Paul Ziemiak

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Paul Ziemiak (2021)

Paul Ziemiak ['tsiːmjak] (* 6. September 1985 in Stettin, Polen, als Paweł Ziemiak[1][2] [ˈpavɛw ˈʑɛmʲjak]) ist ein deutscher Politiker (CDU) und seit 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages. Er war von 2014 bis 2019 Bundesvorsitzender der Jungen Union und von 2018 bis 2022 Generalsekretär der CDU.

Herkunft und Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziemiak wuchs die ersten Jahre seines Lebens in der Volksrepublik Polen auf. Sein Vater wurde in der Nähe von Katowice geboren, ein Großvater stammte aus dem ehemals ostpolnischen Lwiw, eine Großmutter aus Zakopane.[3] Da ein Teil seiner Familie deutscher Herkunft ist,[4] konnten seine Eltern mit ihm und seinem älteren Bruder 1988 als Aussiedler in die Bundesrepublik Deutschland auswandern. Dabei wurde auch sein Vorname eingedeutscht, den er später aus „praktischen Gründen“ beibehielt.[5] Zunächst lebte die Familie im Aussiedlerlager im Unnaer Stadtteil Massen und später in Iserlohn. Die Approbationen von Ziemiaks Eltern, beides Ärzte, wurden in Deutschland zunächst nicht anerkannt.[4]

Nach dem Abitur an der Internatsschule am Seilersee studierte Ziemiak zunächst Rechtswissenschaft an den Universitäten Osnabrück und Münster. Er bestand die Erste Juristische Staatsprüfung in zwei Anläufen nicht und blieb daher ohne Abschluss.[6] Danach begann er ein Studium der Unternehmenskommunikation an der privaten Business and Information Technology School in Iserlohn, das er auch nicht abgeschlossen hat.[7] Bis zu seinem Einzug in den Bundestag arbeitete Ziemiak neben seinem Studium als Werkstudent in Düsseldorf für die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers.[8][9][10]

Ziemiak ist Mitglied der katholischen Studentenverbindung AV Widukind in Osnabrück im CV und der KDStV Winfridia in Münster.[11][12]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werdegang in der Union[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziemiak trat 1999 in die Junge Union (JU) und 2001 auch in die CDU ein. Von 1999 bis 2001 war er der erste Vorsitzende des neugegründeten Kinder- und Jugendparlaments der Stadt Iserlohn. Von 2009 bis 2012 war Ziemiak Bezirksvorsitzender der Jungen Union Südwestfalen und von 2012 bis 2014 Landesvorsitzender der Jungen Union NRW. Seit 2017 ist er Mitglied des geschäftsführenden Landesvorstandes der CDU Nordrhein-Westfalen und Mitglied der Konrad-Adenauer-Stiftung. Von 2014 bis 2019 war er Mitglied im Rat der Stadt Iserlohn, dort bis 2017 stellvertretender Fraktionsvorsitzender.

Bundesweit bekannt wurde Paul Ziemiak als Vorsitzender der Jungen Union Deutschlands. Nach wochenlangem Wahlkampf kandidierte er im September 2014 auf dem Deutschlandtag für den Bundesvorsitz der Jungen Union gegen Benedict Pöttering und gewann mit 63 Prozent der Stimmen.[13] Ziemiak löste damit Philipp Mißfelder ab, der nicht erneut kandidierte. Es war die erste Kampfkandidatur um dieses Amt seit 1973.[14] Am 14. Oktober 2016 wurde Ziemiak auf dem Deutschlandtag der Jungen Union in Paderborn mit 85 Prozent der Stimmen erneut zum Bundesvorsitzenden gewählt. Im Oktober 2018 bestätigte die Junge Union Ziemiak mit 91,1 Prozent der abgegebenen Stimmen als Bundesvorsitzenden.[15]

Bundesversammlung und Bundestag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Februar 2017 war Ziemiak Mitglied der 16. Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten, nachdem ihn der nordrhein-westfälische Landtag hierzu entsandt hatte.

