Waldneukirchen

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Waldneukirchen
Wappen Österreichkarte
Wappen von Waldneukirchen
Waldneukirchen (Österreich)
Waldneukirchen
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Oberösterreich
Politischer Bezirk: Steyr-Land
Kfz-Kennzeichen: SE
Fläche: 26,56 km²
Koordinaten: 48° 0′ N, 14° 16′ OKoordinaten: 47° 59′ 49″ N, 14° 15′ 41″ O
Höhe: 446 m ü. A.
Einwohner: 2.247 (1. Jän. 2017)
Bevölkerungsdichte: 85 Einw. pro km²
Postleitzahl: 4595
Vorwahl: 07258
Gemeindekennziffer: 4 15 18
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Dorfplatz 1
4595 Waldneukirchen
Website: www.waldneukirchen.at
Politik
Bürgermeister: Karl Schneckenleitner (ÖVP)
Gemeinderat: (2015)
(25 Mitglieder)
14
4
3
4
14 
Insgesamt 25 Sitze
Lage der Gemeinde Waldneukirchen im Bezirk Steyr-Land
AdlwangAschach an der SteyrBad HallDietachGaflenzGarstenGroßramingLaussaLosensteinMaria NeustiftPfarrkirchenReichramingRohr im KremstalSchiedlbergSierningSteyrSt. Ulrich bei SteyrTernbergWaldneukirchenWeyerWolfernOberösterreichLage der Gemeinde Waldneukirchen im Bezirk Steyr-Land (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Waldneukirchen ist eine Gemeinde mit 2247 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2017) in Oberösterreich im Bezirk Steyr-Land im Traunviertel. Der zuständige Gerichtsbezirk ist Steyr.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ausdehnung von Waldneukirchen beträgt von Nord nach Süd 5,5 km, von West nach Ost 8,5 km. 14,8 % der Fläche sind bewaldet, 74,2 % landwirtschaftlich genutzt (zum Vergleich: dieser Wert liegt im politischen Bezirk Steyr-Land bei 41 %) [1].

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst folgende sieben Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 1. Jänner 2015[2]):

  • Eggmair (199)
  • Furtberg (19)
  • Großmengersdorf (90)
  • Pesendorf (223)
  • Sankt Nikola (260)
  • Steinersdorf (143)
  • Waldneukirchen (1.324)

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Eggmair, Pesendorf, St. Nikola, Steinersdorf und Waldneukirchen.

Geologie und Oberflächenformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet erstreckt sich vom Molasse-Gebiet des Alpenvorlands bis zum Steyrtal. Die Sedimente der Flyschzone sind einerseits Ablagerungen eines Meers aus der Oberkreide, andererseits Mergel und Sandsteinsedimente aus dem Alttertiär. Die Landschaft hier in Waldneukirchen hat ihre entscheidende Prägung im Quartär, und zwar in den Eiszeiten erhalten. In den Kaltzeiten der Günz-, Mindel-, und Rißeiszeit stieß der Kremsgletscher vom Süden kommend mit seiner gewaltigen Gletscherzunge weit in das Alpenvorland vor und lagerte im Gemeindegebiet Waldneukirchens mächtige aus Schotter, Sand und Lehm bestehende Moränen ab. Die aus dem Eis entspringenden Gletscherbäche, Vorläufer der Steyr, schütteten in den Kaltzeiten Schottenfluren im eisfreien Raum auf. Während der Warmzeiten erfolge dann zum Teil eine Ausräumung dieser Schotterablagerungen durch die einschneidenden Gerinne. Große Teile der nördlichen Hochfläche der Gemeinde gehören zu diesem Deckschotterbereich der Hochterrasse oberhalb des Flusses Steyr, bis zu dem das Gemeindegebiet im Süden reicht. Zur Zeit der jüngsten Vereisung (Würm) erfolgte die Aufwehung schluffreicher Deckschichten in allen eisfreien (periglazialen) Teilen des Gebiets der Hochfläche nordwestlich der Steyr. Sie stellen heute die Decklehmauflagen dar. Das Niederschlagswasser wird dadurch nicht in die Tiefe abgeleitet, sondern fließt großteils im Gemeindegebiet nach Norden über Fern-, Binderbach in die Krems ab. Auf diese Weise hat die Erosion die für den Flysch so charakteristische Grabenlandschaft geformt. Die landwirtschaftlichen Böden im Gemeindegebiet Waldneukirchen bestehen - nach den Erläuterungen zur Bodenkarte 1:25000 - in ihren A-Horizonten überwiegend aus lehmigen Schluff, sind mittelhumos und kalkfrei, und deutlich grobkrümelig, die B-Horizonte sind meist lehmiger Schluff oder sandiger Lehm, der in der Regel auch kalkfrei ist. Darunter liegen ab ca. 50 cm Tiefe der Horizont mit kalkfreien lehmigen Schluff.[3]

