Vernachlässigte Krankheiten

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Die „vernachlässigten Krankheiten“ (engl. neglected diseases, auch präziser als neglected tropical diseases bezeichnet) sind eine Gruppe von tropischen Krankheiten, die in ärmeren Ländern bzw. Bevölkerungsgruppen vorkommen. Die genaue Auflistung der sogenannten vernachlässigten Krankheiten ist je nach Quelle unterschiedlich, wobei die WHO derzeit 17 Krankheiten in dieser Form priorisiert.[1]

Die vernachlässigten Krankheiten stehen im Kontrast zu den sogenannten großen „Killern“ der Dritten Welt (AIDS, Tuberkulose und Malaria), welchen größere Aufmerksamkeit und Forschungsgelder gewidmet werden. Sie kommen nur in der Dritten Welt vor, während Aids wie auch Tuberkulose die Industrieländer beschäftigen. Im Gegensatz zu den typischen Krankheiten der Industrieländer finden sich keine kaufkräftigen Kunden, welche die Forschungs- und Entwicklungs-Kosten der benötigten Medikamente bezahlen können.

Sehr auffallend an der Aufstellung der vernachlässigten Krankheiten sind Krankheiten, die von Einzellern und Würmern ausgelöst werden. Sie spielen in Industrieländern wegen verbesserter Hygiene, der Klimabedingungen und wegen des Fehlens der Überträger (besondere Fliegen- und Mückenarten zum Beispiel) keine Rolle. Weitere Unterschiede zu den Krankheiten der Industrieländer sowie Aids, Malaria und Tuberkulose sind:

  • Die vernachlässigten Krankheiten mindern die Lebensqualität und die Produktivität der betroffenen Personen, auch wenn der Verlauf nicht zum Tod führt. Sie sind in der Regel chronische Krankheiten.
  • Die Symptome der Krankheiten treten oft nur langsam auf und sind undeutlich, was eine Selbstdiagnose bei den Betroffenen schwierig macht. Die Menschen suchen dann erst spät oder gar nicht Hilfe auf.

Von Trypanosomen ausgelöste Krankheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kala-Azar (Leishmaniose der Eingeweide). Behandlungen existieren, Impfstoffe sind noch in Entwicklung.
  • Afrikanische Schlafkrankheit. Sie wurde während der Kolonialzeit fast ausgerottet und unter Kontrolle gehalten, doch nach dem Ende des Kolonialismus nahmen die Fälle zu. Behandlungsmöglichkeiten existieren: Melarsoprol ist toxisch und erzeugt Nebenwirkungen; als Alternative existiert einzig Eflornithin.
  • Chagas-Krankheit (amerikanische Schlafkrankheit). Kein Impfschutz existiert; Behandlungsmöglichkeiten für das Frühstadium der Infektion existieren, sind aber unökonomisch. Die heutigen Medikamente erzeugen schwere Nebenwirkungen. Chagas bedeutet für den Erkrankten jahrelange, die Lebensqualität mindernde Symptome.

Wurmerkrankungen (Helminthosen)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Boden-übertragene Helminthosen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ascariasis (Befall mit Spulwürmern). Krankheitsprävention bedingt Abwasserbehandlung und Nahrungsmittel-Hygiene. Dasselbe gilt für Peitschenwürmer (Trichuris) und Hakenwürmer (Ankylostomiasis).

Bakterielle Infektionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lepra.
  • Buruli-Ulkus. Schwere Ulzeration der Haut, Antibiotika sind nicht effektiv. Das infizierte/geschädigte Gewebe muss chirurgisch entfernt werden, was in Verstümmelungen resultiert.
  • Trachom. Die "Ägyptische Körnerkrankheit" ist eine bakterielle Infektion des Auges. Sie ist in tropischen Entwicklungsländern die häufigste Erblindungsursache.
  • Frambösie.

Virale Erkrankungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dengue-Fieber. Die Flaviviren werden durch den Biss einer Gelbfiebermücke (Stegomyia aegypti, früher Aedes-aegypti) oder der Asiatischen Tigermücke, die sich inzwischen auch in Europa ausbreitet, übertragen. Die Erstinfektion ist üblicherweise nicht fatal, aber die Infektion mit einem Serotyp erhöht die Gefahr, die von einer Zweitinfektion mit einem anderen Serotyp ausgeht. Die Folge davon ist das sehr gefährliche hämorrhagische Dengue-Fieber. Keine Heilmethode existiert, sowohl für die Erstinfektion wie auch für das hämorrhagische Fieber. Nur Palliativmedizin ist möglich.
  • Chikungunya. Das Chikungunya-Virus wird ebenfalls durch die Gelbfiebermücke und die Asiatische Tigermücke übertragen.
  • Tollwut.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. WHO: Neglected tropical diseases, abgerufen am 5. Dezember 2014