Urmel aus dem Eis

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Dieser Artikel beschreibt das Kinderbuch von Max Kruse. Für andere Bedeutungen siehe Urmel aus dem Eis (Begriffsklärung).

Urmel aus dem Eis ist ein Kinderbuch von Max Kruse, einem Sohn der Puppenmacherin Käthe Kruse. Es ist der erste Band seiner zwölf Bände umfassenden Reihe der Urmel-Bücher.

Handlung[Bearbeiten]

Zu der Zeit der Dinosaurier legt Mutter Urmel ein Ei. Kurze Zeit später bricht jedoch eine Eiszeit an, und das Ei wird von Schnee bedeckt. Es friert schließlich im Eis ein.

Lange Zeit später hat der Naturkundeprofessor Habakuk Tibatong eine Methode entwickelt, Tieren das Sprechen beizubringen. Wegen des Neids und der Angriffe seiner Professorenkollegen muss er seine Heimat verlassen, um sich mit Tim Tintenklecks, einem kleinen Waisenjungen, und dem sprechenden Hausschwein Wutz auf der kleinen Insel Titiwu niederzulassen.

Es leben auch noch andere Tiere auf der Insel, denen Tibatong zu Beginn der Handlung bereits das Sprechen beigebracht hat. Jedes der Tiere ist dabei durch einen typischen Sprechfehler charakterisiert: Der Pinguin Ping artikuliert den stimmlosen postalveolaren Frikativ ​[⁠ʃ⁠]​ als „pf“, der Waran Wawa lispelt, der See-Elefant Seele-Fant singt ständig Lieder, deren trübselige Wirkung durch konsequente Diphthongierung respektive Umlautung der Vokale erheblich gesteigert wird, und der Schuhschnabel Schusch lautet den Vokal „i“ zu „ä“ ​[⁠ɛ⁠]​ um.

Wutz, die fast fehlerfrei sprechen kann, übernimmt die Aufgabe der Haushälterin, während die anderen Tiere der Insel regelmäßig zum Sprachunterricht in Professor Tibatongs Schule antreten. Eines Tages wird ein Eisberg mit einem großen Ei angeschwemmt, aus dem nach kurzer Brutdauer ein Urmel schlüpft, das sodann von Wutz aufgezogen wird und ebenfalls das Sprechen lernt. Nach Tibatongs Theorie sind die Urmel das evolutionäre Bindeglied zwischen den Dinosauriern und den Säugetieren.[1]

Im Laufe seiner Kindheit muss das Urmel verschiedene Abenteuer bestehen, insbesondere ist der entmachtete und daher gelangweilte König Pumponell von Pumpolonien als Großwildjäger hinter ihm her. Der abgesetzte Monarch wird auch „König Futsch“ genannt, da seine Heimat sich zur Republik erklärt hat, woraufhin er abdanken musste, sein Königtum also „futsch“ ist. König Futsch ist mit seinem Diener Sami in einem Hubschrauber auf die Insel gekommen, um das Urmel nach Pumpolonien zu Museumsdirektor Zwengelmann zu verschleppen.

Auf seiner Flucht vor Futsch verläuft sich das Urmel in einer Höhle, wo eine große Krabbe auf einer Insel inmitten eines unterirdischen Sees lebt. König Futsch macht gemeinsam mit Sami das Urmel ausfindig und versucht, es mit seinem Jagdgewehr zu erlegen. Durch den Schießlärm stürzt der Eingang der Höhle ein, sodass sowohl das Urmel als auch seine Jäger eingeschlossen sind und nun in höchster Gefahr schweben.

Wawa hat in der Zwischenzeit die anderen Inselbewohner alarmiert, woraufhin eine Rettungsaktion beginnen kann. Alle Verschütteten werden schließlich in Wutz' zum U-Boot umfunktionierter „Schlummertonne“ durch einen unterirdischen Verbindungskanal zum Meer gerettet. Das Urmel schließt Freundschaft mit König Futsch, der verspricht, es nicht mehr zu jagen. Zum Abschied schenkt Tibatong dem König einen Eimer, der angeblich den „Unsichtbaren Fisch“ enthält. Futsch freut sich, dem eitlen Zwengelmann wenigstens etwas vorweisen zu können – auch wenn es sich dabei nur um einen Schwindel handelt. Das Urmel soll geheim gehalten werden, damit es ungestört auf Titiwu aufwachsen kann.

Die Figuren[Bearbeiten]

Neben den beiden Menschen Professor Habakuk Tibatong und Tim Tintenklecks, dem Adoptivsohn und einer Art Assistent des Professors, leben auf der Insel Titiwu (ein Akronym aus Tibatong, Tintenklecks und Wutz) verschiedene Tiere, die vor allem durch ihre Fähigkeit zu sprechen anthropomorphe Züge tragen:

  • Wutz ist das weibliche Hausschwein des Professors und wohnt in einer Tonne neben dem Haus des Professors. Sie ist das einzige der Tiere, das keinen eigentlichen Sprechfehler hat. Nur ab und zu setzt sie ein „öff“, wenn sie (oft empört) Atem holen muss.
  • Das Urmel ist der letzte Vertreter einer ausgestorbenen Tierart, in der Tibatong das Bindeglied zwischen Dinosauriern und Säugetieren vermutet. Es wird durch seine Sprechweise (Kindersprache) als häufig sehr verantwortungslos und verspielt charakterisiert.
  • Der Waran Wawa wohnt in der leeren Schale einer Riesenmuschel, die am Strand von Titiwu liegt und auf die sein Freund Ping sehr neidisch ist, weswegen der Pinguin mehrmals versucht, Wawas Behausung zu besetzen. Die „Mupfel“, wie der Pinguin sie nennt, ist über die Urmel-Romane hinaus zu einem geflügelten Wort geworden.
  • Schusch, der Schuhschnabel, ist in der kleinen Gemeinde Titiwus das einzige flugfähige Tier und fungiert daher oft als Späher oder Bote.
  • Seele-Fant liegt meistens auf dem Felsen vor der Insel. Sein Repertoire an traurigen Liedern zeugt dabei von musikalischer Bildung – so bezieht sich sein Gesang An förnöm Ort, onnahbar eurön Flossön… parodistisch auf die Gralserzählung in Richard Wagners Oper Lohengrin.

Bearbeitungen[Bearbeiten]

  • Die Geschichte wurde 1969 unter dem Titel Urmel aus dem Eis als Puppenspiel der Augsburger Puppenkiste in vier Folgen vom Hessischen Rundfunk verfilmt und wiederholt von der ARD ausgestrahlt. Die Nachfolgeserie Urmel spielt im Schloss, die auf den Handlungen des gleichnamigen Bandes sowie des Bandes Urmels toller Traum beruht, folgte 1974.
  • Eine 26-teilige Zeichentrickserie um das Urmel wurde 1995 bis 1997 in der ARD ausgestrahlt und mehrfach wiederholt.

Trivia[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Daneben sind noch eine Reihe von Urmel-Bänden für Leseanfänger erschienen.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zu den nicht-fiktionalen evolutionären Bindegliedern zwischen Dinosauriern und Säugetieren siehe Evolution der Säugetiere.
  2. http://www.urmelaufdemeis.de/