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klimatisch liegt das Gemeindegebiet - das eine eigene Klimamessstation hat - im Übergang von der relativ warmen Mitte des Landes Oberösterreich in den kühleren subalpinen Bereich. Mittelwerte im Jänner -2 °C und im Juli unter 19 °C. An 30 bis 35 Tagen im Jahr herrscht ganztägig Frost, an 70 bis 75 Tagen durchschreitet die Temperatur als Frostwechseltage eine oder mehrmals den Gefrierpunkt. Die Dauer der Vegetationsperiode beträgt etwa 230 Tage, dabei wird eine Temperatursumme von 3100 °C p.a. erreicht - das entspricht dem gesamt-österreichischen Durchschnitt für diese Höhenstufe.[3]

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bad Hall Sierning
Adlwang Nachbargemeinden Aschach an der Steyr
Grünburg Steinbach an der Steyr

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich im Ostteil des Herzogtums Bayern liegend, gehörte der Ort seit dem 12. Jahrhundert zum Herzogtum Österreich. Streufunde im Ortsgebiet weisen aber auch schon auf jungsteinzeitliche Anwesenheit von Menschen hin. Der Ortsname zeigt die alte Rodungstätigkeit auf diesem im Einflussbereich des Stiftes Kremsmünster gelegenen Landstrich. 1337 waren es so viele Siedler, dass eine eigene Pfarre gegründet wurde. Die alte, den Dorfkern dominierende Kirche basiert aber noch auf weit älteren Grundmauerresten. Am Abhang zum Steyrtal gelegen ist auch ein zweiter archäologisch interessanter Ort, der sogenannte "Teufelsturm".[4] An diesem Platz wurden 2002 bei einer Grabungskampagne ebenfalls interessante Funde gemacht, die die Lokalgeschichte des 14. Jahrhunderts dieser Gegend hier aufhellen helfen. Seit 1490 wird der Ort dem Fürstentum Österreich ob der Enns zugerechnet.

Überregionale Bedeutung erlangte der waldneukirchner Schmied Peter Schreckseisen, der zwischen 1568 und 1585 einer der wesentlichen Waffenproduzenten für das Grazer Zeughaus wurde, wo aus dieser Zeit zur Abwehr der Türken tausende Stangenwaffen - ein großer Teil davon in Waldneukirchen gefertigt - gehortet wurden und teilweise heute noch erhalten sind.

Im neuen Waldneukirchner Schulgebäude wird auf einer dort montierten Zeitleiste anhand von Dokumenten die wechselvolle Entwicklung einer seit 1774 im Dorf bestehenden eigenen Schule belegt und gezeigt. Während der Napoleonischen Kriege war der Ort mehrfach von Truppen besetzt. Die Gemeindereform nach der Aufhebung der Grundherrschaft 1848 ließ auch Waldneukirchen zu einer selbständigen Gemeinde werden [5] . Wichtig in diesem Zusammenhang ist zu erwähnen dass 1894 eine eigene Freiwillige Feuerwehr gegründet wurde.[6] 2014 feierte sie ihr 120-Jahres-Jubiläum - hier mit einem Video [7]. 1889 bekam Waldneukirchen den Anschluss an die Steyrtalbahn (allerdings musste man da vom Ortszentrum ins Steyrtal hinabsteigen). Sie blieb bis in die 1970er Jahre wichtiges Verkehrsmittel für Pendler und Schüler, die in Steyr höhere Schulen besuchten.

