Sebastian Kurz

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Sebastian Kurz am 12. Jänner 2017 in Funktion als Vorsitzender der OSZE

Sebastian Kurz (* 27. August 1986 in Wien) ist ein österreichischer Politiker der ÖVP. Er ist seit 2009 Bundesobmann der Jungen Volkspartei und seit 2015 Vorsitzender der Politischen Akademie der ÖVP. 2010/11 war er Mitglied des Wiener Gemeinderats und Landtags und 2013 Abgeordneter zum Nationalrat. Von 2011 bis 2013 war er Staatssekretär für Integration. Seit 2013 ist er Bundesminister für Europa, Integration und Äußeres, zunächst in der Bundesregierung Faymann II und seit 2016 in der Bundesregierung Kern, einer Koalition von SPÖ und ÖVP. Seit Jänner 2017 hat Kurz den Vorsitz der OSZE inne.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sebastian Kurz ist der Sohn einer AHS-Lehrerin und eines HTL-Ingenieurs.[1] Kurz wuchs im 12. Wiener Gemeindebezirk Meidling auf, wo er heute noch lebt.[2] Er besuchte 1992–1996 die Volksschule auf der Anton-Baumgartner-Straße in Wien-Liesing[3], und dann das Gymnasium und Realgymnasium GRg Erlgasse und legte dort im Jahr 2004 seine Matura ab. Im Anschluss leistete er 2004/05 seinen Präsenzdienst beim österreichischen Bundesheer. Später begann er ein Studium an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien.[4] Das Studium hat er noch nicht abgeschlossen.[5]

Politische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sebastian Kurz im Gespräch mit Mohammed Dschawad Sarif bei den Verhandlungen über das iranische Atomprogramm im Palais Coburg in Wien

Kurz ist seit 2003 Mitglied der Jungen Volkspartei (JVP).[6] Von 2008 bis 2012 war er Obmann der JVP Wien.[7] 2009 wurde er mit 99 Prozent der Delegiertenstimmen zum Bundesobmann der JVP gewählt, 2012 erhielt er bei seiner Wiederwahl 100 Prozent.[8] Ebenfalls war er von 2009 bis 2016 Landesparteiobmannstellvertreter der ÖVP Wien.[9]

Von 2010 bis 2011 war er Abgeordneter zum Wiener Gemeinderat und Landtag, bevor er im Juni 2011 im Rahmen einer Kabinettsumbildung als neuer „Integrationsstaatssekretär“ des Bundesministeriums für Inneres vorgestellt wurde.[10][11] Nach der Nationalratswahl in Österreich 2013 wurde Kurz im Dezember desselben Jahres als jüngster Außenminister (27 Jahre) in der österreichischen Geschichte vom österreichischen Bundespräsidenten Heinz Fischer angelobt (seit 1. März 2014 Bundesminister für Europa, Integration und Äußeres).[12]

Integrationsstaatssekretär (2011 bis 2013)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurz stellte die Arbeit des Staatssekretariates unter das Motto „Integration durch Leistung“.[13] Menschen, die rechtmäßig in Österreich leben, sollen an dem, was sie in der Bildung, im Beruf und im Ehrenamt leisten, gemessen werden und nicht an ihrer Herkunft. In den ersten Monaten seiner Tätigkeit als Staatssekretär unterbreitete Kurz mehrere Vorschläge, z. B. ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr für Kinder mit Sprachdefiziten.[14] Anfang Juli 2011 legte er einen Integrationsbericht[15] vor, einen, so Kurz, „Maßnahmenkatalog mit 20 Vorschlägen, wie man eine schrittweise Verbesserung“ der Integration in Österreich erreichen könne.[16][17]

Im Sommer 2011 stellte sich heraus, dass in Kärnten und der Steiermark Menschen ohne österreichische Staatsbürgerschaft die Mitarbeit in Freiwilligen Feuerwehren gesetzlich untersagt war. Infolge der von Kurz losgetretenen Diskussion darüber erklärten sich beide Bundesländer bereit, ihre jeweiligen Landesgesetze zu novellieren.[18]

Als Integrationsstaatssekretär startete Kurz 2011 noch mit einem jährlichen Budget von 15 Millionen Euro. Dieses wurde bis 2017 auf 100 Millionen Euro erhöht. Dies ist vor allem auf einen großflächigen Ausbau an Deutschkursen gemeinsam mit dem Bundesministerium für Inneres und dem Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz zurückzuführen.[19]

