Wicklesgreuth

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Wicklesgreuth
Gemeinde Petersaurach
Koordinaten: 49° 19′ 4″ N, 10° 42′ 8″ O
Höhe: 447 (425–470) m ü. NHN
Einwohner: 983 (31. Dez. 2015)[1]
Postleitzahl: 91580
Vorwahl: 09802
Ortsansicht
Ortsansicht
Friedenskirche
Bahnhof Wicklesgreuth in den 1970er Jahren
Bahnhof Wicklesgreuth2.jpg
Weiherhofsiedlung

Wicklesgreuth (umgangssprachlich: Graid[2]) ist ein Ortsteil der Gemeinde Petersaurach im Landkreis Ansbach in Mittelfranken.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Westlich des Kirchdorfes grenzt der Ortsteil Langenheim an, der aus einer Fabrik im Lichtenauer Forst besteht. Nordwestlich liegt das Waldgebiet Streitlach und im Osten das Weiherholz. Unmittelbar südlich von Wicklesgreuth entspringt das Dorfbächlein, ein linker Zufluss der Fränkischen Rezat, unmittelbar nördlich des Orts entspringt ein Bach als rechter Zufluss des Rippbachs, der links in den Haselbach fließt. Die höchste Erhebung ist der Sandbühl (466 m ü. NHN) südwestlich des Ortes.[3] Der Ort liegt auf einem Hügel zwischen Heilsbronn im Osten und Katterbach im Westen.

Ortsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem ursprünglichen Wicklesgreuth entstand 1815 der Weiherhof, um 1885 die Siedlung Wicklesgreuth-Bahnhof. 1970 kam es zur einheitlichen Bezeichnung Wicklesgreuth für die drei Orte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Dorf möglicherweise schon im Jahr 1213 als „Geriute“, womit allerdings auch Reuth (Neuendettelsau) gemeint sein könnte.[4] 1317 erfolgte eine urkundliche Erwähnung als „Wickelinsgerut“. Das Bestimmungswort des Ortsnamens ist der Personenname Wikelîn,[5] das Grundwort -reuth bedeutet Rodung. Wikelîn ist als Gründer der Siedlung anzunehmen, die durch Rodung ermöglicht wurde.[2]

Im Salbuch des Klosters Heilsbronn aus dem Jahr 1402 ist für Wicklesgreuth ein Untertan aufgeführt.[6] 1518 erhielt der 25. Abt Bamberger durch Tausch mit dem Heilig-Geist-Spital in Nürnberg Gefälle von einem Hof in Wicklesgreuth. Als Gegenleistung bekam das Spital ein Gefälle in Neunhof. In der Folge wurden vier von acht Höfen in Wicklesgreuth heilsbronnisch.[7]

Im 15. Jahrhundert war im Ort ein Heinrich Geuder aus Nürnberg begütert. 1467 verkaufte dieser sein Gütlein an Hans von Eyb zu Vestenberg. 1472 erwarb er noch ein Söldengütlein. 1482 verkaufte Endres Scheppach aus Nürnberg sein Wicklesgreuther Eigengut ebenfalls an Hans von Eyb.[8]

Seit 1579 bildete Wicklesgreuth mit Gleizendorf eine Gemeinde.[9]

Im 16-Punkte-Bericht des Klosteramts Heilsbronn aus dem Jahr 1608 werden für Wicklesgreuth nur die 3 Mannschaften verzeichnet, die das Klosterverwalteramt Heilsbronn als Grundherrn hatten. Die anderen sind nicht erwähnt. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Kasten- und Stadtvogteiamt Windsbach aus.[10] Nach dem Dreißigjährigen Krieg war der Ort viele Jahre lang öde und verfiel.[7]

In den Oberamtsbeschreibungen des Fürstentums Ansbach von Johann Georg Vetter aus dem Jahr 1732 wird der Ort folgendermaßen beschrieben:

„Wickleinskreüt Ein Weyler, welcher nach Petersaurach gepfarret und des Zehendens befreyet ist, darinnen seyn 5. Closter Hailsbronnl. Unterthanen und 1. ödes Güthlein, in gleichen 4. Eybische Widerßpachl. hintersaßen, davon liegt nicht mehr dann der 1. Closter hailsbronnische Hoff, so dermal mit doppelter Mannschaft besezt und das Neuerbaute güthlein, in der allhiesig Oberamt Anspachl. die übrigen alle in der Oberamt Windspachl. Hochfreischl. Hohen Obrigkeit, die Gemeindeherrschaft samt der Vogthey hingegen gehört alles ins Closter Hailsbronn.“[11]

