Syberia

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Syberia ist eine Grafik-Adventure-Reihe des belgischen Autors und Comiczeichners Benoît Sokal in Zusammenarbeit mit dem französischen Spieleentwickler Microïds. Die Handlung um eine junge Anwältin spielt scheinbar in unserer Gegenwart, die Spielwelt ist aber stark durch Steampunk-Elemente und eine letztlich rein fiktionale Hauptgeschichte geprägt.

Nach Übernahme des Entwicklungsstudios durch Anuman Interactive Anfang des Jahres 2010 wurde das ursprünglich für Microsoft Windows und auf den zur Entstehungszeit verbreiten Videospielkonsolen erschienene Spiel noch auf weitere Plattformen, vor allem für mobile Geräte portiert. Ein dritter Teil der Reihe war seit Ende 2014 in der Entwicklung und ist am 20. April 2017 erschienen.

Syberia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste Teil der Reihe wurde bis 2002 von Benoît Sokal im Entwicklungsstudio des französischen Unternehmens Microïds in Montreal, Kanada entwickelt.

Kate Walker.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Syberia erzählt die Geschichte der jungen New Yorker Anwältin Kate Walker, die von ihrem Arbeitgeber in das Alpendorf Valadilène entsandt wird, um den Verkauf einer Spielzeugautomatenfabrik zu regeln. Der Handel kommt aber nicht wie geplant zustande, da die Besitzerin der Fabrik, Anna Voralberg, kurz vor dem Eintreffen von Kate Walker verstorben ist. Aus ihrem Testament geht überraschend hervor, dass es möglicherweise einen Erben gibt: Annas Bruder Hans, dessen Unfalltod vor 50 Jahren offenbar vorgetäuscht war.

Hans erwies sich sehr früh als begabter Konstrukteur, eine Fähigkeit, die auch durch einen schweren Unfall in seiner Kindheit nicht beeinträchtigt wurde. Nachdem er als kleiner Junge mit seiner Schwester eine Höhle erforscht und darin die uralte Puppe eines Mammuts entdeckt hatte, war er bei dem Versuch schwer verunglückt, die Puppe zu bergen. Als Folge des Unfalls blieb er körperlich geschwächt und geistig auf dem Entwicklungsstand eines Kindes stehen. Ihr strenger Vater, ein Spielzeugfabrikant, kam nur schwer damit zurecht, dass sein Sohn nun ein „Trottel“ war. Nur in die Fabrik durfte Hans ihn begleiten, wo dieser sich bald als Genie in der Entwicklung aufziehbarer Automaten entpuppte. Als Hans das Elternhaus und die Fabrik verließ, um einem großen Traum zu folgen, der ihn seit dem Unfall nicht mehr losgelassen hatte, inszeniert sein Vater ein Begräbnis seines Sohnes.

Um den Kauf der Fabrik doch noch abschließen zu können, muss sich Kate Walker auf die Suche nach Annas Bruder machen, der vor mittlerweile 50 Jahren in Richtung Osten verschwunden ist. Kate erfährt, dass er seither nach einer Insel namens Syberia sucht, auf welcher er eine Herde noch heute lebender Mammuts vermutet. Seiner Schwester hatte er über die Jahre mehrmals Nachricht von seinem Verbleib und zuletzt Konstruktionspläne für einen Zug mit automatischem Zugführer zukommen lassen.

Mit dem von Hans entworfenen Zug und dem Automaten Oscar begibt sich Kate auf seine Spuren. Zuerst erreicht sie die Universitätsstadt Barrockstadt, dann das längst verlassene Komkolzgrad und zuletzt das heruntergekommene Seebad Aralbad. Dort schließlich findet sie Hans, der den Verkaufsvertrag unterzeichnet und dann im Zug mit Oscar weiter in Richtung Syberia reisen will. In letzter Sekunde entscheidet sich Kate, ihn zu begleiten und nicht nach New York zurückzureisen, und springt auf den abfahrenden Zug auf.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Spiel wurde mit einem Budget von zwei Millionen US-Dollar und 35 Teammitgliedern vollständig in Montreal entwickelt. Technische Basis war das Virtools Development Environment in Version 2.1. In einem Interview deutete Benoît Sokal an, dass ursprünglich nur ein Spieletitel für das ganze Syberia-Thema geplant war. Die Aufteilung erfolgte, weil sich die Geschichte für ein einzelnes Adventure als zu groß erwies.

