Studienabbruch

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Studienabbruch bezeichnet die vorzeitige Beendigung eines Erststudiums, also vor Erlangen eines akademischen Grades, durch den Studenten (Studienabbrecher), ohne eine Wiederaufnahme des Studiums zu einem späteren Zeitpunkt. Als Studienabbrecher werden ehemalige Studenten bezeichnet, die ihr Erststudium ohne einen Hochschulabschluss beendet haben (Studienabbruch). Wenn über „Altfälle“ eines Studienabbruchs gesprochen wird, ist zu berücksichtigen, dass es die Möglichkeit zu einem Bachelor-Abschluss noch nicht immer und nicht flächendeckend gab. So gibt es in Deutschland erst seit 2000 Akademiker mit einem Bachelor-Abschluss.[1]

In Deutschland beenden nach einer Studie aus dem Jahr 2014 etwa 28 Prozent der deutschen Studenten ihr Bachelorstudium ohne Abschluss. Die Abbruchquote an Universitäten liegt bei 33 Prozent, an Fachhochschulen bei 23 Prozent.[2] Diese Zahlen gelten nur für die deutschen Präsenzhochschulen. Fernuniversitäten haben eine darüber hinausgehende Abbruchquote. Nach einer HIS-Studie aus dem Jahr 2002 brechen derzeit durchschnittlich 25 % eines Studienjahrganges ihr Studium ab. Bei Männern brechen durchschnittlich 27 Prozent, bei den Frauen 23 Prozent das Studium ab. Vor allem in den Studiengängen der Mathematik und Naturwissenschaften, der Physik und der Informatik ist an den Universitäten eine anhaltend hohe Studienabbruchquote zu verzeichnen. Die Quote liegt hier zum Teil deutlich über 30 %. Ähnlich sieht es in den Studiengängen Maschinenbau, Ingenieurwissenschaften und Elektrotechnik aus. Am höchsten ist die Abbruchquote im Bauingenieurwesen. Bei diesem Studiengang schaffen ca. 51 Prozent der Studenten den Bachelor nicht. Niedrige Abbruchquoten finden sich hingegen in den Rechtswissenschaften und in der Pädagogik. Die niedrigste Abbruchquote hat der Studiengang Psychologie, nur jeder Zehnte bricht sein Bachelorstudium ab. Insgesamt sind die Zahlen in den letzten Jahren gesunken, so brechen zum Beispiel bei Ingenieurstudiengängen 12 Prozent weniger ihr Studium ab. Die Abbruchquote für Master-Studiengänge liegt an Universitäten bei 10 Prozent an Fachhochschulen bei 7 Prozent.[3] Beim Vergleich der Quoten muss allerdings berücksichtigt werden, dass die Eingangvoraussetzungen für die Aufnahme eines Studiums in den genannten Fächern nicht gleich sind. So ist es plausibel, dass Fächer, die durch einen strengen Numerus clausus eine hohe Zahl Hochschulzugangsberechtigter vor der geplanten Aufnahme eines Studiums herausfiltern, eine relativ niedrige Zahl an Studienabbrechern vorweisen können.

Die geringere Neigung zum Studienabbruch an den Fachhochschulen hängt unter anderem mit den dort bestehenden Studienbedingungen zusammen. Die stärkere Strukturierung des Studiums sorgt für bessere Orientierung. Auch der intensivere Praxisbezug und die kürzeren Studienzeiten dürften einer Abbrucherwägung an einer Fachhochschule entgegenstehen.

Studienabbruch und soziale Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Soziale Herkunft nach Exmatrikulationsgruppe in Prozent
Soziale
Herkunftsgruppe
Studienabbrecher Hochschulabsolventen
untere 16 12
mittlere 22 20
gehobene 31 32
hohe 31 37
(Ulrich Heublein, Heike Spangenberg, Dieter Sommer: Ursachen des Studienabbruchs. Analyse 2002, S. 46 )

Studierende mit niedriger sozialer Herkunft stellen nur 12 % der Hochschulabsolventen, aber 16 % der Studienabbrecher. Studierende mit hoher sozialer Herkunft stellen 37 % der Hochschulabsolventen, aber nur 31 % der Studienabbrecher. Die Autoren der Studienabbruchstudie 2002 Heublein/Spangenberg/Sommer vermerken hierzu, dass ein Einfluss der sozialen Herkunft auf den Studienabbruch vorhanden ist. Hiermit bestätigen sie Studien von Tino Bargel und die Österreichische Studienabbruchstudie von Franz Kolland.