Nach Verhandlungen mit dem Koalitionspartner erreichte Kurz im Mai 2013 den Beschluss eines neuen Staatsbürgerschaftsgesetzes mit klaren Regelungen und Erleichterungen für besonders gut Integrierte. Wer ausgezeichnet Deutsch spricht oder sich ehrenamtlich engagiert, kann die Staatsbürgerschaft demnach schon nach sechs Jahren bekommen. Verbesserungen gibt es auch für uneheliche Kinder, Menschen mit Behinderung, Adoptivkinder und Putativösterreicher.[20][21]

Neben seiner Tätigkeit als Integrationsstaatssekretär meldete sich Kurz in seiner Funktion als JVP-Obmann häufig mit Forderungen und Ideen zu Wort. So forderte er für Gesetze einen „Generationen-Scan“. Dadurch solle sichergestellt werden, dass Gesetze nicht auf Kosten künftiger Generationen gehen.[22]

Bundesminister für Europa, Integration und Äußeres (seit 2013)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Nationalratswahl 2013 übernahm Sebastian Kurz das Außenministerium von Michael Spindelegger. März 2014 wurde dem Portefeuille seines Ministeriums auch der Bereich 'Integration' zugeschlagen.

Im November 2014 präsentierte Kurz als gemeinsame Kampagne des Außenministeriums mit dem vom Ministerium finanzierten Österreichischen Integrationsfonds ZUSAMMEN:ÖSTERREICH #stolzdrauf. Damit sollten die Identifikation von Zuwanderern mit der österreichischen Landschaft und Kultur gefördert und Werte wie Religionsfreiheit und Demokratie vermittelt werden. So genannte „Integrationsbotschafter“ wurden in Schulen geschickt, um mit Migranten über deren Identifikation mit Österreich zu diskutieren. Mit dem Hashtag #stolzdrauf und Fotos sollte man in sozialen Netzwerken online zeigen, worauf man in Österreich stolz sei.[23] Auf Kritik stießen dabei, neben der Wahl von Andreas Gabalier als erstem Testimonial („stolz darauf, dass es noch sooo viele Dirndln und Buam im Land gibt, die [...] hoffentlich noch lange im Trachtengewand außer Haus gehen“)[24], auch die Kosten von mindestens 450.300 Euro in fünf bis sechs Wochen zur Bewerbung der Kampagne, wovon ein Großteil in Zeitungsinserate vor allem bei Kronen Zeitung, Österreich und Heute floss.[25]

Angesichts der Anschläge auf das Satiremagazin Charlie Hebdo und der Gräueltaten des IS im Nahen Osten äußerte Kurz im Jänner 2015, ein Generalverdacht gegen alle Muslime wäre fatal. Hinter diesen Aktionen stehe ein politischer Islamismus, der unsere Grundwerte nicht teilt.[26]

Am 25. Februar 2015 wurde die von Kurz in seiner Funktion als Integrationsminister eingebrachte Novellierung des Islamgesetzes vom österreichischen Nationalrat beschlossen. Die Neufassung des noch aus dem Jahr 1912 stammenden Gesetzes sieht unter anderem ein Verbot der Auslandsfinanzierung islamischer Vereine vor, was speziell innerhalb der muslimischen Gemeinschaft auf Widerstand stieß.[27]

Am 28. März 2015 war Kurz zu einem Kongress der CSU in Bayern unter dem Titel Die offene Gesellschaft und ihre Feinde eingeladen, wo er meinte, der Islam gehöre zu Europa. Ein paar Stunden vorher machte er im Rahmen einer Rede im UN-Sicherheitsrat auf die Verfolgung der Christen im Nahen Osten aufmerksam.[28]

Im Juni 2015 schlug Kurz vor, die Familienbeihilfe für in Österreich arbeitende EU-Bürger, deren Kinder im Herkunftsland leben, auf das Niveau des Herkunftslandes zu kürzen, da die Lebenshaltungskosten dort oft viel geringer sind. So betrage die Familienbeihilfe für zwei Kinder rund 300 Euro monatlich, dies entspreche fast dem rumänischen Durchschnittseinkommen. Weiterhin sprach sich Kurz gegen eine Zuwanderung in die Sozialsysteme aus. Zuwanderer aus anderen EU-Staaten sollten erst ein paar Jahre in das österreichische Sozialsysteme eingezahlt haben, bevor sie in Österreich anspruchsberechtigt werden. Die SPÖ sprach sich gegen eine Kürzung aus, erklärte aber, dass es bei der Familienbeihilfe Missbrauch gebe der besser kontrolliert werden müsse. Die FPÖ begrüßte die Vorschläge. Die Grünen warfen Kurz und der ÖVP vor, „die Hasspolitik der FPÖ zu kopieren“.[29][30]

