Walther Stennes

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Walther Stennes

Walther Franz Maria Stennes[1] (* 12. April 1895 in Fürstenberg, Westfalen; † 18. Mai 1989 ebenda[2]) war ein deutscher Politiker und SA-Führer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jugend und Erster Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Walther Stennes wurde 1895 als Sohn des Amtmannes und Offiziers Fritz Stennes und seiner Ehefrau Louise, geb. Bering, geboren. Von seinem zehnten bis fünfzehnten Lebensjahr wurde er in der Kadettenanstalt auf Schloss Bensberg bei Köln erzogen. 1910 wechselte er zur Hauptkadettenanstalt Berlin-Lichterfelde, wo unter anderem Hermann Göring und Gerhard Roßbach zu seinen Mitschülern zählten.

Nachdem Stennes im Sommer 1913 sein Abitur abgelegt hatte, wurde er zur Kriegsschule versetzt. Im August 1914, bei Beginn des Ersten Weltkrieges, erhielt er sein Offizierspatent und rückte als Leutnant mit dem 3. Westfälischen Infanterie-Regiment Nr. 16 nach Belgien ein. Am 23. August wurde er verwundet. In Flandern erlebte er den sogenannten Weihnachtsfrieden von 1914 mit, bei dem sich deutsche und britische Frontsoldaten miteinander verbrüderten, um gemeinsam Weihnachten zu feiern.[3] Während des Krieges wurde er mehrfach ausgezeichnet: Im Mai 1915 wurde er mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse und im Juni 1917 mit dem Ritterkreuz des Hauses Hohenzollern ausgezeichnet. 1918 erhielt er das Lippische Kriegsverdienstkreuz, das Hanseatenkreuz und das Verwundetenabzeichen in Silber.

Freikorps, Sicherheitspolizei und Schwarze Reichswehr (1919 bis 1928)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dezember 1918 wurde Walther Stennes als Oberleutnant aus dem Heer verabschiedet. Auf Anregung von Ewald von Kleist stellte er die „Freiwillige Kompanie Stennes“, ein Freikorps, das sich aus vielen ehemaligen Soldaten des Infanterieregiments Nr. 16 zusammensetzte, auf. Es wurde heimlich auf Schloss Varlar bei Coesfeld ausgebildet. Daraus entstand das etwa fünfhundert Mann umfassende Freikorps Hacketau. Mit diesem ging er gegen Erhebungen und Streiks von Arbeitern in Coesfeld, Dülmen, Bocholt, Münster und Düsseldorf vor. In Hamm konnte er einen Arbeiterstreik sogar gänzlich unterdrücken. Während der Bürgerkriegskämpfe um das Ruhrgebiet im März 1919 wurde Stennes vom kommandierenden General von Watter als Militärbefehlshaber in Hamm Stadt und Land eingesetzt. Sein Freikorps besetzte rund um Hamm die Zechen Radbod, de Wendel, Sachsen und Westfalen. Die bestreikte Zeche Radbod wurde von der Truppe notdürftig in Betrieb gehalten und so auch die Gasversorgung der Stadt Münster gesichert.[4]

Am 19. Juli 1919 wurde Stennes in die Sicherheitspolizei beim Polizeipräsidium Berlin eingestellt: Am 1. August 1919 erhielt er das Kommando über eine Hundertschaft zur besonderen Verwendung (z.b.V.) der Berliner Sicherheitspolizei, deren spezielle Aufgabe der Schutz des Regierungsviertels und die Bewachung der Regierung bei Bürgerkrieg und Unruhen sein sollte. Während des Kapp-Putsches im März 1920 erwies die Hundertschaft z.b.V. sich jedoch gegenüber der republikanischen Regierung als wenig loyal: Anstatt die Regierung zu verteidigen, lief sie zu den Putschisten über und versah sogar gemeinsam mit Soldaten der Marine-Brigade Ehrhardt Wachdienst in Charlottenburg, wobei sie das Abzeichen des rechtsradikalen „Bundes nationalgesinnter Soldaten“ trug. Dennoch wurde Stennes am 12. Juni 1920 zum Polizeihauptmann befördert.