Paul Ziemiak im Deutschen Bundestag (2020)

Anfang Juli 2016 stellte ihn die Wahlkreisvertreterversammlung im Bundestagswahlkreis Herne – Bochum II[16] mit einer Zustimmung von 97 Prozent als Kandidaten zur Bundestagswahl 2017 auf.[17] Damit wurde er Nachfolger für die bisherige CDU-Wahlkreiskandidatin Ingrid Fischbach. Ebenso wie seine Vorgängerin gelangte Ziemiak über die Landesliste in den Bundestag, da der Wahlkreis jeweils von der SPD-Kandidatin Michelle Müntefering gewonnen wurde.

Im 19. Deutschen Bundestag war Ziemiak ordentliches Mitglied im Auswärtigen Ausschuss und dort unter anderem Berichterstatter für internationalen Terrorismus.[18] Zudem ist er ordentliches Mitglied im Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union.[19]

Bei der Bundestagswahl 2021 erhielt Ziemiak das Direktmandat im Bundestagswahlkreis Märkischer Kreis II.[20][21] Im 20. Deutschen Bundestag ist Ziemiak ordentliches Mitglied im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, sowie stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Inneres und Heimat.[22]

Generalsekretär der CDU[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Annegret Kramp-Karrenbauer schlug Ziemiak nach ihrer Wahl zur CDU-Vorsitzenden am 8. Dezember 2018 auf dem 31. Parteitag zu ihrem Nachfolger als Generalsekretär der CDU vor. Er wurde daraufhin als einziger Kandidat mit 62,8 Prozent der Delegiertenstimmen gewählt.[23][24] Er war damit das erste aktive Mitglied der Jungen Union, das direkt in diese Funktion bei der Bundespartei wechselte. Seit dem 11. Dezember 2018 ließ Ziemiak seine Aufgaben als Bundesvorsitzender ruhen.[25] Mit der Wahl seines Nachfolgers Tilman Kuban endete seine Zeit als Bundesvorsitzender der Jungen Union im März 2019 endgültig.[26]

Mario Czaja wurde auf dem 34. Parteitag der CDU als Nachfolger Ziemiaks gewählt. Czaja wurde von Friedrich Merz für das Amt vorgeschlagen, der auf dem Parteitag zum Vorsitzenden der Partei gewählt wurde.[27][28]

Politische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die politischen Schwerpunkte Ziemiaks sind unter anderem Generationengerechtigkeit, Bildung, Digitalisierung und die Energiepolitik. Ziemiak kritisierte die Einführung der Rente mit 63 durch die Große Koalition in mehreren Interviews.[29] 2014 plädierte Ziemiak beim Jahrestreffen der Jungen Union („Deutschlandtag“) dafür, den Fokus in der Bildungspolitik stärker auf „Nicht-Akademiker“ zu legen. Er begründete dies mit der Erwägung, Deutschland müsse ein Land der Möglichkeiten für alle sein.[30] Zudem mahnte er die Bundesregierung, mehr in Breitbandausbau und Digitalisierung zu investieren.[31]

Mit Blick auf die seit 2014 andauernde Ukraine-Krise plädiert Ziemiak für eine stärkere europäische Koordinierung der Energiepolitik.[32] Viel zitiert wurde ferner seine Forderung nach einem harten Durchgreifen gegen Extremisten und Islamisten in Deutschland: „Wer die Scharia mehr achtet als das Grundgesetz – da hilft kein Integrationskurs, da hilft nur Gefängnis.“[33]

Auf dem CDU-Bundesparteitag am 9. und 10. Dezember 2014 in Köln setzte sich Ziemiak zusammen mit den CDU-Vereinigungen MIT und CDA mit der Forderung durch, „Spielräume (zu) erarbeiten … um noch in dieser Legislaturperiode Bürgerinnen und Bürger … bei der kalten Progression zu entlasten“.[34]

