Uttwil

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Uttwil
Wappen von Uttwil
Staat: Schweiz
Kanton: Thurgau (TG)
Bezirk: Arbon
BFS-Nr.: 4451i1f3f4
Postleitzahl: 8592
Koordinaten: 743778 / 272044Koordinaten: 47° 35′ 0″ N, 9° 21′ 0″ O; CH1903: 743778 / 272044
Höhe: 419 m ü. M.
Fläche: 4,3 km²
Einwohner: 1855 (31. Dezember 2017)[1]
Einwohnerdichte: 431 Einw. pro km²
Website: www.uttwil.ch
Blick auf Uttwil mit dem Haus Seeburg, im Hintergrund Turm der evangelischen Kirche

Blick auf Uttwil mit dem Haus Seeburg, im Hintergrund Turm der evangelischen Kirche

Karte
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Uttwil ist eine politische Gemeinde im Bezirk Arbon des Kantons Thurgau in der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Uttwil liegt am Bodensee, zwischen Romanshorn und Konstanz. Die Nachbargemeinden sind Romanshorn, Hefenhofen, Kesswil und Dozwil.

Die Gemeinde hat gut 1800 Einwohner und 870 Haushaltungen und liegt auf einer Fläche von 437 ha, wovon 48 ha Baugebiet, 236 ha Wiese und Acker, 120 ha Wald, 8,5 ha Gewässer und 24,5 ha Verkehrsinfrastruktur sind.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 4. Juni 817 wurde Uttwil erstmals als Huttinwillare in einer Urkunde des Kaisers Ludwig des Frommen zusammen mit Kesswil, Landschlacht, Zihlschlacht und Hefenhofen erwähnt.[3] Im 9. Jahrhundert besass das Kloster St. Gallen zahlreiche Güter in Uttwil.[4] Im Dorfe liess sich ein Adelsgeschlecht mit dem Namen «von Uttwil» nieder, das um 1413 wieder verschwunden war.[3] Im 13. bis 14. Jahrhundert waren der Bischof von Konstanz und das dortige Heiliggeistspital Grundherren. 1267 erwarb das Kloster Münsterlingen von St. Gallen Grundbesitz, ab 1280 setzte es Vögte ein und 1413 bis 1798 besass es das Niedergericht. Die älteste bekannte Offnung datiert von 1425.[4]

Gasthaus Frohsinn, 1722 als Kehlhof erbaut

Kirchlich gehörte Uttwil zu Romanshorn. Die 1276 erweiterte Adelheid-Kapelle war 1303 im Besitz des Klosters Münsterlingen. Deren Pfarrrechte gingen im 15. Jahrhundert an die Anna-Kapelle über, die 1450 zur Kirche vergrössert wurde. Uttwil sicherte sich dabei die Kollatur. 1524 wurde die Reformation eingeführt. Nachdem Uttwil kirchlich ab 1588 vorübergehend mit Kesswil verbunden war, ist es seit 1618 eine Filiale von Kesswil. Im sogenannten Uttwilerhandel stritten sich 1644 bis 1651 das Kloster und die katholischen Orte der Alten Eidgenossenschaft mit Uttwil und Zürich wegen des Abbruchs der Adelheid-Kapelle.[4] Für die Bezahlung von der danach von den fünf katholischen Orten verhängten Geldstrafe schenkte Zürich den Uttwilern zwölfhundert Gulden.[3] 1699 erhob Landvogt Jakob Schindler Uttwil zum Kornmarktort.[4]

Im 18. Jahrhundert schufen die Familien Dölli und Uhler in Uttwil auf Kosten von Konstanz und Rorschach den wichtigsten Umschlagplatz für Korn und Salz am westlichen Bodenseeufer. Ihre Schiffe und Fuhrwerke brachten die Waren über See und Land bis Zürich und Genf. So zu Reichtum gelangt, bauten die Dölli stattliche Häuser, u. a. den 1722 erbauten Kehlhof und spätere Gasthaus Frohsinn, ein Gredhaus und eventuell das Schloss. Mit dem Bau des Hafens in Romanshorn und 1855 der Thurtallinie verlor Uttwil seine Bedeutung als Handelsplatz.[4]

Im 19. Jahrhundert wurde in Uttwil Getreide und Obst angebaut, Vieh- und Milchwirtschaft betrieben sowie eine Käserei eingerichtet. Gleichzeitig entwickelte sich das Dorf zum Kur-, Künstler- und Literatenort,[4] in dem im Ersten Weltkrieg und den Jahren danach Carl Sternheim, Henry van de Velde, René Schickele und Annette Kolb wirkten. In den 1940er Jahren lebten in Uttwil berühmte emigrierte Musiker wie z. B. Pau Casals, Clara Haskil oder Rudolf Serkin und auch Schweizer Maler und Schriftsteller wie Ernst Schlatter, Paul Ilg und Emanuel Stickelberger.[3]

1878 bis 1922 existierten Stickereifabriken, 1882 bis 1999 eine Holzessigfabrik. 1907 bis 1996 bestand die Möbelfabrik Schubert & Schramm.[4] Die kulturelle Vergangenheit ist seit 2008 Anlass, mit den jährlichen «Uttwiler Meisterkursen» die kulturelle Tradition Uttwils wiederzubeleben.[3]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung der Gemeinde Uttwil[5]
Bevölkerungsentwicklung der Orts- und Einheitsgemeinde[5]
Jahr 1831 1850 1900 1950 1980 1990 2000 2010 2018
Einwohner 540[4] 606 553 842 876 1102 1439 1751 1856
Blick auf den Damm von Uttwil

Von den insgesamt 1856 Einwohnern im Jahr 2018 waren 343 bzw. 18,5 % ausländische Staatsbürger.[6]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einstiger Hauptsitz der Hanseatic Lloyd in Uttwil
Bodensee in Uttwil

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nicolaus Schubert: Uttwil, das Dorf der Dichter und Maler. Uttwil 1988, ISBN 3-906155-00-5
  • Ralph Brühwiler: Skizzen und Notizen aus Uttwil – Ein Spaziergang durch die Geschichte bedeutender Häuser. Edition Frohsinn, Uttwil 2017, ISBN 978-3-906155-20-3

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Uttwil – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2018, abgerufen am 30. September 2018.
  2. Zahlen / Fakten. Auf der Webseite der Gemeinde Uttwil, abgerufen am 14. November 2019
  3. a b c d e In Uttwil glücklich zu Hause. Auf der Webseite der Gemeinde Uttwil, abgerufen am 14. November 2019
  4. a b c d e f g h Erich Trösch: Uttwil. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
    Diese Abschnitte basieren weitgehend auf dem Eintrag im Historischen Lexikon der Schweiz (HLS), der gemäss den Nutzungshinweisen des HLS unter der Lizenz Creative Commons – Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) steht.
  5. a b 2000 T4 Wohnbevoelkerung ab 1850.xlsx und 2018_2017_1990_BevGmd.xlsx (Bevölkerung in ausgewählten Jahren, 1990, 2000, 2010, 2017-2018, Vorjahresveränderung). Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau, abgerufen am 1. November 2019.
  6. 2018_2015_BevGmd_Geschl_Nat.xlsx (Bevölkerung nach Geschlecht und Nationalität, 2015-2018) Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau, abgerufen am 1. November 2019.