Tüpfelfarngewächse

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Tüpfelfarngewächse
Gewöhnlicher Tüpfelfarn (Polypodium vulgare)

Gewöhnlicher Tüpfelfarn (Polypodium vulgare)

Systematik
Reich: Pflanzen (Plantae)
Abteilung: Gefäßpflanzen (Tracheophyta)
Farne
Klasse: Echte Farne (Polypodiopsida)
Ordnung: Tüpfelfarnartige (Polypodiales)
Familie: Tüpfelfarngewächse
Wissenschaftlicher Name
Polypodiaceae
Bercht. & J.Presl

Die Tüpfelfarngewächse (Polypodiaceae; vgl. griechisch polys „viel“, und pous/podos „Fuß“) bilden eine Pflanzenfamilie innerhalb der Abteilung der Farne (Polypodiophyta).

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es handelt sich um ausdauernde krautige Pflanzen. Unter den Tüpfelfarnen gibt es viele Epiphyten. Arten der Polypodiaceae bilden ein kriechendes Rhizom, das von Spreuschuppen umhüllt ist. Am Rhizom stehen die meist wenig gegliederten, in der Regel nur einfach gefiederten oder fiederschnittigen Wedel. Oft ist die Blattspreite relativ derb. Bei vielen Arten sind die sterilen Blätter und die Sporophylle verschieden gestaltet. Manche Arten besitzen sogar zwei Arten von sterilen Blättern (Heterophyllie).

Ihren Namen haben die Tüpfelfarne von den kreisrunden Sori, die meist ohne Schleier (Indusium) auf der Unterseite der Blätter angeordnet sind. Die Blätter bekommen dadurch ein typisch getüpfeltes Aussehen. Bei einigen Arten gehen die Sori allerdings ineinander über, so dass die Unterseite der Sporophylle dann ganz von Sporangien bedeckt ist.

Systematik und Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Familie Polypodiaceae wurde durch Bedřich Všemír von Berchtold und Jan Svatopluk Presl aufgestellt.

Diese Farne gedeihen zumeist in den Subtropen bis Tropen. Nur ganz wenige Arten kommen auch in den gemäßigten Breiten vor, in Europa beispielsweise nur vier[1] Arten der Tüpfelfarne (Polypodium). In China gibt es etwa 39 Gattungen mit etwa 267 Arten, etwa 82 nur dort (Stand 2013).[2] Die Tüpfelfarngewächse besiedeln unterschiedlichste Standort und wachsen auch als Epiphyten.[3]

Die Gliederung der Familie der Tüpfelfarngewächse (Polypodiaceae) ist umstritten. Je nach Auffassung gibt es (10 bis) über 50 Gattungen mit (500 bis) etwa 1200 Arten.[2] In jedem Fall handelt es sich um die artenreichste Farn-Familie:

