Wislikofen

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Wislikofen
Wappen von Wislikofen
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Zurzachw
BFS-Nr.: 4322i1f3f4
Postleitzahl: 5463
Koordinaten: 669427 / 267855Koordinaten: 47° 33′ 28″ N, 8° 21′ 40″ O; CH1903: 669427 / 267855
Höhe: 394 m ü. M.
Fläche: 3,75 km²
Einwohner: 341 (31. Dezember 2018)[1]
Einwohnerdichte: 91 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
11,4 % (31. Dezember 2018)[2]
Website: www.wislikofen.ch
Wislikofen

Wislikofen

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Wislikofen (schweizerdeutsch: Wislike, ˈʋislikχə)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Schweizer Kanton Aargau. Sie gehört zum Bezirk Zurzach und liegt etwa zwei Kilometer südlich der Grenze zu Deutschland.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde besteht aus den Dörfern Wislikofen (394 m ü. M.) im Westen und Mellstorf (414 m ü. M.) im Osten, die rund einen Kilometer voneinander entfernt im Tal des Tägerbachs liegen. Der Tägerbach fliesst zunächst von Südosten nach Nordwesten, danach nordwärts durch die tief eingeschnittene Chessel-Schlucht, und mündet schliesslich östlich von Mellikon in den Rhein. Das enge Tal wird durch zwei lang gestreckte Hügel des Tafeljuras begrenzt, dem Gweslig (505 m ü. M.) im Norden und der Flue (585 m ü. M.) im Süden. Beide sind im unteren Bereich äusserst steil und gehen in Hochebenen über. Ganz im Südwesten besitzt Wislikofen einen Anteil am Südhang der Flue, der steil ins Tal des Chrüzlibachs abfällt.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 375 Hektaren, davon sind 136 Hektaren bewaldet und 39 Hektaren überbaut.[5] Der höchste Punkt liegt auf 585 Metern auf der Hochfläche der Flue, der tiefste auf 360 Metern am Tägerbach. Nachbargemeinden sind Rümikon im Norden, Fisibach im Nordosten, Siglistorf im Osten, Schneisingen im Süden, Böbikon im Westen und Mellikon im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte im Jahr 1107. Damals trat Adelbero de Wiscilinchoven als Zeuge bei einem Grundstücksgeschäft des Klosters Allerheiligen in Schaffhausen auf. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Wizzilinghofun und bedeutet «bei den Höfen der Sippe des Wizzilo».[3] Am 27. Dezember 1113 schenkten die Edlen von Waldhausen dem Kloster St. Blasien umfangreichen Grundbesitz in der Region. Das Benediktinerkloster richtete daraufhin eine Propstei ein, um den neu erworbenen, aber ziemlich weit entfernt liegenden Besitz zu verwalten. Die Propstei Wislikofen entwickelte sich zum kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum und prägte jahrhundertelang die Dorfgemeinschaft.

Schirmherren des Klosters und Inhaber der Blutgerichtsbarkeit über das Dorf waren zunächst die Grafen von Kyburg, nach deren Aussterben ab 1273 die Habsburger. Die Eidgenossen eroberten 1415 den Aargau und Wislikofen gehörte nun zum Amt Ehrendingen der Grafschaft Baden, einer Gemeinen Herrschaft. Im März 1798 nahmen die Franzosen die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Wislikofen war zunächst eine Gemeinde im kurzlebigen Kanton Baden, seit 1803 gehört sie zum Kanton Aargau. Die kleine Nachbargemeinde Mellstorf wurde am 1. Januar 1899 eingemeindet. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein blieb die Gemeinde landwirtschaftlich geprägt.

Im Jahr 2000 trat Wislikofen der Verwaltungskooperation «Verwaltung2000» bei, welche die Verwaltungsaufgaben von sieben Gemeinden in der Nachbarschaft erledigt.[6] Seit 2014 ist die Gemeinde im Projekt «Rheintal+» involviert, das die Fusion von neun Gemeinden zur Gemeinde Zurzach vorsieht. Nachdem die Gemeindeversammlung am 23. Mai 2019 mit 85 zu 12 Stimmen der Fusion zugestimmt hatte[7], wurde der Entscheid am 8. September 2019 in einer Volksabstimmung mit 109 zu 41 Stimmen bestätigt. Damit wird die Fusion am 1. Januar 2022 erfolgen (jedoch ohne Mellikon, das knapp abgelehnt hatte).[8]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hölzerner Glockenturm der Propstei

