle, mit den Schnitztafeln des Kreuzwegs geschmückt. Sie erhielten diesen Platz im Jahr 1937 nach Empfehlungen des Berliner Bildhauers Hans Lottermann.[1]

Im Jahr 1993 verlegten Handwerker einen neuen Fußboden, der das vorherige Parkett ersetzte. Ein in mehreren Graustufen gehaltenes Steinmosaik, unter Mitarbeit des Kunstmalers Siegfried Schütze entworfen, nimmt das Licht- und Schattenspiel im Kircheninneren auf. Zum Chorraum hin weitet sich der Gang, und die Fliesentöne sind heller. Das Tonnengewölbe trägt eine in Querrichtung kassettenförmig gegliederte Decke. Über den Seitengängen vor den Fenstern sind in verschiedenen Längen abgestufte moderne Punktlichtquellen aufgehängt.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orgel auf der Empore

Auf der Empore befindet sich die 1973 als Opus 1992 von der Firma Sauer (Frankfurt/Oder) gebaute Orgel mit mechanischer Spiel- und Registertraktur. Sie hat folgende Disposition:[3]

Hauptwerk (I)
1. Holzprinzipal 8′
2. Oktave 4′
3. Waldflöte 2′
4. Mixtur III–V
Brustwerk (II) schwellbar
5. Holzgedackt 8′
6. Rohrflöte 4′
7. Prinzipal 2′
8. Sifflöte 113
9. Zimbel 3-fach
Pedal C–f1
10. Subbass 16′
11. Gemshorn 08′
12. Rohrpfeife 04′
13. Posaune 08′
  • Koppeln: II/I, I/P, II/P
  • Schwelltritt (II)

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle drei Glocken im Turmschaft

In der Glockenstube befindet sich der Glockenstuhl mit einem dreistimmigen Geläut. Die mittlere Glocke ist über der kleinen und der großen Glocke aufgehängt. An den Schultern der Gussstahlglocken befindet sich die Inschrift „Bochumer Verein, Bochum, 1898“; sie wurden zur Weihe der Kirche vom Bochumer Verein gegossen.

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1918 bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erster Seelsorger der Pfarrgemeinde St. Josef war Christoph Karst. 1936 übernahm Emil Hoffmann dieses Amt und bewies in der Zeit des Nationalsozialismus großen Mut, da er auf Wunsch des Bischofs den aus dem Konzentrationslager entlassenen Kaplan Bruno Schliep in die Gemeinde aufnahm. Zusammen leisteten sie im Zweiten Weltkrieg der Kirche entscheidende Dienste, indem sie eigenhändig Brandbomben vom Dachboden entfernten. Verbote, Einschränkungen und nicht zuletzt der Zweite Weltkrieg beeinflussten das Gemeindeleben, drohten es sogar komplett auszulöschen. Nur die Sakramentenpastoral blieb erhalten, und Religionsunterricht fand getarnt als „Seelsorgestunde“ statt. Weihnachten 1943 lag eine dicke Schneeschicht auf dem Altar, weil Kirche und Pfarrsaal großflächig zerstört bzw. beschädigt waren. Erst in der Nachkriegszeit erfolgte eine erste notdürftige Restaurierung.

1945 bis zum Ende des 20. Jahrhunderts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang der 1950er Jahre konnte die Kirche wieder hergerichtet werden. Die Gemeinde St. Josef hatte nun bereits wieder 4500 Mitglieder, sie arrangierte sich mit der neuen politischen Situation in der DDR. Nach den Empfehlungen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965) und den Beschlüssen der Berliner Bischofskonferenz (1974) erfolgte auch in Köpenick die Gründung eines Pfarrgemeinderats. Durch den Bau der Berliner Mauer wuchs die Gemeinde enger zusammen, es wurden Familienkreise und die religiöse Kinderwoche gegründet. 1984 wurde Franz Scholz neuer Pfarrer und hatte dieses Amt bis Ende März 2013 inne.

Ein ehrenamtlicher Kirchenchor gründete sich, eine Lektoren- und Kantorengruppe folgten. Eine erneute Herausforderung für die Gemeinde bestand zur Zeit der Wende 1989. Die Gemeindemitglieder hatten sich gesellschaftlich, politisch und kirchlich neu zu orientieren. Die Schließung einiger Großbetriebe im Bereich der Gemeinde war ebenfalls nicht einfach. Eine Belebung der kirchlichen Verbandsstrukturen wie der Bildung der Kolpingsfamilie und der Katholischen Frauengemeinschaft sowie der Katholischen Arbeitnehmerbewegung und des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend sorgten für eine gewisse Gegensteuerung. Während der Instandsetzungs- und Renovierungsarbeiten an der Kirche in den 1990er-Jahren fanden die Gottesdienste in der nahegelegenen evangelischen St. Laurentiuskirche statt.

Seit 2000[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit jeher gehört soziales Engagement zu den Aufgaben der Gemeinde, die das St.-Josef-Stift, eine Kita, betreibt. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Gesprächsgruppen und Kreise mit Möglichkeiten der Begegnung und Glaubensvermittlung. Im Jahr 2003 erfolgte eine Zusammenlegung mit der katholischen Gemeinde St. Franziskus im Köpenicker Ortsteil Friedrichshagen.

Pfarrer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Kirchweihe bis 1936 war Christoph Karst Pfarrer. Ihm folgte ab 1936 bis 1957 Emil Hoffmann, der die Gemeinde politisch unangepasst durch die NS-Zeit führte. Dessen Nachfolger wurde Pfarrer Heinrich Foerster bis zu seinem Ruhestand 1983. Von 1983 bis zum altersbedingten Ausscheiden leitete Franz Scholz[4] die Gemeinde. Am 1. März 2014 trat Mathias Laminski das Amt des Pfarrers an.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Bau- und Kunstdenkmale in der DDR, Hauptstadt Berlin; II; Hrsg. Institut für Denkmalpflege im Henschelverlag; Berlin 1987, S. 296
  • Kirchenchronik Sankt Johannes Baptist, Fürstenwalde
  • Kirchenchronik Sankt Josef, Berlin-Köpenick

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sankt-Josef-Kirche (Berlin-Köpenick) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Sankt Josef, Berlin-Köpenick. Heft aus Anlass des 100-jährigen Bestehens. Herausgegeben von der Kathol. Kirche St. Josef, ohne Jahr
  2. Pfarrbrief Kirchenfenster Mai/Juni(2015), S. 3/4 (PDF): Pro und Kontra eines Wiederaufbaus der Turmspitze. Abgerufen am 6. Mai 2015.
  3. Orgel in St. Josef auf www.musik-in-st-josef.de, abgerufen am 20. April 2015.
  4. Werner Kerkloh: Beten und feiern gehören hier zusammen. Gemeinde St. Josef in Berlin-Köpenick feiert mit Festwoche das 100-jährige Bestehen ihrer Kirche. In: Kirchenzeitung, Nr. 21/98; abgerufen am 24. März 2015.

Koordinaten: 52° 26′ 58,5″ N, 13° 34′ 23,8″ O