Ziemiak befürwortet inzwischen die Gleichstellung homosexueller mit heterosexuellen Partnerschaften und die Adoptionsmöglichkeit durch homosexuelle Paare.[35] Im Herbst 2012 hatte er in einer Pro- und Contra-Diskussion im JU-Mitgliedermagazin Entscheidung noch gegen die Gleichbehandlung heterosexueller und homosexueller Partnerschaften durch den Staat plädiert.[36]

Persönliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziemiak ist römisch-katholisch, verheiratet und Vater von zwei Kindern.[37]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Georg Milde: Was anders bleibt. Reise durch ein herausgefordertes Land. Herder, Freiburg im Breisgau 2021, ISBN 978-3-451-38981-8.
  • Leitsatz 18: Parlamentarismus. In: Christoph Klausing (Hrsg.): Die Kölner Leitsätze 1945 und heute. Eine Suche nach dem Markenkern der Christdemokratie. LIT, Münster 2018, ISBN 978-3-643-14103-3, S. 193–200.
  • als Herausgeber: Die Zukunftsmacher. 40 kluge Köpfe unter 40 und wohin sie unser Land führen wollen. Econ, Berlin 2017, ISBN 978-3-430-20248-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Paul Ziemiak – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eckart Lohse: Ein zweischneidiges Schwert. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. Dezember 2018, abgerufen am 7. Februar 2019.
  2. Paul Ziemiak nowym sekretarzem generalnym CDU. In: wPolityce.pl, 8. Dezember 2018, abgerufen am 7. Februar 2019 (polnisch).
  3. Würde Paul Ziemiak für das Klima rasen? In: alles-lausitz.de. Abgerufen am 20. Mai 2022.
  4. a b Paul Ziemiak. In: Konrad-Adenauer-Stiftung. Abgerufen am 20. Mai 2022.
  5. Arne Poll: Interview: Paul Ziemiak erklärt die Legende um seinen Namen. In: Westfalenpost. 1. September 2021, abgerufen am 2. Oktober 2021 (zugriffsbeschränkt): „Meine Eltern kamen nach Deutschland. Auf meiner Geburtsurkunde stand Pawel auf Polnisch. Die Sachbearbeiterin, die den deutschen Ausweis anfertigte, die hatten Namenslisten auch mit Übersetzungen. Die hat dann gesagt: So ein Quatsch, da schreiben wir einfach mal Paul rein. […] Als ich 16 wurde, fiel dann auf, dass die Geburtsdokumente einen anderen Namen auswiesen als der deutsche Kinderausweis. Und da sollte ich dann festlegen, welcher Name bestehen soll. Ich habe mich aus praktischen Gründen entschieden, diesen Namen beizubehalten.“
  6. Fabian Leber: Zwei wollen Nachfolger von Philipp Mißfelder werden. In: Der Tagesspiegel. 19. September 2014.
  7. Philipp Kinne: Wie Paul Ziemiak zum Aufsteiger der Jungen Union wurde. In: Augsburger Allgemeine, 13. Februar 2018.
  8. Dietmar Palan: Wirtschaftsprüfer PwC hilft Nachwuchs-Star der CDU nach Kräften. In: Manager Magazin, 23. Juni 2014.
  9. Paul Ziemiak – Junger Konservativer mit Migrationshintergrund soll CDU versöhnen. In: Stern, 8. Dezember 2018.
  10. Paul Ziemiak, CDU/CSU. In: Deutscher Bundestag.
  11. AV Widukind Osnabrück, PDF-Datei, S. 9
  12. K.D.St.V. Winfridia - Breslau zu Münster, 27. September 2017