Auch die Motivlage für einen Studienabbruch scheint abhängig zu sein von der sozialen Herkunft. So gaben aus der niedrigen sozialen Herkunftsgruppe überproportional viele Studierende an, aus finanziellen und aus gesundheitlichen Gründen das Studium abgebrochen zu haben. Letzteren Grund führen Heublein/Spangenberg/Sommer darauf zurück, dass diese Gruppe sich aufgrund ihrer Bildungsbiographie in einer besonderen Anspannungs- und Anforderungssituation befänden. Kein Zusammenhang zeige sich hingegen zwischen der sozialen Herkunft und dem Studienabbruch aus Gründen mangelnder Studienleistungen.

Allerdings muss zwischen den Fächern unterschieden werden. Während in den Fächern Medizin und Jura, in denen sowieso schon der Anteil von Studierenden mit niedriger sozialer Herkunft sehr gering ist, für diese Gruppe ein sehr viel höherer Risikofaktor für den Studienabbruch besteht, ist dies in den Fächern Erziehungswissenschaft und an den Fachhochschulen, insbesondere in den Ingenieurwissenschaften, keineswegs der Fall.

Ursachen eines Studienabbruchs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer Studie des BMBF zu den Ursachen von Studienabbrüchen zeigten sich folgende Abbrechertypen in der angegebenen Verteilung:

  • Frühe Studienabbrecher ohne berufliche Neuorientierung (Anteil: 13 %): Studenten mit falscher Fachwahl, die häufig danach ein anderes Studium beginnen.
  • Frühe Studienabbrecher mit beruflicher Neuorientierung (Anteil: 27 %): Studenten mit falschen Studienvorstellungen, die sich danach beruflich neu orientieren.
  • Späte Studienabbrecher ohne berufliche Neuorientierung (Anteil: 7 %): Studenten, bei denen sich erst in der Auseinandersetzung mit dem Studium ein Motivationsproblem ergeben hat und die häufig das Erlernte in eine fachbezogene Berufstätigkeit mitnehmen.
  • Späte Studienabbrecher mit beruflicher Neuorientierung (Anteil: 24 %): Studenten, bei denen sich durch das Studium eine Distanzierung vom gewählten Fach ergeben hat und die in eine fachfremde Tätigkeit wechseln.
  • Studienabbrecher aus familiären Gründen (Anteil 9 %): In diesem Bereich sind weibliche Studenten überproportional vertreten.
  • Studienabbrecher wegen nicht bestandener Prüfungen (Anteil 6 %): Bei dieser Gruppe stellen fachliche Anforderungen oder auch Prüfungsängste eine unüberwindliche Hürde dar.
  • Studienabbrecher aus finanziellen Gründen (Anteil 13 %): Bei dieser Gruppe sind die zur Deckung finanzieller Verpflichtungen notwendigen Zeitaufwendungen nicht mehr mit einem Studium vereinbar.

Dabei führt ein Studienabbruch nicht unbedingt zu einem Karriereknick, teilweise wird das Studium aufgrund vorzeitiger beruflicher Chancen beendet.