Nachdem Stennes am 22. August 1921 von der Führung der Hundertschaft z.b.V. entbunden worden war, wurde er am 1. Dezember 1921 in die innere Dienststelle des Abteilungskommandos versetzt und zum 1. Januar 1922 in den Stab der Polizeiabteilung Zehlendorf abgeordnet. Bald danach, am 28. Februar 1922, schied er auf eigenen Wunsch ganz aus dem Polizeidienst aus. In späteren Jahren kursierten zahlreiche Gerüchte um Stennes’ Tätigkeit bei der Sicherheitspolizei: So soll er innerhalb der Hundertschaft eine Sondertruppe namens „Ringmannen“ ins Leben gerufen haben, die Fememorde verübte und Putschpläne gegen die Republik vorbereitete. Insbesondere der mysteriöse Tod des Wachtmeisters Buchholz, des Kassengeschäftsführers der Hundertschaft, im Jahr 1920 wurde von der Presse immer wieder den Ringmannen angelastet und darauf zurückgeführt, dass dieser Waffenschiebereien entdeckt habe und im Begriff gewesen sei, diese offenzulegen.

Im Herbst 1922 schloss sich Stennes der „Schwarzen Reichswehr“ an. Als Kommandant des Forts Hahneberg leitete er die illegale militärische Ausbildung junger Männer aus den verschiedenen nationalistischen Verbänden. Im Oktober 1923 beteiligte sich Stennes am Küstriner Putsch der „Schwarzen Reichswehr“. Es mussten erst schwere Polizei- und Reichswehreinheiten aufgezogen werden, um Stennes zur Aufgabe des Forts Hahneberg zu bewegen, wo er sich mit seinen schwer bewaffneten Aufständischen verschanzt hatte.

1924 kehrte Stennes vorübergehend in die Privatwirtschaft zurück: Mit der Abfindung für seine Pension eröffnete er in Tempelhof ein Kraftdroschken-Unternehmen, das jedoch fehlschlug.

Im weiteren Verlauf der 1920er Jahre wurden Stennes weiterhin Beteiligung an Verschwörungen gegen die Republik, Verwicklung in Fememorde und Waffenschiebereien sowie Attentatspläne – vor allem gegen sozialdemokratische Politiker – nachgesagt: Allerdings konnte keine dieser Anschuldigungen bewiesen werden. Hausdurchsuchungen bei ihm und bei seinen Anhängern in den Jahren 1925 bis 1928 verliefen stets ergebnislos.

In seiner widersprüchlichen Doppelrolle als Offizier der Sicherheitspolizei und gleichzeitiger Gegner der Weimarer Republik knüpfte Stennes bis um 1925 zahlreiche Kontakte, was ihn bald zu einem der bestvernetzten Männer auf Seiten der politischen Rechten machte. Einerseits arbeitete er mit Außenminister Gustav Stresemann eng zusammen, gleichzeitig stand er aber auch in ständiger Fühlung mit Republikgegnern wie Waldemar Pabst, mit dem er seit 1920 befreundet war. Den Großteil seiner politischen Beziehungen unterhielt Stennes allerdings zu Kampfbundführern sowie zu Nachrichtenmännern wie Hanns Reinholz oder Herbert von Bose, dem Ehemann seiner Cousine Thea Kühne. Auch Adolf Hitler hatte Stennes bereits 1920 – über Erich Ludendorff – kennengelernt. Hitlers Angebot, die Führung über die Sturmabteilung (SA), die Kampfformation der NS-Bewegung, zu übernehmen, lehnte er 1922 jedoch ab. Stattdessen wurde der Fliegerhauptmann Hermann Göring erster Führer der SA.

SA-Führer (1928 bis 1931)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mai 1927 schloss Stennes sich den Nationalsozialisten an. Er übernahm zunächst die Führung der SA im Gau Berlin. Am 30. September 1927 folgte die Ernennung zum OSAF-Ost, d. h. zum regionalen Oberbefehlshaber der SA in Ostdeutschland, mit deren Ausbau er betraut wurde: In dieser Eigenschaft unterstanden ihm die SA-Einheiten von Berlin, Brandenburg, Ostpreußen und Pommern, die gut ein Drittel der gesamten SA ausmachten. Außerdem war Stennes seit dieser Zeit Stellvertreter von Franz Pfeffer von Salomon, dem Stabschef der SA als Gesamtorganisation.

