Wölflinswil

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Wölflinswil
Wappen von Wölflinswil
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Laufenburgw
BFS-Nr.: 4182i1f3f4
Postleitzahl: 5063
Koordinaten: 642172 / 256842Koordinaten: 47° 27′ 40″ N, 7° 59′ 52″ O; CH1903: 642172 / 256842
Höhe: 437 m ü. M.
Fläche: 9,51 km²
Einwohner: 1045 (31. Dezember 2018)[1]
Einwohnerdichte: 110 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
7,8 % (31. Dezember 2018)[2]
Website: www.woelflinswil.ch
Dorfplatz von Wölflinswil, im Hintergrund die klassizistische Pfarrkirche St. Mauritius (1821)

Dorfplatz von Wölflinswil, im Hintergrund die klassizistische Pfarrkirche St. Mauritius (1821)

Karte
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Wölflinswil (schweizerdeutsch: ˌvœlflisˈʋiːl)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Schweizer Kanton Aargau. Sie gehört zum Bezirk Laufenburg, liegt im Süden der Region Fricktal und grenzt an den Kanton Solothurn.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet liegt in der Übergangszone zwischen dem Tafeljura im Norden und dem Faltenjura im Süden. Das Dorf selbst befindet sich im engen Tal nördlich des Benkerjochs, welches auf beiden Seiten von Hügeln begrenzt ist. Diese ragen im unteren Bereich steil auf und gehen im oberen Bereich in ausgedehnte Hochebenen über. Dabei handelt es sich um den Altenberg (579 m ü. M.) im Westen und den Fürberg (536 m ü. M.) im Osten, die beide landwirtschaftlich genutzt werden. Im Dorfzentrum zweigen zwei Seitentäler ab; das eine führt in Richtung Südwesten hinauf zur Burg (790 m ü. M.), das zweite südostwärts zur rund 580 Meter hoch gelegenen Strihenmatt. Dort beginnt der steile Anstieg hinauf zum Strihe (867 m ü. M.), dem höchsten ganz im Kanton Aargau gelegenen Berg und zweithöchsten Punkt des Kantons.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 951 Hektaren, davon sind 293 Hektaren bewaldet und 67 Hektaren überbaut.[5] Der höchste Punkt liegt auf 865 m ü. M. auf dem Grat des Strihe, der tiefste auf 400 m ü. M. an der nördlichen Gemeindegrenze. Das Gemeindegebiet von Wölflinswil ist Teil des Juraparks Aargau, einem «Regionalen Naturpark von nationaler Bedeutung». Nachbargemeinden sind Gipf-Oberfrick im Norden, Herznach im Nordosten, Densbüren im Osten, Oberhof im Süden Kienberg im Westen und Wittnau im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung der Kirche von Wulfliswile erfolgte 1180 in einem Urbar der Grafen von Homberg-Tierstein. Der Ortsname stammt vom mittelhochdeutschen Wulfineswilere und bedeutet «Hofsiedlung des Wulfin».[3] Zu Beginn des 13. Jahrhunderts ging das Dorf in den Besitz der Habsburger über, die nach dem Waldshuterkrieg von 1468 das gesamte Fricktal an Burgund verpfändeten. Als die Burgunder von den Eidgenossen während der Burgunderkriege vernichtend geschlagen worden waren, kam Wölflinswil 1477 wieder unter österreichische Herrschaft.

Nach der Reichsreform des österreichischen Kaisers Maximilian I. im Jahr 1491 gehörte Wölflinswil zu Vorderösterreich und lag in der Landschaft Fricktal, einer untergeordneten Verwaltungseinheit der Kameralherrschaft Rheinfelden (ab 1752 im Oberamt Breisgau). Im Jahr 1513 bekennen Statthalter und Räte des obern Elsass in einer Urkunde, dass Ritter Ulrich von Habsburg[6] das «Dorf Wolffswiller im Fricktal gelegen», von Petterman von Ebtingen und Geschwistern zu Handen des Kaisers gekauft hat[7]. Im 17. Jahrhundert gab es kaum längere Friedenszeiten. Der Rappenkrieg, ein Bauernaufstand, dauerte von 1612 bis 1614. Der Dreissigjährige Krieg, der zwischen 1633 und 1638 auch das Fricktal erfasste, traf Wölflinswil besonders hart. Das Dorf wurde von schwedischen Truppen verwüstet. Gebäude, welche diese Zerstörungen überstanden, werden heute noch «Schwedenhäuser» genannt. Auch während des Pfälzischen Erbfolgekriegs (1688–1697) zogen fremde Truppen durch die Region.

Luftansicht (1950)

1797 wurde das Fricktal nach dem Frieden von Campo Formio ein französisches Protektorat. Während des Zweiten Koalitionskrieges verlief hier die Frontlinie zwischen den Armeen Frankreichs und Österreichs. Am 20. Februar 1802 erfolgte die Gründung des Kantons Fricktal, der sich im August der Helvetischen Republik anschloss. Das im Distrikt Frick gelegene Dorf war somit schweizerisch geworden. Seit dem 19. März 1803 gehört Wölflinswil zum Kanton Aargau. Im selben Jahr trennte sich Oberhof, welches seither eine eigenständige Gemeinde ist.

