William Happer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

William Happer (* 27. Juli 1939 in Vellore, Indien[1]) ist ein US-amerikanischer Physiker in den Bereichen Atomphysik, Optik und Spektroskopie.[2] Er hat die Cyrus Fogg Brackett[3] Professur für Physik an der Princeton University inne.[2]

Happer war für zahlreiche politische Beratungsgremien und Denkfabriken tätig. Er ist seit 1976 Mitglied der JASON Defense Advisory Group, einer Wissenschaftlergruppe, die die US-Regierung zu Fragen von Technik und nationaler Sicherheit berät, und war von 1987 bis 1990 ihr Vorsitzender. Dort trug er insbesondere zur Entwicklung der Adaptiven Optik bei. Im Rahmen der Regierung George H. W. Bush war Happer 1991-93 im Wissenschaftsbeirat des Department of Energy. In den Jahren 2002–2005 war er Mitglied im technischen Beratungskomitee des Ministeriums für Innere Sicherheit der Vereinigten Staaten.[4] Happer war Direktor der Denkfabrik George Marshall Institute und bei deren Nachfolgeorganisation CO2 Coalition. Er vertritt klimaskeptische Positionen, auch bei öffentlichen Anhörungen, und ist unter anderem im wissenschaftlichen Beirat der Global Warming Policy Foundation.[5] Er ist Trustee der MITRE Corporation und auch bei der Richard Lounsbery Foundation tätig.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Happer ist als Sohn eines Ärzteehepaars in Indien geboren. Der Vater war Militärarzt schottischer Herkunft, die Mutter Ärztin und Missionarin der Lutheran Church of North Carolina.[6] Im Zweiten Weltkrieg war die Familie im Umfeld des Manhattan-Projekts in Oak Ridge, Tennessee, angesiedelt. Sein Onkel Karl Ziegler Morgan gilt als Mitbegründer der Strahlenmedizin, die Mutter Happers unterstützte ihn dabei. Nach dem Krieg und einer zeitweisen Rückkehr nach Indien und Schottland lebte die Familie in North Carolina.[7]

Happer studierte an der University of North Carolina, wo er 1960 als BS abschloss. Seinen Doktor in Physik erhielt er 1964 an der Princeton University. Anschließend wechselte von 1964 bis 1980 an die Columbia University, wo er das Strahlenlabor leitete. 1970 wurde er Fellow der American Physical Society. Seit 1980 lehrte er an der Princeton University. Während einer zweijährigen Unterbrechung von 1991 bis 1993 am United States Department of Energy verwaltete er ein Forschungsbudget von 3 Milliarden Dollar. Budgetiert wurden unter seiner Ägide unter anderem Hochenergie- und Nuklearphysik, Materialkunde, Kernfusionsforschung, Umweltwissenschaft, das Humangenomprojekt und andere Forschungsfelder. Mit der Rückkehr nach Princeton wurde er Vorsitzender des dortigen Forschungsrates.[8] Als seine Forschungsinteressen nennt er optisches Pumpen und adaptive Optik. Die Physik von spin-polarisierten Atomen und Molekülen nutze er bei verschiedenen Anwendungen. Unter anderem erforschte er polarisiertes He3 and Xenon für Magnetresonanzabbildungen in medizinischen Anwendungen. Die entsprechenden Oberflächeneffekte seien wenig erforscht.[9]

Klimaskeptizismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Happer, laut eigener Aussage kein Klimatologe,[10] vertritt eine klimaskeptische Position. Happer war Aufsichtsratsmitglied und vorsitzender Direktor[11] im konservativen Think-Tank George C. Marshall Institute, das Anfang der 1990er Jahre bedeutenden Einfluss auf die Klima- und Energiepolitik der US-Regierung unter George H. W. Bush hatte,[12][13] und ist auch im Vorstand von dessen Nachfolgeorganisation CO2 Coalition.[14][15] Happer leitete 1991–1993 die Energieforschung im Energieministerium der Vereinigten Staaten unter der Regierung George H. W. Bush.[13][16] Er unterzeichnete unter anderem die vom George C. Marshall Institute unterstützte,[12] gegen das Kyoto-Protokoll gerichtete Oregon-Petition im Jahr 1999.[17] 2014 sagte er in einem Interview, Kohlenstoffdioxid sei von Nutzen für die Erde, "die Dämonisierung von Kohlendioxid" sei hingegen "wie die Dämonisierung der Juden unter Hitler".[18]

Im Vorfeld der UN-Klimakonferenz in Paris 2015 bot er Greenpeace-Aktivisten, die sich als Vertreter von Öl- und Gasunternehmen ausgaben, an, eine Arbeit über die Vorteile von höheren Kohlendioxidwerten in der Erdatmosphäre zu verfassen, um Zweifel an der Notwendigkeit von Klimaschutzmaßnahmen zu streuen. Per E-Mail erklärte er, diese Arbeit würde wohl kein Peer-Review bestehen. Zwar könne er die Arbeit bei einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift einreichen, aber dadurch würde die Publikation verzögert. Zudem könne der Begutachtungsprozess dazu führen, dass er auf Verlangen der Reviewer so große Veränderungen vornehmen müsse, dass Kohlenstoffdioxid nicht mehr als vorteilhaft, sondern als schädlich erscheine. Dies sei nicht in seinem Interesse und wohl auch nicht im Interesse der Unternehmen. Stattdessen schlug er vor, die Arbeit einem speziell ausgewählten Kreis von Personen zuzusenden, die die Arbeit begutachten sollen. „Puristen“ würden dieses Vorgehen zwar nicht als Peer-Review ansehen, er denke aber, es sei in Ordnung, dies als Peer-Review zu bezeichnen.[5]

