Stabilisator (Automobil)

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Hinterer Stabilisator (schwarz) eines Porsche 911 (Typ 996)
Stabilisator

Der Stabilisator ist ein Federelement im Fahrwerk eines Automobils, das einem Wanken des Fahrzeugs – einer Drehbewegung um die Längsachse – entgegenwirkt und so zur Verbesserung der Fahrdynamik (Straßenlage) beiträgt.

Funktionsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurvenfahrten und Straßenunebenheiten verursachen das Einfedern des Rades einer Seite und damit ein Wanken des Fahrzeugs. Um dem entgegenzuwirken, wird durch den Stabilisator die Karosserie an der gegenüberliegenden Seite ebenso etwas gesenkt und beim Ausfedern entsprechend angehoben. Unterschiedliche Bewegungen der Räder werden durch Verformen des Stabilisators ausgeglichen. Bei gleichzeitigem Einfedern der Räder einer Achse, zum Beispiel beim „Bremsnicken“, tritt der Stabilisator nicht in Aktion.

In der Regel ist der Stabilisator eine Drehstabfeder, das heißt ein Rundstahl mit gleichsinnig umgebogenen Enden (C-förmig), der die Radaufhängungen einer Achse verbindet. Über Gummielemente ist der Stabilisator an der Karosserie oder Fahrgestell und die beiden Enden an den Radaufhängungen, beispielsweise Querlenkern, drehbar befestigt. Beim einseitigen Einfedern wird der Rundstahl zwischen den karosserieseitigen Lagern verdreht. Bei Starrachsen kann der Stabilisator an der Achse liegen, dann sind die Enden am Wagenkörper gelagert.

Eine andere Bauform ist eine Biegefeder (Blattfeder), die auch mit den Enden an der Achse und in zwei auseinanderliegenden Punkten am Rahmen befestigt wird. Sie dient zugleich der Fahrzeugfederung.

Aktive Stabilisatoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Härteverstellbare Stabilisatoren werden im Rennsport genutzt, um das Eigenlenkverhalten des Fahrzeugs für die jeweilige Strecke zu optimieren. Eine härtere Einstellung nur eines Stabilisators bewirkt eine Verschiebung der Bodenhaftung zur jeweils anderen Achse. Übersteuern lässt sich beispielsweise durch eine härtere Einstellung an der Vorderachse oder eine weichere Einstellung an der Hinterachse korrigieren.

Weiterhin werden elektronisch kontrollierte, härteverstellbare Stabilisatoren heutzutage in Serienautos eingebaut, um das Wanken zu vermeiden (Wankstabilisierung). Der aktive Stabilisator wurde 1993 erstmals von Citroen im Modell Xantia Activa eingeführt, einem Mittelklassewagen, der in Europa verkauft wurde. Das System SC.CAR (Systeme Citroën de Contrôle Actif du Roulis) verwendet einen Querstabilisator, dessen Torsion durch einen elektronisch kommandierten Aktuator verringert wird, wenn das Fahrzeug schnell durch Kurven fährt. Dadurch wird die Rollneigung des Fahrzeugs stets auf 2 Grad begrenzt.[1]

Spätere technische Beispiele sind bei BMW der sogenannte ARS (Aktiver Roll Stabilisator) in der Sonderausstattung Dynamic Drive[2] (alternative Bezeichnung Adaptive Drive[3], Active Roll Stabilization), bei Mercedes-Benz (Active Curve System)[4], bei Porsche (Porsche Dynamic Chassis Control PDCC[5]), Lexus (Active Stabiliser System) oder Range Rover (Dynamic Response).

Generell strebt man aus Komfortgründen eine relativ weiche Radfederung an, hingegen aus Gründen der Fahrsicherheit und auch der Beladbarkeit eine relativ harte (und idealerweise höhenkorrigierende) Achsfederung.

Ausgleichsfeder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Stabilisator mit entgegengesetzter Funktion ist die sogenannte Ausgleichsfeder, die bei Fahrzeugen mit hinterer Pendelachse und Hinterradantrieb das Übersteuern verringern soll. Sie trägt zur Federung des Fahrzeugs nur bei gleichzeitiger Ein- oder Ausfederung beider Räder bei. Bei Wankneigung wird keine Federkraft erzeugt. Dadurch verlagert sich das abzustützende Wankmoment auf die Vorderachse, wodurch eine Untersteuertendenz erreicht wird. Bei folgenden Modellen wurde sie an der Hinterachse verwendet:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stabilisator – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Oliver Weiß: Aktive Fahrwerks Stabilisierung. In: xactiva.de. Abgerufen am 18. März 2016.
  2. http://www.bmw.com/com/de/insights/technology/technology_guide/articles/dynamic_drive.html?source=categories&article=dynamic_drive Dynamic Drive
  3. http://www.bmw.com/com/de/insights/technology/technology_guide/articles/adaptive_drive.html Adaptive Drive
  4. http://techcenter.mercedes-benz.com/de_DE/active_curve_system/detail.html ACTIVE CURVE SYSTEM
  5. http://www.heise.de/autos/artikel/Gedaempfter-Wankelmut-Ideen-aus-der-Fahrwerkstechnik-445333.html Gedämpfter Wankelmut: Ideen aus der Fahrwerkstechnik