Stefan Schubert (Autor)

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Stefan Schubert (2019)

Stefan Schubert (* 1970) ist ein Buchautor, ehemaliger Polizist und früherer Hooligan. Nach dem Ausscheiden aus dem Polizeidienst schrieb er Bücher über seine Erfahrungen in der gewaltbereiten Fußballszene, Internes aus dem Polizeialltag und Bandenkriminalität in Deutschland sowie einen Roman. Er veröffentlicht Texte im rechtsextremen Blog Politically Incorrect.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach eigenen Angaben erlebte Schubert die Wirkung von Gewalt als Sechzehnjähriger bei einer Prügelei gegen eine Jugendgang, die ihn seit längerem schikanierte. Gemeinsam mit seinen Freunden schlug er die Gegner nach „intensivem Box-Training“ in die Flucht und fühlte sich fortan respektiert und mächtig. Später bekam er Kontakt zur paramilitärisch organisierten Blue Army Bielefeld, einer auch unter dem Namen „Ostwestfalenterror“ bekannten Gruppe von Hooligans im Umfeld des Fußballvereins Arminia Bielefeld, die er zu Spielen begleitete und mit denen er mehrmals an Massenschlägereien teilnahm. Die Gruppe zeige „eine Vorliebe für einfache Lösungen, eine enorme Ausländerfeindlichkeit und eine relativ hohe individuelle Gewaltbereitschaft“, schrieb 1986 das Fan-Projekt Bielefeld.[1] „Wie viele Knochenbrüche, Blutergüsse und posttraumatische Belastungsstörungen wir in dieser Zeit hinterlassen haben, lässt sich kaum zählen“, sagte Schubert gegenüber dem Spiegel.[2][3]

Zur selben Zeit begann Schubert eine Ausbildung beim damaligen Bundesgrenzschutz, die er als Klassenbester abschloss. Im Einsatz als Personenschützer schirmte er unter anderem den ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl ab und schützte die Frau des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Später wechselte er zur Landespolizei Nordrhein-Westfalens und wurde als Streifenpolizist nach Bielefeld versetzt.

Erst nach acht Jahren wurde sein Doppelleben bekannt, als ihn ein Fernsehteam des WDR 1996 zufällig bei Auseinandersetzungen in Bielefeld filmte. In der Nacht vom 7. auf den 8. Juni beschädigten 150 bis 200 Hooligans nach einer Arminia-Aufstiegsfeier in einer laut Polizeibericht „regelrechten Straßenschlacht“ Kneipen in der Innenstadt und schossen mit Leuchtpatronen. 55 Personen wurden verletzt und mussten ins Krankenhaus. Das Filmmaterial zeigte Stefan S. unter den Schlägern beim Sturm auf ein Lokal. Seine Polizeikollegen wussten seit März 1996 von Schuberts Kontakten zur Hooliganszene, meldeten diese aber erst im November an die Hooligan-Datei im LKA in Düsseldorf.[4]

Die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren wegen schweren Landfriedensbruchs gegen ihn ein. 1998 wurden die Ermittlungen gegen eine Geldstrafe von zehntausend Mark eingestellt und Schubert verließ den Polizeidienst im Rahmen dieses Deals freiwillig. Im selben Jahr stieg Schubert auch aus der Hooligan-Szene aus. Zwischenzeitlich arbeitete er danach als Fitnesstrainer, Türsteher und Chef einer Diskothek.[2][5]

Autor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schubert veröffentlichte mehrere Bücher in den Verlagen Riva, Lago und Kopp. In niederländischer Sprache erschienen sie im Verlag Just Publishers.

2010 schrieb er ein Buch über sein achtjähriges Doppelleben als Polizeibeamter und Hooligan,[3] später Bücher über die Hells Angels und das organisierte kriminelle Bandenwesen. In Gangland Deutschland beleuchtete er ausführlicher Gruppierungen wie Black Jackets, Red Legion und United Tribuns, die sich nach seinen Angaben zu 90 Prozent aus dem von ihm so bezeichneten „prekären Migrantenmilieu“ rekrutierten.[6] Zur Vorstellung des Buches wurde Schubert beim Sat.1-Frühstücksfernsehen interviewt.[7] Sein Buch über seine Hooliganzeit sei „ein relativ spröder Bericht über das ungezügelte Dasein eines Kerls, der Gefallen daran gefunden hatte, Grenzen zu überschreiten und sich zu berauschen: mit Schlägereien, der Gesellschaft von "echten Männern" und viel Alkohol“, schrieb Jörg Diehl im Spiegel.