2017 wurde er vom künftigen US-Präsidenten Donald Trump zu einer Unterredung geladen, die genaueren Inhalte wurden nicht bekannt gegeben.[19] Happer gilt als Spitzenkandidat für den Posten des Wissenschaftsberaters im Kabinett Trump. In diesem Zusammenhang bezeichnete er die Klimaforschung in einem Interview als von kollektivem Wahnsinn aufgerührten weinerlichen Kult.[20]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thad G. Walker and William Happer, "Spin-exchange optical pumping of noble-gas nuclei": Rev. Mod. Phys. 69, 629–642 (1997). doi:10.1103/RevModPhys.69.629
  • W. Happer, G. J. MacDonald, C. E. Max, and F. J. Dyson, "Atmospheric-turbulence compensation by resonant optical backscattering from the sodium layer in the upper atmosphere," J. Opt. Soc. Am. A 11, 263-276 (1994): abstract
  • William Happer, "Optical Pumping": Review of Modern Physics, vol. 44, Issue 2, pp. 169–249 (1972). DOI:10.1103/RevModPhys.44.169

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. William Happer. Abgerufen am 24. Juli 2013 (englisch).
  2. a b Alan Shaw: University research centers of excellence for homeland security. Hrsg.: National Academies Press. 2004, ISBN 978-0-309-09236-4 (nap.edu).
  3. Brackett, Cyrus Fogg (1833-1915), first Joseph Henry Professor of Physics and founder of the Electrical Engineering Department at Princeton
  4. William Happer biography at American Institute of Physics
  5. a b Greenpeace exposes sceptics hired to cast doubt on climate science. In: The Guardian, 8. Dezember 2015. Abgerufen am 8. Dezember 2015.
  6. William Happer Interview | The Best Schools. In: The Best Schools. (thebestschools.org [abgerufen am 16. Januar 2017]).
  7. Ann Finkbeiner, The Jasons: The Secret History of Science's Postwar Elite, pp. 222-225. Viking/Penguin, 2006, ISBN 0-670-03489-4
  8. Alan Shaw (2004), University research centers of excellence for homeland security, National Academies Press,ISBN 978-0-309-09236-4, S.18 und 19
  9. William Happer, Princeton University
  10. Zoë Carpenter: The Princeton Academic Testifying for Ted Cruz’s Climate Hearing Is For-Hire by Fossil-Fuel Corporations. In: The Nation. 8. Dezember 2015, abgerufen am 16. Januar 2016.
  11. Board of Directors. George Marshall Institute, archiviert vom Original am 1. Juni 2006, abgerufen am 20. Januar 2017.
  12. a b John H. Barnhill: Marshall Institute. In: S. George Philander (Hrsg.): Encyclopedia of Global Warming & Climate Change. 2nd ed. doi:10.4135/9781452218564.n445.
  13. a b Myanna Lahsen: Experiences of modernity in the greenhouse: A cultural analysis of a physicist ‘‘trio’’ supporting the backlash against global warming. In: Global Environmental Change. Band 18, 2008, S. 204–219, doi:10.1016/j.gloenvcha.2007.10.001.
  14. Gayathri Vaidyanathan: Advocacy: Think tank that cast doubt on climate change science morphs into smaller one. In: e&e news. 10. Dezember 2015, abgerufen am 16. Januar 2017.
  15. Members of the CO2 Coalition. CO2 Coalition, abgerufen am 16. Januar 2017.
  16. Board Members. George Marshall Institute, archiviert vom Original am 9. September 2015, abgerufen am 20. Januar 2017.
  17. William Happer: Global Warming Models Are Wrong Again. In: The Wall Street Journal, 27. März 2012. Abgerufen am 6. Dezember 2013.
  18. Carbon Dioxide Suffers Just Like Jews In Nazi Germany, ‘Expert’ Says On CNBC. In: Huffington Post, 15. Juli 2014. Abgerufen am 29. März 2017.
  19. Chris Mooney: Trump meets with Princeton physicist who says global warming is good for us. In: Washington Post. 13.1.2017, abgerufen am 16. Januar 2017.
  20. US-Wissenschaftler wagen den Aufstand gegen Trump . In: Süddeutsche Zeitung, 20. Februar 2017. Abgerufen am 20. Februar 2017.
  21. Herbert P. Broida Prize. Abgerufen am 24. Juli 2013 (englisch).
  22. Prize Recipient William Happer Princeton University. Abgerufen am 24. Juli 2013 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]