Werner Peiner

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Werner Peiner (* 20. Juli 1897 in Düsseldorf; † 19. August 1984 in Leichlingen) war ein deutscher Maler, der in der Zeit des Nationalsozialismus von Adolf Hitler in die Gottbegnadeten-Liste aufgenommen wurde.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werner Peiner war der Sohn des in Eiserfey geborenen Kaufmanns Joseph Peiner (1867–1945) und dessen Ehefrau Sophia, geborene Maintz (1871–1951), aus Mechernich.[1] Peiner wuchs in Düsseldorf auf, wo sein Vater zum Geschäftsführer einer Holzgroßhandlung aufgestiegen war. Die Schule besuchte er bis zur Oberprima. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges meldete sich er beim einem Ulanen-Regiment freiwillig zum Heer. Er wurde bis zum Leutnant befördert und diente an der Westfront als Adjutant. Nach dem Krieg studierte Peiner ab 1919 an der Düsseldorfer Kunstakademie, nachdem er bei Wilhelm Döringer, einem Freund des Vaters, zunächst Privatunterricht genommen hatte.[2][3]

In den 1920er Jahren gastierte und malte er bei Katharina „Nette“ Faymonville im Burghotel zu Kronenburg in der Eifel. In dieser Zeit schloss er sich mit Fritz Burmann und Richard Gessner zum „Dreimann-Bund“ zusammen. 1923 heiratete Peiner Marie Therese „Resi“ Lauffs und zog zu den Schwiegereltern nach Bonn. Das Paar hatte keine eigenen Kinder, 1950 nahm es die verwaiste Tochter eines Vetters als Adoptivkind auf. Mitte 1925 richtete sich Peiner ein Atelier in Düsseldorf ein. In dieser Zeit konnte er durch Vermittlung seiner Freunde, des Architekten Emil Fahrenkamp und des Unternehmers Walter Kruspig (seit 1930 Generaldirektor der Rhenania-Ossag), künstlerische Aufträge für die Ausgestaltung von Kirchen-, Versicherungs- und Industriebauten übernehmen.

1931 ließ sich Peiner in Kronenburg nieder und fing an, mehrere Häuser im historischen Ortskern zu einem Atelier umzubauen. Heutzutage wird in einem davon ein Hotel betrieben. Werner Peiner war maßgeblich am Bau der Abwasserkanalisation in Kronenburg (nicht jedoch in der Talsiedlung Kronenburgerhütte) beteiligt, da ihn die über die Straße laufenden Abwässer störten. Von ihm entworfene Straßenlampen finden sich noch heute in Kronenburg.

1933 wurde er an die Düsseldorfer Kunstakademie als Professor für Monumentalmalerei berufen. Damit folgte er Heinrich Campendonk nach, der aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums kurz zuvor entlassen worden war. Die Berufung verdankte Peiner nicht nur der Bekanntschaft mit dem kommissarischen Leiter der Kunstakademie, Julius Paul Junghanns, sondern wohl auch seinem Gemälde „Deutsche Erde“, mit dem er die aufkommende Blut-und-Boden-Ideologie unterstützte. Das Gemälde wurde als Geschenk der Stadt Mechernich von dem Schleidener Landrat Josef Schramm und dem Schleidener NSDAP-Kreisleiter Franz Binz Adolf Hitler persönlich überreicht. Nach der Erinnerung von Rolf Dettmann, einem Schüler Peiners, könnte auch die Freundschaft Peiners mit Kruspig bei der Berufung eine Rolle gespielt haben.[4]