  13. Paul Ziemiak ist neuer Vorsitzender. In: Handelsblatt. 19. September 2014, abgerufen am 14. Dezember 2014.
  14. Merkel attackiert die AfD. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 19. September 2014, abgerufen am 14. Dezember 2014.
  15. Ziemiak mit 91 Prozent wiedergewählt. In: Spiegel Online, 6. Oktober 2018.
  16. Hartmut Becker: Paul Ziemiak kandidiert für den Bundestag. In: Iserlohner Kreisanzeiger und Zeitung. 18. Mai 2016, abgerufen am 6. November 2018.
  17. CDU stellt Ziemiak mit 97 Prozent für Kreis Herne-Bochum auf. In: DerWesten.de. 2. Juli 2016, abgerufen am 3. Dezember 2018.
  18. Deutscher Bundestag – Paul Ziemiak. In: Deutscher Bundestag. Abgerufen am 3. Dezember 2018.
  19. Deutscher Bundestag - Abgeordnete. Abgerufen am 22. Februar 2021.
  20. Gewählte 'Z' - Der Bundeswahlleiter. Abgerufen am 27. September 2021.
  21. Neun Direktkandidaten im Wahlkreis 150. In: maerkischer-kreis.de. 30. Juli 2021, abgerufen am 30. August 2021.
  22. Deutscher Bundestag - Abgeordnete. Abgerufen am 18. Dezember 2021.
  23. JU-Chef Ziemiak mit schwachem Ergebnis zum Generalsekretär gewählt. In: Welt Online, 8. Dezember 2018.
  24. Paul Ziemiak: Chef der Jungen Union zum neuen CDU-Generalsekretär gewählt. In: Spiegel Online, 8. Dezember 2018.
  25. Bundesvorsitzender der Jungen Union: Paul Ziemiak MdB lässt Amt ruhen. In: Junge Union, 11. Dezember 2018.
  26. Tilman Kuban ist neuer Vorsitzender der Jungen Union. In: Die Zeit. 16. März 2019.
  27. Friedrich Merz ist neuer CDU-Chef: Was die Wahl für die Führungsposten in der Partei bedeutet. Abgerufen am 18. Dezember 2021.
  28. CDU-Parteitag: Mario Czaja wird neuer CDU-Generalsekretär. In: Die Zeit. 22. Januar 2022, abgerufen am 27. März 2022.
  29. Gregor Mayntz: Junge Union will die Rente mit 63 abschaffen. In: Rheinische Post. 22. September 2014, abgerufen am 18. Dezember 2014.
  30. Paul Ziemiak ist neuer Chef der Jungen Union. In: Die Zeit. 20. September 2014, abgerufen am 18. Dezember 2014.
  31. Neuer JU-Chef ruft zu Geschlossenheit auf. In: Focus. 22. September 2014, abgerufen am 18. Dezember 2014.
  32. Andreas Herholz: Wir Jungen müssen für das Rentenpaket teuer bezahlen. In: Nordwest-Zeitung. 22. September 2014, abgerufen am 18. Dezember 2014.
  33. Paul Ziemiak - konstruktiv, nicht harmlos. In: Westdeutsche Zeitung. 21. September 2014, abgerufen am 18. Dezember 2014.
  34. Robin Alexander, Claudia Ehrenstein, Miriam Hollstein: "Steuerrebellen" setzen sich gegen Merkel durch. In: Die Welt. 8. Dezember 2014, abgerufen am 18. Dezember 2014.
  35. Gaby Mayr: Gleichstellung in Parteien und Politik – Fortschritte und Tabubrüche. In: Deutschlandfunk – „Hintergrund“, 15. April 2017.
  36. Pro & Contra: Soll der Staat heterosexuelle und homosexuelle Partnerschaften gleich behandeln? In: Entscheidung, 60. Jg., Heft 9/10 (September/Oktober 2012), S. 26 f.
  37. bundestag.de: Biographie Paul Ziemiak, CDU/CSU [1], abgerufen am 7. Dezember 2019.