Stone Island

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Das Logo der Marke

Stone Island ist eine italienische Herren-Modemarke im gehobenen Preissegment mit eigenen Einzelhandelsgeschäften.

Die Marke wurde 1982 von dem italienischen Designer Massimo Osti (* 17. Juni 1944 in Baricella, † 6. Juni 2005 in Bologna) als progressive Zweitlinie neben seiner C.P. Company-Hauptkollektion auf den Markt gebracht. Osti hatte das Unternehmen C.P. Company SpA 1974 in Ravarino ins Leben gerufen, zu dem schließlich die Marken C.P. Company, Stone Island und Boneville (1995 eingestellt) gehörten. Stone Island wurde bekannt als Vorreiter bei speziellen Färbetechniken und einzigartiger, unkonventioneller Oberflächenbehandlung. Die Marke war bspw. eine der ersten, die den Stonewash-Effekt serienmäßig zum Einsatz brachte.

Ab 1993 befand sich Stone Island komplett im Besitz der italienischen Rivetti-Familie, die bereits 1983 eine Kooperation mit Osti eingegangen war. 2017 beteiligten die Rivettis einen Partner aus Singapur, und Ende 2020 wurde Stone Island von Moncler übernommen.

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stone Island[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stone Island Jacke

Der Name Stone Island, ursprünglich von Ostis Frau Daniela als „isola di pietra“ (dt. 'Steininsel') vorgeschlagen, soll die Freiheit einer Insel und die Unverwüstbarkeit von Stein symbolisieren.[1] Osti hatte sich bei der Namensfindung von Romanen von Joseph Conrad inspirieren lassen.[2] Osti hatte die Zweitlinie ins Leben gerufen, um innovative Stoffentwicklungen, die für seine hochwertig-schlichte Hauptkollektion C.P. Company zu progressiv waren, in eine Kollektion umsetzen zu können.

Innovationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neue, teils futuristisch anmutende Produktentwicklungen Ostis der 1980er Jahre, für die zum Teil spezielle Industriemaschinen geschaffen werden mussten und die oftmals mit Patenten einhergingen, waren bspw. mit einer (hauchdünnen) Gummi-Schicht einseitig bezogene Baumwolle (Stone Island Raso Ray Parka, 1983), Wolle (Stone Island Rubber Wool Parka, 1986) oder Flachsfaser (Stone Island Rubber Flax Jacket, 1987), um Wasserdichtigkeit zu erzeugen sowie ein Stoffmaterial, das nach einer Quarz-Behandlung durch Wärmeeinwirkung seine Farbe veränderte (Stone Island Ice Jacket, 1985), mit Stahl-Fäden versetztes Stoffmaterial (Stone Island Pure Metal Shell Jacket, 1988) und die Verarbeitung von Glaspartikeln im Obermaterial (Stone Island Reflective Jacket, 1989).[3][4]

Eigentumsverhältnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1983 verkaufte Osti C.P. Company, und damit Stone Island, zu 50 % an die GFT-Gruppe, einen italienischen Textil- und Lizenzmode-Hersteller. Carlo Rivetti, der Sohn des GFT-Eigners, wurde 1989 zum Geschäftsführer von C.P. Company SpA bestellt. GFT übernahm C.P. Company 1991 komplett. Als die C.P. Company SpA 1993 aus der GFT-Gruppe ausgegliedert werden sollte, übernahmen Carlo Rivetti und seine Schwester Cristina mit ihrer Firma Rivetex das Unternehmen.[5] Osti schied 1994 als Designer aus, seine letzte Stone Island Kollektion war die Saison Sommer 1995. Bis 2008 übernahm der englische Designer Paul Harvey das Design der Stone-Island-Kollektionen im Stile Ostis. Seither kümmert sich ein Design-Team unter der Leitung der Designerin Gionata Malagodi, die bereits zwischen 1994 und 1998 (anfangs noch zusammen mit Osti), für das Label verantwortlich war, um die Kollektionen.

Anfang 2010 verkaufte Rivetti das Label C.P. Company, um sich voll auf die Marke Stone Island und deren Ausbau, besonders auch in Deutschland, konzentrieren zu können.[6] Die Muttergesellschaft von Stone Island heißt bis heute Sportswear Company.

2017 verkauften die Rivettis zwecks internationaler Expansionspläne einen 30%-Anteil von Stone Island an Temasek Holdings aus Singapur. Ende 2020 kündigte Moncler an, den 50,1 % Anteil von Carlo Rivetti und die fast 20 % der Rivetti-Familie an Stone Island sowie die 30 % von Temasek aufzukaufen. Stone Island wurde durch das Übernahmeangebot auf 1,15 Milliarden Euro bewertet.