Eichenblättriger Korbfarn (Drynaria quercifolia)
Geweihfarn (Platycerium alcicorne)
Südlicher Tüpfelfarn (Polypodium cambricum)
  • Acrosorus Copel.: Die etwa fünf Arten kommen von Malesien bis zu den Samoa-Inseln vor.
  • Adenophorus Gaudich.: Die etwa acht Arten kommen nur auf Hawaii vor.
  • Aglaomorpha Schott (Syn.: Holostachyum Copel., Merinthosorus Copel., Photinopteris J.Sm., Pseudodrynaria (C.Chr.) C.Chr., Psygmium C.Presl): Die etwa 31 Arten gedeihen im tropischen Asien vom Himalaja bis Taiwan. Das Zentrum der Artenvielfalt ist Malesien.[2]
  • Arthromeris (T.Moore) J.Sm. (Syn.: Pleopeltis sect. Arthromeris T.Moore): Die etwa 20 Arten gedeihen vom subtropischen bis tropischen Asien. In China kommen etwa 17 Arten, 8 davon nur dort.[2]
  • Calymmodon C.Presl (Syn.: Plectopteris Fée): Die etwa 30 Arten sind von Sri Lanka über Indomalesien, Australien bis auf pazifischen Inseln verbreitet. In China kommen drei Arten vor.[2]
  • Riemenfarne (Campyloneurum C.Presl): Die 25 bis 45 Arten gedeihen in der Neotropis.
  • Caobangia A.R.Sm & X.C.Zhang: Es gibt nur eine Art:
  • Ceradenia L.E.Bishop: Es gibt etwa 40 Arten.
  • Christopteris Copel.: Die etwa drei Arten kommen im tropischen Asien vor, eine davon in China.[2]
  • Chrysogrammitis Parris: Die etwa zwei Arten kommen von Sri Lanka über China bis auf Pazifischen Inseln vor.[2]
  • Cochlidium Kaulf.: Es gibt etwa zwölf Arten.
  • Colysis C.Presl: Die etwa 30 Arten gedeihen in den Tropen Afrikas und Asiens.
  • Ctenopteris Blume ex Kunze: Die etwa zwölf Arten gedeihen in den Tropen von Afrika über China (eine Art) bis auf Pazifischen Inseln.[2]
  • Dasygrammitis Parris: Die etwa sechs Arten kommen von Sri Lanka über China (eine Art) bis auf Pazifischen Inseln vor.[2]
  • Dicranoglossum J.Sm.: Die etwa fünf Arten gedeihen in der Neotropis.
  • Dictymia J.Sm.: Die bis zu vier Arten kommen in Australien, Neuguinea und auf den Fidschi-Inseln vor.
  • Drynaria (Bory) J.Sm. (Syn.: Polypodium subg. Drynaria Bory): Die etwa 16 Arten gedeihen in der Paläotropis. In China kommen neun Arten vor, eine davon nur dort.[2]
  • Enterosora Baker: Es gibt etwa 13 Arten.
  • Goniophlebium (Blume) C.Presl (Syn.: Polypodium sect. Goniophlebium Blume, Polypodium subg. Goniophlebium (Blume) C.Chr., Schellolepis J.Sm.): Die etwa 20 Arten kommen hauptsächlich im tropischen Asien vor.[2] Beispielsweise kommen zwei Arten in China[2] und eine Art auf den Fidschi-Inseln vor.
  • Grammitis Sw.: Es gibt 100 bis 150 Arten.
  • Gymnogrammitis Griffith: Es gibt nur eine Art:[2]
  • Himalayopteris W.Shao & S.G.Lu. Diese Gattung wurde 2011 aufgestellt und enthält nur eine Art:
    • Himalayopteris erythrocarpa (Mettenius ex Kuhn) W.Shao & S.G.Lu (Syn.: Polypodium erythrocarpum Mettenius ex Kuhn): Diese Neukombination erfolgte 2011. Sie kommt im Himalaja in Bhutan, Sikkim, Nepal und in Mêdog in Tibet vor.
  • Kontumia S.K.Wu & P.K.Loc: Es gibt nur eine Art:
  • Lecanopteris Reinw.: Es gibt eine bis etwa drei Arten in Malesien.
  • Lellingeria A.R.Sm. & R.C.Moran: Es gibt etwa 55 Arten.
  • Lemmaphyllum C.Presl (Syn.: Lepidogrammitis Ching): Es gibt bis zu neun Arten. Das Zentrum der Artenvielfalt ist das südliche China. In China kommen etwa fünf Arten vor, zwei davon nur dort. Wenige Arten gibt es in Indien, Japan, Korea, Myanmar, Thailand, Malaysia und auf den Philippinen.[2]
  • Lepidomicrosorium Ching & K.H.Shing: Die etwa drei Arten sind hauptsächlich im zentralen bis südwestlichen China (drei Arten) verbreitet und kommen auch bis ins nördliche Vietnam sowie den östlichen Himalajaraum vor.[2]
  • Lepisorus (J.Sm.) Ching (Syn.: Drynaria sect. Lepisorus (J.Sm.), Belvisia Mirbel, Drymotaenium Makino, Hymenolepis Kaulfuss non Cass., Macroplethus C.Presl, Platygyria Ching & S.K.Wu): Von den etwa 80 Arten kommen die meisten in Ostasien, wenige in Afrika und eine in Hawaii vor. In China gibt es etwa 49 Arten, 23 davon nur dort.[2]
  • Leptochilus Kaulf. (Syn.: Colysis C.Presl, Dendroglossa C.Presl, Gymnopteris C.Presl non Bernhardi, Myuropteris C.Chr.): Die etwa 25 Arten sind in Asien verbreitet. In China kommen etwa 13 Arten vor, 2 davon nur dort.[2]
  • Loxogramme (Blume) C.Presl (Syn.: Anarthropteris Copel. Antrophyum sect. Loxogramme Blume): Die etwa 33 Arten sind pantropisch verbreitet, hauptsächlich im tropischen Asien. Eine Art kommt in Zentralamerika, eine auf Pazifischen Inseln, vier Arten in Afrika vor. In China gibt es etwa zwölf Arten, eine davon nur dort.[2]
  • Luisma M.T.Murillo & A.R.Sm.: Es gibt nur eine Art:
  • Melpomene A.R.Sm. & R.C.Moran: Es gibt 21 Arten.
  • Microgramma C.Presl (Syn.: Solanopteris Copel.): Die 20 bis 28 Arten gedeihen in der Neotropis.