Das Dorfbild von Wislikofen wird durch die im Jahr 1113 gegründete Propstei Wislikofen geprägt. Nachdem sie 1804 säkularisiert worden war, gehörte gemeinsam der Kirchgemeinde und dem Kanton. Da das Gebäude kaum mehr genutzt wurde, verfiel es im Laufe der Zeit. 1962 beschloss der Grosse Rat sogar den Abriss, doch denkmalschützerische Bedenken schoben den Vollzug dieser Massnahme auf. Die Aufbruchstimmung des Zweiten Vatikanischen Konzils führte zur Eröffnung zahlreicher katholischer Bildungshäuser, auch für die Propstei Wislikofen war eine solche Nutzung vorgesehen. 1973 erwarb die Römisch-katholische Kirche im Aargau das Gebäude. Es dient seit 1976 als Seminar- und Bildungszentrum, daneben wird es auch als Hotel und Restaurant genutzt. Daran angegliedert ist die seit 1137 bestehende Pfarrkirche von Wislikofen.[9]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Blau auf grünem Hügel steigender weisser Löwe.» Das Gemeindewappen geht auf jenes der Propstei des Klosters St. Blasien zurück, das bis ins Jahr 1562 zurückverfolgt werden kann.[10]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohnerzahlen entwickelten sich wie folgt:[11]

Jahr 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 291 240 246 286 238 246 284 374 344 329

Am 31. Dezember 2018 lebten 341 Menschen in Wislikofen, der Ausländeranteil betrug 11,4 %. Bei der Volkszählung 2015 bezeichneten sich 46,6 % als römisch-katholisch und 21,3 % als reformiert; 32,1 % waren konfessionslos oder gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[12] 98,5 % gaben bei der Volkszählung 2000 Deutsch als ihre Hauptsprache an.[13]

Politik und Recht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Er wird im Majorzverfahren vom Volk gewählt, seine Amtsdauer beträgt vier Jahre. Der Gemeinderat führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm vom Kanton zugeteilt wurden. Für Rechtsstreitigkeiten ist in erster Instanz das Bezirksgericht Zurzach zuständig. Wislikofen gehört zum Friedensrichterkreis XVII (Zurzach).[14]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Wislikofen gibt es gemäss der im Jahr 2015 erhobenen Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT) rund 150 Arbeitsplätze, davon 26 % in der Landwirtschaft, 35 % in der Industrie und 39 % im Dienstleistungssektor.[15] Viele Erwerbstätige sind Wegpendler und arbeiten in Bad Zurzach und Umgebung oder in der Region Baden.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wislikofen liegt zwar etwas abseits des Durchgangsverkehrs an der Kantonsstrasse 431, ist aber über die wenige Kilometer entfernte Hauptstrasse 7 von Basel nach Winterthur leicht erreichbar. Die Anbindung an das Netz des öffentlichen Verkehrs erfolgt durch eine Postautolinie von Kaiserstuhl über Niederweningen zum Bahnhof Baden.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Wislikofen gibt es einen Kindergarten und ein Schulhaus, in dem die Primarschule (1. und 2. Klasse) unterrichtet wird. Die 3. bis 6. Primarschulklasse können in Rekingen besucht werden, sämtliche Oberstufen (Realschule, Sekundarschule und Bezirksschule) in Bad Zurzach. Die nächstgelegenen Gymnasien sind die Kantonsschule Baden und die Kantonsschule Wettingen. Am südlichen Dorfrand von Wislikofen befindet sich das «Haus Goldenbühl», ein Heim für Jugendliche mit geistigen und körperlichen Behinderungen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wislikofen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  2. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  3. a b Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 365–367.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1050, Swisstopo.
  5. Arealstatistik Standard – Gemeinden nach 4 Hauptbereichen. Bundesamt für Statistik, 26. November 2018, abgerufen am 17. Juni 2019.
  6. Über uns. Verwaltung2000, abgerufen am 17. Juni 2019.
  7. Philipp Zimmermann, Andreas Fretz, David Rutschmann: Grossfusion im Zurzibiet: 9 Gemeinden sagen Ja zu «Zurzach»– Fisibach lehnt Beitritt ab. Aargauer Zeitung, 24. Mai 2019, abgerufen am 17. Juni 2019.
  8. Pirmin Kramer, Daniel Weissenbrunnen: Zurzibieter Grossfusion ist perfekt! Acht Gemeinden sagen ja, nur Mellikon lehnt ab. Aargauer Zeitung, 8. September 2019, abgerufen am 10. September 2019.
  9. Propstei Wislikofen
  10. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 317.
  11. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. (Excel) In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistik Aargau, 2001, archiviert vom Original am 8. Oktober 2018; abgerufen am 17. Juni 2019.
  12. Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit, 2015. (Excel) In: Bevölkerung und Haushalte, Gemeindetabellen 2015. Statistik Aargau, abgerufen am 17. Juni 2019.
  13. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. (Excel) Statistik Aargau, archiviert vom Original am 12. August 2018; abgerufen am 17. Juni 2019.
  14. Friedensrichterkreise. Kanton Aargau, abgerufen am 17. Juni 2019.
  15. Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT). (Excel, 157 kB) Statistik Aargau, 2016, abgerufen am 17. Juni 2019.