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bildete Wicklesgreuth mit Gleizendorf immer noch eine Gemeinde. In Wicklesgreuth gab es 8 Haushalte. Das Hochgericht über 6 Anwesen übte das brandenburg-ansbachische Kasten- und Stadtvogteiamt Windsbach aus, über 2 Anwesen das Hofkastenamt Ansbach. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Klosterverwalteramt Heilsbronn inne. Die einzelnen Anwesen unterstanden unterschiedlichen Grundherren: 4 Anwesen dem Fürstentum Ansbach (Klosterverwalteramt Heilsbronn: 3, Kasten- und Stadtvogteiamt Windsbach: 1) und 4 Anwesen dem Rittergut Eyerlohe der Herren von Eyb. Neben den Haushalten gab es noch das Flachsbrechhaus, ein kommunales Gebäude.[12]

Im Geographischen statistisch-topographischen Lexikon von Franken (1804) sind für den Ort 9 Haushalte angegeben, von denen 5 dem Kammeramt Windsbach unterstanden und 4 anderen Grundherrn.[13]

Mit dem Gemeindeedikt wurde Wicklesgreuth dem 1808 gebildeten Steuerdistrikt Petersaurach zugeordnet, während für Gleizendorf der Steuerdistrikt Großhaslach zuständig war. Wicklesgreuth gehörte auch zur 1810 gegründeten Ruralgemeinde Petersaurach.[14] Wenig später reichte Wicklesgreuth ein Gesuch ein, mit dem Weiherhof eine eigene politische Gemeinde bilden zu dürfen. Dieses wurde jedoch abgelehnt.[15] Der Teil der ab 1948 auf dem Gemeindegebiet Herpersdorf entstandenen Siedlung wurde als Langenloh-Nord bezeichnet und von Herpersdorf verwaltet. Er wurde am 1. Januar 1972 im Zuge der Gebietsreform in die Gemeinde Petersaurach eingegliedert.

Weiherhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einöde mit zugehörigem Wirtschaftsgebäude entstand 1812[16] auf dem Grund des trockengelegten Breitweihers bzw. Langenloher Weihers, einer vormaligen Besitzung der Herren von Eyb. 1805 wurde dieses Grundstück vom Bauern Enser aus Wustendorf erworben. Mit dem Bau eines Bahnhofs an der Eisenbahnlinie Nürnberg–Crailsheim (1875) gab der Besitzer den ursprünglichen Hof auf, um ein neues Gebäude, die Wirtschaft zur Eisenbahn, an der Bahnlinie zu errichten. Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelten sich dort deutsche Heimatvertriebene an. 1961 lebten in zehn Häusern 39 Personen. Heute erinnert nur noch der Straßenname Weiherhofstraße an den einstmaligen Ortsteil.[17]

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Haus Nr. 6: zweigeschossiger Bau des 18./19. Jahrhunderts mit Krüppelwalm[18]
  • Grenzsteine des 18. Jahrhunderts
    • Ein Sandstein im ausmärkischen Forstbezirk Lichtenau, Distrikt VI Herrenwand am Kreuzungspunkt Dreckige Flur/Abteilungslinien Großer Sulzschlag/Rehbusch
    • Grenzsteine, bezeichnet „NL“ (Nürnberg/Lichtenau) mit fortlaufender Nummerierung an der Nordgrenze des Herrenwaldes parallel zur Bundesstraße 14

Siehe auch: → Liste der Baudenkmäler in Petersaurach#Wicklesgreuth

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987 002009 002015
Wicklesgreuth 63 61 68 72 91 89 86 186 277
Wicklesgreuth-Bhf. 19 21 40 49 38
Weiherhof 6 3 5 3 2 9 7 24 39
Gesamt 69 64 73 75 112 119 133 [19]259 [19]384 [19]472 717 906 983