Während des gesamten Mittelalters spielte der Abbau von Eisenerz eine bedeutende Rolle, die Erzgruben von Wölflinswil galten als besonders ertragreich. Die Erzgewinnung wurde schliesslich 1743 eingestellt. Die Posamenterei, das Weben von Seidenbändern in Heimarbeit, bot während des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen bescheidenen Nebenverdienst zur Landwirtschaft. Dennoch zwangen die fehlenden wirtschaftlichen Möglichkeiten zahlreiche Bewohner zur Auswanderung. Die Bevölkerungszahl stagnierte während Jahrzehnten; erst seit dem Ausbau der Benkerjoch-Passstrasse im Jahr 1977 steigt sie wieder leicht an.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Gelb stehender rücksehender roter Wolf.» Die Einführung des Wappens erfolgte 1939, der Wolf war jedoch in Braun gehalten, was den heraldischen Farbregeln widerspricht. 1953 wurde das Tier rot eingefärbt.[8]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohnerzahlen entwickelten sich wie folgt:[9]

Jahr 1768 1800 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 498 806 739 656 613 641 639 655 738 721 784 984

Am 31. Dezember 2018 lebten 1045 Menschen in Wölflinswil, der Ausländeranteil betrug 7,8 %. Bei der Volkszählung 2015 bezeichneten sich 52,5 % als römisch-katholisch und 19,0 % als reformiert; 29,0 % waren konfessionslos oder gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[10] 96,2 % gaben bei der Volkszählung 2000 Deutsch als ihre Hauptsprache an und 1,8 % Albanisch.[11]

Politik und Recht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Er wird im Majorzverfahren vom Volk gewählt, seine Amtsdauer beträgt vier Jahre. Der Gemeinderat führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm vom Kanton zugeteilt wurden. Für Rechtsstreitigkeiten ist in erster Instanz das Bezirksgericht Laufenburg zuständig. Wölflinswil gehört zum Friedensrichterkreis X (Mettau).[12]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Wölflinswil gibt es gemäss der im Jahr 2015 erhobenen Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT) rund 330 Arbeitsplätze, davon 34 % in der Landwirtschaft, 27 % in der Industrie und 39 % im Dienstleistungssektor.[13] Eine wichtige Rolle spielen Betriebe der Holzverarbeitung, des Baugewerbes und des Transportgewerbes. Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in den grösseren Gemeinden des Fricktals sowie in den Regionen Aarau und Basel.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wölflinswil liegt an der nördlichen Zufahrt der Kantonsstrasse 487 über das Benkerjoch, der mittleren der drei Verbindungen zwischen Aarau und dem Fricktal. Acht Kilometer von Wölflinswil entfernt befindet sich bei Frick ein Autobahnanschluss der A3. Die Anbindung an das Netz des öffentlichen Verkehrs erfolgt durch eine Postautolinie, die vom Bahnhof Aarau über das Benkerjoch nach Frick führt. In Wölflinswil beginnt der Oberfricktaler Eisenweg. Ein Nachtbus verkehrt von Frick über Wölflinswil nach Oberhof.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und ein Schulhaus, in dem die Primarschule unterrichtet wird. Die Realschule und die Sekundarschule können in Gipf-Oberfrick besucht werden, die Bezirksschule in Frick. Die nächstgelegenen Gymnasien sind die Alte Kantonsschule und die Neue Kantonsschule, beide in Aarau.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wölflinswil – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  2. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  3. a b Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 478–479.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1069, Swisstopo.
  5. Arealstatistik Standard – Gemeinden nach 4 Hauptbereichen. Bundesamt für Statistik, 26. November 2018, abgerufen am 11. Mai 2019.
  6. Thurneysen, Emanuel: "Versuch einer Beschreibung historischer und natürlicher Merkwürdigkeiten der Landschaft Basel", 1761, S. 2348, Google Books:
    «In dem Jahre 1505. war Ulrich von Habsburg Ritter, Pfandherr des Steins Rheinfelden und besaß solchen Namens seiner Röm. Königl. Majestät; [...]».
  7. Augustiner Urk. no. 274, 22.12.1513, Archivkatalog Basel Stadt
  8. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 321.
  9. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. (Excel) In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistik Aargau, 2001, archiviert vom Original am 8. Oktober 2018; abgerufen am 8. Mai 2019.
  10. Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit, 2015. (Excel) In: Bevölkerung und Haushalte, Gemeindetabellen 2015. Statistik Aargau, abgerufen am 11. Mai 2019.
  11. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. (Excel) Statistik Aargau, archiviert vom Original am 10. August 2018; abgerufen am 8. Mai 2019.
  12. Friedensrichterkreise. Kanton Aargau, abgerufen am 19. Juni 2019.
  13. Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT). (Excel, 157 kB) Statistik Aargau, 2016, abgerufen am 8. Mai 2019.