Das Verhältnis zu Peter Grund, seit 1933/1934 neuer Direktor der Düsseldorfer Akademie, war durch Spannungen gekennzeichnet. Mit Zustimmung von Hermann Göring unternahm Peiner ab Februar 1935 eine Studienreise nach Ostafrika, die Kruspig organisiert und finanziert hatte. Durch Kruspigs Vermittlung hatte Peiner persönlichen Zugang zu Göring. In einem Tischgespräch bei Göring am 24. Januar 1936 gelang es Peiner, seinen Wunsch nach der Gründung einer eigenen Akademie durchzusetzen. Am 23. März 1936 folgte der Erlass des Ministers für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung zur Bildung der „Landakademie Kronenburg der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf“. Als Hermann-Göring-Meisterschule für Malerei wurde sie unter Leitung Peiners 1938 verselbständigt. Schüler Peiners in Kronenburg waren u. a. Rolf Dettmann, Willi Sitte und Willi Wewer (1912–1997). Er entwarf unter anderem monumentale Gobelins für die Neue Reichskanzlei.[5] Ein Frauenakt von ihm hing über Görings Bett in Carinhall. Peiner wurde 1937[6] Mitglied der NSDAP.[7] Im gleichen Jahr wurde er Mitglied in der Preußischen Akademie der Künste. Dennoch wurde eines seiner Bilder als „entartet“ beschlagnahmt. 1940 erfolgte die Ernennung zum Preußischen Staatsrat. 1944, in der Endphase des Zweiten Weltkriegs, nahm ihn Adolf Hitler in die Sonderliste der Gottbegnadeten-Liste mit den zwölf wichtigsten bildenden Künstlern auf.[8]

1944 zog Peiner mit seiner Frau nach Gimborn ins Oberbergische Land. Nach Kriegsende wurde er interniert und sein gesamter Besitz beschlagnahmt. 1948 erwarb er die verfallene Burg Haus Vorst in Leichlingen/Rheinland, die er über viele Jahre restaurierte. Dort lebte und arbeitete er bis zu seinem Tod im Jahr 1984.

Malerei, Gobelins[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Auktionen verkaufen sich insbesondere seine Werke aus den 1920er Jahren, als er im Stil der Neuen Sachlichkeit malte, ohne wirklich als Vertreter dieser bedeutenden deutschen Kunstrichtung der Weimarer Zeit anerkannt zu sein. Das Interesse der Wissenschaft gilt seinen Gobelin-Auftragswerken, dem Zyklus „Deutsche Schicksalsschlachten“ für die Marmorgalerie, auch Lange Halle genannt, der Neuen Reichskanzlei in Berlin, deren Entwürfe im Rheinischen Landesmuseum Bonn ausgestellt sind. Peiner schuf den Karton für den monumentaalsen Bildteppich „Die Erdkugel“, der in der Pariser Manufacture des Gobelins begonnen, aber nicht vollendet wurde, und der für Hermann Görings monumentales Anwesen Carinhall bestimmt war (ausgestellt in der Münchner Hypo-Kunsthalle in der Ausstellung Die Fäden der Moderne, Dezember 2019 bis März 2020)[9]. Überliefert sind sechs Kartons sowie das Thema eines siebten zu Gobelins in den Maßen 5,40 × 10 Metern (Die Schlacht im Teutoburger Wald, Heinrich I. in der Ungarnschlacht, Die Belagerung der Marienburg, Die Türkenschlacht vor Wien, Friedrich der Große bei Kunersdorf, Die Schlacht bei Leipzig, Tankschlacht bei Cambrai). Der achte, inhaltlich nicht überlieferte Entwurf, sah ein Ereignis aus der NS-Zeit vor, also eine entscheidende Schlacht aus dem Zweiten Weltkrieg.[10] Seit der Nachkriegszeit werden seine Werke wegen seiner Verstrickung in die nationalsozialistische Kunstpolitik kaum noch öffentlich ausgestellt.[11]