Im Jahr 2014 wurde Syberia für Android veröffentlicht. Für diese Version implementierten die Entwickler erstmals eine Autosave-Funktion, die an bestimmten Schlüsselstellen den Spielstand automatisch sichert.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„… Eine Welt zwischen Realität und Fiktion muss gekonnt in Szene gesetzt werden. ´Syberia´ schafft diese Verschmelzung beider Gegensätze mit einer erschreckenden Leichtigkeit, dass man oft vergisst, das gewisse Dinge nicht wirklich existieren. Sprechende menschenähnliche Roboter scheinen leicht als Fiktion abgetan zu sein, aber auch Tiere und dergleichen wurden erfunden und man merkt es oft nicht einmal. Die Grafik an sich strotzt mit 800x600 Bildpunkten, für Adventure eher unüblich, aber sehr detailreich. Die in 32-Bit getauchte Farbwelt tut da ihr übriges zur gelungenen Präsentation. Grafisch ist hier alles gekonnt in Szene gesetzt. Die vorgerenderten Hintergründe sehen wirklich toll aus, sind sehr detailverliebt, wirken aber oft starr und leblos.“

adventuresunlimited.de[1]

„… Zusammen mit den meist langweiligen Dialogen und den stark eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten leidet die Atmosphäre trotz kafkaesker Storyelemente und ordentlicher Synchro empfindlich und auch die im Mittelpunkt stehenden Rätsel sind in der Regel entweder banal oder an den Haaren herbeigezogenen. … Syberia wirkt einfach in jeder Hinsicht leb- und lieblos.“

4Players.de[2]

„Langweiliges Adventure mit schöner Grafik.“

gamestar.de[3]

Bei Metacritic ist das Spiel mit einer im Vergleich sehr guten Wertung von 84 % gelistet.

Syberia II[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Syberia II ist der Nachfolger von Syberia und wurde 2004 von Microïds veröffentlicht.[4] Benoît Sokal war wieder der Hauptentwickler. Die Musik stammt vom Komponisten Inon Zur.

Oscar.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem sich Kate entschieden hat, Hans Voralberg auf seiner Suche nach Syberia zu begleiten, fährt der Zug in den Bahnhof von Romansburg ein, ein kleines, verschlafenes Dorf in der Tundra am äußersten Rand der Zivilisation. Der Automat Oscar gibt zu bedenken, dass ein mechanischer Zug keine Wärme erzeugt und sie vor der Weiterfahrt nach Norden einen Vorrat an Kohle zum Heizen mitnehmen sollten. Bis Kate jedoch die Kohle organisiert hat, erkrankt Hans schwer. Weil es im Dorf keinen Arzt gibt, wendet sie sich an den Abt eines in der Nähe gelegenen Klosters, der im Ruf steht, über besondere Heilkräfte zu verfügen. Über Umwege lernt Kate dort weitere Details über das alte Volk der Youkol und deren sagenumwobene Verbindung zu den Mammuts, von denen sie schon in Barockstadt gehört hat.

In der Zwischenzeit setzt ihr Chef, der sie bereits seit Wochen in New York zurückerwartet und der auch von ihrer Familie zum Handeln gedrängt wird, einen Agenten ein, der nach ihr suchen soll. Bevor dieser jedoch in Romansburg eintrifft, wird der Zug mit dem wieder genesenen Hans an Bord entführt. Kate gelingt es, den Zug einzuholen, als sich die Entführer in die Zugsteuerung einmischen und der Zug deshalb liegen bleibt. Es gelingt schließlich, mit dem Zug eine Siedlung der Youkol zu erreichen und sowohl den Agenten als auch die Entführer loszuwerden. Am Ende ihrer Reise finden Hans und Kate das sagenumwobene Syberia und entdecken dort tatsächlich noch eine Herde lebender Mammuts. Hans geht mit den Mammuts mit und das Spiel endet in einem Happy End.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Spiel wurde in 13 Monaten, erneut auf Basis des Virtools Development Environment entwickelt. Die Entwicklungsumgebung hatte inzwischen jedoch Versionsnummer 3.0 erreicht.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie schon der erste Teil, erhielt auch Syberia II dafür Kritik, dass es zu wenig Handlungsmöglichkeiten gibt und die Rätsel über einfaches Ausprobieren zu lösen sind. Eine teilweise sehr schlechte Erkennbarkeit der manipulierbaren Objekte macht dem Spieler das Leben aber unnötig schwer.[5]