Kurz fokussierte sich im Integrationsbereich verstärkt auf das Bildungssystem. In seiner Amtszeit führte er Sanktionen bei Schulpflichtverletzungen und ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr ein. Außerdem deckte Kurz die Missstände in Wiener Islam-Kindergärten auf. Infolgedessen verschärfte die Stadt Wien die Kontrolle von Kindergärten.[31]

Mit dem im Juli 2016 beschlossenen Anerkennungsgesetz vereinfachte man die Anerkennung von im Ausland erworbener Qualifikationen. Es galt lange als Problem, dass Bildungszertifikate anderer Länder in Österreich oft nur unter enormen Zeitaufwand übertragen werden konnten.[32]

Als zusätzlicher Meilenstein in der Integrationspolitik galt die Einführung von Werte- und Orientierungskursen in allen Bundesländern.[33]

Im August kündigte Sebastian Kurz ein Integrationsgesetz nach deutschem Vorbild an. Zentrale Punkte sollen davon sein: Rechtsanspruch auf einen Deutschkurs, zugleich Mitwirkungspflicht bei Sprach- und Wertekursen, verpflichtende gemeinnützige Arbeiten zum Stundenlohn von einem Euro („Ein-Euro-Jobs“ nach deutschem Vorbild), Absenkung der bedarfsorientierten Mindestsicherung für Neuankömmlinge, voller Bezug erst nach fünf Jahren, Vorkehrungen gegen die Verteilung „problematischer Schriften“ durch Salafisten, und nicht zuletzt Maßnahmen gegen „Symbole und Signale einer Gegengesellschaft.“[34]

Tätigkeiten und Positionen als Außenminister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurz besucht während einer Äthiopien-Reise ein somalisches Flüchtlingslager (2016)

Als einen seiner persönlichen Arbeitsschwerpunkte bezeichnet er die Beziehungen zum Westbalkan, weshalb Kurz seinen ersten Auslandsbesuch als Außenminister in Kroatien absolvierte. In einem Interview bezeichnete er Nelson Mandela als ein politisches Vorbild. Ein gutes Verhältnis zu Israel sei Kurz „aus historischer Verantwortung“ und wegen einer positiven Zusammenarbeit der Israelitischen Kultusgemeinde im Integrationsbereich sehr wichtig.[35][36]

In Kurz’ Amtszeit als Außenminister wurden die Mittel für bilaterale Entwicklungszusammenarbeit von ca. 75 auf ca. 150 Millionen und die Mittel für humanitäre Hilfe von 5 auf 20 Millionen Euro erhöht.[37]

Bei einem Besuch in Belgrad am 26. Februar 2014 bekräftigte Kurz die weitere Unterstützung Österreichs für den Beitritt Serbiens in die Europäische Union, auch wegen eines „wirtschaftlichen und politischen Interesses Österreichs“. In Zukunft werde es an der österreichischen Botschaft in Belgrad einen Integrations-Attaché geben, nach einem Vorbild im türkischen Ankara. Kurz und Serbiens Ministerpräsident Aleksandar Vučić sprachen auch über die weitere Zukunft des „sozialen Pulverfasses Bosnien“ und die Beziehungen zwischen Österreich und Serbien im historischen Kontext.[38]

Am 6. April 2014 bezeichnete er den österreichischen Hypo-Skandal als „FPÖ-Verbrechen am Steuerzahler, das das gesamte Budget der Republik belastet und an der noch zukünftige Generationen leiden werden“. Internationalisierung und Globalisierung „müssen als Chancen und nicht als Gefahr wahrgenommen werden“.[39]

Im Mai 2014 verhandelten auf Kurz’ Einladung hin die Außenminister aller ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats in Wien über das iranische Atomprogramm, und es fanden im Rahmen des österreichischen Vorsitzes im Europarat Gespräche mit 30 Außenministern, unter ihnen auch die Außenminister Russlands und der Ukraine, über Auswege aus der Ukraine-Krise in Wien statt.[40][41]