  • Micropolypodium Hayata, mit etwa 22 Arten
  • Microsorum Link, mit 33 bis 60 Arten. Sie kommen hauptsächlich im tropischen Asien vor, wenige in Afrika; fünf Arten in China.[2]
  • Neocheiropteris Christ (Syn.: Neolepisorus Ching), mit etwa neun Arten
  • Neurodium Fée: Es gibt nur eine Art:
  • Niphidium J.Sm.: Die etwa zehn Arten sind in Südamerika verbreitet.
  • Pecluma M.G.Price, mit etwa 34 Arten. Sie kommen in Nord-, Mittel- und Südamerika und in der Karibik vor.[4]
  • Phlebodium (R.Br.) J.Sm.: Die fünf bis zehn Arten gedeihen in Nord-, Mittel- und in Südamerika.[4]
  • Phymatosorus Pic.Serm.: Die 12 bis 18 Arten kommen ursprünglich in den Tropen der Alten Welt vor; sind aber teilweise Neophyten in der Neotropis.[2]
  • Geweihfarne (Platycerium Desv.)[5]: Es gibt 9 bis 18 Arten. Etwa acht Arten kommen in Südostasien vor, etwa sechs Arten in Afrika und Madagaskar, nur eine Art in Südamerika.[2]
  • Pleopeltis Humb. & Bonpl. ex Willd.: Die mindestens 56 Arten gedeihen in Amerika, Afrika und in Indien.[4]
  • Pleurosoriopsis Fomin: Es gibt nur eine Art:
  • Podosorus Holttum, mit nur einer Art:
  • Polypodiodes Ching: Die etwa 17 Arten kommen im tropischen und subtropischen Asien vor.[2]
  • Tüpfelfarne (Polypodium L.)[5], mit etwa 160 Arten
  • Prosaptia C. Presl, mit mindestens einer bis etwa 60 Arten. Sie kommen von Sri Lanka und China bis Australien und auf Pazifischen Inseln vor.[2]
  • Pyrrosia Mirbel (Syn.: Drymoglossum C.Presl): Die 60 bis 100 Arten gedeihen hauptsächlich im tropischen Asien, nordwärts bis zum Himalaja, China und Japan, östwärts bis Neuseeland.[2]
  • Scleroglossum Alderw., mit zwei bis sechs Arten. Sie kommen von Sri Lanka und China bis Australien und auf Pazifischen Inseln vor.[2]
  • Selliguea Bory (Syn.: Crypsinus C. Presl, Polypodiopteris C.F.Reed): Die etwa 75 Arten kommen im tropischen und subtropischen Asien, in Australien, auf Inseln im Pazifik, im südlichen Afrika und in Madagaskar vor.[2]
  • Serpocaulon A.R.Sm.: Es gibt etwa 40 Arten.
  • Synammia C.Presl: Es gibt nur eine Art:
  • Terpsichore A.R.Sm.: Es gibt etwa 57 Arten.
  • Themelium (T.Moore) Parris: Die etwa 20 Arten sind von Indonesien bis zu Pazifischen Inseln verbreitet.[2]
  • Thylacopteris Kunze ex J.Sm.: Es gibt nur eine Art:
  • Zygophlebia L.E.Bishop: Es gibt etwa elf Arten.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige Arten werden als Zimmerpflanzen (beispielsweise der Goldtüpfelfarn (Phlebodium aureum)) verwendet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alan R. Smith, Kathleen M. Pryer, Eric Schuettpelz, Petra Korall, Harald Schneider, Paul G. Wolf: A classification for extant ferns. In: Taxon. Band 55, Nr. 3, 2006, ISSN 0040-0262, S. 705–731, Abstract, PDF-Datei.
  • Zhang Xianchun, Shugang Lu, Youxing Lin, Qi Xinping, Shannjye Moore, Prof. Fuwu Xing, Wang Faguo, Peter H. Hovenkamp, Michael G. Gilbert, Hans P. Nooteboom, Barbara S. Parris, Christopher Haufler, Masahiro Kato, Alan R. Smith: Polypodiaceae, S. 758-845 – textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 2–3: Lycopodiaceae through Polypodiaceae. Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2013, ISBN 978-1-935641-11-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. T. G. Tutin, N. A. Burges, A. O. Chater, J. R. Edmondson, V. H. Heywood, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea. 2., überarbeitete Auflage. Volume 1: Psilotaceae to Platanaceae. Cambridge University Press, Cambridge/New York/Melbourne 1993, ISBN 0-521-41007-X, S. 15–16 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad Zhang Xianchun, Shugang Lu, Youxing Lin, Qi Xinping, Shannjye Moore, Prof. Fuwu Xing, Wang Faguo, Peter H. Hovenkamp, Michael G. Gilbert, Hans P. Nooteboom, Barbara S. Parris, Christopher Haufler, Masahiro Kato, Alan R. Smith: Polypodiaceae, S. 758-845 – textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 2–3: Lycopodiaceae through Polypodiaceae. Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2013, ISBN 978-1-935641-11-7.
  3. Christel Kasselmann: Polypodiaceae. In: Claus Schaefer, Torsten Schröer (Hrsg.): Das große Lexikon der Aquaristik. Eugen Ulmer, Stuttgart 2004, ISBN 3-8001-7497-9, S. 800.
  4. a b c Alan R. Smith : Polypodiaceae J. Presl & C. Presl. In: Flora of North America, vol. 2. [1].
  5. a b Walter Erhardt, Erich Götz, Nils Bödeker, Siegmund Seybold: Der große Zander. Enzyklopädie der Pflanzennamen. Band 2. Arten und Sorten. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2008, ISBN 978-3-8001-5406-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Tüpfelfarngewächse (Polypodiaceae) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien