Zweckel

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Zweckel
Stadt Gladbeck
Koordinaten: 51° 35′ 20″ N, 6° 58′ 50″ O
Einwohner: 13.493 (30. Jun. 2013)
Postleitzahl: 45966
Vorwahl: 02043
Blick von der Brücke Beethovenstraße Richtung Herz-Jesu-Kirche, Zentrum Zweckel
Blick von der Brücke Beethovenstraße Richtung Herz-Jesu-Kirche, Zentrum Zweckel

Zweckel ist ein Stadtteil im Norden der Stadt Gladbeck im Kreis Recklinghausen.[1]

Geschichtliche Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Siedlungsname [sueclo] wurde erstmals im 12. Jahrhundert erwähnt. Der später so genannte Abdinghof im östlichen Teil von Zweckel gehörte seit dem 11. Jahrhundert mit der Kirche St. Lamberti (Gladbeck) in der Stadtmitte der Abtei Deutz. 1660 zählten mehr als 30 Höfe zu Zweckel (Schwicheler Burschafft). Mit dem Ortsnamen verbunden war der Bauernhof Schulte Zu Schwichel. Er gehörte in die Vikarie der St. Lamberti-Kirche in der Gladbecker Dorfmitte. Die Bauernhöfe in Zweckel waren besonders im Besitz von Haus Brabeck, Reichsstift Essen, Kanonissen in Essen, Vikarie St. Lamberti, Wersabe, Haus Beck und Pfarrei St. Lamberti. Zahlreiche Höfe gehörten in den Essener Oberhof Ringeldorf, der südlich des Gladbecker Dorfes lag und offenbar schon im 9. Jahrhundert existierte. Zweckel war bis 1910 eine typische Siedlung mit Bauernhöfen. Erst der Bergbau mit der Schachtanlage Zweckel, die zunächst Potsdam hieß, veränderte dieses Bild.

Mit dem Bau einer eigenen Kirche Herz-Jesu nach Zuwanderung vieler Arbeiterfamilien wurde erst kurz vor dem Beginn des Ersten Weltkrieges 1912 begonnen. Am 27. Mai 1914 erfolgte die Einweihung. Die Kirche ist im Stil des Bergischen Barocks errichtet. Die Gemeinde wurde 1916 im Ersten Weltkrieg (1914–1918)[2] gegründet. Die Herz-Jesu-Kirche wurde am 21. Juni 1944 durch eine Luftmine zerstört und nach dem Krieg wiederaufgebaut. Bekanntester Pastor war Heinrich Krekeler von 1966 bis zu seinem Tod am 31. August 2002. Die dreimanualige Orgel der Herz-Jesu-Kirche (2008 aus Gelsenkirchen-Rotthausen mit 45 Registern zugekauft) gehört zu den herausragenden Instrumenten Gladbecker Kirchen, auf der mehrmals im Jahr öffentliche, äußerst attraktive Orgelkonzerte präsentiert werden. Sie wird von bekannten Organisten der Region sehr gern gespielt. Nicht nur Zweckeler Bürger nehmen an den Konzerten teil, sondern auch Liebhaber der Kirchenmusik aus benachbarten Städten.

Die Hermann-Schule in der Schulstraße 11 im Norden von Zweckel war nach ihrer Erbauung 1905 eine katholische Volksschule. 1939 wurde sie durch die Nationalsozialisten in eine "deutsche Schule" umgewandelt. Der Rektor war Angehöriger der SS. Die Gemeinschaftsschule wurde in Hermann Löns-Schule umgetauft. 1939 wurden die Räume von der Wehrmacht übernommen. Im Juli 1943 wurden alle Gladbecker Schulen wegen der Luftangriffe geschlossen. An der Hermann-Schule unterrichtete der bekannte Gladbecker Heimatforscher Theodor Holländer. Die Schule wurde 1945 wieder katholische Volksschule. In ihr fand der Unterricht von 1945 bis zum 27. Juni 2015 statt. Bekannte(r) Schulleiter/in waren Josef Pollmüller (1954–1966), Ernst Tewes (1966 bis 1982) und seine Nachfolgerin Hedwig Stratmann.

In Zweckel entstand 1908 das Steinkohlenbergwerk Zweckel durch Vereinigung. Die Bewohner von Zweckel fanden schon vor dem Ersten Weltkrieg im Bergbau viele spezialisierte Arbeitsplätze. Die Zeche Zweckel förderte 1913 vor dem Ersten Weltkrieg 97.731 Tonnen Kohle durch 2.897 Arbeiter. Sie förderte 1920 310.937 Tonnen Kohle mit 5.233 Arbeitern. Erste Wohnungen für die Bergarbeiter wurden ab 1911 errichtet. (Kolonie Zweckel). Sie entstanden im Westen der neuen Schachtanlage. Es handelte sich um Häuser für zwei oder für vier Familien. Bis 1914 waren etwa 570 Wohnungen fertiggestellt. Die ältesten Häuser lagen an der Beethoven-, der Richard-Wagner- und der Serlostraße, dazu an der Händel-, Söller-, Weber-, Mozart-, Krug- und der Arenbergstraße. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Ortsteile Zweckel und Schultendorf nicht nur durch den Alltag der Zechen und die Bergarbeiterschaft geprägt. Alliierte Luftangriffe richteten sich von Frühjahr 1943 bis März 1945 gegen die Phenol-Chemie und das Hydrierwerk Scholven.[3] Die Bevölkerung wurde besonders hart betroffen.[4]

Der Ortsteil Zweckel der Stadt Gladbeck belebte sein Bild nach 1945 besonders durch zahlreiche Geschäfte mit Einzelhändlern.[5] Das Zentrum von Zweckel am neuen Kreisverkehr wird optisch (Blickrichtung hier das beigestellte Foto) durch das Sparkassenzentrum mit zusätzlichen Arztpraxen und von den Zwillingstürmen der Herz-Kirche-Kirche sehr eindrucksvoll akzentuiert. Der Grün-Bereich vor der Kirche erweitert den Platz und lockert das Bild zur Natur angenehm auf. In den letzten zehn Jahren wurden städteplanerisch mit glücklicher Hand die Bausubstanzen der Häuser aus der Jahrhundertwende ausgetauscht oder ergänzt. Ideal ist der Haltepunkt der Deutschen Bahn AG im Zentrum von Zweckel. Von diesem Haltepunkt werden Städte wie Dortmund in 60 Minuten, Bochum in 50 Minuten, Oberhausen in 30 Minuten, Essen in 30 Minuten, Gelsenkirchen in 20 Minuten, Dorsten in 15 Minuten und Borken in 40 Minuten problemfrei erreicht.

In der 1909 erbauten Maschinenhalle der ehemaligen Zeche Zweckel werden über das Jahr verteilt regional hoch interessante Events angeboten. Die Zeche Zweckel förderte bis 1963 und ihr Zentrum, die Maschinenhalle, wurde 1988 als Industriedenkmal unter Schutz gestellt. Teile der Gladbecker Bevölkerung beziehen ihre Identität über ihre Vorfahren im Bergbau und blicken demzufolge gern nach Zweckel. Der am Kreisverkehr gelegene Kardinal-Franz-Hengsbach-Platz, des ersten Bischofs von Essen, der das Kreuz über Kohle und Stahl sah, verbindet sehr sinnbildlich die Gladbecker Geschichte in Zweckel von ihren christlichen Ursprüngen bis in die Arbeitswelt des 20. Jahrhunderts.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtteil Zweckel liegt im Norden von Gladbeck im Kreis Recklinghausen.[6]

Der nördlichere Ortsteil Zweckel grenzt an folgende Städte, Stadt- und Ortsteile:

  • im Nord-Westen an Feldhausen und Kirchhellen (beide Bottrop)
  • im Osten an Scholven (Gelsenkirchen)
  • im Süden an den Ortsteil Schultendorf und den Stadtteil Mitte (Ortsteil Mitte II)
  • im Westen an den Stadtteil Rentfort (Ortsteil Rentfort-Nord)

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Stadtteil befindet sich der Bahnhof Gladbeck-Zweckel, welche Zugverbindungen ins nördliche Dorsten, sowie über Dorsten hinaus auch nach Borken erlaubt. In Richtung Süden verzweigen sich die Zugverbindungen in eine Relation in Richtung Westbahnhof, Bottrop und Essen bzw. Oberhausen, und in eine weitere Relation in Richtung Ostbahnhof, Wanne-Eickel, Herne und Dortmund.

Die Buslinien der Vestische Straßenbahnen 254 (alle 30 Minuten) und 257 (alle 20 Minuten) verbinden Zweckel mit Schultendorf, Rentfort und der Innenstadt.

Nahversorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Stadtteilgebiet befinden sich drei kleine Nahversorgungszentren.

Zweckeler Markt, Tunnelstraße:

Zweckel Mitte, Feldhauser Straße und Beethovenstraße (bis Ecke Gluckstraße)

Beethovenstraße/Händelstraße

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Zweckel leben (Stand: 30. Juni 2018) 10.978 Menschen.[7]

Nach Alter, auszugsweise

0-3 Jahre 270 6-10 Jahre 365 10-18 Jahre 783 27-50 Jahre 3091 50-65 Jahre 2801 65-80 Jahre 1700

Freie Wohlfahrtspflege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arbeiterwohlfahrt (AWO) Stadtverband Gladbeck. Mit 1.272 Mitgliedern in 4 Ortsvereinen ist die Gladbecker AWO der mitgliederstärkste Stadtverband im Kreis Recklinghausen.[8]
  • Der ehrenamtliche Stadtverband ist mit seinen 3 großen Begegnungsstätten in Brauck, Rentfort und Zweckel.[8]

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Zweckel existieren drei Kirchengemeinden.

Bildung und Jugendarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kindergärten:[9]

  • AWO Kindergarten Brahmsstraße
  • Evangelischer Kindergarten Eden
  • Evangelischer Kindergarten St. Stephani
  • Katholische Kindertageseinrichtung Herz Jesu
  • Städtischer Naturkindergarten Frochtwinkel

Grundschulen: [10]

  • Hermannschule (mit Ende des Schuljahres 2014/2015 geschlossen)
  • Pestalozzischule

Förderschulen:

  • Roßheideschule (vormals Willy-Brandt-Schule und Fröbelschule)
  • Jordan-Mai-Schule (in Trägerschaft des Bistums Essen)

Jugendtreffs:

  • Evangelischer Kinder- und Jugendtreff Offene Tür-Zweckel

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ludwig Bette: Die Geschichte des Kirchbaues und die Gründung der Kirchengemeinde (Schultendorf). In: Festschrift zur Pfarrerhebung 25-jähriges Bestehen. Gladbeck ca. 1952. [Stadtarchiv]
  • Wolfgang Hinz: Die Veränderung der Sozialstruktur beim Übergang von der agraren zur industriellen Daseinsform dargestellt am Beispiel der vestischen Gemeinde Gladbeck. Dissertation. Universität Köln, 1961.
  • Tatjana Louis/Axel Scheibe, Lesebuch Zweckel Bergbaugeschichte aus Gladbeck, Dortmund 2001, ISBN 3-935783-02-7.
  • Hedwig Stratmann, Hermannschule in Zweckel – 80 Jahre –, in: Gladbeck Unsere Stadt 13. Jg. 1985, Heft, 1, S. 43–45.
  • Ludger Tewes: Mittelalter an Lippe und Ruhr. 2. Auflage. Verlag Reimar Hobbing, Essen 1988, ISBN 3-920460-40-5.
  • Paul Derks: Die Siedlungsnamen der Stadt Gladbeck. Sprachliche und geschichtliche Untersuchungen. 1. Auflage. Stadt Gladbeck, Gladbeck 2009, ISBN 978-3-923815-47-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt (Hg.), Historisches Gemeindeverzeichnis, Stuttgart/Mainz 1983, S. 311, ISBN 3-17-003263-1
  2. Katrin Bürgel/Ludger Tewes, "Auf ein frohes Wiedersehen, liebe Mutter." Kriegskultur und Erfahrungshaltung im westfälischen Amt Gladbeck 1914-1918, Essen 2016, ISBN 978-3-8375-1579-4.
  3. Ausführlicher Artikel in den Ruhrnachrichten vom Samstag, dem 1. April 1978, der die Luftangriffe im März 1945 beschreibt.
  4. Ludger Tewes: Jugend im Krieg. Von Luftwaffenhelfern und Soldaten. Verlag Reimar Hobbing, Essen 1989, ISBN 3-920460-49-9, S. 83–111.
  5. Johannes Boden, Gladbeck in Westfalen 1939-1945, Schicksalsjahre einer Stadt 1939-1954, Recklinghausen 1954, S. 70–77.
  6. Bevölkerungsstatistik der Stadt Gladbeck mit Übersicht über die Stadtteile, S. 3. Stand 30. Juni 2013.
  7. Bevölkerungsstatistik der Stadt Gladbeck, Stand 30. Juni 2018, S. 5, S. 7
  8. a b Sozialamt der Stadt Gladbeck, 2014.
  9. Bevölkerungsstatistik der Stadt Gladbeck mit Übersicht über die Stadtteile, Stand 30. Juni 2013.
  10. Schulamt der Stadt Gladbeck, 2014.