Stockholm (Schiff, 1948)

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Stockholm
MN Stockholm.jpg
Schiffsdaten
Flagge SchwedenSchweden Schweden
Deutsche Demokratische RepublikDDR (Handelsflagge) DDR
NorwegenNorwegen Norwegen
ItalienItalien (Handelsflagge) Italien
PortugalPortugal Portugal
andere Schiffsnamen

Völkerfreundschaft (1960–1985)
Volker (1985–1986)
Fridtjof Nansen (1986–1989)
Surriento[1] (1989–1992)
Italia I (1993)
Italia Prima (1993–2000)
Valtur Prima (2000–2003)
Caribe (2003–2005)
Athena (2005–2012)
Azores (2013–2016)
Astoria (seit 2016)

Schiffstyp Passagierschiff
Bauwerft Götaverken, Göteborg
Stapellauf 9. September 1946
Verbleib in Fahrt
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
160,06 m (Lüa)
Breite 21,06 m
Vermessung 11.700 BRT
 
Besatzung 200 Mann
Maschinenanlage
Maschine 2 × Dieselmotoren
Maschinen-
leistung
12.000 PS (8.826 kW)
Höchst-
geschwindigkeit
19 kn (35 km/h)
Propeller 2
Transportkapazitäten
Zugelassene Passagierzahl 113 1. Klasse
282 Touristenklasse
Sonstiges
Registrier-
nummern

IMO-Nr. 5383304

Daten als Astoria
Flagge

PortugalPortugal Portugal

Heimathafen

Madeira

Rufzeichen

CQRV

Vermessung

16.144 BRZ

Das Passagierschiff Stockholm ist das am längsten im Dienst befindliche Transatlantikschiff der Welt. Es wurde 1946 in der Werft Götaverken in Göteborg (Schweden) gebaut. Bisher hatte das Schiff zwölf Namen, es heißt aktuell Astoria.

Bekannt wurde es vor allem durch den Zusammenstoß mit der Andrea Doria und als DDR-Urlauberschiff Völkerfreundschaft.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stockholm nach der Kollision 1956
Die Völkerfreundschaft 1968 in Warnemünde
Als Athena 2011 in Split
Die Azores 2014

Die Jungfernfahrt absolvierte das Schiff am 21. Februar 1948 auf der Strecke von Göteborg nach New York. 1952 wurde es umgebaut und hatte danach 12.644 BRT und Kapazität für 86 Passagiere der 1. Klasse und 584 für die Touristenklasse. 1955/56 wurde die Ladeluke III mit dem Kinosaal überbaut und der Laderaum III in jeweiliger Deckslage anderer Raumnutzung zugeführt.

Am 25. Juli 1956 lief die Stockholm aus New York aus und kollidierte kurz vor Mitternacht in einer Nebelbank nahe Nantucket mit dem doppelt so großen italienischen Liner Andrea Doria, den sie mittschiffs steuerbordseitig traf. Die Andrea Doria sank 11 Stunden später, 46 Menschen (von 1706) starben; auf der Stockholm gab es fünf Todesopfer. Sie nahm einen Teil der geretteten Passagiere (545) von der Andrea Doria auf und fuhr nach New York zurück, wo sie bis zum 5. November ein völlig neues Vorschiff (Bug) erhielt.

Am 3. Januar 1960 wurde das Schiff von der DDR gekauft, in Völkerfreundschaft umbenannt und dem FDGB übergeben.[2] Es wurde zu einem Einklassenschiff mit 568 Passagieren und 12.442 BRT umgebaut und so für eigene Urlaubsfahrten genutzt, aber auch an fremde Gesellschaften verchartert. Während der Kubakrise im Oktober 1962 durchfuhr das mit Urlaubern besetzte Schiff die US-amerikanische Blockadelinie und erreichte unversehrt Kuba.

Im April 1968, während der Osterfeiertage, sprang ein Passagier in der Nacht von Bord und wurde von dem Torpedofangboot Najade der Bundesmarine gerettet, nachdem das Schiff die Völkerfreundschaft gerammt hatte. Die Najade und Triton waren zuvor zur taktischen Nahaufklärung ausgelaufen und hatten das Urlauberschiff zufällig entdeckt. Nachdem die Völkerfreundschaft in Warnemünde fest machte, fand die Staatssicherheit in der Kabine des Geretteten einen Kompass und westdeutsche Seekarten, die auf eine geplante Flucht hinwiesen.[3]

Im Jahr 1985 verkaufte die DDR die Völkerfreundschaft an die Neptunus Rex Enterprise, die das Schiff in Volker umbenennen ließ und im August im Oslofjord vertäute. Im September 1985 wurde es nach Southampton verlegt.