Anlässlich der Reichstagswahl 1930 forderte Stennes von Hitler nachdrücklich eine stärkere Berücksichtigung von SA-Führern auf sicheren Listenplätzen, was jedoch keine Berücksichtigung fand. Eine weitere Verschlechterung der Beziehungen Stennes’ zu Hitler und der NSDAP ergab sich in der Folgezeit zum einen aus der materiellen Not, die in weiten Kreisen der SA herrschte, und zum zweiten aus immer klarer werdenden grundsätzlichen taktischen Differenzen: Während Stennes auf eine Regierungsübernahme durch einen gewaltsamen Staatsstreich der SA drängte, hatte Hitler sich seit dem Scheitern seines Putsches von 1923 darauf festgelegt, ausschließlich auf legalem Wege über die Gewinnung der Parlamentsmehrheit bei Wahlen zur Macht zu gelangen. Eine Reihe von Forderungen, die Stennes an Hitler richtete (SA-Männer in größerem Umfang auf die Reichstagskandidatenliste der NSDAP zu setzen, Bezahlung von SA-Wachen für Saalwächterdienste usw.), wies dieser rundherum zurück. Stennes reagierte darauf, indem er am 30. August 1930 die Berliner Hauptgeschäftsstelle der NSDAP und die Redaktion der Berliner Parteizeitung Der Angriff von seinen SA-Leuten besetzen ließ (sogenannte erste Stennes-Meuterei). Die SS-Wachen wurden bei dieser Gelegenheit zusammengeschlagen. Gauleiter Joseph Goebbels, gerade in Breslau, rief Hitler zu Hilfe und eilte selbst nach Berlin zurück. Hitler, der nur mit Mühe Stennes zu einem vorläufigen Einlenken bewegen konnte, setzte anschließend Pfeffer von Salomon, der sich unfähig gezeigt hatte, Stennes in Zaum zu halten, als Stabschef der SA ab und berief an seiner Stelle Ernst Röhm. Ferner wurde eine verschärfte Beobachtung und Bespitzelung von Stennes veranlasst, so durch den Hitler-treuen Arzt Leonardo Conti, der der Berliner SA als Stabsarzt zugeteilt war.

1931 eskalierten die Konflikte von Stennes mit der Parteileitung im sogenannten Stennes-Putsch: Einem Befehl Hitlers vom 20. Februar 1931, der verlangte, dass die Berliner SA sich vorläufig einer Notverordnung der Regierung Brüning fügen und an keinen Straßenkämpfen mehr beteiligen sollte, handelte Stennes offen zuwider. Hitler sah dadurch seinen Legalitätskurs massiv gefährdet, bis hin zu der Möglichkeit eines erneuten Parteiverbotes. So wurde Stennes am 31. März 1931 durch Hitler und Röhm von seinem Posten als OSAF-Ost abberufen und in die Münchner Parteizentrale versetzt, was praktisch einer Degradierung gleichkam. Stennes entschied sich dazu, sich seiner Absetzung gewaltsam zu widersetzen: Am 1. April ließ er die Geschäftsstelle der Partei und die Redaktion des Angriffs von seinen Anhängern besetzen, in der Hoffnung, so die NS-Bewegung zu spalten und das Gros der SA auf seinen Kurs einzuschwenken. Die Nummer des Angriffs vom Folgetag brachte er selbst heraus. Die Entsetzung der Räumlichkeiten konnte erst mit Hilfe der Berliner Polizei erreicht werden. In den folgenden Wochen trat Stennes dann öffentlich als Werberedner in eigener Sache in Erscheinung: Er rechtfertigte seine Handlungen, indem er die Verschwendungssucht und das Bonzentum der Parteiführer sowie den Verrat an den sozialistischen Prinzipien des Parteiprogramms der NSDAP anprangerte. Obwohl er mit Parolen wie „Was ist wichtiger: Stiefelsohlen für die SA oder ein Palais für die Parteibonzen?“ starken Widerhall fand, konnte Stennes nur etwa ein Drittel der Berliner SA zum offenen Aufstand gegen Hitler bewegen. Hitler ließ Stennes unverzüglich als Chef der Berliner SA absetzen. Praktisch wurde seine Macht durch den kommissarischen Berliner SA-Chef Paul Schulz, den Berliner SS-Führer Kurt Daluege und durch Edmund Heines gebrochen. Stennes erklärte später, dass wenn Charisma eine Rolle bei der Niederschlagung seiner Revolte gespielt habe, es Schulz’ Charisma und nicht das Hitlers gewesen sei. In der Folgezeit wurden sämtliche Sympathisanten von Stennes aus der NSDAP ausgeschlossen.

Stennes gründete stattdessen die Nationalsozialistische Kampfbewegung Deutschlands (NSKD).

