Umsteigen

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Als Umsteigen im engeren (populären) Sinn wird das Wechseln von Verkehrsmitteln im öffentlichen Personenverkehr bezeichnet. Gleichwohl gehört dazu auch der Wechsel der Wagenklasse und auch das des Wagens innerhalb eines Verkehrsmittels. Eine Umsteigeverbindung entsteht auch bei gebrochenen Verkehren (→ Multimodaler Verkehr) zwischen Ausgangs- und Zielort.

Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umsteigen ist ein vom Reisenden vorgenommener Wechsel des Verkehrsmittels, der Wagenklasse oder ggf. auch des Wagens innerhalb eines Zuges während einer Beförderung zwischen Ausgangs- und Zielpunkt an einem dafür geeigneten Punkt (Umsteigestelle). Umsteigen erfolgt auf Wunsch des Reisenden oder kann notwendig sein, weil das Ziel anders nicht erreicht wird (Fußwege bleiben außer Betracht). Umsteigen kann mit einer Fahrtunterbrechung verbunden sein. Durch Kurswagen wurde im Bereich der Eisenbahn versucht, das Umsteigen zu vermeiden. Die Umsteigezeit ist sowohl der Zeitpunkt als auch die Dauer des Umsteigens.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Öffentliche Verkehrsmittel, insbesondere schienengebundene, verkehren im Gegensatz zum Individualverkehr, der eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung erlaubt (Quelle-Ziel-Verbindung) in der Regel auf Linien. Liegen Abfahrts- und Zielhaltestelle des Verkehrswunsches (Ausgangs- und Zielpunkt, Zu- und Abgänge als Fußweg bleiben unbetrachtet) nicht an einer durchgehenden Verbindung, muss das Fahrzeug, ggf. auch das Verkehrsmittel gewechselt werden (Umsteigen vom Zug auf den Bus, von der U-Bahn auf eine Fähre, zwischen zwei Zügen u. ä.). Auf längeren Reisewegen ist möglicherweise ein mehrfaches Umsteigen erforderlich.

Auch eine Zeit- oder Wegverkürzung kann ein Umsteigen erforderlich machen.

Die Fortsetzung einer Fahrt mit einem Fahrzeug derselben Linie (mit gleichem Fahrweg und Ziel) zu einem späteren Zeitpunkt ist hingegen eine bloße Fahrtunterbrechung. Einige Verkehrsunternehmen beschränken bei Einzelfahrkarten Fahrtunterbrechungen in ihren Tarifbestimmungen. Es kann beispielsweise die Gültigkeit der Fahrkarte zum Umsteigen auf das nächstmögliche Anschlussfahrzeug verpflichten (keine vorgegebene Geltungsdauer der Fahrausweise, stattdessen ein Ausschluss von Fahrtunterbrechungen).[1]

Verbesserungen von Umsteigevorgängen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kombibahnsteig in Eschweiler

Die Verkehrsunternehmen versuchen, das Umsteigen zu erleichtern. Dies geschieht durch im Fahrplan eingearbeitete Umsteige- und Wartezeiten. Teilweise gibt es Regelungen, wie lange auf ein (verspätetes) Verkehrsmittel gewartet wird. Durch spezielle Umsteigeanlagen wird versucht, die Wege zwischen den Verkehrsmitteln kurz zu halten und behindertengerecht zu gestalten. Ein Taktfahrplan erlaubt für Anschlussverbindungen regelmäßig gleich lange Umsteigezeiten (auch Anschluss- oder Übergangszeit genannt), wenn Taktfolgen und Taktsymmetrie für die jeweiligen Linien gleich oder zumindest zueinander kompatibel sind. Bei einem (idealen) integralen Taktfahrplan mit einer einheitlichen Symmetrieminute für alle beteiligten Linien sind die Anschlusszeiten für den Hin- und Rückweg einer Reise unabhängig vom Reiseweg stets gleich lang.