Im Juni 2014 kam es im Rahmen eines Wahlkampf-Besuches des damaligen türkischen Ministerpräsidenten Erdoğan in Wien zu einem Gespräch zwischen diesem und Kurz. Im Vorfeld kritisierte Kurz, dass Erdogan „türkischen Wahlkampf in unser Land getragen und für Unruhe gesorgt habe. Respekt vor dem Gastland sieht eindeutig anders aus“.[42]

Am 27. September 2014 hatte Kurz einen Auftritt vor der UN-Vollversammlung, wo er über die Thematiken IS, Ukraine-Krise und den UN-Amtssitz in Wien redete, was ihm Lob von vielen Amtskollegen einbrachte.[43]

Im März 2015 kündigte Kurz die größte Umstrukturierung des österreichischen Außenministeriums seit dem EU-Beitritt Österreichs 1995 an, in deren Rahmen neben der Öffnung des Auswahlverfahrens für Diplomaten auch eine Reorganisierung des Ministeriums anhand der aktuellen Arbeitsschwerpunkte stattfinden soll.[44]

Kurz verteidigte am 23. April 2015 die Erklärung des österreichischen Nationalrates über den Genozid an den Armeniern 1915, in deren Abfolge die Türkei ihren Botschafter aus Wien abzog und die Beziehungen als „dauerhaft beschädigt“ bezeichnete. Kurz verlangte eine Aussöhnung zwischen Türken und Armeniern in der Zukunft.[45]

Bei einer Rede am 28. April 2015 vor der Überprüfungskonferenz des Atomwaffensperrvertrages bei der UNO in New York City forderte Kurz die vollständige Abschaffung aller Atomwaffen auf der Erde. Diese würden eine „humanitäre Gefahr“ für Umwelt und Mensch darstellen. „In einer vernetzten Welt würden Atomwaffen jeden betreffen. Sie haben tiefe Auswirkungen auf das Überleben der gesamten Menschheit“. Dieser Aufruf wurde von 159 anderen Staaten und dem internationalen Roten Kreuz mitgetragen.[46]

Während der Gedenkfeiern und Militärparaden zum Ende des Zweiten Weltkrieges besuchte Kurz am 5. Mai 2015 zuerst Weißrussland und dann den russischen Außenminister Sergei Lawrow in Moskau und bezeichnete die Annektierung der Krim und die Unterstützung der ostukrainischen Separatisten als „völkerrechtswidrig“. Eine Aufweichung der EU-Sanktionen könne es ohne eine Verbesserung der Lage vor Ort und der Umsetzung des Abkommens Minsk II nicht geben. Aber Friede „könne nicht gegen, sondern nur mit Russland gemacht werden“. Das Blockdenken in Europa gehöre „zurück in die Geschichtsbücher“.[47] Im Juni 2016 griff er den zuvor vom deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier aufgebrachten Vorschlag auf, im Gegenzug zu von Russland eingehaltenen Vereinbarungen aus dem Minsker Abkommen, die Sanktionen schrittweise zurückzunehmen.[48]

Am 21. Mai 2015 war Kurz bei Gesprächen über den Kampf gegen den IS-Terror in Ägypten bei dessen Präsidenten Abd al-Fattah as-Sisi zu Gast, der 2013 durch einen Militärputsch an die Macht gekommen war. Dort sprach sich Kurz für eine Revolution des Islam im Sinne einer moderaten Ausrichtung aus und nannte das Zusammenleben von Kopten und Muslimen in Ägypten als vorbildlich. Er meinte, der Kampf gegen den IS sei „militärisch, aber auch ideologisch“ zu führen, damit werde auch das Flüchtlingsdrama in dieser Region eingedämmt.[49][50]

Im Sommer 2015 forderte Kurz als erster westlicher Politiker die Einbindung von Diktator Assad und löste eine breite Debatte aus, die in den Syrien-Gesprächen mündete. Bei den Syrien-Gesprächen in Wien verhandelten 25 Außenminister, darunter die der fünf UN-Vetomächte (USA, Russland, Großbritannien, Frankreich, China), über einen Ausweg aus den Kriegshandlungen.[51]

Die von Bundesminister Kurz und Johanna Mikl-Leitner, damals Innenministerin, initiierte Westbalkankonferenz in Wien im August 2015 führte zur Schließung der Balkanroute in Mazedonien. Dieses Ereignis wird von der FRONTEX als Hauptursache für das Ende des enormen Flüchtlingsstroms auf der Balkanroute gewertet.