Am 20. Dezember 1986 wurde das inzwischen vierzig Jahre alte Schiff in Fridtjof Nansen umbenannt und in Oslo als Unterkunft für Asylbewerber stationiert. Nach einem weiteren Verkauf im Mai 1989 wurde es an die Star Lauro SpA verkauft und nach Genua geschleppt. Ab 1992 wurde es unter der Leitung des italienischen Architekten Giuseppe de Jorio[4] in ein modernes Kreuzfahrtschiff umgebaut, wobei vom alten Schiff nicht viel mehr als der besonders stabile Schiffsrumpf verblieb. Da der schlanke Schiffskörper nicht den erforderlichen Auftrieb für die erheblich größeren und damit auch schwereren Aufbauten entwickelte, erhielt das Schiff am Heck einen sogenannten „Ducktail“ oder „Entenschwanz“. Ab 1995 war das Schiff der Reederei NINA Spa. für mehrere Charterer in Dienst, darunter Neckermann Seereisen. Ab 1999 kam es als Valtur Prima für Rundreisen ab Kuba zum Einsatz. 2004 kaufte der Reeder George P. Potamianos das Schiff für seine Reederei CIC und benannte es nach einer umfänglichen Renovierung 2005 in Athena um. Ab 2007 war das Schiff für den deutschen Veranstalter Vivamare Urlaubsreisen im Einsatz, der zwischenzeitlich in Insolvenz ging. 2009 gab die Athena ein kurzes Gastspiel bei Phoenix Reisen als Ersatz für die Alexander von Humboldt. Wegen offener Forderungen von Gläubigern der Reederei wurde das Schiff im September 2012 in Marseille an die Kette gelegt.

Im Mai 2013 wurde das Schiff von der neu gegründeten Reederei Portuscale Cruises gekauft, die es in Azores umbenannte. Ab März 2014 war es für Ambiente Kreuzfahrten in europäischen Gewässern im Einsatz.[5][6] Die Zusammenarbeit zwischen der Marke Ambiente Kreuzfahrten und Portuscale Cruises wurde aber aufgrund geringer Passagierzahlen am 5. September 2014 eingestellt.[7] Seit 2015 wird das Schiff von Cruise & Maritime Voyages gechartert und ersetzt dort die Discovery.[8][9] Seit März 2016 trägt das Schiff den Namen Astoria und sie wurde in der Saison 2016 für Kreuzfahrten im Mittelmeer und in Nordeuropa eingesetzt.[10] 2016/2017 wurde das Schiff als Dreh- und Wohnort der Kandidatinnen und für die ersten Shootings der Casting-Show Germany’s Next Topmodel genutzt.

Ab 2018 will Rivages du Monde das Schiff einsetzen.[11]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Robert D. Ballard, Ken Marschall: Lost Liners – Von der Titanic zur Andrea Doria – Glanz und Untergang der großen Luxusliner. Heyne Verlag, München 1997, ISBN 3-453-12905-9 (englisch: Lost Liners: From the Titanic to the Andrea Doria. The ocean floor reveals its greatest lost ships. Übersetzt von Helmut Gerstberger).
  • Arnold Kludas: Die großen Passagier-Schiffe der Welt. Bechtermünz Verlag, Augsburg 1998, ISBN 3-86047-263-1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stockholm – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. MS „Völkerfreundschaft“. Abgerufen am 22. März 2014.
  2. Gerd Peters: Vom Urlauberschiff zum Luxusliner – Die Seetouristik des VEB DSR Rostock. Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg 2005, ISBN 3-7822-0920-6, S. 14,15.
  3. Quelle: Ausstellung Flensburger Schifffahrtsmuseum
  4. De Jorio Design International
  5. Webseite von Ambiente Kreuzfahrten
  6. Völkerfreundschaft zurück in Deutschland. In: Täglicher Hafenbericht vom 4. Oktober 2013, S. 1
  7. MS Azores: Portugiesische Reederei „Portuscale Cruises“ und Ambiente Kreuzfahrten beenden Zusammenarbeit. Abgerufen am 29. Mai 2014.
  8. CMV charters classic cruise ship Azores to replace Discovery in 2015. 27. Juni 2014, abgerufen am 28. Juni 2014.
  9. Cruise Capital. Abgerufen am 27. Januar 2015.
  10. CMV Cruise Calendar. 13. Juli 2015, abgerufen am 13. Juli 2015.
  11. MS ASTORIA bleibt vorerst bei Cruise & Maritime Voyages (CMV). 25. Februar 2017, abgerufen am 28. Februar 2017.