Waldkirch SG

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SG ist das Kürzel für den Kanton St. Gallen in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Waldkirchf zu vermeiden.
Waldkirch
Wappen von Waldkirch
Staat: SchweizSchweiz Schweiz
Kanton: Kanton St. GallenKanton St. Gallen Kanton St. Gallen (SG)
Wahlkreis: St. Gallenw
BFS-Nr.: 3444i1f3f4
Postleitzahl: 9205 Waldkirch
9304 Bernhardzell
Koordinaten: 739069 / 258955Koordinaten: 47° 28′ 0″ N, 9° 17′ 0″ O; CH1903: 739069 / 258955
Höhe: 629 m ü. M.
Höhenbereich: 501–903 m ü. M.
Fläche: 31,34 km²
Einwohner: 3500 (31. Dezember 2018)[1]
Einwohnerdichte: 112 Einw. pro km²
Website: www.waldkirch.ch
Pfarrkirche St. Blasius in Waldkirch

Pfarrkirche St. Blasius in Waldkirch

Lage der Gemeinde
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Waldkirch ist eine politische Gemeinde im Kanton St. Gallen. Sie befindet sich im Wahlkreis St. Gallen und besteht aus den Ortschaften Waldkirch und Bernhardzell.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Waldkirch grenzt an die Gemeinden Bischofszell, Hauptwil-Gottshaus, Niederbüren, Gossau, Andwil, Gaiserwald, Wittenbach und Häggenschwil. Es handelt sich um eine bäuerlich geprägte Gemeinde (63,8 % Landwirtschaftsflächen, 30 % der Arbeitsplätze im primären Sektor). Die Gemeinde besteht aus den Dörfern Waldkirch und Bernhardzell. Ronwil, Edlischwil, Engi, Schöntal und Hohfirst sind als Weilerzonen ausgeschieden.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftbild aus 1000 m Höhe von Walter Mittelholzer (1919)

Waldkirch wurde 879 erstmals erwähnt als Waldchirichun marcho. 1831 wurde in Widenhueb ein grosser römischer Fund aus rund 6000 Münzen aus der Zeit 70 bis 256 n. Chr. entdeckt. Die Gegend war vermutlich ab dem Frühmittelalter besiedelt. Im Sorntal trat ein alemannisches Reihengrab aus dem 7. Jahrhundert zutage. Waldkirch war Grundbesitz des Klosters St. Gallen. 1277/78 kam es in den Einflussbereich der Herren von Ramschwag, konnte aber von der Fürstabtei St. Gallen bis 1462 zurückgewonnen werden und wurde als Gericht Waldkirch (Offnung 1469) Teil des Oberbergeramts in der Alten Landschaft. In den Appenzeller Kriegen verbündeten sich Waldkirch und Bernhardzell 1401 mit den Appenzellern und der Stadt St. Gallen, worauf die beiden Orte 1403 niedergebrannt wurden. Die Bevölkerung beteiligte sich wiederholt an Volksbewegungen gegen die fürstäbtische Herrschaft. 1489 wurde in Waldkirch eine Landsgemeinde abgehalten, die sogenannte Waldkircher Allianz. 1528 erfolgte die Einführung der Reformation. Ab 1532 wurde die fürstäbtische Herrschaft wiederhergestellt. Waldkirch beteiligte sich an der revolutionären Bewegung des Fürstenlands.[3]

Die vermutlich im 9. Jahrhundert erbaute katholische Pfarrkirche St. Blasius wurde 1720 bis 1722 erweitert, 1783 innen neu gestaltet und 1989 bis 1991 vollständig restauriert. 1803 wurde Waldkirch zusammen mit Bernhardzell eine politische Gemeinde des neuen Kantons St. Gallen und gehörte bis zur Neuorganisation des Kantons zum Bezirk Gossau. 1872 verzichtete die Gemeinde auf einen Anschluss an die Nordostbahn Gossau–Bischofszell.[3]

1361 wird in Waldkirch eine Mühle erwähnt. In der noch zu Beginn des 21. Jahrhundert ländlich geprägten Gemeinde herrschte bis ins 18. Jahrhundert Ackerbau vor, später dominierte der Obstbau und ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert die Milchwirtschaft. 1993 bestanden elf Käsereien. Die im 19. Jahrhundert aufkommende, in Heimarbeit betriebene Textilindustrie verlor ihre Bedeutung nach der Wende zum 20. Jahrhundert. 1823 erfolgte die Gründung der Spinnerei Sorntal, deren Nachfolgebetrieb 1969 eingestellt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte erneut ein wirtschaftlicher Aufschwung mit vermehrter Bautätigkeit ein.[3]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1850 1900 1950 1980 2000 2010 2018
Einwohner 2601 2764 2556 2622 3040 3340 3500
Quelle [3] [4]

Politik und Schule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Waldkirch ist seit dem 1. Januar 2011 eine Einheitsgemeinde, die aus der Fusion der Schulgemeinden Waldkirch und Bernhardzell sowie der Oberstufenschulgemeinde Waldkirch-Bernhardzell und der Politischen Gemeinde Waldkirch entstand.[5] Nach wie vor besitzen die beiden Dörfer ihre eigene Primarschule. In Waldkirch selbst steht das Oberstufenzentrum für die ganze Gemeinde. Die amtlichen Bekanntmachungen erfolgen im Mitteilungsblatt der Politischen Gemeinde Waldkirch «WaldkirchAktuell».

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kapelle Maria-Hilf im Oberwald an der Landstrasse St.Gallen-Engelburg-Waldkirch

Waldkirch und Bernhardzell sind katholisch und besitzen eigene Kirchen. Diese werden von der Katholischen Kirchgemeinde Waldkirch und der Katholischen Kirchgemeinde Bernhardzell getragen.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Westen der Gemeinde führt die Eisenbahn von Gossau nach Bischofszell über Gemeindegebiet, es gibt jedoch keinen Bahnhof. Die Gemeinde wird durch das Strassennetz erschlossen; es gibt Postautoverbindungen nach Wittenbach, Gossau und Engelburg.

In Waldkirch steht eines der ersten Hotels ohne Personal.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gasthof Kreuz an Waldkirchs Dorfkreuzung

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verschiedene Sportvereine tragen zu einem aktiven Dorfleben in Waldkirch bei:

Söhne und Töchter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Waldkirch SG – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2019, abgerufen am 22. Dezember 2019.
  2. Portrait. Auf der Webseite der Gemeinde Waldkirch, abgerufen am 6. September 2020
  3. a b c d Cornel Dora: Waldkirch (SG). In: Historisches Lexikon der Schweiz.
    Diese Abschnitte basieren weitestgehend auf dem Eintrag im Historischen Lexikon der Schweiz (HLS), der gemäss den Nutzungshinweisen des HLS unter der Lizenz Creative Commons – Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) steht.
  4. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geburtsort und Staatsangehörigkeit. Auf der Webseite des Bundesamts für Statistik, abgerufen am 26. August 2020
  5. Geschichte. Auf der Webseite der Gemeinde Waldkirch, abgerufen am 6. September 2020
  6. Josef Grünenfelder, P. Rainald Fischer: Pfarrkirche St. Johannes Baptist Bernhardzell. (Schweizerische Kunstführer, Nr. 201). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1977, ISBN 978-3-85782-201-8.