Infolge der Syrien-Gespräche tagten die Außenminister der USA, Russlands, Großbritanniens, Frankreichs, Chinas und 20 weiterer Staaten Anfang 2016 erneut in Wien, um über Lösungen des Krieges in Libyen zu beratschlagen.[52]

Im September 2016 war Sebastian Kurz zu Gast bei der Generalversammlung der UNO und warnte in einer Rede vor Radikalisierung in westlichen Demokratien. Für diese Rede erhielt er breite internationale Anerkennung.[53]

Das Außenministerium und die WKÖ eröffneten im Juni 2016 ein gemeinsames Büro in Kalifornien, um österreichischen Unternehmen den Weg ins Silicon Valley zu erleichtern.

Außenminister Kurz übernahm für Österreich im Jänner 2017 den Vorsitz der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa).[54] In den ersten Tagen der Amtszeit besuchte Kurz das umkämpfte Gebiet der Ost-Ukraine. Im Zusammenhang mit den EU-Sanktionen gegen Russland schlug Kurz ein "System des Zug-um-Zug-Geschäfts" vor. Eine schrittweise Aufhebung der Sanktionen im Gegenzug für Fortschritte im Ukraine-Konflikt könnte nämlich eine "positive Dynamik" auslösen: "Für jede gute Entwicklung vor Ort soll auch ein Teil der Sanktionen gelockert werden."[55]

Das Integrationsgesetz, welches Sebastian Kurz bereits im August 2016 vorgelegt hatte, wurde von der österreichischen Bundesregierung in das neu beschlossene Regierungsprogramm im Jänner 2017 aufgenommen. Es beinhaltet ein Verbot der Vollverschleierung, bzw. ein Burkaverbot im gesamten öffentlichen Raum sowie Kopftuchverbot für Exekutive, Richter und Staatsanwälte. Verboten sind - so wie in Deutschland - künftig auch die Koran-Verteilungen durch Salafisten. Beschlossen wurde auch eine Reihe von technischen Maßnahmen zur elektronischen Überwachung von Dschihad-Rückkehrern.[56]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung bewertete Kurz im Rahmen seines ersten offiziellen Besuches in der deutschen Hauptstadt Berlin als „höchst eloquent“, „prägnant“ und um „keine Antwort verlegen“.[57] Die Deutsche Presse-Agentur sah im Dezember 2014 Kurz als einen von „sieben Gewinnern auf der politischen Weltbühne 2014“.[58] Die bürgerliche österreichische Tageszeitung Die Presse sah Kurz Ende 2015 während der Flüchtlingskrise in Europa als jemanden, der „Ecken und Kanten bekommen“ habe und in der österreichischen Öffentlichkeit neben Johanna Mikl-Leitner die Rolle des „Hardliners“ spiele.[59] Der liberale Standard-Kolumnist Eric Frey und der linke Publizist Robert Misik bezeichneten ihn im selben Kontext als „Desintegrationsminister“.[60][61] Franz Schandl bezeichnete im März 2016 in der linksliberale Zeitung der Freitag Kurz als jemand der ein „freundliches Gesicht“ aufziehe, die inhaltlichen Unterschiede zu den rechtspopulistischen Konkurrenten seien jedoch „marginal“.[62]

Anna von Bayern schrieb, man merke dem Außenministerium ein neues Selbstbewusstsein an; Kurz habe ihm neue Relevanz verliehen. Wien sei wieder ein Zentrum des Dialoges geworden: zuerst mit dem Ukraine-Gipfel 2014, später bei Verhandlungen zum Atom-Deal mit dem Iran. Im Herbst 2015 begannen in Wien die Syrien-Gespräche.[63]