Mit der Ersten Republik 1918 gehört der Ort nicht mehr zum Erzherzogtum ob der Enns sondern zum Bundesland Oberösterreich. Auch hier war die Geschichte der Zwischenkriegszeit von wirtschaftlichen Krisen, Arbeitslosigkeit und politischer Zerrissenheit geprägt. Die kleine Landgemeinde stellte aber mit Peter Mandorfer zwischen 1936 und 1938 einen Landwirtschaftsminister. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 gehörte der Ort zum " Gau Oberdonau". Auch in Waldneukirchen erfolgte der von Historikern für diese Zeit als typisch beschriebene "Austausch der alten politischen Eliten" (= die Christlichsozialen des Ständestaats wurden durch neue NS-Funktionäre ersetzt).

Nach der Befreiung durch amerikanische Truppen am 5. Mai 1945 erfolgte die Wiederherstellung Oberösterreichs - das bis zum Staatsvertrag 1955 - dann zur amerikanischen Besatzungszone gehörte (20 km weiter östlich bei Steyr an der Enns begann die Sowjetische Besatzungszone in Österreich). Die Wiederaufbauzeit brachte auch im vorher hauptsächlich agrar geprägten Ort starke sozioökonomische Veränderungen. Die letzte Agrarstrukturerhebung 1999 zeigte nur mehr 123 Landwirtschaftsbetriebe auf, von denen noch 71 im Haupterwerb geführt wurden. Aufgrund der Strukturreformen bei der staatlichen Infrastruktur im letzten Jahrzehnt verlor der Ort aber sowohl seinen Gendarmerieposten, als auch später das eigene Postamt. Der Neubau eines Gemeindezentrums (mit integriertem Quartier der Feuerwehr und Gemeindearztpraxis) und die Errichtung eines Nahversorgers (mit vielen lokalen Produkten im Angebot) zeugt aber von der Vitalität des Ortes, auch wenn heute im Zentrum der Gemeinde leider kein Gasthof mehr offen hat.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2001 hatte die Gemeinde laut Volkszählung 2254 Einwohner. Die Einwohnerentwicklung seit der 1. VZ 1869 (1732 Ew. damals, seither Bevölkerungszahl langsam steigend) und andere sozioökonomische Parameter zur Gemeinde findet man bei den Gemeindedaten der statistik austria. Die Statistik.at-Probezählung 2006 ergab bei den Erwerbstätigen 1104 Personen (Erwerbsquote von 51,3 %); nach der Stellung im Beruf nur mehr 14 % in Land- und Forstwirtschaft, 25,7 % in der Sachgütererzeugung.[8]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister [9] ist seit 1. Juli 2014 Karl Schneckenleitner von der ÖVP (vgl. Gemeindenachrichten 2/2014) .

Im Rahmen der Effizienzsteigerung erfolgt seit Mai 2011 eine administrative Zusammenarbeit mit der Nachbargemeinde Adlwang.[10]

Ergebnisse der letzten Gemeinderatswahl am 27. September 2015
Partei Prozent Stimmen Mandate
ÖVP 55,85 % 854 14
SPÖ 17,33 % 265 4
BLW 11,25 % 172 3
FPÖ 15,57 % 238 4

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: Gespalten; links in Grün ein goldener Schlüssel mit abgewendetem Bart und Griff in Vierpaßform, rechts in Gold ein grünes, gestürztes Schwert.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Waldneukirchen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Waldneukirchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. siehe auch "Digitaler Ortsplan"
  2. Statistik Austria, Bevölkerung am 1. Jänner 2015 nach Ortschaften
  3. a b Bundesanstalt für Bodenwirtschaft: Erläuterungen der Bodenkarte 1:25000; Kartierungsbereich Grünburg, OÖ. KB 127. Wien 1988
  4. Der Teufelsturm in Waldneukirchen (Memento vom 29. November 2009 im Internet Archive): Teufelsturm.at
  5. Waldneukirchen auf der Katastralurmappe auf "DORIS"
  6. FF-Waldneukirchen: Chronik der FF-Waldneukirchen
  7. Video: 120 Jahre FF-Waldneukirchen: 120 Jahre dokumentiert
  8. statistik.at: Probezählung 2006:Bevölkerung nach Erwerbsstatus, Erwerbstätige nach Stellung im Beruf und wirtschaftlicher Zugehörigkeit (PDF; 10 kB)
  9. Mitglieder des Gemeinderats Waldneukirchen
  10. Gemeinde Waldneukirchen: Bauamt - Kooperation mit der Gemeinde Adlwang