Vorbeugung von Studienabbrüchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um die Quote der Studienabbrecher zu reduzieren, erhalten Hochschulen in NRW für jeden erfolgreichen Studienabschluss ab 2016 einen Erfolgsbonus von 4.000 Euro. Andere Bundesländer wollen diesbezüglich in Zukunft nachziehen.[4] Sachsens Hochschulen arbeiten seit 2016 am Aufbau von Frühwarnsystemen, mit denen abbruchgefährdete Studierende datengestützt frühzeitig identifiziert werden sollen, um gesondert beraten zu werden.[5][6]

Im Zuge der Neuregelung des Numerus clausus-Verfahrens in den letzten Jahrzehnten in Deutschland wurde der Anteil derer, die allein aufgrund ihres guten Notendurchschnitts im Abitur einen Zugang zu einem Studienplatz in einem NC-Fach bekommen, auf 20 Prozent reduziert. Weitere 20 Prozent erhalten aufgrund ihrer Wartezeit einen automatischen Zugang zu „ihrem“ Studienplatz. Die verbleibenden 60 Prozent werden nach Verfahren vergeben, bei denen die betreffende Hochschule eigene Maßstäbe anlegen kann. Das ermöglicht ihr, Bewerber nicht aufzunehmen, die sie für nicht hinreichend geeignet hält, sofern die Bewerber nicht Ansprüche aus den erstgenannten Verfahren erheben können.

Studienabbrecher im Deutschen Bundestag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Berechnungen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (2013) sind Studienabbrecher folgendermaßen absteigend auf die Fraktionen im Deutschen Bundestag verteilt:[7]

  • Bündnis 90/Die Grünen: 8,8 Prozent
  • FDP: 7,5 Prozent
  • SPD: 6,8 Prozent
  • Die Linke: 5,3 Prozent
  • CDU/CSU: 3,6 Prozent

Insgesamt haben 5,6 Prozent aller Mitglieder des Deutschen Bundestages ihr Studium abgebrochen.