Portfolio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stone Island Windrosen-Badge

Stone Island ist eine reine Herren-Marke und bietet seit 2006 auch eine Knaben-Kollektion (Stone Island Junior) an. Trotzdem zieht die Marke auch weibliche Kundschaft an. Das wichtigste Erkennungsmerkmal von Stone Island ist der abnehmbare Kompass-Badge, ein rechteckiges Stoff-Etikett mit Kompass-Motiv, das bspw. bei Pullovern und Jacken am linken oberen Ärmel mit Knöpfen befestigt ist. Ursprünglich waren die Badges grün umrandet, wurden in der Frühlingskollektion 2000 jedoch im Rahmen einer Designänderung schwarz gefärbt. Einige limitierte Stücke tragen ein weiß umrandetes Markenzeichen. Stone Island führte zudem 2001 eine Denim-basierte Zweitlinie für Herren unter dem Namen Stone Island Denims ein, die allerdings mit der Kollektion Herbst/Winter 2009 wieder eingestellt wurde.[7] Diese Kollektion war preislich etwas niedriger angesiedelt und hatte anstelle der Kompass-Badges einen Aufdruck mit dem Schriftzug Stone Island Denims. Zudem besteht seit 2008 die technologisch-avantgardistische Stone Island Shadow Project Kollaboration mit dem Design-Team ACRONYM.

Ladengeschäfte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stone Island betreibt in Italien (Turin, 2× in Mailand, Verona, Florenz, Rom, Riccione, Forte dei Marmi und Venedig[8]), Großbritannien (London: seit 2011 Nähe Piccadilly Circus, zuvor und jetzt geschlossen: Soho und Covent Garden), Frankreich (Paris, seit 2011; Cannes), Deutschland (Keitum/Sylt, seit Mai 2012; München, seit September 2013; Hamburg, seit Oktober 2015, Frankfurt seit November 2019[9])[10], Belgien (Antwerpen), Niederlande (Amsterdam), Schweden (Stockholm), China (Hongkong), Korea (Seoul und Daegu), Japan (Tokio) und USA (New York und Los Angeles), insgesamt 24 (Stand 2019) eigene oder von Partnern betriebene Boutiquen sowie seit 2008 einen eigenen Online-Shop in Kooperation mit dem italienischen Internet-Einzelhändler Yoox.

Britische Fußballfans[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stone Island konnte sich vor allem in Großbritannien ab den 1980er Jahren, unter anderem wegen der hohen Verkaufspreise und des robusten Materials, als angesagte Casual-Marke durchsetzen.[11] Ab Mitte der 1980er Jahre begannen sich Anhänger der Hooligan-Szene mittels Designerkleidung von Armani, Aquascutum, Burberry und besonders auch Stone Island als Statussymbol von klassischen Fans abzuheben.[12][13] Daher besteht bei der Marke bis heute eine gewisse Assoziation zu britischen Fußballhooligans, die auch durch Filme wie The Football Factory (2004), Hooligans (2005) und The Firm (1988, Remake 2009), in denen Stone Island prominent präsentiert wird, verstärkt wurde. Das Unternehmen selbst profitiert von den Fußball-Fans mit hohen Absatzzahlen in Großbritannien. Auf der eigenen Webseite betrieb Stone Island zeitweise sogar einen „Football Blog“.[14]

Geschäftszahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 2009 und 2014 hat sich der Umsatz von 40 Mio. € auf 80 Mio. € verdoppelt. 2017 wurden bereits 147 Mio. € erreicht. Für 2018 meldet das Unternehmen 192 Mio. €, was ein erneutes Wachstum von 30 % gegenüber dem Vorjahr darstellt.[15] Für 2019 plant das Unternehmen mit einem weiteren Plus von 20 %.[16] Einen Börsengang hat Geschäftsführer Carlo Rivetti bisher nicht geplant, auch wenn die Unternehmenskennzahlen dafür sprechen würden.[17]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BRIGHT: Ideas from Massimo Osti, hypebeast.com, 11. Juni 2010
  2. Q&A with Lorenzo Osti live on FNYC, found-nyc.com, 20. September 2009
  3. Dagmar Bagnoli: Massimo Osti: Pionier der Sportswear in der Männermode. Textilwirtschaft, 10. Oktober 1996, archiviert vom Original am 27. September 2015;.
  4. Bright Magazine, Osti Article Translation, found-nyc.com, 18. Mai 2010
  5. Brand history, stoneisland.co.uk, abgerufen: 28. August 2010
  6. Sabine Fiedler: Stone Island soll ohne C.P. wachsen. Textilwirtschaft, 25. Februar 2010, archiviert vom Original am 28. September 2015;.
  7. Dagmar Bagnoli: Stone Island – Revival für Denim. Textilwirtschaft, 18. Januar 2001, archiviert vom Original am 29. September 2013;.
  8. Store-Concept: Stone Island eröffnet in Venedig. Abgerufen am 12. Januar 2019 (englisch).
  9. Johanna Dürrholz: Chef von Stone Island: Io sono Carlo. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 27. November 2019]).
  10. "Stone Island geht mit Store in München an den Start" (Memento vom 11. Dezember 2013 im Internet Archive), Europolitan.de, 10. Juli 2013
  11. Wie Hooligans Stone Island entdeckten 11freunde.de, 30. September 2017
  12. Checken was die anderen anhaben, Der Standard, 8. Juni 2010
  13. Undercover with ‘the firm’, bbc.co.uk, 10. Mai 2002
  14. Stone Island, Drapers, 17. Juli 2010
  15. Tobias Bayer, Textilwirtschaft.de: Stone Island nähert sich 200 Millionen-Schwelle. Abgerufen am 18. Juli 2019.
  16. Katie Imms: Turnover up a third at Stone Island. Abgerufen am 6. Juli 2019 (englisch).
  17. Stone Island gets close to 200 million. Abgerufen am 6. Juli 2019 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]