Wohngebäude

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987 002009 002015
Wicklesgreuth 11 11 15 17 18 [19]20 [19]43
Wicklesgreuth-Bhf. 3 3 4 3 4
Weiherhof 1 1 1 2 2 4 10
Gesamt 12 12 19 22 24 27 57 180
Quelle [20] [21] [22] [23] [24] [25] [26] [27] [28] [29] [30] [1]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort ist seit der Reformation überwiegend protestantisch. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach St. Peter (Petersaurach) gepfarrt. 1971 wurde im Ort die Friedenskirche errichtet. Die Einwohner römisch-katholischer Konfession sind nach St. Franziskus (Neuendettelsau) gepfarrt. Seit den 1950er Jahren gab es für die Katholiken eine Räumlichkeit, die zur Notkirche umgebaut und bis 1978 genutzt wurde.[31] Im selben Jahr wurde vereinbart, dass die Friedenskirche auch von den Katholiken genutzt werden kann.[32]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wicklesgreuth liegt an den Bahnstrecken Nürnberg–Ansbach–Crailsheim und Wicklesgreuth–Windsbach und hat seit 1875 einen eigenen Bahnhof. Dort verkehren die S-Bahn Nürnberg mit der Linie S 4 (Nürnberg–Dombühl), Regionalexpresszüge Stuttgart–Nürnberg und Regionalbahnen nach Windsbach. Durch Buslinien des VGN ist es an das öffentliche Nah-Verkehrsnetz angeschlossen.

Durch den Ort führt von Ansbach kommend die B 14 nach Heilsbronn. Die Kreisstraße AN 10 führt nach Adelmannssitz bzw. nach Langenloh zur Staatsstraße 2412. Eine Gemeindeverbindungsstraße führt nach Petersaurach ebenfalls zur Staatsstraße 2412.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort hat einen Fußballverein, den FC Cobra Wicklesgreuth, entstanden aus der Firmenmannschaft der Firma Cobra. Er spielt in der A-Klasse (Gruppe 3). Weiterhin gibt es einen Familienverein Familie Aktiv, den Männergesangsverein, die Freiwillige Feuerwehr und einen Theaterverein, den Kessllochstodl.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wicklesgreuth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b www.petersaurach.de
  2. a b E. Fechter, S. 202.
  3. Wicklesgreuth im BayernAtlas
  4. H. Dallhammer, S. 93.
  5. Heute zwar als Vorname ausgestorben, jedoch nicht als Familienname (s. Wicklein)
  6. H. Dallhammer, S. 94.
  7. a b G. Muck, Bd. 2, S. 304.
  8. H. Dallhammer, S. 94.
  9. H. Dallhammer, S. 95.
  10. Staatsarchiv Nürnberg, 16-Punkte-Berichte 43/2, 16. Zitiert nach M. Jehle, Bd. 2, S. 740.
  11. Zitiert nach H. Dallhammer, S. 93.
  12. M. Jehle, Bd. 2, S. 927f.
  13. J. K. Bundschuh, Bd. 6, Sp. 216.
  14. Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3850: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Heilsbronn 1810. Zitiert nach M. Jehle, Bd. 2, S. 963.
  15. M. Jehle, Bd. 2, S. 964.
  16. M. Jehle, Bd. 2, S. 1005.
  17. H. Dallhammer, S. 100f.
  18. G. P. Fehring, S. 153. Denkmalschutz aufgehoben, Objekt ggf. abgerissen.
  19. a b c d e Die Einwohner und Zahl der Wohngebäude der Siedlung, die sich auf dem Gebiet der Gemeinde Herpersdorf befanden, sind hier nicht mitgerechnet. Sie wurden in den Statistiken bei Langenloh verbucht. 1970 zählte Wicklesgreuth insgesamt 608 Einwohner (472 E. auf dem Gemeindegebiet Petersaurach und 136 Einwohner auf dem Gemeindegebiet Herpersdorf).
  20. Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 103 (Digitalisat). Für Weiherhof (S. 100).
  21. Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 150 (Digitalisat).
  22. Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1043, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  23. kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1209, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  24. Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1209 (Digitalisat).
  25. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1160 (Digitalisat).
  26. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1197 (Digitalisat).
  27. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 1029 (Digitalisat).
  28. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 757 (Digitalisat).
  29. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, S. 171 (Digitalisat).
  30. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 330 (Digitalisat).
  31. Michael Gebauer (Hrsg.): Festschrift zum 50-jährigen Weihejubiläum der Kirche St. Franziskus in Neuendettelsau. Neuendettelsau 2012, S. 25.
  32. M. Gebauer (Hrsg.), S. 35.