Bekannte Studienabbrecher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Volker Beck, Politiker, MdB (Bündnis90/Die Grünen), studierte Kunstgeschichte, Geschichte und Germanistik in Stuttgart
  • Henryk M. Broder, Publizist und Buchautor, studierte div. Fächer in Köln
  • Reinhard Bütikofer, Politiker, Bundesvorsitzender von Bündnis90/Die Grünen, studierte Geschichte und Sinologie in Heidelberg
  • Daniel Cohn-Bendit, Politiker, MdEP (Bündnis90/Die Grünen), studierte Soziologie in Paris
  • Katrin Göring-Eckardt, Politikerin, MdB (Bündnis 90/Die Grünen), studierte ev. Theologie in Leipzig
  • Larry Ellison, Gründer und Präsident (CEO) des US-Softwarekonzerns Oracle, studierte ab 1962 an der University of Illinois in Champaign Mathematik, fiel 1964 durch sämtliche Abschlussexamen und verließ die Hochschule ohne Abschluss.
  • Roland Emmerich, Regisseur, studierte an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film, ging aber vor dem Examen nach Hollywood.
  • Ottfried Fischer, Schauspieler, begann in München ein Jurastudium, das er abbrach.
  • Bill Gates brach 1975 sein Mathematikstudium an der Harvard University ab, um sich ausschließlich seinem Unternehmen Microsoft Corporation zu widmen.
  • Herbert Grönemeyer, Musiker und Schauspieler, war 23 Semester lang als Student der Musikwissenschaft und des Rechts immatrikuliert, ohne Abschluss.
  • Günther Jauch hat sowohl sein Studium der Rechtswissenschaften in Berlin als auch seine Studien in Politik und Neuerer Geschichte in München abgebrochen.
  • Steve Jobs, Mitgründer der Computerfirma Apple: Abbruch seines Studiums am Reed College, Oregon, nach einem Semester.
  • Steve Wozniak, Mitgründer der Computerfirma Apple, hielt im Jahre 2006 am Stanford College eine Rede,[8] in der er sowohl sein eigenes als auch das Studium allgemein als Geld- und Zeitverschwendung bezeichnete.
  • Wolfgang Joop, Designer, studierte Werbepsychologie in Braunschweig, ohne Abschluss.
  • Oliver Kalkofe, Satiriker und Moderator, studierte Anglistik, Germanistik und Publizistik in Münster. Nach acht Semestern brach er ab.
  • Johannes B. Kerner, Moderator und Talkmaster, begann 1984 in Berlin BWL zu studieren und arbeitete parallel dazu in der Sportabteilung des Senders SFB. 1988 verabschiedete er sich ohne Abschluss vom Studium.
  • Friedrich Küppersbusch, Fernsehproduzent, beendet das Journalistikstudium ohne Diplom, da ihm Arbeit beim WDR war attraktiver erschien.
  • Hans Meiser, Moderator, studierte in Stuttgart Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte - ohne Abschluss.
  • Oswald Metzger, Politiker und Publizist, studierte Rechtswissenschaft in Tübingen
  • Ulrich Meyer, Moderator, studierte nach Abitur und Wehrdienst Medizin in Köln, brach das Studium allerdings ab. 1979 begann er sein Volontariat bei der Kölnischen Rundschau.
  • Omid Nouripour, Politiker, MdB (Bündnis 90/Die Grünen), div. Fächer abgebrochen
  • Kai Pflaume, Show-Moderator, abgebrochenes Informatikstudium in Magdeburg.
  • Jörg Pilawa, Moderator, beendete sein Medizinstudium in Hamburg nach sechs Semestern.
  • Michael Dell, Gründer der weltgrößten Computerfirma Dell, der texanische Unternehmer brach 1984 sein Medizinstudium gegen den Willen seiner Eltern ab.
  • Heinrich von Kleist, Schriftsteller, brach 1800 nach drei Semestern an der Viadrina in Frankfurt an der Oder sein Studium der Mathematik und Physik ab.
  • Claudia Roth, Politikerin, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, studierte Theaterwissenschaften in München
  • Mark Zuckerberg, Gründer von Facebook, studierte Psychologie und Informatik in Harvard und brach sein Studium 2006 ab.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tino Bargel: Sind spätere Hochschulabgänger und Fachwechseler anders als „normale“ Studienanfänger? Arbeitsunterlage 71. Konstanz 1982
  • Ulrich Heublein, Heike Spangenberg, Dieter Sommer: Ursachen des Studienabbruchs. Analyse 2002. (Hochschulplanung Band 163), HIS GmbH Hannover 2003 ISBN 3-930447-54-1
  • Franz Kolland: Studienabbruch: Zwischen Kontinuität und Krise. Eine empirische Untersuchung an Österreichs Universitäten, Wien 2002 ISBN 3-7003-1394-2
  • Karl Lewin: Studienabbruch in Deutschland in: Schröder-Gronostay/Daniel (Hrsg.): Studienerfolg und Studienabbruch, S. 17ff.; Luchterhand, Neuwied/Kriftel/Berlin 1999
  • Schulze-Stocker, Franziska/Schäfer-Hock, Christian/Pelz, Robert 2017: Weniger Studienabbruch durch Frühwarnsysteme – Das Beispiel des PASST?!-Programms an der TU Dresden. In: Zeitschrift für Beratung und Studium (ISSN: 1860-3068), 12. Jg., Heft 1, S. 36-32.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Studienabschlüsse: Anzahl der Bachelor- und Masterabschlüsse an Hochschulen in Deutschland von 2000 bis 2015. Statista. Das Statistik-Portal
  2. Die Entwicklung der Studienabbruchquoten an den deutschen Hochschulen. Abgerufen am 27. Dezember 2016 (PDF; 205 kB).
  3. Abbrecherquoten im Studium sinken. Abgerufen am 27. Dezember 2016 (deutsch).
  4. Prämien für NRW-Unis: 4000 Euro für jeden Absolventen Spiegel Online, 29. Juni 2015, abgerufen am 25. November 2015.
  5. Hochschulen wollen Strategien gegen Studienabbrüche beraten Welt Online, 8. März 2017, abgerufen am 4. April 2017.
  6. Dem drohenden Studienabbruch vorbeugen MDR Online, 14. März 2017, abgerufen am 4. April 2017.
  7. Markus Wehner: Ein Makel im Lebenslauf. Deutsche Spitzenpolitiker verschleiern ihre Studienabbrüche. In: FAZ, 26. Mai 2013.
  8. Steve Wozniak: First Your Create It, Then You Grow It – Stanford Graduate School of Business