Politischer Rivale der NSDAP (1931 bis 1933)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Politisch kämpfte Stennes in der Folgezeit bis 1933 gegen die NSDAP. So engagierte er sich in den Wahlkämpfen des Jahres 1932 gegen die Partei und bot noch Ende 1932 dem damaligen Reichskanzler Kurt von Schleicher an, ihm seine Organisation in einem erneuten Wahlkampf zur Auseinandersetzung mit der NSDAP zur Verfügung zu stellen. Enge Kontakte pflegte Stennes, trotz erheblicher inhaltlicher Differenzen, außerdem mit Otto Strasser und anderen „abtrünnigen Nazis“, die sich nach ihrem Ausscheiden aus der NS-Bewegung gegen diese wandten. Stennes erklärte später, sein Interesse habe immer nur der SA und nie der Partei gegolten. Hitlers Legalitätskurs, der darauf abzielte, die Macht im Staat mit Hilfe einer Partei innerhalb des vorgegebenen politischen Systems zu erringen, lehnte er ab. Stattdessen erstrebte er einen Umbau auf der Grundlage einer populären Volksbewegung und ohne Partei, die er als Konzession an das bestehende System ansah.

Als die preußische Staatsregierung im April 1932 einen Sonderfonds zum Schutze der Demokratie beschloss, wirkte ihr Finanzminister Otto Klepper auch auf die Unterstützung der „Schwarzen Front“ hin, insbesondere jene Walther Stennes’. In den Tagen vor dem „Preußenschlag“ wurde er von Klepper zu einer Besprechung mit Heinrich Hirtsiefer und Carl Severing mitgebracht und wusste aus dem Reichswehrministerium die Information zu präsentieren, Franz von Papen sei nach Neudeck gefahren, „um sich von Hindenburg Vollmachten für einen Staatsstreich geben zu lassen“.[5] Als sich die Hinweise verdichtet hatten, machte Klepper drei Tage vor dem Putsch im Ministerium den Vorschlag, Stennes eine Hundertschaft zur besonderen Verwendung anführen zu lassen, die verhaften sollte, wer unbefugt das Ministerium betrat, selbst ein Gegenangriff auf das Reichsoberhaupt schien ihm nötigenfalls legitim. Nur Hirtsiefer unterstützte ihn.[5]

Exilzeit (1933 bis 1949)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Frühjahr 1933 ging Stennes zusammen mit seiner Frau und Tochter in die Emigration. Die Angaben über die Umstände seiner Flucht/Ausreise unterscheiden sich erheblich: Während Hans Graf von Lehndorff, ein dem konservativen Widerstand nahestehender Arzt aus Ostpreußen, in seinen Memoiren Menschen, Pferde, Weites Land berichtete, dass sein Mentor, der NS-Gegner Carl von Jordans, Stennes in einer „Nacht und Nebel“-Aktion zur Flucht ins Ausland verholfen habe, finden sich in Stennes’ Nachlass im Institut für Zeitgeschichte auch Briefe, die nahelegen, dass Stennes nach einer vorübergehenden Haft – einige Quellen sprechen von vier Monaten Einzelhaft – im Columbiahaus dank der Fürsprache seines Onkels, des Kölner Erzbischofs Kardinal Karl Joseph Schulte, und des Päpstlichen Nuntius Cesare Orsenigo sowie der Protektion Görings freigelassen worden sei. Göring habe ihm das Versprechen abgenommen, das Land sofort zu verlassen und sich nicht in der Schweiz niederzulassen.[6]

Stennes emigrierte anschließend über die Niederlande und England nach China. An Bord des Dampfers Ranchi traf Stennes zusammen mit seiner Frau am 19. November in Shanghai ein. In China war Stennes bis 1949 für Chiang Kai-sheks Kuomintang-Bewegung als Militärberater tätig. Seine Bemühungen gingen dahin, die Armee- und Polizeikräfte der chinesischen Nationalisten nach dem Vorbild der preußischen Streitkräfte zu reorganisieren. Außerdem befehligte er die zweitausend Mann starke Leibwache Chiang Kai-sheks.