Das US-amerikanische Nachrichtenmagazin Time listete Kurz im Jahr 2017 als einer von zehn „Next Generation Leaders“. Der „Staatsmann der neuen Art“ habe einen neuen Weg gefunden, um mit der Flüchtlingskrise umzugehen (Schließung der Balkanroute im Jahr 2016). Der „pragmatische Weg“ habe funktioniert und wurde von anderen europäischen Politikern übernommen. [64]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sebastian Kurz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sebastian Kurz: Prinz Gutgelaunt profil.at vom 13. Dezember 2013,
  2. Oliver Pink und Thomas Prior: Sebastian Kurz: „Goldene Löffel hatte ich nie im Mund“. In: Die Presse. 23. April 2011, abgerufen am 28. April 2011: „Ich bin ein Meidlinger, kein Hietzinger. Ich bin im Zwölften aufgewachsen und in öffentliche Schulen gegangen.“
  3. [1]
  4. Lebenslauf Sebastian Kurz. Abgerufen am 19. April 2011.
  5. heute.at Sebastian Kurz: "Ich kenne Strache. Er hetzt." vom 21. April 2011
  6. Der neue JVP-Obmann Sebastian Kurz im Porträt. In: DiePresse.com. 4. Mai 2009, abgerufen am 6. März 2016.
  7. Wiener JVP: Dominik Stracke löst Sebastian Kurz ab. In: DiePresse.com. 21. April 2012, abgerufen am 6. März 2016.
  8. JVP-Bundestag: Sebastian Kurz mit 100% als Bundesobmann der Jungen ÖVP wiedergewählt. In: ots.at. 14. April 2012, abgerufen am 6. März 2016.
  9. orf.at - Drei Stellvertreterinnen für ÖVP-Chef Blümel - Sebastian Kurz ist kein Vize mehr. Artikel vom 18. März 2016, abgerufen am 18. März 2016.
  10. ÖVP-Team präsentiert: Kurz "außergewöhnliche Lösung". In: DiePresse.com. 19. April 2011, abgerufen am 10. März 2016.
  11. Biografie von Sebastian Kurz. In: parlament.gv.at. Abgerufen am 10. März 2016.
  12. Kabinett Faymann II: Neue Regierung offiziell im Amt. In: Profil. 16. Dezember 2013, abgerufen am 10. März 2016.
  13. Vergl. Sebastian Kurz: Integration durch Leistung: In: Global View (Magazin der ÖGAVN und AFA) 2/2013, Meinung, S. 14–15 (pdf, afa.at).
  14. Zweites verpflichtendes Kindergartenjahr angedacht. In: Wiener Zeitung. 15. Juni 2011, abgerufen am 26. Oktober 2011.
  15. Integrationsbericht 2011
  16. Der Standard: 20 Vorschläge, aber "keine Weltformel", 6. Juli 2011
  17. Tiroler Tageszeitung: Integration als Nagelprobe für Österreich, 7. Juli 2011
  18. Dominik Sinnreich: Migranten dürfen bald zu Feuerwehren. In: Kurier. 31. August 2011, abgerufen am 26. Oktober 2011.
  19. STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H.: Integration: Mehr Geld für Sprach- und Wertekurse. Abgerufen am 27. September 2016.
  20. Kurz: „Reform des Staatsbürgerschaftsgesetzes.“ In: Staatssekretariat für Integration. 30. April 2013, abgerufen am 6. Mai 2013.
  21. Staatsbürgerschaftsgesetz – beschlossene Änderungen (Stand 30. Juli 2013)
  22. Kurz: „Die Jungen sollen wissen, was sie Gesetze kosten werden“. In: Tiroler Tageszeitung. 14. September 2011, abgerufen am 26. Oktober 2011.
  23. Franziska Troger (Österreichischer Integrationsfonds): Sebastian Kurz präsentiert gemeinsam mit Integrationsbotschafter/innen ZUSAMMEN:ÖSTERREICH #stolzdrauf. Abgerufen am 17. Juni 2015.
  24. Judith Pointner: #stolzdrauf: Jetzt hagelt es Kritik. In: Oberösterreichische Nachrichten. 11. November 2014, abgerufen am 16. Juni 2016.
  25. Maria Sterkl: Kampagne „#stolzdrauf“: Mindestens 450.300 Euro für Werbung. In: Der Standard. 17. April 2015, abgerufen am 16. Juni 2016.
  26. Sebastian Kurz:Pegida Demos helfen uns nicht. Abgerufen am 17. Juni 2015.
  27. http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/oesterreich/politik/737044_Kritik-vor-Islamgesetz-Beschluss.html.
  28. http://kurier.at/politik/ausland/sebastian-kurz-der-islam-gehoert-zu-europa/121.995.499.