Auf den Großen Deutschen Kunstausstellungen im Münchner Haus der Deutschen Kunst war er mit 33 Werken vertreten.[8] In der Nachkriegszeit schuf Peiner Gobelins für den Gerling-Konzern und den äthiopischen Kaiser Haile Selassie.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kunst im 3. Reich – Dokumente der Unterwerfung. Katalog des Frankfurter Kunstvereins, Frankfurt am Main 1974.
  • Peter Achtmann: Zeitgeist und Kunst. Werner Peiner – ein zu Unrecht verfemter Künstler. In: Das Ostpreußenblatt, 21. Juni 1975, Seite 9 und Ein Lächeln für diese Zeit. In: Das Ostpreußenblatt, 23. Juli 1977, Seite 13.
  • Otto Baur: Ein Leben in Sturm und Stille. In Das Ostpreußenblatt, 17. Juli 1982, S. 9.
  • Friedrich Burgdorfer: Das Haus der Deutschen Kunst 1937–1944. Bd. 1, Arndt, Kiel 2011, ISBN 978-3-88741-092-6, S. 28.
  • Nicola Doll: Mäzenatentum und Kunstförderung im Nationalsozialismus. Werner Peiner und Herrmann Göring. VDG, Weimar 2009.
  • Ernst Adolf Dreyer: Werner Peiner. Vom geistigen Gesetz Deutscher Kunst. Sieben Stäbe Verlag, Hamburg 1936.
  • Anja Hesse: Malerei im Nationalsozialismus. Der Maler Werner Peiner (1897–1984). Olms, Hildesheim 1995.
  • Hermann Hinkel: Zur Funktion des Bildes im deutschen Faschismus. Anabas, Steinbach 1975, ISBN 3-87038-033-0.
  • Berthold Hinz: Die Malerei im deutschen Faschismus – Kunst und Konterrevolution. Hanser, München 1974, ISBN 3-446-11938-8.
  • Heike Hümme: Künstlerischer Opportunismus in der Malerei und Plastik des Dritten Reiches . Braunschweig, Techn. Univ., Diss., 2005. Zu Peiner: Seite 164–199 (Digitale Bibliothek Braunschweig).
  • Conrad-Peter Joist (Hrsg.): Die Eifel im Bild der Kronenburger Malerschule. In: Landschaftsmaler der Eifel im 20. Jh., Düren 1997, S. 137–156.
  • Reinhard Müller-Mehlis: Die Kunst im Dritten Reich. Heyne, München 1976, ISBN 3-453-41173-0.
  • Dieter Pesch, Martin Pesch: Werner Peiner – Verführer oder Verführter. Kunst im Dritten Reich. Grin Verlag, München 2012, ISBN 978-3-656-17431-8.
  • Johannes Sommer (einleitender Text): Werner Peiner. Sechzig Bilder. Feldpostausgabe, Kanter-Verlag, Königsberg (Pr.) 1940.
  • Manfred Thiel (Hrsg.): Werner Peiner. Ein Künstlerleben in Sturm und Stille. Eine Autobiographie. Elpis Verlag, Heidelberg 2004, ISBN 3-9218-0668-2.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mit der Eifel seit der Kindheit verbunden. Artikel vom 28. September 2011 im Portal rundschau-online.de, abgerufen am 23. Februar 2020
  2. Dieter Pesch: Werner Peiner. Maler des Nationalsozialismus (1897–1984), Webseite im Portal rheinische-geschichte.lvr.de, abgerufen am 23. Februar 2020
  3. Museum Kunstpalast: Künstler und Künstlerinnen der Düsseldorfer Malerschule (Auswahl, Stand: November 2016, PDF)
  4. Dieter Pesch: Metamorphosen. Rolf Dettmann 1915–1992. Grin, München 2015
  5. In: Johannes Sommer: Werner Peiner. 60 Bilder, Kanter-Verlag, Königsberg (Pr.)
  6. Friedrich Burgdorfer: Das Haus der Deutschen Kunst 1937–1944. Bd. 1, Arndt, Kiel 2011. ISBN 978-3-88741-092-6, S. 28.
  7. Bilder mit Vergangenheit (PDF; 10 kB), Kölner Stadt-Anzeiger, 31. Oktober 2002
  8. a b c Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 452.
  9. Susanne Hermanski: Und morgen die halbe Welt, Süddeutsche Zeitung vom 18./19. Januar 2020, Seite R17
  10. Kommentar aus: Dr. Eckart Gillen, Der Hallesche Bildteppich, 2011, mural.ch, Abruf am 19. Februar 2019.
  11. Andreas Fasel: Umstrittener Maler: Hitlers Liebling – Peiner war bei Nazis gefragt. 5. Juni 2012 (welt.de [abgerufen am 18. Juni 2019]).