Thomas Buergenthal

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Thomas Buergenthal (Juni 2010)

Thomas Buergenthal (* 11. Mai 1934 in Ľubochňa, Tschechoslowakei), ist ein US-amerikanischer Jurist mit deutschen Wurzeln.

Biographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thomas Buergenthals Eltern waren nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 aus dem Deutschen Reich in die Tschechoslowakei geflohen. Er wurde als Kind in das Zwangsghetto in Kielce im besetzten Polen und später in die Konzentrationslager von Auschwitz und Sachsenhausen verschleppt. Im Winter 1944/45 überlebte er einen der Todesmärsche aus den Konzentrationslagern. Nach der Befreiung lebte er mit seiner Mutter in Göttingen.[1]

Am 4. Dezember 1951 wanderte Buergenthal in die USA aus. Er studierte am Bethany College in West Virginia (Abschluss 1957) und absolvierte danach von 1957 bis 1960 das Jurastudium an der New York University School of Law, das er mit dem Titel Juris Doctor (J.D.) abschloss. Er erwarb sodann in einem Nachdiplomstudium an der Harvard University School of Law die Titel eines Master of Laws (LL.M.) und eines Doctor of Juridical Science (S.J.D.).

Buergenthal war von 1962 bis 2000 an verschiedenen amerikanischen Universitäten Professor:

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Daneben war Buergenthal Richter an verschiedenen internationalen Gerichten und beschäftigte sich dabei insbesondere mit Fällen von Menschenrechtsverletzungen. In den 1970er Jahren gehörte er einer kleinen Gruppe US-amerikanischer Juristen an, die sich auf internationales Recht spezialisiert hatten. Ihr Ziel war es, der Thematik der Menschenrechte auch über die USA hinaus zu größerer Bedeutung zu verhelfen. Buergenthal wirkte in diesem Sinne an der Gründung des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte mit und wurde im Jahre 1979 zu dessen Richter ernannt.

Von der UNO wurde er im Jahr 1992 als Mitglied in die Wahrheitskommission für El Salvador berufen.[2] Ab dem 2. März 2000 war er Richter am Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag. Mit Wirkung zum 6. September 2010 legte er sein Richteramt nieder und beendete damit seine bis zum 5. Februar 2015 dauernde Amtszeit vorzeitig, um an die George Washington University zurückzukehren. Zu seiner Nachfolgerin am IGH wurde Joan E. Donoghue gewählt.

Ausgewählte Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Law-Making in the International Civil Aviation Organization (1969)
  • International Protection of Human Rights (zusammen mit L. B. Sohn, 1973)
  • Public International Law (zusammen mit S. Murphy, 4. Aufl. 2007)
  • International Human Rights (zusammen mit D. Shelton und D. Stewart, 3. Aufl. 2002)
  • Protecting Human Rights in the Americas (zusammen mit D. Shelton, 4. Aufl. 1995)
  • Ein Glückskind: Wie ein kleiner Junge zwei Ghettos, Auschwitz und den Todesmarsch überlebte und ein zweites Leben fand bzw. … ein neues Leben …. Frankfurt am Main, Fischer, 2007. 272 Seiten. ISBN 3-10-009652-5 (Lizenzausgabe Büchergilde, Frankfurt; Rezensionen von shoa.de, Wilfried Weinke: Tag für Tag. In: DIE ZEIT 13/2006 S. 45; von Soraya Levin Kindheit im Holocaust bei rezensionen.ch am 14. Mai 2007)
  • Ein Glückskind, Hörbuch, Interpret: Uwe Friedrichsen, mit einem Epilog von Thomas Buergenthal. Düsseldorf, Patmos, 2008. ISBN 978-3-491-91270-0

Ehrungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Göttingen wurde 2008 das Haus der Stadtbibliothek nach Buergenthal benannt. Im Rahmen eines Festaktes und in seiner Anwesenheit wurde die Namensgebung am 8. April 2008 vollzogen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Profile: Thomas Buergenthal, United States. Judge of the International Court of Justice. In: Daniel Terris, Cesare P.R. Romano, Leigh Swigart: The International Judge: An Introduction to the Men and Women Who Decide the World's Cases. Brandeis University Press, Waltham 2007, ISBN 1-58-465666-2, S. 92–101

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Holocaust-Überlebender: „Hassen lohnt sich nicht“ – hna.de
  2. Lebensgeschichtliches Interview mit Thomas Buergenthal. In: Quellen zur Geschichte der Menschenrechte. Arbeitskreis Menschenrechte im 20. Jahrhundert, 4. März 2015, abgerufen am 16. Dezember 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Interviews
  • "Ich spielte gegen Hitler, die SS und die Krematorien. Ich wollte gewinnen", Arno Luik im Gespräch mit Thomas Buergenthal, stern (Heft 14) vom 29. März 2007
  • "Hassen lohnt sich nicht", Philipp Gessler interviewt Thomas Buergenthal, taz vom 12. April 2007
  • „Meine KZ-Nummer ist wie eine Medaille“ - Interview mit Thomas Buergenthal, Tagesspiegel Berlin vom 13. Mai 2007