  29. Sozialleistungen: FPÖ sieht Kurz auf ihren Kurs umschwenken. Abgerufen am 17. Juni 2015.
  30. Kurz will Sozialgeld für Ausländer nicht sofort zahlen. Abgerufen am 17. Juni 2015.
  31. STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H.: Kurz will höhere Strafen für Schulschwänzer. Abgerufen am 27. September 2016.
  32. Neues Anerkennungs- und Bewertungsgesetz. In: Österreichischer Integrationsfonds. Abgerufen am 27. September 2016.
  33. Integrationsplan: Wertekurse oder weniger Sozialhilfe - news.ORF.at. 19. November 2015, abgerufen am 27. September 2016 (de-de).
  34. Kurz kündigt Integrationsgesetz an – news.ORF.at. 18. August 2016, abgerufen am 6. Oktober 2016 (de-de).
  35. Außenminister Kurz auf Kurzbesuch in Kroatien. In: Der Standard. 20. Dezember 2013, abgerufen am 22. Dezember 2013.
  36. Kurz: Der Westbalkan ist meine Schwerpunktregion. In: Heute (österreichische Zeitschrift). 17. Dezember 2013, abgerufen am 17. Juni 2015.
  37. STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H.: Regierung erhöht Entwicklungshilfe-Beitrag. Abgerufen am 27. September 2016.
  38. Sebastian Kurz will Serbien auf dem Weg in die EU helfen. Abgerufen am 17. Juni 2015.
  39. Kurz: Noch Generationen werden an der Hypo leiden. Abgerufen am 17. Juni 2015.
  40. http://derstandard.at/2000008551205/Iran-Gespraeche-als-Imagegewinn-fuer-Wien
  41. http://kurier.at/politik/ausland/europarat-grosser-ukraine-gipfel-in-der-wiener-hofburg/64.034.284
  42. Kurz traf Erdogan: Schädlich für die Integration. Abgerufen am 17. Juni 2015.
  43. diepresse.com.
  44. [2]
  45. [3]
  46. Atomwaffen: Kurz als humanitärer Kassandra-Rufer. Abgerufen am 18. Juni 2015.
  47. Sebastian Kurz: Harte Bandagen in Moskau. Abgerufen am 17. Juni 2015.
  48. Der Standard: Ende der Russland-Sanktionen rückt näher, 20. Juni 2016
  49. http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/4736675/Kurz-sieht-in-Aegypten-Gegenmodell-zum-Kalifat.
  50. http://derstandard.at/2000016164601/Umstrittener-Besuch-von-Aussenminister-Kurz-bei-Praesident-Sisi.
  51. STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H.: Gipfel zu Syrien und Libyen in Wien. Abgerufen am 27. September 2016.
  52. STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H.: Gipfel zu Syrien und Libyen in Wien. Abgerufen am 27. September 2016.
  53. STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H.: UN-Rede: Kurz warnt vor Islamismus und atomarer Rüstung. Abgerufen am 27. September 2016.
  54. Österreich übernimmt 2017 Vorsitz der OSZE. Abgerufen am 27. September 2016.
  55. christian.schwarz: OSZE-Vorsitzender Sebastian Kurz: "Brauchen mehr Aufmerksamkeit für Ukraine-Konflikt". (kurier.at [abgerufen am 3. Februar 2017]).
  56. Regierungspakt Neu: Burkaverbot, Fußfessel. Abgerufen am 3. Februar 2017.
  57. |url=http://kurier.at/politik/inland/aussenminister-in-deutschen-medien-sebastian-kurz-der-junge-metternich/46.313.665
  58. [4]. Weitere Genannte waren EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und der indische Premierminister Narendra Modi.
  59. Oliver Pink: Sebastian Kurz: Law and Border. In: Die Presse. 12. Dezember 2015, abgerufen am 6. März 2016.
  60. Eric Frey: Desintegrations-Minister Kurz. In: Der Standard. 10. Dezember 2015, abgerufen am 6. März 2016.
  61. Robert Misik: Österreichs Krawalldiplomatie: Kurz-Geschichte eines Fiaskos. In: Der Standard. 28. Februar 2016, abgerufen am 6. März 2016.
  62. www.freitag.de
  63. FOCUS Online: Euro-Star: Das macht Österreichs Außenminister so erfolgreich. Abgerufen am 29. September 2016.
  64. Simon Shuster: A New Kind of Statesman. In: Time. 2. März 2017, abgerufen am 6. März 2017.