Auf Adventurespiele spezialisierte Seiten wie Just Adventure oder Adventure Gamers lobten das Spiel für seine schöne, künstlerische Grafik und die sehr gut zur melancholischen Stimmung der Geschichte passende musikalische Untermalung. Bei Metacritic ist das Spiel mit 80 % auch nur geringfügig schlechter bewertet als der erste Teil.

Syberia 3[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Syberia 3

Obwohl Autor Benoît Sokal im Jahr 2005 erklärt hatte, dass die Geschichte mit Veröffentlichung des zweiten Teils abgeschlossen und daher keine Fortsetzung geplant sei, kündigte Microïds im April 2009 an, man werde umgehend die Entwicklung eines dritten Teils in Angriff nehmen. Nach Übernahme des Entwicklungsstudios im Jahr 2010 durch Anuman Interactive, wurden die Pläne zunächst nicht weiterverfolgt. Die überaschende Ankündigung im November 2012, man werde mit dem belgischen Autoren auf Veröffentlichung eines dritten Teils der Reihe im Jahr 2013 hinarbeiten, blieb über die Jahre ohne sichtbare Folgen.[6] Ende 2014 kam das Projekt aber wieder in Gang und auf der Messe Gamescom 2015 in Köln gab Sokal die erneute Zusammenarbeit mit dem Komponisten Inon Zur für den Soundtrack zu einem dritten Teil der Serie bekannt, der im Herbst 2016 erscheinen sollte.[7] Etwa sechs Monate später als angekündigt erschien das Spiel schließlich im April 2017.

Der dritte Teil knüpft an die bisherigen Teile an. Syberia 3 bietet jedoch eine in sich abgeschlossen Geschichte. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern, die eine enge Einheit bilden, das dass der Handlungsstrang des ersten Teils erst mit Abschluss des zweiten Teils vervollständigt ist. Durch Verwendung der aktuellen Unity-Spielengine hebt sich das neue Spiel auch technisch von den beiden ersten Teilen mit ihren vorgerenderten Hintergründen ab. Die Entwickler haben auf die erweiterten Möglichkeiten der Engine zur Aufwertung der Grafik zurückgegriffen und um dem Spieler den Eindruck einer frei begehbaren 3D-Welt zu vermitteln. Der Charakter des Spiels als traditionelles Point-and-Click-Adventure sollte aber dabei nicht verändert werden.

Verschiedenes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 2009 erschien die Sammlung Adventure Collection 1: Best of Benoit Sokal für den PC, welches die Spiele Syberia und Syberia II sowie Paradise in einer Box beinhaltete.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Syberia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Syberia. In: adventuresunlimited.de. Abgerufen am 29. Oktober 2016.
  2. Jens Bischoff: Syberia: Test, Fazit und Wertung (PlayStation2). In: 4Players. 13. Juni 2003, abgerufen am 17. April 2011.
  3. Syberia (PC) - Wertung, Fazit. In: GameStar. Abgerufen am 29. Juli 2012.
  4. Syberia II. In: GameSpot. 20. März 2004, abgerufen am 17. Juni 2013 (englisch).
  5. Syberia 2 - PC. Röntgenblick benötigt. In: GameStar. 25. Mai 2004, abgerufen am 5. Juli 2015.
  6. Peter Steinlechner: Syberia 3: Adventure erwacht mit Termin. In: Golem.de, 9. Februar 2017, abgerufen am 22. April 2017
  7. Sasha Lohmüller: Microids-Fünferpack: Syberia 3 und Co. in der Gamescom-Vorschau, in: PC Games, 7. August 2015, abgerufen am 29. Oktober 2016