Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen

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Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen
United Nations Development Programme
Programme des Nations Unies pour le développement
Programa de las Naciones Unidas para el Desarrollo
Программа развития Организации Объединенных Наций
برنامج الأمم المتحدة الإنمائي
联合国开发计划署
Organisationsart Ausschuss der Hauptversammlung der UNO
Kürzel UNDP
Leitung Achim Steiner (nominiert)
Gegründet 1965
Hauptsitz New York City
Oberorganisation Hauptversammlung der UNO
www.undp.org

Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (englisch United Nations Development Programme, UNDP; französisch Programme des Nations Unies pour le développement, PNUD) ist ein Exekutivausschuss innerhalb der UN-Generalversammlung.

Die Leitung des Entwicklungsprogramms ist das dritthöchste Amt innerhalb der Hierarchie der Vereinten Nationen (UN), unmittelbar nach dem Generalsekretär der Vereinten Nationen und seinem Stellvertreter. Der UNDP-Exekutivausschuss besteht aus Repräsentanten aus 36 Ländern weltweit, die nach einem Rotationsprinzip eingesetzt werden. Das Projektbüro wurde 1995 als eigenständige Organisation UNOPS ausgegliedert.

Sitz und Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo der UNDP

Der Hauptsitz ist in New York, weitere Niederlassungen befinden sich in Europa (Genf, Brüssel, Kopenhagen), Japan (Tokio) und den USA (Washington, D.C.).

Das UNDP wird vollständig aus freiwilligen Beiträgen der UN-Mitgliedstaaten finanziert. Die Organisation hat Länderbüros in 166 Staaten. Von diesen Kopfstellen aus arbeitet das UNDP mit lokalen Regierungen zusammen. Zusätzlich hilft das UNDP den jeweiligen Entwicklungsländern, die Ziele des Millennium-Gipfels (englisch Millennium Development Goals) zu erreichen.

Das UNDP fördert durch die Bereitstellung von Beratungskapazitäten, Trainings sowie Zuschuss-Mitteln. Dabei liegt ein zunehmender Fokus auf der Förderung der so genannten Least Developed Countries (LDCs). Um die Millennium-Ziele zu erreichen und die globale Entwicklung voranzutreiben, konzentriert sich das UNDP auf die Armutsbekämpfung, HIV/AIDS, Demokratische Regierungsführung, Energie und Umwelt sowie die allgemeine Krisenprävention. Querschnittsaufgabe in allen Programmen ist dabei der Schutz der Menschenrechte sowie die Gleichbehandlung von Frauen. Außerdem prägte das Programm 1994 den Begriff der menschlichen Sicherheit, der unter anderem die Reformdiskussion über die Vereinten Nationen mit beeinflusste. Jährlich fließen etwa 62 Milliarden US-Dollar an das Entwicklungsprogramm, welche vorwiegend von den G7-Ländern bereitgestellt werden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das UNDP wurde 1965 gegründet, um das seit 1949 bestehende Erweiterte Programm für Technische Zusammenarbeit und den 1956 geschaffenen Sonderfonds der Vereinten Nationen zu kombinieren. 1971 erfolgte schließlich die vollständige Integration beider Organisationen.

1995 wurde das Büro für Projektdienste der Vereinten Nationen, englisch United Nations Office for Project Services (UNOPS), als eigenständige Dienstleistungsorganisation aus dem UNDP ausgegliedert. UNOPS übernimmt im Auftrag der UN-Organisationen die Leitung und Durchführung von Programmen. Ein Beispiel ist UNOSAT.

Haushalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gesamtetat des UNDP belief sich im Jahr 2012 auf etwa 5 Milliarden USD.[1]

Geber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der größte Einzelgeber ist Japan mit einem Gesamtbeitrag von 443 Millionen USD (2012), gefolgt von den USA mit 325 Millionen USD und Schweden mit 216 Millionen USD. Deutschland steht mit einem Gesamtbeitrag von 104 Millionen USD an siebter Steller der größten Einzelgeber.[1]

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Demokratische Regierungsführung
Das UNDP unterstützt den Übergang zu demokratischen Systemen durch Politikberatung und technische Hilfe. Hierbei sollen die institutionellen und individuellen Fähigkeiten in den jeweiligen Entwicklungsländern gestärkt werden. Hierzu gehört auch die Ausbildung breiter Bevölkerungsschichten hinsichtlich demokratischer Reformen, die Förderung von Verhandlung und Dialog sowie die Vermittlung von Erfahrungen aus anderen Ländern und Regionen.
Armutsbekämpfung
Das UNDP hilft den Ländern, Strategien zur Armutsbekämpfung zu entwickeln. Dabei werden die Armutsziele mit den übergeordneten Entwicklungszielen der Länder verknüpft, so dass arme Bevölkerungsschichten auch einen größeren Einfluss im Gesamtentwicklungskontext erhalten. Auf makroökonomischer Ebene arbeitet das UNDP an der Reform internationaler Handelsbeziehungen, dem Schuldenerlass sowie der Förderung ausländischer Investitionen.
Krisenprävention
Das UNDP arbeitet daran, das Risiko bewaffneter Konflikte und Auseinandersetzungen zu reduzieren. Als Beispiele von Maßnahmen zur Risikominderung im Vorfeld wurden Bemühungen zur Eindämmung der Verbreitung kleiner Handfeuerwaffen unterstützt, Strategien zur Verminderung der Auswirkungen von Naturkatastrophen entwickelt sowie Programme zur Förderung des Einsatzes von Diplomatie erarbeitet.
Energie und Umwelt
Da ärmere Länder unverhältnismäßig stark von der Zerstörung der Umwelt betroffen sind und dabei der Zugang zu sauberer und bezahlbarer Energie fehlt, ist das UNDP bestrebt, Umweltfragen anzusprechen, um gleichzeitig eine nachhaltige Entwicklung der Entwicklungsländer zu ermöglichen. Dies erfolgt unter anderem durch innovative Politikberatung und Vernetzung mit anderen Partnern. Die Umweltstrategien des UNDP fokussieren sich dabei auf effiziente Wasserverwaltung, Zugang zu nachhaltigen Energien, nachhaltige Landwirtschaft zur Bekämpfung der Desertifikation und Landvernichtung, die Bewahrung und nachhaltige Nutzung der Biodiversität, sowie die Entwicklung einer Politik zur Kontrolle von Schadstoffausstoß und Ozonschicht-schädigenden Substanzen.

Leitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Helen Clark (rechts) mit der Außenministerin Sierra Leones Zainab Hawa, 2010
Achim Steiner

Helen Clark, die frühere neuseeländische Premierministerin, war seit 2009 die Administratorin des UNDP.[2] Helen Clark setzte sich bei der Wahl durch die UN-Generalversammlung gegen mehrere von der US-amerikanischen Regierung favorisierte Kandidaten durch.

Am 18. April 2017 sprach sich UN-Generalsekretär António Guterres in einem Brief an den Präsidenten der UN-Generalversammlung für den deutschen Umwelt- und Politikexperten Achim Steiner als künftigen Administrator des UN-Entwicklungsprogramms aus.[3]

Bisherige Leiter des UN-Entwicklungsprogramms
Nr Leiter Land Amtszeit
1 Paul G. Hoffman Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 1966–1972
2 Rudolph A. Peterson Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 1972–1976
3 F. Bradford Morse Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 1976–1986
4 William Henry Draper Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 1986–1993
5 James Gustave Speth Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 1993–1999
6 Mark Malloch Brown Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 1999–2005
7 Kemal Derviş TurkeiTürkei Türkei 2005–2009
8 Helen Clark NeuseelandNeuseeland Neuseeland 2009–2017
9 Achim Steiner DeutschlandDeutschland Deutschland (nominiert)

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aufsicht über das UNDP obliegt dem Executive Board. Dem Executive Board gehören 36 Mitgliedsstaaten an, aufgeteilt in fünf regionale Gruppen. Deutschland ist der einzige im Board vertretene deutschsprachige Staat. Präsident des Executive Board ist Fernando Carrera aus Guatemala (Stand 2015).[4]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der jährlich erscheinende Bericht über die menschliche Entwicklung (englisch Human Development Report) ist eine Studie des Entwicklungsprogramms und beschreibt die Entwicklung von Armut und Reichtum auf der Welt. Der darin enthaltene Index der menschlichen Entwicklung listet Länder nach einem Kombinationswert aus Bildungs­grad, Lebenserwartung und durchschnittlichem Pro-Kopf-Einkommen auf.

Der im November 2010 bekannt gewordene Bericht weist nach, dass sich die Lebensumstände und -chancen der meisten Menschen auf der Erde in den letzten 40 Jahren erheblich verbessert haben- allerdings in den meisten Fällen unabhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung ihres Heimatlandes.[5]

Botschafter des guten Willens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt sogenannte Botschafter des guten Willens (englisch Goodwill Global Ambassadors), die sich aufgrund ihrer gesellschaftlichen Position für den Kampf gegen die Armut einsetzen. Hierzu gehören die Sportler Didier Drogba, Kaká, Ronaldo, Maria Scharapowa und Zinédine Zidane, die Schauspieler Julia Ormond, Misako Konno[6], Antonio Banderas[7] und George Clooney, die Schriftstellerin Nadine Gordimer, die Frauenrechtlerin Mona Abu Suleyman, der Sänger Swjatoslaw Wakartschuk[8] sowie Kronprinz Haakon von Norwegen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b UNDP: United Nations Development Programme - Annual Report 2012/2013 - Supporting Global Progress. Juni 2013, abgerufen am 24. November 2013 (PDF; 4 MB).
  2. Helen Clark unanimously confirmed as new head of UNDP. In: UNDP. 31. März 2009, abgerufen am 11. April 2009 (englisch).
  3. Secretary-General Nominates Achim Steiner of Germany as Administrator of United Nations Development Programme. 18. April 2017, abgerufen am 20. April (englisch).
  4. Executive Board, abgerufen am 8. September 2015.
  5. badische-zeitung.de, 6. November 2010, Nachrichten, Ausland, Andreas Zumach: Entwicklung braucht wenig Wachstum (11. November 2010)
  6. Actress wins fans' support for efforts against poverty. Abgerufen am 3. August 2010.
  7. Antonio Banderas appointed as UNDP Goodwill Ambassador. Abgerufen am 17. März 2010.
  8. Stimme einer ukrainischen Autorität - Die zehn Prinzipien des Swjatoslaw Wakartschuk. In: NZZ. 22. März 2014, abgerufen am 21. Oktober 2015.