Von deutschen Diplomaten und Geheimdienstlern blieb Stennes während seines Aufenthalts in China unbehelligt. Zum Gestapo-Vertreter in Japan Josef Meisinger pflegte er sogar beinahe freundschaftliche Beziehungen. Dennoch soll Stennes ständig nationalsozialistische Anschläge auf sein Leben befürchtet haben. Mehreren Aufforderungen, nach Deutschland zurückzukehren, die ihn nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges erreichten, weigerte er sich Folge zu leisten. Jay Taylor geht sogar davon aus, dass Stennes Beziehungen zu dem sowjetischen Spion an der deutschen Botschaft in Tokio Richard Sorge unterhielt, der ihn 1941 über den bevorstehenden deutschen Angriff auf die Sowjetunion unterrichtet habe. Stennes soll diese Nachricht an Chiang weitergegeben haben, der sie über Zhou Enlai Josef Stalin zugespielt habe.[7]

Nach der Besetzung großer Teile Chinas durch Japan entging Stennes nur knapp der Verhaftung. Nach dem Krieg verlangten umgekehrt die Amerikaner kurzzeitig seine Auslieferung, nachdem er sich geweigert hatte, ehemalige Nationalsozialisten in Shanghai zu denunzieren, die mit der japanischen Armee kollaboriert hatten. Chiang Kai-shek bewahrte ihn vor diesem Schicksal, indem er ihn zu einem Mitglied der chinesischen Militärkommission ernannte.[8]

Rückkehr nach Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland im Jahr 1949 versuchte Stennes sich in der niedersächsischen Landespolitik, wo er für die Landtagswahlen im Mai 1951 die Organisation der Deutschen Sozialen Partei des Landwirtschaftsministers Günther Gereke übernahm. Danach zog Stennes sich ins Privatleben zurück. Er stellte einen Antrag auf Anerkennung als Verfolgter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, der 1957 vom Bundesgerichtshof abgelehnt wurde. In einer Aussage für das Spruchkammerverfahren hatte Otto Klepper 1949 Stennes’ Dienste als wertvoll und persönlich riskant bezeichnet und dem mit einem Brief vom April 1954 seine Einschätzung zugefügt, es sei bei Stennes eine grundsätzliche Abkehr von der Ideologie des Nationalsozialismus erfolgt.[5] In seinen späteren Jahren lebte er in Brügge, einem Stadtteil von Lüdenscheid.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stennes war verheiratet mit Hildegard Borkenhagen. Beide hatten eine Tochter.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Westfalen ist mehr als nur ein Regendach. In: Rainer Schepper (Hrsg.): Westfalen unter sich über sich. Frankfurt 1978.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Charles Drage: Als Hitler nach Canossa ging. Biografie des Walther Stennes. Berlin 1982. (Im Original: The Amiable Prussian. London 1958.)
  • Karl-Heinz Janßen: Der Haudegen Walther Stennes. In: Ders.: … und morgen die ganze Welt. Deutsche Geschichte 1871–1945, Bremen 2003, S. 155–176.
  • Karl-Heinz Janßen: Der Haudegen. Das Leben eines unbequemen Untergebenen: Walther Stennes. In: Die Zeit. 30. November 1979 und 7. Dezember 1979.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. In der Literatur tauchen sowohl die Schreibweisen Walter als auch Walther als Schreibweisen von Stennes Vornamen auf. Während Stennes' Vorname in seiner Geburtsurkunde Walter (ohne h) geschrieben wird praktizierte er selbst die Schreibweise Walther (mit h). Siehe z.B. das Schreiben von Stennes an Thilo Vogelsang vom 16. Februar 1957, in dem er seinen Vornamen im Briefkopf als Walther (mit h) angibt (vgl. IfZ: Zeugenschrifttum Stennes 1, Bl. 11 (als Digitalisat abrufbar auf der Website des IfZ).
  2. Walther Stennes im Munzinger-Archiv, abgerufen am 30. Dezember 2009 (Artikelanfang frei abrufbar).
  3. Malcolm Brown: Christmas Truce. 1984, S. 129 und passim.
  4. vgl. Horst Conrad: Kommunalarchive des Kreises Siegen und des Hochsauerlandkreises, Privatarchive in Rheda und Hamm – Tätigkeitsbericht, Mai 1979–Mai 1980. In: Archivpflege in Westfalen und Lippe. Nr. 14, Dezember 1980, S. 13 ff.
  5. a b c Astrid von Pufendorf: Otto Klepper (1888–1957). Deutscher Patriot und Weltbürger. Oldenbourg Verlag, München 1997, S. 128, 130 u. 134.
  6. Kurt Schilde: Columbia-Haus. Berliner Konzentrationslager 1933–1936. 1990, S. 194, geht vom August 1933 als dem wahrscheinlichsten Zeitpunkt für die Entlassung Stennes aus dem Columbia-Haus aus.
  7. Jay Taylor: The Generalissimo. Chiang Kai-shek and the Struggle for Modern China. 2009, S. 181.
  8. Jean Michael Plamier: Weimar in Exile. 2006, S. 220.