Kurswagen, die bis weit in die 1990er Jahre im europäischen Eisenbahnverkehr üblich waren, werden mittlerweile nur noch selten eingesetzt, da in den Taktfahrplänen in der Regel nicht ausreichend Zeit für die bei Umstellung von Kurswagen erforderlichen Rangierfahrten zur Verfügung steht. Hinzu kommen die Kosten, die durch die Vorhaltung der benötigten Rangierlokomotiven entstehen. Einer der wenigen in Deutschland noch zu findenden Anwendungsfälle sind die Kurswagen nach Dagebüll, die in Niebüll aus den Fernzügen der Marschbahn auf die Züge der Bahnstrecke Niebüll–Dagebüll umgestellt werden und dem Zubringerverkehr zu den Fährverbindungen zu den Inseln Föhr und Amrum dienen.

Infrastrukturelle Anpassungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Direktanschluss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Eisenbahn wird versucht, Bahnhöfe so zu gestalten, dass Züge mit einer großen Anzahl umsteigender Reisender am gleichen Bahnsteig halten können. Ein Umstieg ohne nennenswerten Zeitverlust am gleichen Bahnsteig (gegenüber) wird Direktanschluss genannt.[2] Auf Busbahnhöfen gibt es häufig große Verkehrsinseln, an denen sich mehrere Busse treffen und so ein Umsteigen untereinander ermöglichen.

Kombibahnsteig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An Kombibahnsteigen kann ein Wechsel zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln erfolgen (z. B. Straßenbahn / Bus).

Über-Eck-Anschluss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Über-Eck-Anschluss bezeichnet man Umstiege zwischen zwei Linien in entgegengesetzten Richtungen. In auf ein Zentrum ausgerichteten Netzen wie etwa dem französischen Hochgeschwindigkeitsnetz oder einem Stadtverkehrsnetz mit Durchmesserlinien ist es häufig nötig, bis ins Zentrum zu fahren, um dort in eine Linie umzusteigen, welche zurück verkehrt. Dies bedeutet dann Umwege, die durch Tangentiallinien zwischen den Orten der Außenbezirke vermieden werden können.

Sterntreffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sterntreffen sind eine Besonderheit des Über-Eck-Anschlusses, bei dem sich mehrere Durchmesserlinien zu einem gleichen Zeitpunkt treffen, das Umsteigen ermöglichen und nach diesem wieder in ihre jeweilige Richtung weiterfahren. Diese Besonderheit ist integraler Bestandteil des Fahrplans der Schweizerischen Bundesbahnen seit 1982.

In Deutschland wird dieses Konzept u. a. bei den sogenannten „Nachttreffen“ der Dresdner Verkehrsbetriebe am Dresdner Postplatz (ununterbrochen seit den 1950er Jahren) eingesetzt.

Verkehrsstatistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Verkehrsstatistik wird zwischen Umsteigern und Übersteigern unterschieden. Erstere steigen zwischen zwei Verkehrsmitteln des gleichen Verkehrsunternehmens um, letztgenannte machen dies zwischen zwei Verkehrsmitteln verschiedener Unternehmen. Diese Unterscheidung hat Bedeutung bei unternehmensübergreifenden Fahrkarten in Tarifgemeinschaften und Verkehrsverbünden.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Umsteigebahnhof ist eine Umsteigestelle bei der Eisenbahn, die gleichzeitig die Definition eines Bahnhofes erfüllt.

Umsteigen bedeutet im übertragenen Sinn auch eine politische Richtungsänderung (Kurswechsel).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl Hofmann, Wilhelm Müller, Gerhart Potthoff, Eberhard Vogel (Hrsg.): transpress Lexikon Eisenbahn - L–Z TRANSPRESS VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1973, S. 702.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Beispiel: Verkehrsgemeinschaft Osnabrück, http://www.vos.info/staticsite/staticsite.php?menuid=48&topmenu=4 (Bestimmungen für Einzelfahrscheine der VOS)
  2. Deutsche Bundesbahn: Deutschland im Direktanschluß / Intercity-Züge IC. Deutsche Bundesbahn, Frankfurt(Main), 1971, Titelseite