2012 erschien sein zweites Buch Inside Polizei: Die unbekannte Seite des Polizeialltags, welches sich unter anderem mit Polizeigewalt und Amtsdelikten innerhalb Deutschlands befasst. Jörg Diehl schrieb dazu in Spiegel Online: „Eine besondere Qualität gewinnt Schuberts Buch aber durch den Blick in den Alltag und die Gedankenwelt der Ordnungshüter“.[8]

2015 schrieb er den Roman Der Konvertit über eine islamistische Terrorzelle, die Anschläge in Deutschland verübt, und die Ermittlungen gegen sie.[9] Experten der Polizei bewerteten das darin beschrieben Szenario als „überdramatisiert“, wenngleich die Bedrohung durch terroristische Anschläge real sei.[10]

Nach der Erschießung des Gießener Hells-Angels-Anführers Aygün Mucuk im Oktober 2016 erlangte das Buch „Wie die Hells Angels Deutschlands Unterwelt eroberten“ eine größere mediale Aufmerksamkeit. Schubert wurde daraufhin als Experte für Bandenkrieg und Rockerkriminalität in mehreren Zeitungen zu mutmaßlichen Hintergründen zitiert.[11][12] Die Gießener Allgemeine Zeitung veröffentlichte ein ausführliches Interview mit ihm.[13]

2018 erschien das Buch Die Destabilisierung Deutschlands, das sich unter anderem mit Linksterrorismus und Islamistischen Terrorismus befasst. 2019 erschien das Buch „Anis Amri und die Bundesregierung: Was Insider über den Terroranschlag vom Breitscheidplatz wissen“, das sich mit Anis Amri und der politischen Aufarbeitung des Anschlages auf den Berliner Weihnachtsmarkt im Jahre 2016 auseinandersetzt.

Vier seiner Bücher wurden in der Bestsellerliste des Spiegels aufgeführt: Gewalt ist eine Lösung (2010: Rang 50),[14] Wie die Hells Angels Deutschlands Unterwelt eroberten (2012: Rang 22),[15] Grenzenlos kriminell – Was Politik und Massenmedien über die Straftaten von Migranten verschweigen (2016: Rang 24),[16] „Die Destabilisierung Deutschlands“ (2018: Rang 12).[17]

Ferner ist er regelmäßiger Autor im rechtsextremen Blog Politically Incorrect.[18]

Im November 2019 unterzog das journalistische Recherchekollektiv Correctiv die von Schubert über ein anderes rechtes Blog verbreitete Aussage „Straftaten von 600.000 Flüchtlingen“ würden vertuscht einem Faktencheck und bewerteten sie als „unbelegt“.[19]

Schubert lebt in Bielefeld.[20]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ansgar Mönter: Eine verführerische Masse / "Tatort Stadion – Rassismus und Diskriminierung im Fußball" – so heißt die Ausstellung, die jetzt nach Bielefeld kommt / Gibt es so etwas auf der Alm? In: Neue Westfälische (abgerufen auf hiergeblieben.de). 17. Januar 2004, abgerufen am 6. Oktober 2020.
  2. a b Melanie Bergs: Stefan Schubert war Hooligan - und Polizist, WAZ, 27. April 2010.
  3. a b Jörg Diehl: Geheimes Doppelleben: Der Polizist, der Hooligan war. In: Spiegel online, 2. März 2010.
  4. FOCUS Online: Polizisten ertappt. Abgerufen am 6. Oktober 2020.
  5. Patrick Krull: Der Polizist, der eigentlich ein Hooligan war. In: welt.de. 2. März 2010, abgerufen am 23. Oktober 2019.
  6. Julian Rohrer: Interview mit Autor Stefan Schubert: „Streetgangs sind gefährlicher als Hells Angels und Bandidos“. In: Focus online. 5. März 2014, abgerufen am 18. Dezember 2015.
  7. Interview mit Stefan Schubert beim Sat.1-Frühstücksfernsehen
  8. Jörg Diehl: Kritisches Polizei-Buch: Zyniker in Uniform, Spiegel Online, 14. Februar 2012.
  9. Jens Reichenbach: Terror-Thriller aus Bielefeld. In: Neue Westfälische, 1. Juni 2015.
  10. FOCUS Online: Kalaschnikow und Sprengstoff-Drohne: Ex-Polizist warnt vor Terror-Angriff auf Deutschland. Abgerufen am 6. Oktober 2020.
  11. Ira Schaible, Carolin Eckenfels: Ermittlungen und Spekulationen: Wer erschoss Aygün Mucuk?, Frankfurter Neue Presse, 23. Oktober 2016.
  12. Türkische Rockergruppen mischen die Szene auf, Darmstädter Echo, 23. Oktober 2016.
  13. »Der Mord ist eine Kriegserklärung«, Gießener Allgemeine Zeitung, 10. Oktober 2016.
  14. Gewalt ist eine Lösung bei Buchreport
  15. Wie die Hells Angels Deutschlands Unterwelt eroberten bei Buchreport
  16. Grenzenlos kriminell bei Buchreport
  17. „Die Destabilisierung Deutschlands“ bei Buchreport
  18. Vgl. die Trefferliste bei Politically Incorrect zum Stichwort Stefan Schubert
  19. Keine Belege dafür, dass das BKA Straftaten von Flüchtlingen „vertuscht“ hat. In: correctiv.org. 29. November 2019, abgerufen am 6. Oktober 2020 (deutsch).
  20. Jens Reichenbach: Ex-Polizist packt aus: Ich war ein Hooligan, Neue Westfälische, 26. Februar 2010.